Am «Marsch fürs Läbe»: Acht junge Männer, die Väter von morgen. (Bild: Niklaus Herzog/swiss-cath.ch)

Pro Life

«Marsch fürs Läbe»: Die Män­ner in die Pflicht nehmen

Unter dem Motto «Toge­ther for life» fand am Sams­tag der 16. «Marsch fürs Läbe» statt. Rund 2200 Men­schen fan­den sich in Zürich-​Oerlikon ein, um denen eine Stimme zu geben, die keine haben. Im Zen­trum stan­den die Män­ner und die Frage, was es bedeu­tet, Ver­ant­wor­tung für das unge­bo­rene Kind, die Part­ne­rin und die Fami­lie zu übernehmen.

Wie jedes Jahr trafen sich engagierte Lebensschützer – Frauen, Männer, Kinder – in Zürich-Oerlikon ein, um die unverlierbare Würde eines jedes menschlichen Lebens ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rufen. Mehrere Lebensschutzorganisationen, aber auch christliche Medien oder die EVP gaben an ihren Ständen Auskunft über ihre Tätigkeit.

Das erste Referat hielt der Freiburger SVP-Nationalrat Nicolas Kolly. Keine glückliche Wahl, hatte er doch bereits am Vortag Medien gegenüber erklärt, dass er die in der Schweiz geltende Fristenlösung – den straffreien Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche – akzeptiere und es ihm mit der Teilnahme am «Marsch fürs Läbe» nur darum ginge, in der Debatte «neben der Entscheidungsfreiheit der Frau auch auf den Wert des ungeborenen Lebens hinzuweisen, das ebenfalls unseren Schutz verdient». Dies steht aber im Gegensatz zur Überzeugung, dass der Mensch von der Empfängnis an ein Mensch ist und eine damit verbundene, unveräusserliche Würde besitzt – staatliche Regelung hin oder her. Am «Marsch fürs Läbe» betonte er: «Wenn sich eine Mehrheit heute mit der aktuellen Rechtslage abfindet, hindert dies eine Minderheit – zu der ich gehöre – nicht daran, unter Achtung der Meinungen aller eine andere Ansicht zu äussern.» Er sei gekommen, um «in aller Demut denen eine Stimme zu geben, die noch keine haben». Die Verantwortung der Väter müsse stärker thematisiert werden. «Die erste Pflicht eines Mannes besteht darin, Verantwortung zu übernehmen. Zu unterstützen, zuzuhören, zu beschützen.» Gleichzeitig wies er darauf hin, dass der werdende Vater kein Recht habe, über den Körper der werdenden Mutter zu verfügen.

Dies behauptet ernsthaft heute wohl niemand. Die Frage ist vielmehr, wie weit im Zeitalter der Gleichberechtigung und Gleichstellung die Mitbestimmung des Mannes gehen soll, wenn es um die Frage geht: Abtreibung ja oder nein? Verantwortung zu übernehmen, ohne dabei auch Rechte welcher Art auch immer ausüben zu können, geht irgendwie nicht auf. Nicolas Kolly ging dieser essentiellen Frage aus dem Weg. Immerhin forderte er, Frauen in Schwangerschaftskonflikten umfassend zu unterstützen und ihnen Alternativen aufzuzeigen. «Angesichts einer schwierigen Schwangerschaft sollte es unsere Pflicht sein, jeder Frau alle Alternativen und die notwendige Unterstützung anzubieten.»
 


Ein Umdenken ist möglich
Weitere Aufrufe, das Leben zu schützen, kamen von Georg Winkler, Familienvater und Männercoach bei «SaveOne Europe», einer internationalen Organisation, die Männer und Frauen nach einer Abtreibung begleitet. «Männer haben eine grosse Verantwortung in der Familie, sie müssen die Frau schützen und eine Umgebung schaffen, in der Kinder wachsen dürfen», so der Coach, der über das Leiden von Männern nach einer Abtreibung berichtete.

Jonas Streule von «ProLifeEurope» und ein Arzt aus Deutschland berichteten im Anschluss von ihren persönlichen Erfahrungen mit Abtreibungen. Auch ihre Geschichten zeigen: Verantwortung wahrzunehmen ist nicht immer selbstverständlich – aber ein Umdenken ist möglich.

«Schluss mit der Zürcher Doppelmoral»
Politisch machte die Kundgebung unter anderem auf die eine Woche vor dem Marsch gestartete Petition «Schluss mit der Zürcher Doppelmoral» aufmerksam. Während andere Demonstrationen durch die Zürcher Innenstadt ziehen dürfen, wird dem «Marsch fürs Läbe» seit Jahren eine zentrale Route mit Verweis auf Sicherheitsrisiken verweigert. Die Veranstalter fordern deshalb mit der Petition eine Gleichbehandlung gegenüber anderen Demonstrationen. Innerhalb einer Woche haben bereits 4000 Menschen die Petition an die Zürcher Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart unterzeichnet. Mit der Petition soll dem aktuellen Rechtsweg Nachdruck verliehen werden. Derzeit wartet der «Marsch fürs Läbe» auf den Entscheid des Bezirksrat, bei dem der Verein Rekurs eingereicht hat.
 


Auch auf die Petition: «Keine Gratisabtreibungen durch die Hintertüre!» von EDU-Schweiz, HLI-Schweiz, Ja zum Leben, Marsch fürs Läbe, Jugend und Familie und Schweizerische Evangelische Allianz (SEA) wurde hingewiesen. Ab dem 1. Januar 2027 sollen Abtreibungen vollständig zulasten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung erfolgen, d. h. auch auf Selbstbehalt und Franchise würde verzichtet. Diese Ausweitung der Leistungen wurde zynischerweise den «Mutterschaftsleistungen» gleichgesetzt und unter dem irreführenden Deckmantel «Kostendämpfungspaket II» ohne vertiefte parlamentarische Debatte durchgedrückt. Bei jährlich rund 12 300 Abtreibungen würden die Kosten für die Krankenkassen-Prämien steigen.

Marschzug durch Zürich-Oerlikon
Der Höhepunkt des Tages war der fröhliche Marsch durch die Strassen Oerlikons, der von strahlendem Sonnenschein, viel Musik, darunter eine Samba Steel Band, begleitet wurde und unter grossem Polizeieinsatz stattfinden musste, da gewaltbereite Gegendemonstranten versuchten, den Demonstrationszug zu verhindern.

Musikalisch wurde der Anlass von dem Rapper MIKE aus der Ostschweiz und der «Allianzband Baden-Wettingen» umrahmt. Diese (über-)laute Art der Musik war nicht nach jedermanns Geschmack. Dass die Teilnehmerzahl am «Marsch fürs Läbe» gegenüber dem Vorjahr um 10 Prozent gestiegen ist, und auffallend viele junge Menschen daran teilnehmen, zeigt: Immer mehr Menschen erkennen, wie wichtig es ist, sich für das Leben einzusetzen, mit Freude und Überzeugung.
 


Schweizer Bischöfe im Abseits
Auch dieses Jahr fehlten die Bischöfe. Einzig Weihbischof em. Marian Eleganti, der dem «Marsch fürs Läbe» seit Jahren die Treue hält, war anwesend. Die Schweizer Bischofskonferenz veröffentlichte im Vorfeld unter dem Titel «Marsch für das Leben?» eine Mitteilung. Die Schweizer Bischofskonferenz werde zwar nicht offiziell vertreten sein, begrüsse jedoch jede Initiative und jedes Engagement zugunsten des Lebens. Danach stellt sie das menschliche Leben relativierend auf eine Stufe mit Tieren oder Pflanzen: «Jedes Leben – ob tierisch, pflanzlich oder menschlich – verdient Achtung, Wertschätzung und Schutz. Alle Lebensformen stehen miteinander in Beziehung, und das Überleben der Menschheit hängt wesentlich davon ab, wie wir die gesamte Schöpfung wahrnehmen, respektieren und bewahren.» Es sei jede Form menschlichen Lebens in ihrer Würde anzuerkennen – «sei es das verletzliche Leben eines Neugeborenen oder das von Menschen, die weit entfernt leben und ausserhalb unseres unmittelbaren Blickfeldes stehen». Und schon sind wir mitten im Gazakonflikt, Migrationsproblematik, Todesstrafe usw. Zum Einsatz für das Leben gehöre ebenso das Eintreten für die Würde von Menschen mit Behinderung, älteren Menschen, Kranken oder Personen am Lebensende.

Interessant ist, dass in diesen Aufzählungen das ungeborene Leben nicht vorkommt. Doch dann kommt die Abtreibungsproblematik doch noch zur Sprache: «Die katholische Kirche verteidigt das Leben und lehnt Abtreibung ab, ohne dabei die Augen vor den schwierigen Umständen zu verschliessen, die zu einer solchen Entscheidung führen können.» Verschiedene religiöse Vereinigungen würden Unterstützung anbieten. Erwähnt werden aber nur zwei, nämlich der Solidaritätsfonds des Frauenbundes und «SOS futures mamans». Schwangere Mütter unterstützende und das Lebensrecht Ungeborener zugleich schützende Organisationen wie «Ja zum Leben» und «Schweizerische Hilfe für Mutter und Kind» erwähnte die SBK nicht.

Der Frauenbund Schweiz schreibt auf seiner Webseite: «Der Frauenbund macht sich für das Recht auf Selbstbestimmung stark. Dazu gehört das Recht auf sichere und legale Schwangerschaftsabbrüche.» Der gleiche Frauenbund sieht den assistierten Suizid als «eine Möglichkeit von vielen, mit einem unerträglichen Leiden umzugehen». Er sieht zwar den Menschen als Ebenbild des Göttlichen und als Beziehungswesen mit Recht auf Leben und unveräusserliche Würde an. Daraus könne und solle aber keine Pflicht zum Leben abgeleitet werden.

Den Schweizer Bischöfen sei empfohlen, sich in Zukunft ihre Amtsbrüder in der Slowakei zum Vorbild zu nehmen. Diese haben den Marsch fürs Leben, der gestern Sonntag in der slowakischen Hauptstadt Bratislava mit rund 30 000 Teilnehmenden stattfand, unter ihre Schirmherrschaft gestellt.

Fazit
Über 2000 Personen haben am Samstag, den 19. September 26 in Zürich-Oerlikon ein kraftvolles und mutiges öffentliches Zeugnis für den Schutz des ungeborenen Lebens gesetzt. Gesellschaftliche Anfeindungen, staatliche Benachteiligungen und nur halbherzige Unterstützung von kirchenamtlicher Seite machen dieses öffentliche Engagement für den Lebensschutz umso wichtiger.
 

Der nächste «Marsch fürs Läbe findet am 18. September 2027 in Zürich statt. Webseite vom «Marsch fürs Läbe»


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.

Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

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    Martin Meier-Schnüriger 21.09.2026 um 13:34
    Dass sich unsere Bischöfe nur halbherzig für das Recht auf Leben einsetzen, überrascht nicht. Erst kürzlich erzählte mir ein befreundeter Priester, es sei ihm und seinen Amtsbrüdern de facto verboten, über Abtreibung zu predigen. Das würde Menschen, die selbst vom Thema betroffen sind, vor den Kopf stossen und ihnen ein schlechtes Gewissen einimpfen. Kommentar überflüssig!
    • user
      Kurt Vogt 22.09.2026 um 06:22
      Seit 38 Jahren bin ich Priester im Dienste des Bistums Chur. Und noch nie hat ein Bischof mir ein Predigtthema verboten! - Vielleicht sollte schon mal mehr Objektivität herrschen und nicht für alles die Bischöfe "den Kopf hinhalten" müssen.
    • user
      Meier Pirmin 22.09.2026 um 06:27
      Als Gymnasiallehrer wurde mir 2010 von der kantonalen "pädagogischen Qualitätskontrolle", der Matura-Aufgaben vorzulegen waren, noch verboten, zwar nicht direkt über Abtreibung einen Aufsatz zu schreiben, sondern dialektisch mit Pro und Contra über einen Text des umstrittenen Ethikers Singer, der für "Einschläfern" von schwer geburtsgeschädigten Kindes plädierte, die man früher "Missgeburten" nannte. Mit akkurat derselben Begründung, es könnte Schülerinnen, u.a. schwangere, was zu meiner Zeit übrigens vorgekkommen sind, psychisch irritieren. Dabei wäre es nur ein Thema unter vier Themen gewesen, sogar das Gedicht von Goêthe, "Amerika, du hast es besser" , wurde als Thema wegen angeblicher Überforderung nicht akzeptiert. Der sog Qualitätsbeauftragte war meines Erachtens intelligenzmässig weit unter dem Durchschnitt meiner Scnüler, was bei Sozialpädagogen und ähnlichen Berufen vorkommen kann. Selber war ich Ethik- und Deutschlehrer dieser Klasse gewesen, wobei ich ethische Themen stets kontrovers behandelte, auch Schüler mit "anderer Meinung" nie notenmässig bestrafte im Wissen, dass dies ein Weiterdenken eher behindert als gefördert hätte.
  • user
    Meier Pirmin 21.09.2026 um 13:16

    Dieser Nicolas Kolly, vermutlich nach Bruder Klaus getauft, scheint ähnliche Überzeugungen zu haben wie in der Zeit um 1968 der einstige republikanische Präsidentschaftskandidat Barry Goldwater, der im Gegensatz zu vielen Republikanern damals sehr "weltllich" dachte und gegenüber der bei rechten Amerikanern verfochtenen Ideologie "Moral majority" skeptisch blieb- Er war kein herkömmlicher Abtreibungsgegner offenbar im Wissen, dass dies Praxis nicht nur bei damaligen Hollywoodstars, auch nicht linken, ebenso häufig war wie Scheidung und viele Ehen im Verlauf einer Karriere. Dennoch hielt er sich für einen Konservativen, war sogar einer der bedeutendsten in der Geschichte der Vereinigten Staaten, war übrigens auch dem charakterlich zwiespältigen Nixon gegenüber sehr skeptisch. Ein sog. Realist in dieser Frage. Rein wissenschaftlich gesehen wissen wir heute, dass ein Embryo genau so ein Mensch ist wie wir, aber leider juristisch und zivil kein Vollwertiger, also noch nicht als Person geltend, was seine Tötung als Mord qualfizieren würde. Wenn ich heute bei Beschreibungen von Massen oder auch Wählerinnen und Wählern das Wort "Menschen" höre und "Mensch", ist mir immer klar, dass die Ungeborenen auch Menschen sind und deren Beseitigung ganz sicher ebenso sehr die Tötung eines Menschen wie sagen wir mal das Ertrinken eines Afrika-Migrantren oder .Flüchtlings mit dem Unterschied, dass diese ihr Risikko noch selber und freiwillig auf sich genommen zu haben scheinen. Eine Abtreibung ist wissenschaftlich gesehen die vorsätzliche Tötung eines Menschen, der aber von dr Gesellschaft und den meisten Gesetzgebungen noch nicht als Person und also vollwertiges Rechtssubjekt anerkannt ist.


    Dass Herr Kolly beim "Marsch fürs Leben" teilgenommen hat, ist ein ethisch zu respektierender Schritt in die richtige Richtung. Es bleibt schlechter Witz, dass man von einem sog. Erzeuger zwar verlangt, für ein Kind aufzukommen, ihm aber betr. dessen Recht auf Leben keine "Gleichberechtigung" oder wenigstens Mitsprache zubilligen will. Selber verzichte ich als übrigens wiederholt engagiert gewesener Abtreibungsgegner, auch als einstiger eidg. Delegierter CVP und dort Kritiker der CvP-Frauen, auf die Ausdrucksweise "Abtreibung ist Mord" aus obigen Gründen und auch, um eine kultivierte Debatte zu ermöglichen.. Darum bezeichne ich auch politisch blödsinnige und widersprüchliche Aussagen über Abtreibung, Neutralität, Asylpolitik, Impfung usw. nicht als Lügen und deren Vertreter nicht als Lügner.