Extra aus Deutschland angereist, um seinem Studienfreund die byzantinische Ikone Maria «Quelle des Lebens» zu überreichen, die in Wien geschrieben wurde: Jürgen Kielisch (Bild: Kathrin Benz)

Kirche Schweiz

Lugano fei­ert sei­nen gros­sen Mariologen

Anläss­lich des 70. Geburts­tags von Pro­fes­sor Man­fred Hauke stellte sich das neue Mario­lo­gi­sche Insti­tut an der Theo­lo­gi­schen Fakul­tät von Lugano ges­tern Diens­tag, 2. Juni 2026, der Öffent­lich­keit vor. Am fei­er­li­chen Fest­akt wur­den dem inter­na­tio­nal renom­mier­ten Theo­lo­gen im Bei­sein vie­ler Mit­au­to­rin­nen und –auto­ren die Fest­schrift «Per Mariam ad Jesum» sowie eine Ikone, die das Emblem des Insti­tuts sein wird, überreicht.

Die Aula der Theologischen Fakultät von Lugano war gut gefüllt. Viele der Kleriker und Laien präsentierten sich am Ende für das Gruppenbild der Mitautoren an der über 1000-seitigen Festschrift. Mitten unter ihnen, beinahe unscheinbar, der bescheidene und liebenswürdige Professor mit der sanften Stimme und dem deutschen Akzent. An dem umfangreichen Band mit dem programmatischen Titel «Per Mariam ad Jesum» hatten die vier Herausgeber und ehemaligen Studenten des Mariologen und Dogmatikers Manfred Hauke zwei Jahre gearbeitet. Es handelt sich um die Priester und Professoren João Paulo de Mendonça Dantas, Serafino M. Lanzetta und Damian Spataru sowie den Dozenten Andrea Sandri. Sie konnten 63 internationale Fachleute für Beiträge zu der Festschrift gewinnen, dazu drei Kardinäle: Gerhard Ludwig Müller, Kurt Koch und Willem Jacobus Eijk.

Der Band würdigt das umfassende Werk des deutschen Professors, der seit 1993 in Lugano lehrt. In beeindruckender Breite verbindet sein Schaffen Dogmatik, Fundamentaltheologie, Spiritualität und pastorale Praxis zu einem grösseren Ganzen, das Glaube und Vernunft zusammenführt. Gerade in der Gestalt Mariens sieht Hauke die Möglichkeit, der Fragmentierung der Theologie entgegenzuwirken.

Marianisches Institut auf Erfolgskurs
Zu seinem 70. Geburtstag erhielt Manfred Hauke ein weiteres und ganz besonderes Geschenk: Der Fakultätsrat hatte Ende 2025 dem Vorhaben eines «Institutum Marianum Luganense» an der Theologischen Fakultät (FTL) der Universität der italienischen Schweiz (USI) zugestimmt. Damit erfüllte sich der Traum des Professors, neben dem «Marianum» in Rom eine weitere akademische Anlaufstelle für marianische Studien zu errichten und damit die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Gestalt Mariens, ihrer Bedeutung für den christlichen Glauben und ihrer Rolle in Kirche und Gesellschaft zu stärken. (Siehe ausführliches Interview mit Manfred Hauke vom 28. April 2026.)

Bei seiner Ansprache bekräftigte Prof. Hauke, dass es an dem Institut für Mariologie nicht nur um akademische Forschung gehen soll, sondern auch um die Ausbildung von Priestern, Seelsorgenden und weiteren kirchlichen Mitarbeitenden. An vielen theologischen Ausbildungsstätten spiele heute die Mariologie nur eine Nebenrolle oder fehle gar gänzlich. Gleichzeitig erfreuten sich Marienwallfahrtsorte weltweit weiterhin grosser Beliebtheit. Daraus leite sich ein Bedarf nach fundierter theologischer Bildung ab.
 


Dank des neuen Instituts, das seine Kurse im Frühling aufgenommen und bereits grosses Interesse gefunden hat, sollen die bestehenden Mariologie-Kurse der Fakultät ausgebaut und auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Gedacht wird etwa an mehrsprachige Intensivkurse während der Sommermonate oder zusätzliche digitale Lehrformate, die bereits heute Studierende auf allen Kontinenten erreichen. Nach erfolgreichem Abschluss sollen Zertifikate mit ECTS-Punkten vergeben werden. Geplant sind neue Wahlfächer, Seminare und Forschungsprojekte und zusätzliche interdisziplinäre Kooperationen, etwa mit Kunstgeschichte. Als Beispiel nannte Manfred Hauke eine laufende Dissertation über eine marianische Laienorganisation in China.

Ein weiteres Projekt betrifft die Ausbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an Marienwallfahrtsorten. Auf Grundlage aktueller Forschung soll ein Zertifikatslehrgang entwickelt werden, der Kenntnisse in Mariologie, Marienverehrung sowie pastoralen und kirchenrechtlichen Fragen vermittelt. Langfristig ist die Einführung eines «Certificate of Advanced Studies» (CAS) vorgesehen. Ein erster Kurs könnte bereits 2027 starten, sofern die zuständigen universitären Gremien zustimmen.

Auch die wissenschaftliche Vernetzung soll ausgebaut werden. Das Institut plant Konferenzen, Workshops und internationale Kooperationen. Bereits im ersten Semester nach der Gründung fanden mehrere gut besuchte Lehrveranstaltungen zu marianischen Themen statt. Für das kommende Studienjahr sind weitere Kurse sowie die Präsentation neuer Forschungsarbeiten vorgesehen.
 


Ikone «Quelle des Lebens»
Manfred Hauke gilt als einer der international bekanntesten Mariologen im deutschsprachigen Raum. Seine Forschungstätigkeit reicht mehrere Jahrzehnte zurück. Bereits als Student beschäftigte er sich intensiv mit marianischen Themen und stand unter dem Einfluss des deutschen Dogmatikers Leo Kardinal Scheffczyk (1920–2005). Später veröffentlichte er zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten und baute ein internationales Netzwerk von Forschenden auf. Besonders prägend war die von ihm gegründete Buchreihe zur Mariologie, die inzwischen 20 Bände umfasst und zahlreiche Dissertationen sowie Forschungsprojekte hervorgebracht hat. Seine Publikationen beinhalten über 1000 Beiträge: 458 Artikel, 226 Rezensionen, 224 populärwissenschaftliche Texte, 124 Predigten, 17 Monografien, dazu Herausgeberschaften und Beiträge in Enzyklopädien. Daneben betreute er 58 Masterarbeiten, 30 Doktorarbeiten und 3 Habilitationen.

Ein ehemaliger Studienkollege Haukes, der Theologe, Chemiker und Informatiker Jürgen Kielisch, überreichte dem Professor in Lugano die Ikone «Quelle des Lebens», die fortan das Emblem des Mariologischen Institutes sein wird. Sie stellt das visuelle Fundament, das geistige Siegel und das theologische Gesicht des Instituts dar, erklärte Jürgen Kielisch. Die Ikone wurde im Wiener Studienhaus Johannes von Damaskus geschrieben, in dem Professorinnen und Professoren der katholischen und orthodoxen Theologie mit Studentinnen und Studenten zusammenwohnen und arbeiten. Das Original entstand im Jahr 450 in Istanbul unter Kaiser Leo I. und symbolisiert die Muttergottes als lebens- und gnadenbringende Quelle mit den Erzengeln Gabriel und Michael, die den Anfang und die Erfüllung der Heilsgeschichte bedeuten, sowie Menschen aller Stände, die von dem gnadenbringenden Wasser trinken. Damit wird die Ikone zum perfekten Symbol für das Schaffen von Manfred Hauke und seinem Mariologischen Institut in Lugano.
 

Manfred Hauke, 1956 in Hannover geboren, ist katholischer Priester und lehrt seit 1993 an der Theologischen Fakultät Lugano Dogmatik und Mariologie. Er ist Mitglied der internationalen Päpstlichen Marianischen Akademie (PAMI), seit 2007 Präsident der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Mariologie und Herausgeber mehrerer wissenschaftlicher Publikationsreihen und Fachzeitschriften zur Mariologie. Sein Lehrbuch zur Mariologie wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Manfred Hauke gehört zu den renommiertesten Mariologen Europas.

Per Mariam ad Jesum. Festschrift zum 70. Geburtstag von Manfred Hauke. João Paulo de Mendonça Dantas, Serafino M. Lanzetta , Damian Spataru, Andrea Sandri (Hg.). Pustet Verlag 2026, 1080 Seiten, ISBN 978-3-791737-04-1. Ein Teil der Beiträge ist in Italienisch. 89 Euro. Link


Kathrin Benz

Kathrin Benz, Jahrgang 1963, ist Schweizer Journalistin und Autorin und lebt im Tessin.


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Bemerkungen :

  • user
    Mariette Mayer 03.06.2026 um 19:45
    Ich möchte Professor Hauke vielmals danken für seinen grossen Einsatz und für die Mariologie. Vergelte es Gott reichlich!