«Kraft der Vollmacht unseres Herrn Jesus Christus, der seligen Apostel Petrus und Paulus sowie unserer eigenen Vollmacht verkünden, erklären und definieren wir als göttlich offenbartes Dogma: Die unbefleckte Mutter Gottes, die immerwährende Jungfrau Maria, wurde nach Vollendung ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen.»
Mit diesen Worten verkündete Papst Pius XII. am 1. November 1950 in der Apostolischen Konstitution «Munificentissimus Deus» das Dogma der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Dafür konnte er sich auf keine direkte biblische Aussage beziehen, denn die Heilige Schrift überliefert nach dem Pfingstereignis keine weiteren Informationen über das Leben Marias. Doch die Verehrung Marias als Fürbitterin ist schon früh in der Kirche bezeugt, so etwa im bis heute überlieferten Gebet «Unter deinen Schutz und Schirm» (Sub tuum praesidium confugimus) aus dem 3. Jahrhundert. Diese Anrufung Marias setzt voraus, dass sie – wie die Märtyrer – in ewiger Christusgemeinschaft lebt.
Auch wenn es keine direkten Bibelstellen über ihren Tod und ihre Aufnahme im Himmel gibt, so lässt sich doch mittels anderer Bibelstellen erschliessen, dass Maria als Vollendete bei Gott sein darf: «Die er aber vorausbestimmt hat, die hat er auch berufen, und die er berufen hat, die hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht» (Röm 8,30). Oder: «Er hat uns aus Liebe im Voraus dazu bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und zu ihm zu gelangen nach seinem gnädigen Willen, zum Lob seiner herrlichen Gnade. Er hat sie uns geschenkt in seinem geliebten Sohn» (Eph 1,5–6).
Die Verbundenheit mit Christus findet ihre Vollendung in der Gottesschau: «Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin» (1 Kor 13,12). Und auf wen dürfte dies mehr zutreffen als auf Maria, die Mutter Gottes, die bei Gott Gnade gefunden hat, «die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen liess» (Lk 1,45)?
Maria selbst war sich der Einzigartigkeit ihrer Berufung bewusst. So jubelte sie in der Begegnung mit Elisabeth im «Magnificat»:
«Meine Seele preist die Grösse des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Grosses an mir getan, und sein Name ist heilig» (Lk 1,46–49).
Auf ihre Erwählung als Mutter Gottes antwortete Maria durch ihre Lebenshingabe: Sie hat sich und ihr ganzes Sein auf Christus und den Heilsplan Gottes ausgerichtet. Sie war im Glauben auf so einzigartige Weise mit seiner Erlösungstat verbunden, dass sie auch an der Auferstehungsgestalt Christi als Ersterlöste teilnimmt.
Zu Beginn dachte man bei der Aufnahme Mariens vor allem an ihre Seele. Doch da der menschliche Körper wesentlich zum Menschsein gehört, muss die Erlösung auch unseren Körper einschliessen. Nach katholischer Lehre wird der Leib erst am Tag des Jüngsten Gerichtes auferweckt und wieder mit seiner Seele vereint. Die sofortige Aufnahme Marias mit Leib und Seele ist deshalb ein besonderes Privileg. Es unterstreicht die herausragende Stellung Marias aufgrund ihrer einzigartigen Verbundenheit mit Christus und seinem Heilswirken.
Die volkstümliche Bezeichnung «Mariä Himmelfahrt» ist streng genommen falsch: Maria ist – im Gegensatz zu Christus – nicht aus eigener Kraft in den Himmel aufgefahren, sondern wurde von Gott in den Himmel aufgenommen. Im Latein kommt dieser Unterschied deutlich zum Ausdruck: «Ascensio Christi» kommt von «ascendere», hinaufsteigen. «Assumptio Mariae» kommt von «assumere», aufnehmen.
Die Gottesmutter ist uns zu ihrem Sohn vorausgegangen. Auch wir sind aufgerufen, diesen Weg zu gehen, um einst Gottes Angesicht schauen zu dürfen. Der Weg führt über den Glauben an Jesus Christus, das Festhalten an seiner Freundschaft und das Befolgen seiner Gebote, die uns als Wegweiser zum ewigen Leben dienen. Diese Gedanken finden sich auch in der Präfation des Hochfestes:
«In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und das Werk deiner Gnade zu rühmen. Denn heute hast du die jungfräuliche Gottesmutter in den Himmel erhoben, als Erste empfing sie von Christus die Herrlichkeit, die uns allen verheissen ist, und wurde zum Urbild der Kirche in ihrer ewigen Vollendung. Dem pilgernden Volk ist sie ein untrügliches Zeichen der Hoffnung und eine Quelle des Trostes. Denn ihr Leib, der den Urheber des Lebens geboren hat, sollte die Verwesung nicht schauen. Darum preisen wir jetzt und in Ewigkeit dein Erbarmen und singen mit den Chören der Engel das Lob deiner Herrlichkeit: Heilig …»
In Jerusalem wird bereits im 5. Jahrhundert das Fest der «Entschlafung Marias» (Dormitio) gefeiert. Im 6. Jh. begeht die ganze Ostkirche das Fest; es findet auch Eingang in die Westkirche. Im 8. Jahrhundert wandelt es sich im Westen zum Fest «Aufnahme Mariens in den Himmel».
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Alles andere als überflüssig, dass hier auf den Ursprung der "Entschlafung" der Gottesmutter verwiesen wird, Maria als Sterbe-Begleiterin, was bei ihr schon beim Heingang des Menschensohns im Vordergund stand, die bedeutendste aller Sterbe-Begleiterin. Die erste Zeugin der Auferstehung war nun aber die andere Maria, die von Magdala, was in der europäischen Heiligengeschichte am stärksten in Saint Maximin und Laa Sainte Baume hervorgehoben wird, ein Kult, der zur Zeit der Franz. Revolution unterging und dann durch Lourdes, La Salette und Fatima ersetzt wurde durch den bis heute kaum verstandenen Kult der Unbefleckten Empfängnis, zu deren bedeutendsten Erforscherinnen u.a. die Freiburger Historikerin Kathrin Uz Tremp gehört, Der heutige Tag wird selten irgendwo vergleichbar würdig gefeiert wie im Kanton Luzern, auf der Alp Brüdern, der bedeutendsten vorbruderklausischen ehemaligen Einsiedelein der Schweiz mit Bergmesse seit mindestens 1590, und natürlich auch dem Lutherenbad, dem wohl auf seine Weise tragischsten Marienheiligtum der Geschichte, weil das dortige Heilungswunder von Pfingsten 1581 mit der "Heimholung" von 6 Töchtern des Geheilten verbunden war zum Zeichen der Hinnahme und Gottergebenheit in den unerforschlichen Ratschlusses Gottes. Es offenbart sich hier ein Zusammenhangs von Trost und Untrost in der europäischen Mystik, sogar auch in der Marien-Mystik. Der Gottesdienst in der Wallfahrtskirche findet heute um 14h statt mit anschliessendem Gespräch über die Hintergründigkeit dieses Wallfahrtsortes.
Hingegen die Messe auf der Alp Brüderen im Entlebuch, bei Finsterwald, wie alljährlich heute um 19.30 Uhr mit Jodelmesse und Festpredigt durch Pater Adrian Willi.
Oben war natürlich vom "Heimgang" des Menschensohnes die Rede, nicht "Heingang", was an den "Freund Hein" erinnert, eine alte mythische Bezeichnung des Sensenmannes Tod. Das Bad Luthern hat deswegen sehr viel mit dem Einsiedlerwesen in der Innerschweiz zu tun, weil hier zwischen 1854 bis 1910 das Noviziat der innerschweizerischen Eremiten eingerichtet war, Eremiten waren seit eh und je nicht einfach Aussteiger, sondern bischöflich bewilligte und sogar schon zur Zeit von Bruder Klaus auch beaufsichtigte anerkannte Spiritualen mit je ihrem Platz im Chor ihrer jeweiligen Pfarrkirche, wenn ihnen nicht, wie bei Bruder Klaus, eine eigene Kapelle errichtet wurde. Der bischöfliche "Aufseher" von Bruder Klaus war übrigens Bruder Ulrich aus Memmingen im Allgäu, dessen Andenken dieses Jahr an Fronleichnam im luzernischen Geuensee speziell gedacht wurde.