Der Orden ist in drei Stände gegliedert, wobei die Mitglieder des Ersten Standes – Justiz- und Professritter – die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ablegen. Leben diese in Gemeinschaft, oder wie muss man sich das vorstellen?
Das überrascht viele Menschen: Die Professritter des Malteserordens leben traditionell nicht zwingend in Klöstern oder Ordensgemeinschaften, wie man es etwa von Benediktinern oder Franziskanern kennt. Obwohl sie die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ablegen und damit ein religiöses Leben führen, leben viele von ihnen in einer eigenen Wohnung und üben einen Beruf aus.
Diese besondere Form des Ordenslebens hat historische Gründe. Der Malteserorden war über Jahrhunderte nicht nur eine religiöse Gemeinschaft, sondern zugleich für die Verwaltung zahlreicher Kommenden und Besitzungen verantwortlich. Auch in der Schweiz gab es bedeutende Niederlassungen wie das Ritterhaus Bubikon, die Kommende Tobel oder die Kommende Compesières bei Genf. Die dort tätigen Ritter mussten diese Güter verwalten und die wirtschaftlichen Grundlagen schaffen, die den weltweiten Dienst des Ordens an Kranken und Bedürftigen ermöglichten.
Deshalb entwickelte sich im Malteserorden eine Form des religiösen Lebens, die sich von vielen anderen Orden unterscheidet. Die Professritter verbinden ihre Ordensberufung mit konkreten Aufgaben in der Kirche, im Orden und in der Gesellschaft. Man findet unter ihnen beispielsweise Juristen, Ärzte, Offiziere, Unternehmer oder Wissenschaftler.
Gleichzeitig beschäftigt sich der Orden heute intensiv mit der Frage, wie das Leben des Ersten Standes künftig gestaltet werden soll. Wie viele geistliche Gemeinschaften steht auch der Malteserorden vor der Herausforderung, neue Berufungen zu fördern und die geistliche Gemeinschaft seiner Professritter weiter zu stärken. Deshalb werden derzeit verschiedene Modelle geprüft, um das gemeinsame Ordensleben und die spirituelle Begleitung künftig noch stärker zu fördern.
Entscheidend ist dabei: Die Professritter sind in erster Linie nicht Funktionsträger, sondern Ordensleute, die das Zentrum unseres Ordens bilden. Im Mittelpunkt ihres Lebens stehen die evangelischen Räte, das Gebet und der Dienst an Gott und den Armen. Die konkrete Form dieses Lebens unterscheidet sich jedoch von jener vieler anderer religiöser Orden.
Wie wird man Mitglied des Malteserordens? Kann man da einfach eine Mitgliedschaft beantragen? Gibt es für neue Mitglieder eine Ausbildung?
Wir freuen uns immer über Menschen, die sich für die Arbeit des Malteserordens interessieren und unsere Werte teilen. Der Weg in den Orden unterscheidet sich jedoch von einer klassischen Vereinsmitgliedschaft. Wie in anderen Orden auch handelt es sich hierbei nicht um eine Mitgliedschaft, sondern um eine spirituelle Berufung. Man kann sich nicht einfach bewerben. Die Aufnahme erfolgt auf Einladung.
Dieser Einladung geht in der Regel ein längerer Weg des Kennenlernens voraus. Wir achten darauf, wie Menschen ihren Glauben leben, Verantwortung übernehmen und sich für Kranke, Bedürftige oder das Gemeinwohl engagieren. Oft begegnen wir solchen Menschen durch die Tätigkeit in unseren Werken, in der Kirche oder in ihrem beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld.
Menschen, die sich für die Arbeit des Malteserordens interessieren, sind selbstverständlich willkommen, unsere Werke und Aktivitäten kennenzulernen. Dies sollte jedoch nicht als Bewerbungsweg für eine spätere Ordensaufnahme verstanden werden. Die Mitgliedschaft im Malteserorden bleibt eine Berufung, die durch den Orden erkannt und ausgesprochen wird. Viele spätere Mitglieder engagieren sich zunächst über Jahre hinweg als Freiwillige im SHOMS oder in einem anderen Werk des Ordens. Dieses Engagement kann eine Gelegenheit sein, einander kennenzulernen und festzustellen, ob eine Berufung zum Orden überhaupt in Betracht kommt.
Vor einer Aufnahme durchlaufen Kandidatinnen und Kandidaten eine einjährige Vorbereitungszeit. In dieser setzen sie sich mit der Geschichte, Spiritualität und den Aufgaben des Ordens auseinander und lernen das Ordensleben näher kennen. Die Mitgliedschaft ist für uns nicht eine Auszeichnung, sondern vor allem die lebenslange Verpflichtung zu einem christlichen Leben im Dienst am Glauben und der Nächstenliebe. Getreu unserem Motto «Tuitio fidei et obsequium pauperum».
Geschichte des Malteserordens
In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gründeten Kaufleute aus der Seerepublik Amalfi mit Erlaubnis des Kalifen von Ägypten in Jerusalem eine Kirche, ein Kloster und ein Krankenhaus, die dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht waren, um Pilger zu unterstützen. Als Ordensgründer gilt der selige Gerhard Tonque. Auf ihn geht es zurück, die aufgenommenen Kranken als «die Herren Kranken» zu bezeichnen und sie auch als «Herren» zu behandeln. 1113 erkannte Papst Paschalis II. den Johanniterorden an. Die Verfassung des Königreichs Jerusalem zwang den Orden, die militärische Verteidigung der Kranken und Pilger zu übernehmen und seine medizinischen Zentren und Hauptstrassen zu schützen. So kam zu seiner hospitalen Mission die Verteidigung des Glaubens hinzu. Der Orden nahm das weisse achteckige Kreuz an, das noch heute sein Symbol ist.
Nach dem Fall von Akkon 1291 und dem Verlust des Heiligen Landes verlegte der Johanniterorden seinen Sitz und sein Krankenhaus nach Zypern. Hier baute der Orden getreu seinem Auftrag neue Spitäler und, begünstigt durch die strategische Lage der Insel, eine Marineflotte, mit der die Ritter die Pilger auf den Routen ins Heilige Land schützten. 1307 verlegte der Orden sein Hauptquartier nach Rhodos.
Der Orden wurde vom Grossmeister und dem Rat regiert, prägte Münzen und unterhielt diplomatische Beziehungen zu anderen Staaten. 1523, nach einer sechsmonatigen Belagerung durch Sultan Suleiman dem Prächtigen, waren die Ritter gezwungen, sich zu ergeben und Rhodos zu verlassen.
Der Orden blieb einige Jahre lang ohne Territorium, bis ihm 1530 von Kaiser Karl V. mit Zustimmung von Papst Clemens VII. die Insel Malta überlassen wurde. Die Ritter bauten ein grosses Spital, aber auch Kirchen und Verteidigungsanlagen. und waren berühmt für ihre starke Flotte. 1565 verteidigten die Ritter die Insel gegen die Osmanen. Der Sieg wurde in ganz Europa gefeiert, weil er die expansionistischen Ziele der Osmanen auf dem Kontinent stoppte. Sechs Jahre später war die Flotte der Malteser auch in der berühmten Schlacht von Lepanto beteiligt, welche der osmanischen Expansion in Europa Einhalt gebot.
Als Napoleon Bonaparte 1798 Malta besetzte, verliessen die Ritter die Insel, da es ihnen die Ordensregel untersagte, ihre Waffen gegen andere Christen zu erheben. Nach einigen Zwischenstationen liess sich der Orden 1834 in Rom, im damaligen Kirchenstaat, nieder und legte seinen Schwerpunkt wieder auf seine ursprüngliche Mission: die medizinische und soziale Fürsorge von Menschen in Not.
Ein neuer Image Film gibt einen Einblick in die Aufgaben des Malteserordens Link
Weltweit engagieren sich rund 13 500 Ritter und Damen sowie zehntausende Freiwillige in medizinischen, sozialen und humanitären Projekten in über 130 Ländern. Die Helvetische Assoziation des Malteserordens wurde 1961 gegründet und hat ihren Sitz in Luzern. In der Schweiz ist der Orden insbesondere durch den «Malteser Hospitaldienst Schweiz» sowie durch verschiedene karitative Stiftungen aktiv. Aktuell gehören ihm rund 250 Ritter und Damen an; über 1000 Helferinnen und Helfer engagieren sich freiwillig. Link
Kommentare und Antworten
Sei der Erste, der kommentiert