Wie jedes Jahr trafen sich engagierte Lebensschützer – Frauen, Männer, Kinder – in Zürich-Oerlikon ein, um die unverlierbare Würde eines jedes menschlichen Lebens ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rufen. Mehrere Lebensschutzorganisationen, aber auch christliche Medien oder die EVP gaben an ihren Ständen Auskunft über ihre Tätigkeit.
Das erste Referat hielt der Freiburger SVP-Nationalrat Nicolas Kolly. Keine glückliche Wahl, hatte er doch bereits am Vortag Medien gegenüber erklärt, dass er die in der Schweiz geltende Fristenlösung – den straffreien Schwangerschaftsabbruch bis zur 12. Woche – akzeptiere und es ihm mit der Teilnahme am «Marsch fürs Läbe» nur darum ginge, in der Debatte «neben der Entscheidungsfreiheit der Frau auch auf den Wert des ungeborenen Lebens hinzuweisen, das ebenfalls unseren Schutz verdient». Dies steht aber im Gegensatz zur Überzeugung, dass der Mensch von der Empfängnis an ein Mensch ist und eine damit verbundene, unveräusserliche Würde besitzt – staatliche Regelung hin oder her. Am «Marsch fürs Läbe» betonte er: «Wenn sich eine Mehrheit heute mit der aktuellen Rechtslage abfindet, hindert dies eine Minderheit – zu der ich gehöre – nicht daran, unter Achtung der Meinungen aller eine andere Ansicht zu äussern.» Er sei gekommen, um «in aller Demut denen eine Stimme zu geben, die noch keine haben». Die Verantwortung der Väter müsse stärker thematisiert werden. «Die erste Pflicht eines Mannes besteht darin, Verantwortung zu übernehmen. Zu unterstützen, zuzuhören, zu beschützen.» Gleichzeitig wies er darauf hin, dass der werdende Vater kein Recht habe, über den Körper der werdenden Mutter zu verfügen.
Dies behauptet ernsthaft heute wohl niemand. Die Frage ist vielmehr, wie weit im Zeitalter der Gleichberechtigung und Gleichstellung die Mitbestimmung des Mannes gehen soll, wenn es um die Frage geht: Abtreibung ja oder nein? Verantwortung zu übernehmen, ohne dabei auch Rechte welcher Art auch immer ausüben zu können, geht irgendwie nicht auf. Nicolas Kolly ging dieser essentiellen Frage aus dem Weg. Immerhin forderte er, Frauen in Schwangerschaftskonflikten umfassend zu unterstützen und ihnen Alternativen aufzuzeigen. «Angesichts einer schwierigen Schwangerschaft sollte es unsere Pflicht sein, jeder Frau alle Alternativen und die notwendige Unterstützung anzubieten.»
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Dieser Nicolas Kolly, vermutlich nach Bruder Klaus getauft, scheint ähnliche Überzeugungen zu haben wie in der Zeit um 1968 der einstige republikanische Präsidentschaftskandidat Barry Goldwater, der im Gegensatz zu vielen Republikanern damals sehr "weltllich" dachte und gegenüber der bei rechten Amerikanern verfochtenen Ideologie "Moral majority" skeptisch blieb- Er war kein herkömmlicher Abtreibungsgegner offenbar im Wissen, dass dies Praxis nicht nur bei damaligen Hollywoodstars, auch nicht linken, ebenso häufig war wie Scheidung und viele Ehen im Verlauf einer Karriere. Dennoch hielt er sich für einen Konservativen, war sogar einer der bedeutendsten in der Geschichte der Vereinigten Staaten, war übrigens auch dem charakterlich zwiespältigen Nixon gegenüber sehr skeptisch. Ein sog. Realist in dieser Frage. Rein wissenschaftlich gesehen wissen wir heute, dass ein Embryo genau so ein Mensch ist wie wir, aber leider juristisch und zivil kein Vollwertiger, also noch nicht als Person geltend, was seine Tötung als Mord qualfizieren würde. Wenn ich heute bei Beschreibungen von Massen oder auch Wählerinnen und Wählern das Wort "Menschen" höre und "Mensch", ist mir immer klar, dass die Ungeborenen auch Menschen sind und deren Beseitigung ganz sicher ebenso sehr die Tötung eines Menschen wie sagen wir mal das Ertrinken eines Afrika-Migrantren oder .Flüchtlings mit dem Unterschied, dass diese ihr Risikko noch selber und freiwillig auf sich genommen zu haben scheinen. Eine Abtreibung ist wissenschaftlich gesehen die vorsätzliche Tötung eines Menschen, der aber von dr Gesellschaft und den meisten Gesetzgebungen noch nicht als Person und also vollwertiges Rechtssubjekt anerkannt ist.
Dass Herr Kolly beim "Marsch fürs Leben" teilgenommen hat, ist ein ethisch zu respektierender Schritt in die richtige Richtung. Es bleibt schlechter Witz, dass man von einem sog. Erzeuger zwar verlangt, für ein Kind aufzukommen, ihm aber betr. dessen Recht auf Leben keine "Gleichberechtigung" oder wenigstens Mitsprache zubilligen will. Selber verzichte ich als übrigens wiederholt engagiert gewesener Abtreibungsgegner, auch als einstiger eidg. Delegierter CVP und dort Kritiker der CvP-Frauen, auf die Ausdrucksweise "Abtreibung ist Mord" aus obigen Gründen und auch, um eine kultivierte Debatte zu ermöglichen.. Darum bezeichne ich auch politisch blödsinnige und widersprüchliche Aussagen über Abtreibung, Neutralität, Asylpolitik, Impfung usw. nicht als Lügen und deren Vertreter nicht als Lügner.