Was er heute bekenne, so Abt Vigeli Monn in seiner Predigt, sei ein Gegenentwurf zum Zeitgeist: «Die Welt ruft: ‹Behalte! Sichere dich ab! Stell dich ins Zentrum!› Aber du bekennst heute: ‹Ich lasse los. Ich gebe mich hin. Ich will demütig und gehorsam sein – um frei zu sein. Ich will mich leeren – damit Gott mich erfüllen kann.›»
Wo euer Schatz ist, da sei auch euer Herz, zitierte Abt Vigeli die Worte Jesu. «Diese Worte sind zugleich Warnung und Verheissung. Denn unser Herz geht dorthin, wo unser Schatz ist. Die feierliche Profess ist nichts weniger als eine Erklärung, wo dein Schatz ist. Du sagst heute mit deinem Versprechen fürs Leben: ‹Mein Schatz ist nicht Erfolg, nicht Besitz, nicht Anerkennung. Mein Schatz ist Christus.›»
Der Eintritt ins Kloster ist ein grosses Versprechen. «Aber du musst es nicht allein tragen. Du lebst in einer Gemeinschaft. Und mehr noch: Du bist gehalten vom Herrn, der dich heute ruft – und der dir die Gnade schenken wird, Tag für Tag in deiner Hingabe zu wachsen», gab Abt Vigeli Bruder Laurentius mit auf den Weg.
Im Interview mit «swiss-cath.ch» gibt Bruder Laurentius Auskunft über seine Berufung und seine Beziehung zu seinem Namenspatron, dem Märtyrer Laurentius von Rom.
Sie kamen vor einigen Jahren ins Kloster Disentis, um sich auf eine Prüfung vorzubereiten. Warum gerade Disentis und nicht etwa Mariastein, das näher bei Bern liegt?
Es war die Vorsehung, die mich nach Disentis brachte: Während des ersten Jahres meines Medizinstudiums im Jahr 2015 wurde mein Herz immer unruhiger, wie Augustinus im Prolog der Confessiones sagt: «Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Dir». Es war ein Ruf, mein Leben Christus hinzugeben für das Heil der Seelen. Ich brauchte einen Ort, wo ich gleichzeitig meine Prüfungen vorbereiten und diesen Ruf verstehen konnte.
«Disentis/Mustér» bemerkte ich auf der Karte des Schweizer Eisenbahnnetzwerkes. Die Berge Graubündens zogen mich an, und ich dachte, Mustér muss doch Kloster heissen, darum erkundigte ich mich nach der Adresse und rief an der Pforte an. «Kloster Disentis, Bruder Urs» war der erste Kontakt. Ich fragte, ob ich ein Einzelzimmer für zwei Wochen ab Übermorgen buchen konnte, um mich auf meine Prüfungen vorzubereiten. «Ja, wir finden sicher eine Lösung», sagte er und verwies mich an Bruder Stefan, unseren Gastbruder. Leider war Bruder Stefan in einem Engpass, weil im Kloster alle Gästezimmer – in jener Zeit waren es nur etwa zehn – durch die Teilnehmenden der damals jährlichen Wanderwoche belegt waren.
Ich rief meinen geistlichen Begleiter an, Abbé Martial Python, der Jahre lang in Yverdon Pfarrer gewesen war und jetzt dank Gottes Fügung Spiritual im Priesterseminar Freiburg ist, wo ich Theologie studiere. P. Martial empfahl mir ein anderes Kloster. Ich sollte aber sagen, ich melde mich für Besinnungstage und nicht für Prüfungsvorbereitungen an. Als ich das hörte, rief ich Bruder Stefan nochmals an und erklärte ihm die ganze Geschichte. Ausnahmsweise durfte ich in einem Zimmer des Noviziats übernachten. In diesen ersten zwei Wochen im Kloster Disentis dachte ich gar nicht, dass ich für das Klosterleben berufen war. Erst in den darauffolgenden Monaten merkte ich es immer stärker, und als ich Ende 2015 wieder kam, um mich auf Prüfungen des zweiten Jahres Medizin vorzubereiten, und Bruder Urs, Bruder Franz und Bruder Martin und ihre so aufgeschlossene und zuvorkommende Art sah, realisierte ich, dass dieses Kloster der Ort meiner Ruhe ist (vgl. Ps 132,14).
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