Die Geburt Marias. Giotto di Bondone, zwischen 1303 und 1305. Scrovegni Kapelle in Padua.

Neuevangelisierung

Mariä Geburt, eines der ältes­ten Marienfeste

Mor­gen fei­ert die Kir­che das Fest «Mariä Geburt». Es ist der erste von drei Gedenk­ta­gen der Got­tes­mut­ter im September.

Das Fest Mariä Geburt (Festum in Nativitate Beatae Mariae Virginis) entwickelte sich am Ende des 5. Jahrhunderts aus dem Weihefest der St.-Anna-Kirche in Jerusalem. Das Fest der heiligen Anna, der Mutter von Maria, wird in der orthodoxen Kirche am 9. September gefeiert. Die St.-Anna-Kirche wurde am vermuteten Ort des Geburtshauses Marias errichtet. Ab dem 7. Jahrhundert ist die Feier von Mariä Geburt auch in der Westkirche bezeugt; Papst Sergius I. (687–701) ergänzte das Fest mit einer eigenen Prozession. Es verbreitete sich schnell im gesamten Abendland, insbesondere in Frankreich. Hier trug im 11. Jahrhundert der heilige Fulbert von Chartres massgeblich zur Verbreitung des Festes bei.

Auserwählter Kreis
Neben Jesus und Johannes dem Täufer ist Maria die einzige Heilige, deren Geburtsfest wir feiern. Normalerweise feiert die Kirche den Todestag eines Heiligen – den Geburtstag für den Himmel. Doch bei Maria und Johannes dem Täufer war schon zu Beginn ihres Lebens Gottes Heilshandeln sichtbar. Wie Elisabeth und Zacharias, die Eltern des Johannes, waren gemäss dem Protoevangelium des Jakobus auch Anna und Joachim lange kinderlos. Als Joachim Gott im Tempel ein Opfer darbringen wollte, wurde er aufgrund der Kinderlosigkeit, die damals als grosse Schande galt, abgewiesen. Als er Gott sein Leid klagte, erschien ihm und Anna ein Engel, der ihnen eine Tochter versprach. Diese Tochter war Maria, die ohne Erbsünde empfangen wurde und später den Sohn Gottes gebar.

Maria, die Morgenröte
«Deine Geburt, Jungfrau und Gottesgebärerin, hat der ganzen Welt Freude gebracht. Denn aus dir ging hervor die Sonne der Gerechtigkeit, Christus, unser Gott. Er hat den alten Fluch gelöst und Segen gespendet, er hat den Tod vernichtet und ewiges Leben geschenkt.»

Die Benediktus-Antiphon des Stundengebets fasst den Grund des Festes schön zusammen: Die Geburt Marias, der Gottesmutter, stellt einen Wendepunkt in der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen dar. Mit ihr beginnt die unmittelbare Vorbereitung auf das Kommen unseres Erlösers Jesus Christus. Deshalb wird Maria in der Liturgie des Festes immer wieder als «Morgenröte» bezeichnet, welche die «Sonne der Gerechtigkeit», Christus, angekündigt.

Als Evangelium wird Mt 1,1–16.18–23, der Stammbaum Jesu, genommen und damit der Blick auf die Verwurzelung Marias im Volk Gottes gelenkt. Das Alte Testament geht zu Ende und findet seine Erfüllung im neuen und ewigen Bund, den Gott mit den Menschen schliesst. Dieser wird möglich durch das «Ja» Mariens, die Gott aus allen Menschen erwählt und gesegnet hat. Deshalb feiert die Kirche die Geburt Marias als Zeichen der Hoffnung auf unser Heil, die in der Geburt Christi ihren Anfang nahm.

«Allmächtiger Gott, […]. Erfülle uns mit Freude am Geburtsfest der seligen Jungfrau Maria, denn sie ist die Morgenröte des Heiles und das Zeichen der Hoffnung für die ganze Welt. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn» (Schlussgebet).

Das Fest der Geburt Mariens ist eines der ältesten Marienfeste. Das «Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria» hat Papst Sixtus IV. im 15.  Jahrhundert approbiert. Sein Datum wurde ausgehend vom Fest «Mariä Geburt» rückwirkend auf den 8. Dezember gelegt.

Auch in der Schweiz
«Mariä Geburt» ist Hauptpatronin des Bistums Lausanne, Genf und Freiburg sowie Patronin der Stadt Lausanne und des Kantons Waadt. In Lausanne wird «Mariä Geburt» als Hochfest gefeiert.
Ebenso wird «Mariä Geburt» in den Benediktinerklöstern Disentis, Einsiedeln und Mariastein als Hochfest gefeiert.
Die erste Kapelle am Wallfahrtsort Maria Bildstein in Benken SG wurde 1848 unter dem Titel «Unserer Lieben Frau vom Siege» geweiht. Gleichzeitig verfügte Bischof Johannes Peter Mirer, dass in Zukunft das Fest «Mariä Geburt», als Kapell- und Wallfahrtsfest begangen werden soll.
In Rhäzüns GR wird das Patroziniumsfest Mariä Geburt jeweils verbunden mit einer Prozession gefeiert.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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  • user
    Meier Pirmin 08.09.2026 um 09:59

    Für mich ist der heutige Tag vor allem der Geburtstag der bedeutendsten Schweizer Heiligen im Laienstand, der stigmatisierten Schneiderin Marguerite Bays, die zu Kulturkampfzeiten auch im Vergleich zu damaligen Bischöfen und Prälaten wie keine zweite Gläubige in der Schweiz vor Ort im Dorf Siviriez schlichte Gläubigkeit verkörperte und lebte. Als Geschichtenerzählerin als eine Art Katechetin. Ihre Spontanheilung von einer krebsartigen Krankheit erfolgte am Tag der Verkündigung des Dogmas von der Unbefleckten Empfängnis. Einer ihrer erhaltenen Aussprüche lautete: "Der Glaube ist so klein, er hat in einem Fingerhut Platz." Das war weniger Kritik an resignativer "Kleingläubigkeit" als die Bestätigung, dass in kritischen Zeiten der Glaube bei "kleinen" und unscheinbaren Leuten durchhält. Zum Beispiel auch bei den Beterinnen des Rosenkranzes. Nach 12 Jahren Vertreibung ins Exil in Savoyen wr dann übrigens der Bischof von Freiburg "zurückgebetet". Dies schrieb damals die Zeitung "La Liberté", die heute noch existiert, ihrer Agitation zu. Aber letztlich kam es auf die stillen Beterinnen und Beter an, oft in den Dorfkapellen als wahre "Kraftorte".



    Dieses "Fest", das mit noch einer Reihe weiterer Marienfeiertage, nicht zu vergessen der 25. März, dessen Abschaffung vor 150 Jahren meine Heimatgemeinde boykottierte, trug einst mit vielen noch weiteren Heiligentagen sowie zum Beispiel sogar einem "Pestilenz-Feiertag" dazu bei, dass in der katholischen Schweiz faktisch eine 5-Tagewoche herrschte. Dies wurde zum Beispiel in Schönenwerd SO vom liberalen und später altkatholischen Fabrikherrn Bally beanstandet. Es galt sozusgen als katholischer Schlendrian. 100 Jahre später haben vor allem Gewerkschaftler und Linke die 5Tagewoche sozusagen "zurückerkämpft".