Die Aula der Theologischen Fakultät von Lugano war gut gefüllt. Viele der Kleriker und Laien präsentierten sich am Ende für das Gruppenbild der Mitautoren an der über 1000-seitigen Festschrift. Mitten unter ihnen, beinahe unscheinbar, der bescheidene und liebenswürdige Professor mit der sanften Stimme und dem deutschen Akzent. An dem umfangreichen Band mit dem programmatischen Titel «Per Mariam ad Jesum» hatten die vier Herausgeber und ehemaligen Studenten des Mariologen und Dogmatikers Manfred Hauke zwei Jahre gearbeitet. Es handelt sich um die Priester und Professoren João Paulo de Mendonça Dantas, Serafino M. Lanzetta und Damian Spataru sowie den Dozenten Andrea Sandri. Sie konnten 63 internationale Fachleute für Beiträge zu der Festschrift gewinnen, dazu drei Kardinäle: Gerhard Ludwig Müller, Kurt Koch und Willem Jacobus Eijk.
Der Band würdigt das umfassende Werk des deutschen Professors, der seit 1993 in Lugano lehrt. In beeindruckender Breite verbindet sein Schaffen Dogmatik, Fundamentaltheologie, Spiritualität und pastorale Praxis zu einem grösseren Ganzen, das Glaube und Vernunft zusammenführt. Gerade in der Gestalt Mariens sieht Hauke die Möglichkeit, der Fragmentierung der Theologie entgegenzuwirken.
Marianisches Institut auf Erfolgskurs
Zu seinem 70. Geburtstag erhielt Manfred Hauke ein weiteres und ganz besonderes Geschenk: Der Fakultätsrat hatte Ende 2025 dem Vorhaben eines «Institutum Marianum Luganense» an der Theologischen Fakultät (FTL) der Universität der italienischen Schweiz (USI) zugestimmt. Damit erfüllte sich der Traum des Professors, neben dem «Marianum» in Rom eine weitere akademische Anlaufstelle für marianische Studien zu errichten und damit die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Gestalt Mariens, ihrer Bedeutung für den christlichen Glauben und ihrer Rolle in Kirche und Gesellschaft zu stärken. (Siehe ausführliches Interview mit Manfred Hauke vom 28. April 2026.)
Bei seiner Ansprache bekräftigte Prof. Hauke, dass es an dem Institut für Mariologie nicht nur um akademische Forschung gehen soll, sondern auch um die Ausbildung von Priestern, Seelsorgenden und weiteren kirchlichen Mitarbeitenden. An vielen theologischen Ausbildungsstätten spiele heute die Mariologie nur eine Nebenrolle oder fehle gar gänzlich. Gleichzeitig erfreuten sich Marienwallfahrtsorte weltweit weiterhin grosser Beliebtheit. Daraus leite sich ein Bedarf nach fundierter theologischer Bildung ab.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :