(Symbolbild: Conmongt/Pixabay)

Mit spitzer Feder

Luzer­ner Sprach­dik­tat: Ist’s auch Schwach­sinn, so hat es doch Methode

Eigent­lich wäre die Sache irgendwo im Nie­mands­land zwi­schen ver­spä­te­tem Fasnachts-​Gag und ver­früh­tem April­scherz zu ver­or­ten. Doch so ein­fach ist die Sache nicht, als dass man sie auf die leichte Schul­ter neh­men könnte. Denn kon­kret geht es um das von der Katho­li­schen Kir­che Stadt Luzern per 18. Februar 2026 in Kraft gesetzte Sprach­dik­tat «Viel­falt­be­wusste Sprache».

«Kirche setzt Sprachpolizei auf ‹den:die Seelsorger:in› an» entfuhr es entsetzt dem Mund von Robert Knobel, Redaktor der «Luzerner Zeitung» (1. März 2026). Hoppla! Wenn sogar dieses stink-liberale Blatt auf den Alarmknopf drückt, muss sich Aussergewöhnliches zugetragen haben. In der Tat hat der genannte Journalist einige Müsterchen ausfindig gemacht, die einen nur darüber den Kopf schütteln lassen, wozu feministisch-woke Schreibtischtäter (pardon Schreibtischtäter:innen) fähig sind:

  • Das Begriffspaar «Mädchen und Buben» ist ab sofort verpönt – sich nicht als binär verstehende Kinder könnten sich diskriminiert fühlen.
  • Auch das Wort «Eltern» soll hinfort tabu sein, denn dadurch könnten sich Erziehungsberechtigte, die keine biologischen Eltern sind, ihrerseits diskriminiert fühlen.
  • Item: Auch der Begriff «Seelsorgende» ist subito aus dem Vokabular zu streichen, weil er die Geschlechter in all ihrer Vielfalt nicht adäquat abbildet.

Doch damit des Unfugs nicht genug: Es soll nicht nur so geschrieben, sondern auch so gesprochen werden. Denn ultimativ stellt sich die Herausforderung, diese himmelschreiende Ungerechtigkeit aus der Welt zu schaffen. Sprich die Ungerechtigkeit einer Welt, die immer noch von Vater und Mutter, von Buben und Mädchen schreibt und somit all die anderen diskriminiert.

Der Doppelpunkt soll’s richten
Doch wie soll das geschehen? Der Doppelpunkt soll es richten! Also nicht mehr «Seelsorgende» darf es heissen (weil damit «zwar alle eingeschlossen werden, aber die Vielfalt nicht sichtbar gemacht wird»), sondern ab sofort «Seelsorger:innen», denn dieser Begriff «schliesst alle von Frau bis Mann ein und macht die Vielfalt der Geschlechter sichtbar» (Dokument «Vielfaltbewusste Sprache» S. 8).

Bleibt noch das Problem: Wie kann auch beim Sprechen diesem Doppelpunkt zu seinem Recht verholfen werden? Ganz einfach: Mittels einer Kunstpause! Die Bedienungsanleitung wird gleich mitgeliefert: «Beim Sprechen wird beim Genderdoppelpunkt eine ganz kurze Pause gemacht. Diese Pause heisst Glottisschlag. Der Glottisschlag ist gemäss Wikipedia ein stimmloser Verschlusslaut, der durch die plötzliche, stimmlose Lösung eines Verschlusses der Stimmlippen gebildet wird. Es reicht aber, auch ohne dieses Wissen, einfach eine kurze Pause einzulegen» (Dokument «Vielfaltbewusste Sprache» S. 9).

Fazit von Robert Knobel: «Mit diesen rigiden Vorschriften schiesst die Kirche völlig übers Ziel hinaus.» Kann man so sehen. Noch treffender wäre wohl die Diagnose: Mit diesem Sprachdiktat hat sich die Katholische Kirche der Stadt Luzern in den eigenen Kopf geschossen.


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

  • user
    Louis Albert Venetz 06.03.2026 um 10:29
    Kardinal Müller: Die Gendersprache ist kein wissenschaftliches Kriterium, sondern ein Herrschaftsinstrument der Mediokren, geistig Minderbemittelten und autoritären Führer mit Blockwartmentalität. Die große Mehrheit der Deutschen [Anm. d. Redaktion: und auch aller deutschsprachigen Menschen] lehnt den Missbrauch ihrer Sprache zur geistigen Terrorisierung der Menschen rundweg ab.
    Zitat aus kath.net: Müller: Kein Mensch darf „über Leben und Freiheit des Gewissens und Glaubens anderer entscheiden“

    Weitere Hinweise und Quellen siehe https://ifit.click
  • user
    Anita Koch 05.03.2026 um 20:53
    Ich hoffe sehr, dass das alles nicht wahr ist, was ich hier lese.
  • user
    Meier Pirmin 05.03.2026 um 19:48
    Die am meisten vielfaltbewusste Sprache ist diejenige, die zum Beispiel Mozart für sein Requiem verwendete, das Lacrimosa, das heisst das kirchliche Latein. Selber verwende ich mich seir 50 Jahren , damals als Mitglied das Aargauer Verfassungsrates, für die Bekenntniskirche im Gegensatz zur staatlich gebundenen Mietlingskirche, die seit je und je, ob rechts oder links, an den Zeitgeist gebunden ist.
    • user
      Martin W. Dreher 06.03.2026 um 12:39
      Zum Thema "Zeitgeist" Alt-Meister J. W. von Goethe:
      "Was ihr den Geist der Zeiten heisst, das ist im Grund der Herren eigner Geist, in dem die Zeiten sich bespiegeln.." (Faust zu Wagner im Studierzimmer Szene in der Nacht.)
  • user
    Stefan Fleischer 05.03.2026 um 11:21
    Offene Frage an die Katholische Kirche Stadt Luzern.
    Wie katholisch sind Sie?
    Sind Sie römisch-katholisch oder deutsch-synodal-katholisch? Oder sind Sie gender-katholisch oder einfach unabhängig-luzernisch-katholisch? (Lefebvre katholisch kann man wohl ausschliessen.) Für eine klare Stellungnahme wäre ich dankbar.
  • user
    Stefan Fleischer 05.03.2026 um 07:59
    Im Übrigen aber fühle ich mich als Mann sehr diskriminiert, wenn man uns verweiblicht, sobald wir in der Mehrzahl auftreten; und mehr noch, wenn man mich als Einzelnen in der Höflichkeitsform mit dem weiblichen Sie anspricht. Aber grosszügig wie immer lasse ich mich dadurch nicht aus der Ruhe bringen.
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      Joachim 05.03.2026 um 19:38
      Verehrter Herr Fleischer, das Unterdrücken der männlichen Flexion ist in Ihrer Kollektivschuld begründet.
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    Theodor Zährig 04.03.2026 um 18:39
    In den USA wird seit langem mit LGBTQ Regeln auf Christen Jagd gemacht. Achtung, wenn die das auch bei uns einführen wollen: Währet den Anfängen!
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    Hanspeter Menz 04.03.2026 um 17:54
    Man kann die Kirchensteuer auch so verschleudern. Und im Weiteren schreibe ich besser nicht, was ich darüber denke...
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    T.L.D 04.03.2026 um 10:00
    Also ab sofort in Luzern nur noch in die Sentikirche....
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    Martin Meier-Schnüriger 04.03.2026 um 09:15
    ... und noch präziser: Nicht die Kirche, sondern die staats"kirchliche" Körperschaft hat dieses Sprachmonster zur Welt gebracht. Staatskirchliche Institutionen als "Kirche" zu bezeichnen, ist nämlich ein übler Trick, mit dem die Staatskirchler sich Kompetenzen anmassen, die nur der eigentlichen Kirche vorbehalten sind. Im - zu Unrecht aufs Eis gelegten - "Vademecum" von 2013 wird denn auch ausdrücklich gefordert, dass sich staatskirchenrechtliche Körperschaften nicht länger "Kirche" nennen dürfen.
    • user
      Asellus (Eselchen) 07.03.2026 um 15:01
      Stimmt ganz genau! Danke!
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    Stefan Fleischer 04.03.2026 um 08:46
    Noch nie in der Geschichte der Menscheit wurde das Geschlecht einer Person nach dem definiert, wie sie sich fühlt, sondern immer nur nach dem Körperbau. Ich fühle mich manchml auch als grosser Autor. Doch gemessen an meinen Werken bin ich das noch lange nicht.
  • user
    Kathrin Benz 04.03.2026 um 08:25
    Und Gott? Ist der jetzt unser Erziehungsberechtigter?

    Nein, sorry: Ist der:die:das jetzt unser - Pause Doppelpunkt - e Erziehungsberechtigte - Pause Doppelpunkt - r ?

    Nochmal sorry: Gott darf ja gar nicht erziehen!

    Diese Anbiederei ist schlicht peinlich.