Die Eröffnung des Heiligsprechungsprozesses am 23. März 2026 erfolgt auf Antrag der Kongregation der Chorherren der Heiligen Nikolaus und Bernhard von Montjoux, der «Stiftung des seligen Maurice Tornay» und der «Vereinigung der Freunde des seligen Maurice Tornay». Als Diözesanpostulator wirkt der ehemalige Walliser Staatsrat Maurice Tornay. Er ist nicht nur ein Namensvetter des Seligen, sondern auch entfernt mit ihm verwandt.
In einer kanonischen Untersuchung werden Zeugnisse, Dokumente und weitere Belege über das Leben, die Tugenden und das Glaubenszeugnis einer Person gesammelt. Diese Informationen werden anschliessend geprüft, um festzustellen, ob die Person offiziell als heilig anerkannt werden kann. Bischof Lovey ruft deshalb alle Gläubigen, Priester, Ordensleute auf, Unterlagen, Zeugenaussagen oder Informationen vorzulegen, die Aufschluss über das Leben des seligen Maurice Tornay geben können.
«Ich werde ein Märtyrer sein»
Maurice Tornay kam am 31. August 1910 in La Rosière VS zur Welt; er war das zweitjüngste von acht Kindern. Als Vierjähriger fragte er seine Mutter: «Mama, ist es besser, Priester zu werden oder Lehrer?» «Es ist besser, Priester zu werden», lautete ihre Antwort. Ob dies seine spätere Entscheidung beeinflusst hat, ist nicht klar. Seine Schwester Anna erzählte später von einer Begebenheit, die Licht auf das Kommende werfen sollte: Sie besass ein Bild der heiligen Agnes, einer Jungfrau und Märtyrerin. Auf die Frage, wie man Märtyrer werde, antwortete ihre Mutter, man müsse Gott über alles lieben und bereit sein zu sterben, anstatt ihn zu beleidigen. Maurice erklärte: «Das stimmt, du wirst sehen, ich werde ein Märtyrer sein.»
Er zeichnete sich in der Schule durch seine guten Leistungen aus, war fleissig und intelligent und bereits als Kind sehr selbstbewusst. Er trat mit fünfzehn Jahren ins Collège de Saint-Maurice ein. In ihm wuchs die Berufung zum geistlichen Leben und so trat er 1931 ins Noviziat des Hospizes des Grossen St. Bernhard ein. Sein Novizenmeister war niemand anderer als Pater Nestor Adam, der spätere Bischof von Sitten. Er begann sein Philosophie- und Theologiestudium; im September 1935 wurde er Regularkanoniker.
Missionar in Tibet
Bereits Papst Gregor XVI. (1831–1846) hatte die Missionstätigkeit der Kirche gefördert. In seiner Enzyklika «Rerum Ecclesiae» (1926) bekräftigte Pius XI. die Notwendigkeit, in allen Missionsbezirken einheimischen Klerus auszubilden. Die «Missions Etrangères de Paris», die seit 1846 im Tibet tätig waren, fragten aufgrund der topografischen und klimatischen Herausforderungen des Himalaya-Plateaus bei den Chorherren des Grossen St. Bernhard um Ordensleute nach. 1936 reisten Bruder Maurice Tornay, Bruder Nestor Rouiller und Pater Cyrille Lattion nach Yunnan im tibetanischen Grenzgebiet. Dort schlossen sie sich ihren Mitbrüdern an, die drei Jahre früher aufgebrochen waren.
Er half seinen Mitbrüdern bei der Errichtung eines Hospizes in Latsa. Die Herberge sollte wie das Hospiz des Grossen St. Bernhard unter anderem Durchreisende aufnehmen. Bruder Tornay lernte Chinesisch und Tibetisch und machte sich mit der Kultur der Menschen vertraut. Daneben setzte er sein Theologiestudium fort, welches er mit Bravour abschloss. Für die Diakonen- und Priesterweihe musste er nach Hanoi reisen, der französischen Kolonialhauptstadt Indochinas. Am 24. April 1938 empfing er das Weihesakrament.
Maurice Tornay kehrte nach Weisi zurück, wo er am 3. Juli 1938 seine erste Heilige Messe hielt. Am 15. August feierte er seine erste Heilige Messe auf Tibetisch, um das noch immer herrschende Misstrauen der einheimischen Bevölkerung gegenüber den Missionaren abzubauen.
Pater Tornay wurde die Leitung der Schule und des Knabenseminars übertragen, in dem der einheimische Priesternachwuchs ausgebildet werden soll, eine Aufgabe, die er mit Herzblut ausübte. Doch schon waren die ersten Auswirkungen des sich anbahnenden Zweiten Weltkrieges zu spüren; es kam wiederholt zu Nahrungsmittelengpässen, was zu einer Hungersnot führte.
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