Am heutigen Fest des heiligen Apostels Jakobus dürfen wir den Blick auf eine alte, historisch nicht belegte Überlieferung aus Spanien richten. Als Jakobus das Evangelium in Spanien verkündete, blieben die Bekehrungen aus. Er war entmutigt, ja verzweifelt. Da erschien ihm die selige Jungfrau Maria auf einer Säule und stärkte ihn für seinen weiteren Auftrag. Sie machte ihm Mut, auszuharren und Christus weiterhin treu zu verkünden. Diese Erscheinung zeigt uns: Maria lässt die Missionare ihres Sohnes niemals allein.
Auch wir leben in einer Zeit der Entmutigung. Wie oft erleben wir, dass in unseren Familien, im Freundeskreis oder am Arbeitsplatz kaum noch jemand etwas mit Gott und seiner Kirche zu tun haben möchte? Viele verschliessen sich dem Evangelium. Manchmal scheint es, als blieben alle Bemühungen ohne sichtbare Frucht.
Hinzu kommt, dass selbst innerhalb der Kirche nicht selten versucht wird, den Zeitgeist über das Evangelium zu stellen. Anstelle der unveränderlichen Lehre Christi wird bisweilen über neue Wege, neue Lehren oder menschliche Programme gesprochen. Doch die Kirche lebt nicht aus dem Geist der Welt, sondern aus dem Geist Jesu Christi. Ihre Aufgabe ist nicht, sich der Welt anzupassen, sondern die Welt zu Christus zu führen.
Gerade deshalb dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Das Zweite Vatikanische Konzil erinnert daran, dass alle Gläubigen berufen sind, an der Sendung der Kirche mitzuwirken. Die Laien sollen Christus in Familie, Beruf und Gesellschaft bezeugen und das Evangelium mutig in die Welt tragen.
Dabei gehen wir nicht allein. Wir gehen an der Hand der Muttergottes. Wer sich Maria anvertraut, wird immer zu Christus geführt. Im Rosenkranz lernen wir, mit ihren Augen auf Jesus zu schauen und mit ihrem Herzen zu glauben. Deshalb wollen wir sie den Menschen bringen, denn Maria führt niemals zu sich selbst, sondern immer zu ihrem Sohn.
Die Gottesmutter rief in Fatima eindringlich zur Verehrung ihres Unbefleckten Herzens und zum treuen Rosenkranzgebet auf. Nehmen wir diesen Ruf ernst. Beten wir täglich den Rosenkranz, vertrauen wir uns ihrem Unbefleckten Herzen an und bitten wir sie, uns dieselbe Standhaftigkeit zu schenken, die sie einst dem heiligen Jakobus geschenkt hat.
So wollen wir am heutigen Fest auf den heiligen Jakobus schauen. Wie er Christus mutig in die Welt getragen hat, so wollen auch wir missionarische Christen sein – ohne Angst, ohne Resignation und ohne Kompromisse mit dem Zeitgeist. Denn Maria führt immer zur Wahrheit, und diese Wahrheit ist eine Person: Jesus Christus.
Er selbst spricht: «Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater ausser durch mich» (Joh 14,6).
Möge der heilige Jakobus für uns eintreten und die Muttergottes uns stärken, damit auch wir treue Missionare unserer Zeit werden.
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