Mitglieder des Malteser Hospitaldienst Schweiz bei einer Prozession in Lourdes. (Bild: Malteserorden Schweiz)

Weltkirche Interview

Mal­te­ser­or­den: Hilfs­werk und Völ­ker­rechts­sub­jekt zugleich

Vom 19. bis 21. Juni 2026 tref­fen sich die Mit­glie­der der Hel­ve­ti­schen Asso­zia­tion des Sou­ve­rä­nen Mal­te­ser Rit­ter­or­dens in Luzern zu ihrer Jah­res­ver­samm­lung. Im Jahr 1113 gegrün­det, ist er der älteste reli­giöse Lai­en­or­den der Katho­li­schen Kir­che. Der Prä­si­dent der Hel­ve­ti­schen Asso­zia­tion, S.E. Nico­las de Buman, erzählt im Inter­view über die welt­weite, viel­fäl­tige Arbeit des Ordens.

Während drei Tagen kommen Mitglieder des Malteserordens («Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Heiligen Johannes zu Jerusalem, genannt von Rhodos, genannt von Malta») aus der ganzen Schweiz in Luzern zusammen, um über ihre karitativen Werke zu beraten, neue Mitglieder aufzunehmen und gemeinsam das Patronatsfest des heiligen Johannes des Täufers zu feiern.

Das Programm sieht am Samstag um 17 Uhr eine Vesper in der Mariahilfkirche vor. Anschliessend werden die Auszeichnungen des Ordens und des Hilfsdienstes an verdiente Mitglieder vergeben. Höhepunkt der Versammlung ist das feierliche Pontifikalamt am Sonntag um 10 Uhr in der Jesuitenkirchen unter der Leitung von Weihbischof Mgr. Alain de Raemy, in dem neue Ritter und Damen des Ordens aufgenommen werden. Beide Gottesdienste sind öffentlich; der Malteserorden freut sich über viele Mitfeiernde.

Der Souveräne Malteserorden zählt zu den ältesten Institutionen der Welt. Seine Ursprünge reichen ins 11. Jahrhundert zurück, als in Jerusalem ein Hospital für Pilger gegründet wurde, das Johannes dem Täufer gewidmet war. Papst Paschalis II. erkannte den Orden im Jahr 1113 offiziell an. Seit über 900 Jahren folgt der Orden seinem Leitmotiv «Tuitio fidei et obsequium pauperum» (Verteidigung des Glaubens und Hilfe für die Bedürftigen).

Heute ist der Malteserorden zugleich eine Ordensgemeinschaft der Katholischen Kirche und ein souveränes Völkerrechtssubjekt. Er ist in 120 Ländern aktiv und unterstützt Menschen, die von der Gesellschaft vergessen oder ausgeschlossen sind. Er unterhält daneben diplomatische Beziehungen mit über 115 Staaten und besitzt Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen sowie bei mehreren internationalen Organisationen. Diese besondere Stellung ermöglicht es dem Orden, weltweit humanitäre Hilfe zu leisten und mit Regierungen sowie internationalen Institutionen zusammenzuarbeiten
 

Der Präsident der Helvetischen Assoziation ist seit dem 1. Januar 2026 S.E. Nicolas de Buman. Im Gespräch mit «swiss-cath.ch» spricht er über die vielfältigen karitativen und humanitären Aufgaben des Ordens, aber auch über seine spirituelle Orientierung.

Der Malteserorden existiert seit über 900 Jahren und hat in seiner Geschichte nicht nur Höhen, sondern auch wirkliche Tiefen durchlebt. Worin liegt seine Überlebenskunst?
Schon unser Gründer, der Selige Gerhard, sagte: «Unsere Bruderschaft wird unvergänglich sein, weil der Boden, auf dem diese Pflanze wurzelt, das Elend der Welt ist, und weil, so Gott will, es immer Menschen geben wird, die daran arbeiten, dieses Leid geringer, dieses Elend erträglicher zu machen.»

Wir sind damals in Jerusalem als religiöser Hospitalorden gegründet worden und führen diese Tradition seitdem fort. Überall, wo der Orden sich niederliess, wurde zuerst ein Hospital gebaut. Erst viel später kam die Verteidigung der Pilger hinzu und schliesslich, durch die Übernahme der Insel Zypern, auch die Anerkennung der Souveränität des Ordens. So sind wir heute neben einem religiösen Laienorden auch ein souveränes Völkerrechtssubjekt. Ein Staat ohne Territorium, wenn Sie so wollen. Wir haben weltweit über 13 500 Mitglieder (Ritter und Damen), über 100 000 freiwillige Helfer und knapp 60 000 fest angestellte Mitarbeiter. Wir unterhalten diplomatische Beziehungen zu 115 Staaten und haben Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen und der EU. Durch unsere weltweit anerkannte Neutralität ist es dem Orden möglich, als Vermittler zwischen Staaten zu fungieren und so zum Frieden in der Welt beizutragen.
 


Der Schwerpunkt des Ordens liegt heute vor allem in seinem karitativen Engagement. Welches sind die wichtigsten Projekte und Werke?
Der Malteserorden ist heute in mehr als 130 Ländern tätig. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf der Hilfe für Menschen, die von Krankheit, Armut, Krieg oder Naturkatastrophen betroffen sind.

Unsere Projekte reichen von Spitälern und Gesundheitszentren über mobile medizinische Versorgung bis hin zur Verteilung lebenswichtiger Hilfsgüter. Wir unterstützen Menschen in Krisengebieten wie der Ukraine, im Nahen Osten oder in anderen Regionen, in denen bewaffnete Konflikte das tägliche Leben prägen. Gleichzeitig leisten wir Nothilfe nach Erdbeben, Überschwemmungen und anderen Naturkatastrophen.

Ein besonderes Anliegen ist für uns auch die langfristige medizinische Versorgung. Ein Beispiel dafür ist die Bekämpfung der Lepra. Mit CIOMAL verfügt die Schweizer Assoziation des Malteserordens über ein Werk, das seit Jahrzehnten zu den weltweit führenden Organisationen auf diesem Gebiet gehört.

Wenn Sie mich persönlich nach dem Projekt fragen, das mir besonders am Herzen liegt, dann ist es das «Holy Family Hospital» in Bethlehem. Dort kommen jedes Jahr mehr als 3600 Kinder zur Welt. Das Spital verfügt über die einzige Neonatologie der Region und gibt Tausenden von Familien Sicherheit und Hoffnung in einer oft schwierigen Lebenssituation, unabhängig von der Religionszugehörigkeit oder der Herkunft der Familien. Besonders freut mich, dass dieses Werk des Malteserordens seit vielen Jahren auch von der Schweiz massgeblich unterstützt wird.

Der Malteserorden ist nicht nur ein Orden, sondern auch ein souveränes Völkerrechtssubjekt. Was bedeutet das konkret?
Die Souveränität des Malteserordens ist kein Selbstzweck und kein historisches Relikt. Sie dient einem ganz konkreten Ziel: unserer humanitären und medizinischen Arbeit besser nachkommen zu können.

Der Orden unterhält, wie eingangs erwähnt, diplomatische Beziehungen zu 115 Staaten und besitzt einen ständigen Beobachterstatus bei den Vereinten Nationen und der EU. Dadurch können wir die Erfahrungen aus unserer Arbeit vor Ort direkt in internationale Diskussionen einbringen, sei es im Bereich der humanitären Hilfe, der Gesundheitsversorgung, des Flüchtlingsschutzes oder der Bekämpfung des Menschenhandels.

Unsere Vertreter nehmen regelmässig an wichtigen internationalen Konferenzen und Gesprächen teil. Dort vertreten wir keine wirtschaftlichen oder politischen Interessen, sondern die Perspektive der Menschen, die von Krieg, Armut, Krankheit oder Vertreibung betroffen sind.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist unser diplomatisches Netzwerk. Mit Botschaften und Vertretungen in zahlreichen Ländern können wir humanitäre Hilfe oft schneller koordinieren und den Zugang zu Menschen in Not erleichtern. Gerade in Krisenregionen schafft dies wertvolle Kontakte und Vertrauen, die unserer Arbeit zugutekommen.

Letztlich hat unsere Souveränität nur dann einen Wert, wenn sie den Menschen dient. Sie gibt uns die Möglichkeit, Brücken zu bauen, den Dialog zu fördern und dort Hilfe zu leisten, wo sie am dringendsten benötigt wird.

Dank seines Status als Völkerrechtssubjekt konnte der Malteserorden im Gaza Hilfe leisten, als andere Organisationen noch keinen Zugang hatten. Wie hilft der Malteserorden konkret der vom Krieg und Terror gebeutelten Bevölkerung?
Der Krieg im Gazastreifen hat die humanitäre Lage für die gesamte Bevölkerung dramatisch verschärft. Viele Menschen haben ihr Zuhause verloren, die medizinische Versorgung ist vielerorts zusammengebrochen, und der Zugang zu Lebensmitteln, Medikamenten und sauberem Wasser ist stark eingeschränkt.

Der Malteserorden versucht dort zu helfen, wo die Not am grössten ist. Ein Schwerpunkt liegt auf der medizinischen Versorgung. Da zahlreiche Gesundheitseinrichtungen beschädigt oder zerstört wurden, betreiben wir mobile Gesundheitsstationen, die Menschen direkt vor Ort erreichen. Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte versorgen dort Verletzte, Kranke, Schwangere und Kinder, die sonst oft keinen Zugang zu medizinischer Hilfe hätten.

Gleichzeitig unterstützen wir die Bevölkerung mit lebenswichtigen Hilfsgütern. Gemeinsam mit dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem konnten wir mehr als 200 Tonnen Lebensmittel in den Gazastreifen bringen und an Familien in Not verteilen. Darüber hinaus leisten wir Hilfe bei der Versorgung mit Medikamenten und anderen dringend benötigten Gütern.

Ein besonderes Anliegen ist uns auch die kleine christliche Gemeinschaft im Gazastreifen, die unter denselben dramatischen Bedingungen lebt wie ihre Nachbarn. Unsere Hilfe richtet sich jedoch grundsätzlich an alle Menschen in Not, unabhängig von ihrer Religion, ihrer Herkunft oder ihren politischen Überzeugungen. Dies war seit der Gründung unseres Ordens der Fall. Bedürftige wurden im Hospital unabhängig von ihrer Herkunft oder Religion gleich behandelt und gepflegt.
 


Werfen wir einen Blick auf die Tätigkeiten in der Schweiz. Der Orden sammelt seit Jahren medizinisches Material, das nicht mehr gebraucht wird, und liefert es weltweit an Einrichtungen in Not. Wie erfahren Sie von Spitälern, die Hilfe brauchen, und wie überprüfen Sie, dass das Material wirklich am richtigen Ort ankommt?
Tatsächlich verfügen viele Schweizer Spitäler und Pflegeeinrichtungen über medizinische Geräte und Einrichtungen, die zwar durch modernere Modelle ersetzt werden, aber weiterhin voll funktionsfähig sind. Für viele Gesundheitseinrichtungen in Krisen- und Entwicklungsländern können solche Geräte einen enormen Unterschied machen und die medizinische Versorgung oft überhaupt erst ermöglichen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, was wir liefern, sondern wohin wir liefern. Hier profitiert der Malteserorden von seinem weltweiten Netzwerk. Unsere Johanniter-Malteser-Stiftung Aide & Assistance, welche wir mit unseren protestantischen Mitbrüdern des Johanniterordens betreiben, arbeitet seit vielen Jahren mit vertrauenswürdigen Partnern vor Ort zusammen. Dazu gehören Einrichtungen des Malteserordens, Krankenhäuser, kirchliche Organisationen sowie die diplomatischen Vertretungen des Ordens in den jeweiligen Ländern.

Dadurch erhalten wir sehr früh Kenntnis über konkrete Bedürfnisse und können genau prüfen, welche Hilfe tatsächlich benötigt wird. Gleichzeitig verfügen wir über verlässliche Ansprechpartner vor Ort, die den Empfang, die Verteilung und den Einsatz der gelieferten Güter begleiten und dokumentieren. Das schafft ein hohes Mass an Transparenz und Vertrauen.

Ein aktueller Schwerpunkt ist die Ukraine. Dort arbeitet der Malteserorden seit Beginn des Krieges eng mit seinen lokalen und internationalen Hilfswerken zusammen. Die polnische Assoziation des Malteserordens spielt dabei aufgrund ihrer geografischen Nähe eine besonders wichtige Rolle.

Ein Beispiel dafür sind die zahlreichen Generatoren, die europäische Malteserorganisationen beschafft und in die Ukraine gebracht haben. Nachdem Teile der Energieinfrastruktur zerstört worden waren, halfen diese Generatoren Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Familien, die Versorgung auch während der Wintermonate aufrechtzuerhalten. Solche Projekte zeigen, wie wichtig neben der Lieferung von Material vor allem ein verlässliches Netzwerk vor Ort ist.

Ein anderer Schwerpunkt in der Schweiz ist der «Malteser Hospitaldienst Schweiz (SHOMS)». Was sind die konkreten Aufgaben des SHOMS?
Der Malteser Hospitaldienst Schweiz, kurz SHOMS, ist das grösste Hilfswerk des Malteserordens in der Schweiz. Rund 650 Freiwillige engagieren sich dort in ihrer Freizeit für Menschen, die aufgrund von Krankheit, Beeinträchtigung, Alter oder sozialer Isolation auf Unterstützung angewiesen sind.

Dabei geht es oft um sehr konkrete und persönliche Hilfe. Unsere Freiwilligen begleiten Menschen mit Beeinträchtigungen, unterstützen Kranke und ältere Menschen im Alltag oder schenken Menschen Zeit und Aufmerksamkeit, die sonst oft allein wären. Ein wichtiger Grundsatz unserer Arbeit ist, dass Hilfe nicht nur aus materieller Unterstützung besteht, sondern auch aus menschlicher Nähe und Begleitung. Das ist der eigentliche Unterschied zwischen der karitativen und der humanitären Hilfe.

Der SHOMS ist heute in zwölf kantonalen oder regionalen Sektionen organisiert und verfügt zudem über eine eigene Pfadfinderorganisation. Die Projekte sind vielfältig. Sie reichen von der Begleitung von Menschen mit Multipler Sklerose über die Unterstützung sozial benachteiligter Personen bis hin zur Arbeit mit Flüchtlingen oder Menschen ohne festen Wohnsitz.

Besonders bekannt ist die jährliche Krankenwallfahrt nach Lourdes. Für viele kranke oder beeinträchtigte Menschen ist diese Reise ein Höhepunkt des Jahres. Unsere Freiwilligen begleiten die Teilnehmenden während der gesamten Pilgerfahrt und ermöglichen ihnen eine Erfahrung, die für viele ohne diese Unterstützung nicht möglich wäre.

Ein weiteres Herzensprojekt sind die Sommerlager für Jugendliche mit Beeinträchtigungen. Dort entstehen oft Freundschaften und Erlebnisse, die weit über die eigentliche Lagerwoche hinaus wirken.

Der SHOMS zeigt sehr schön, worum es dem Malteserorden seit beinahe tausend Jahren geht: Menschen zu dienen, die Hilfe benötigen. Nicht abstrakt, sondern ganz konkret, von Mensch zu Mensch.
 


Der Orden ist in drei Stände gegliedert, wobei die Mitglieder des Ersten Standes – Justiz- und Professritter – die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ablegen. Leben diese in Gemeinschaft, oder wie muss man sich das vorstellen?
Das überrascht viele Menschen: Die Professritter des Malteserordens leben traditionell nicht zwingend in Klöstern oder Ordensgemeinschaften, wie man es etwa von Benediktinern oder Franziskanern kennt. Obwohl sie die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ablegen und damit ein religiöses Leben führen, leben viele von ihnen in einer eigenen Wohnung und üben einen Beruf aus.

Diese besondere Form des Ordenslebens hat historische Gründe. Der Malteserorden war über Jahrhunderte nicht nur eine religiöse Gemeinschaft, sondern zugleich für die Verwaltung zahlreicher Kommenden und Besitzungen verantwortlich. Auch in der Schweiz gab es bedeutende Niederlassungen wie das Ritterhaus Bubikon, die Kommende Tobel oder die Kommende Compesières bei Genf. Die dort tätigen Ritter mussten diese Güter verwalten und die wirtschaftlichen Grundlagen schaffen, die den weltweiten Dienst des Ordens an Kranken und Bedürftigen ermöglichten.

Deshalb entwickelte sich im Malteserorden eine Form des religiösen Lebens, die sich von vielen anderen Orden unterscheidet. Die Professritter verbinden ihre Ordensberufung mit konkreten Aufgaben in der Kirche, im Orden und in der Gesellschaft. Man findet unter ihnen beispielsweise Juristen, Ärzte, Offiziere, Unternehmer oder Wissenschaftler.

Gleichzeitig beschäftigt sich der Orden heute intensiv mit der Frage, wie das Leben des Ersten Standes künftig gestaltet werden soll. Wie viele geistliche Gemeinschaften steht auch der Malteserorden vor der Herausforderung, neue Berufungen zu fördern und die geistliche Gemeinschaft seiner Professritter weiter zu stärken. Deshalb werden derzeit verschiedene Modelle geprüft, um das gemeinsame Ordensleben und die spirituelle Begleitung künftig noch stärker zu fördern.

Entscheidend ist dabei: Die Professritter sind in erster Linie nicht Funktionsträger, sondern Ordensleute, die das Zentrum unseres Ordens bilden. Im Mittelpunkt ihres Lebens stehen die evangelischen Räte, das Gebet und der Dienst an Gott und den Armen. Die konkrete Form dieses Lebens unterscheidet sich jedoch von jener vieler anderer religiöser Orden.

Wie wird man Mitglied des Malteserordens? Kann man da einfach eine Mitgliedschaft beantragen? Gibt es für neue Mitglieder eine Ausbildung?
Wir freuen uns immer über Menschen, die sich für die Arbeit des Malteserordens interessieren und unsere Werte teilen. Der Weg in den Orden unterscheidet sich jedoch von einer klassischen Vereinsmitgliedschaft. Wie in anderen Orden auch handelt es sich hierbei nicht um eine Mitgliedschaft, sondern um eine spirituelle Berufung. Man kann sich nicht einfach bewerben. Die Aufnahme erfolgt auf Einladung.

Dieser Einladung geht in der Regel ein längerer Weg des Kennenlernens voraus. Wir achten darauf, wie Menschen ihren Glauben leben, Verantwortung übernehmen und sich für Kranke, Bedürftige oder das Gemeinwohl engagieren. Oft begegnen wir solchen Menschen durch die Tätigkeit in unseren Werken, in der Kirche oder in ihrem beruflichen und gesellschaftlichen Umfeld.

Menschen, die sich für die Arbeit des Malteserordens interessieren, sind selbstverständlich willkommen, unsere Werke und Aktivitäten kennenzulernen. Dies sollte jedoch nicht als Bewerbungsweg für eine spätere Ordensaufnahme verstanden werden. Die Mitgliedschaft im Malteserorden bleibt eine Berufung, die durch den Orden erkannt und ausgesprochen wird. Viele spätere Mitglieder engagieren sich zunächst über Jahre hinweg als Freiwillige im SHOMS oder in einem anderen Werk des Ordens. Dieses Engagement kann eine Gelegenheit sein, einander kennenzulernen und festzustellen, ob eine Berufung zum Orden überhaupt in Betracht kommt.

Vor einer Aufnahme durchlaufen Kandidatinnen und Kandidaten eine einjährige Vorbereitungszeit. In dieser setzen sie sich mit der Geschichte, Spiritualität und den Aufgaben des Ordens auseinander und lernen das Ordensleben näher kennen. Die Mitgliedschaft ist für uns nicht eine Auszeichnung, sondern vor allem die lebenslange Verpflichtung zu einem christlichen Leben im Dienst am Glauben und der Nächstenliebe. Getreu unserem Motto «Tuitio fidei et obsequium pauperum».

Geschichte des Malteserordens
In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts gründeten Kaufleute aus der Seerepublik Amalfi mit Erlaubnis des Kalifen von Ägypten in Jerusalem eine Kirche, ein Kloster und ein Krankenhaus, die dem heiligen Johannes dem Täufer geweiht waren, um Pilger zu unterstützen. Als Ordensgründer gilt der selige Gerhard Tonque. Auf ihn geht es zurück, die aufgenommenen Kranken als «die Herren Kranken» zu bezeichnen und sie auch als «Herren» zu behandeln. 1113 erkannte Papst Paschalis II. den Johanniterorden an. Die Verfassung des Königreichs Jerusalem zwang den Orden, die militärische Verteidigung der Kranken und Pilger zu übernehmen und seine medizinischen Zentren und Hauptstrassen zu schützen. So kam zu seiner hospitalen Mission die Verteidigung des Glaubens hinzu. Der Orden nahm das weisse achteckige Kreuz an, das noch heute sein Symbol ist.

Nach dem Fall von Akkon 1291 und dem Verlust des Heiligen Landes verlegte der Johanniterorden seinen Sitz und sein Krankenhaus nach Zypern. Hier baute der Orden getreu seinem Auftrag neue Spitäler und, begünstigt durch die strategische Lage der Insel, eine Marineflotte, mit der die Ritter die Pilger auf den Routen ins Heilige Land schützten. 1307 verlegte der Orden sein Hauptquartier nach Rhodos.
Der Orden wurde vom Grossmeister und dem Rat regiert, prägte Münzen und unterhielt diplomatische Beziehungen zu anderen Staaten. 1523, nach einer sechsmonatigen Belagerung durch Sultan Suleiman dem Prächtigen, waren die Ritter gezwungen, sich zu ergeben und Rhodos zu verlassen.

Der Orden blieb einige Jahre lang ohne Territorium, bis ihm 1530 von Kaiser Karl V. mit Zustimmung von Papst Clemens VII. die Insel Malta überlassen wurde. Die Ritter bauten ein grosses Spital, aber auch Kirchen und Verteidigungsanlagen. und waren berühmt für ihre starke Flotte. 1565 verteidigten die Ritter die Insel gegen die Osmanen. Der Sieg wurde in ganz Europa gefeiert, weil er die expansionistischen Ziele der Osmanen auf dem Kontinent stoppte. Sechs Jahre später war die Flotte der Malteser auch in der berühmten Schlacht von Lepanto beteiligt, welche der osmanischen Expansion in Europa Einhalt gebot.

Als Napoleon Bonaparte 1798 Malta besetzte, verliessen die Ritter die Insel, da es ihnen die Ordensregel untersagte, ihre Waffen gegen andere Christen zu erheben. Nach einigen Zwischenstationen liess sich der Orden 1834 in Rom, im damaligen Kirchenstaat, nieder und legte seinen Schwerpunkt wieder auf seine ursprüngliche Mission: die medizinische und soziale Fürsorge von Menschen in Not.
 

Ein neuer Image Film gibt einen Einblick in die Aufgaben des Malteserordens Link

Weltweit engagieren sich rund 13 500 Ritter und Damen sowie zehntausende Freiwillige in medizinischen, sozialen und humanitären Projekten in über 130 Ländern. Die Helvetische Assoziation des Malteserordens wurde 1961 gegründet und hat ihren Sitz in Luzern. In der Schweiz ist der Orden insbesondere durch den «Malteser Hospitaldienst Schweiz» sowie durch verschiedene karitative Stiftungen aktiv. Aktuell gehören ihm rund 250 Ritter und Damen an; über 1000 Helferinnen und Helfer engagieren sich freiwillig. Link


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

You have reached the limit for comments!

* Diese Felder sind erforderlich.

Sei der Erste, der kommentiert