«Wir waren auf der Suche nach einem Buch, das junge Menschen inspiriert, über sich selbst, den Glauben und Gott nachzudenken – ein Buch, das nicht vorgibt, alle Antworten zu kennen, sondern neugierig macht und zum Weiterdenken einlädt.» So begründen die beiden Hauptautoren die Entstehung von «Mein Lebensentwurf». Sie hatten festgestellt, dass zwar immer wieder von Neuevangelisierung gesprochen wird, aber viele Methoden der Jugendarbeit seit Jahrzehnten unverändert sind. Prof. Dr. Alexander Krylov und Francisco Javier del Rio Blay wollten junge Menschen auf eine Weise ansprechen, die sie erreicht, auch wenn sie wenig über den Glauben oder die Kirche wissen. «Deshalb haben wir Aufgaben entwickelt, auf modernes Design geachtet und vieles aufgenommen, was Jugendliche in unseren Gesprächen als ansprechend empfanden.»
Das Buch ist in Zusammenarbeit mit über 300 Jugendlichen entstanden: Die Erfahrungen aus konkreten Gruppenarbeiten flossen in ein erstes Heft. Mit diesem wurde im zweiten Jahr gearbeitet und anschliessend auf Grundlage der Erfahrungen mit Jugendlichen und Katecheten nochmals überarbeitet.
Um die Weltkirche ins Buch hineinzuholen, fragten die Autoren die Jugendlichen, welche Fragen sie einem Bischof stellen würden. Diese Fragen wurden an Bischöfe auf der ganzen Welt geschickt. 33 Bischöfe, darunter 12 Kardinäle, haben geantwortet. Insgesamt haben 46 Geistliche und Prominente aus 26 Ländern mitgearbeitet: Bekannte Namen wie Kardinal Kurt Koch, Kardinal Robert Sarah oder Pierbattista Kardinal Pizzaballa sind zu lesen, aber auch jene von z. B. Anselm Grün oder Jimmy Kelly von der Kelly Familie. In Gedankenanstössen und Zeugnissen gehen sie auf konkrete und manchmal unbequeme Glaubensfragen junger Menschen ein.
Vom Ich zur Gemeinschaft
Das Buch kommt in einem ansprechenden, modernen Design daher und besteht aus zwölf Kapiteln: In den ersten vier geht es um Selbsterkenntnis (Ich; meine Beziehungen; meine Vorbilder; mein Glaube). Danach weitet sich der Blick auf die Rolle des Jugendlichen in der Gemeinschaft, konkret in der Welt und in der Kirche. Welche Stolperpunkte gibt es da? Und welche Stützpunkte (Sakramente) bietet die Kirche? Die letzten vier Kapitel sollen bei der Gestaltung des eigenen christlichen Lebensentwurfs helfen, indem über die Berufung, die Familie und den Lebensbegleiter (Heiliger Geist) nachgedacht wird. Zum Schluss geht es konkret um einen Lebensentwurf. Im Anhang finden sich Gebete, ein Navigator für die Beichte und die Eucharistie sowie Angaben zum Kirchenjahr und ein Heiligenkalender.
Die Autoren scheuen sich nicht, auch über das Böse, das Leid und den Tod zu sprechen oder an die fünf katholischen Gebote zu erinnern. Dabei sind die Sprache und die farbigen Grafiken und Bilder auf die Jugendlichen abgestimmt. Die offenen Fragen im Buch sind bewusst so gestaltet, dass Jugendliche ins Gespräch miteinander kommen. Sie regen dazu an, eigene Meinungen zu formulieren, Erfahrungen zu teilen oder über sich selbst zu nachzudenken. Die geschlossenen Fragen sollen helfen, sich zu fokussieren und über konkrete Inhalte nachzudenken. Beides zusammen bringt eine gute Balance.
Warum ist die Kirche apostolisch?
Wie muss man sich die einzelnen Kapitel konkret vorstellen? Werfen wir einen Blick auf das Kapitel «Unsere Kirche».
Warum gibt es die Kirche?, so die Einstiegsfrage. In einem nächsten Schritt überlegen sich die Jugendlichen, welches Bild ihrer Meinung nach am besten zu Kirche passt: Licht der Welt (Mt 5,14–16)? Salz der Erde (Mt 5,14)? Sauerteig (Mt 13,33)? Volk Gottes (1 Petr 2,10)? Herberge (Lk 10,29–37)? Tempel des Heiligen Geistes (1 Kor 3,16)? Oder vielleicht Schlüssel zum Himmel (Mt 16,18–19)?
Weiter geht es mit der Frage: Wenn Jesus Christus die Kirche gegründet hat: Was bedeutet das für dich und für die Kirche?
«Wir glauben an die eine, heilige katholische und apostolische Kirche», so bezeugen wir im Glaubensbekenntnis. Doch warum ist die Kirche heilig, katholisch, apostolisch? Die möglichen Antworten sind nicht etwa platt und vorhersehbar, sondern fordern zum Nachdenken auf und liefern gute Einstiege für Diskussionen in Firm- oder Jugendgruppen. So gibt das Buch auf die Frage, warum die Kirche apostolisch heisst, folgende Antwortmöglichkeiten:
- weil sie direkt auf die Apostel Jesu zurückgeht;
- weil sie wie die Apostel verfolgt wird;
- weil sie das Evangelium in die ganze Welt trägt;
- weil viele Katholiken wie die Apostel gerne Fisch essen;
- weil sie den Dienst der Apostel durch die Bischöfe fortsetzt;
- weil sie den Glauben und die Lehre der Apostel bewahrt und weitergibt.
Am Ende des Kapitels werden die Jugendlichen eingeladen, darüber nachzudenken, warum sie katholisch sind und wo ihr Platz in der Kirche ist, d. h., welche Talente sie zur Verfügung stellen können.
Im Kapitel zur Kirche gibt Bischof Jaime Villarroel Rodríguez aus Venezuela Antwort auf die Frage, warum es in der Kirche so viele Skandale und Probleme gibt, wenn sie doch eigentlich heilig sein sollte. Kardinal Vincent Gerard Nichols aus England erzählt, was es für ihn heisst, Teil der Weltkirche zu sein, und Sr. Anna Mirijam Kaschner, Generalsekretärin der Nordischen Bischofskonferenz, erklärt, warum die Kirche hierarchisch und nicht demokratisch verfasst ist.
Ein Buch nicht nur für junge Menschen
Man merkt dem Buch an, dass es aus der konkreten Praxis der Jugendkatechese entstanden ist. Die beiden Hauptautoren betonen, dass es neben dem Austausch auch Raum für Gebet, für Bibeltexte, für Stille und für die Eucharistie braucht. Und: Es braucht das persönliche Zeugnis der Katechetinnen und Katecheten. «Glaube wächst dort, wo Menschen spüren, dass es echt ist.»
Prof. Dr. Alexander Krylov und Francisco Javier del Rio Blay haben Carlo Acutis als himmlischen Patron für das Buch gewählt. «Er ist kein ferner Heiliger aus vergangener Zeit, sondern ein Jugendlicher aus unserer Welt. Er hat gezeigt: Man kann im Glauben leben und trotzdem mitten im Heute stehen. Man kann als junger Mensch Gutes tun, Verantwortung übernehmen und Gott nah sein – auch im Alltag.»
Das Buch ist für Jugendliche und junge Erwachsene geschrieben und eigentlich für den Firmunterricht oder Gruppenstunden gedacht. Es kann aber auch mit Gewinn von älteren Menschen und allein gelesen werden. Im Interview mit DOMRADIO.DE erzählten die beiden Autoren, dass ihnen eine Oma erzählt hat, sie habe das Buch ihrer 18-jährigen Enkelin geschenkt. Daraus seien interessante Gespräche mit ihr über die Beichte entstanden.
Für Lehrpersonen resp. Gruppenleiterinnen gibt es Zusatzmaterialien auf der Webseite des Buches. Mithilfe eines Logins erhält man Zugang zu Aufgabenschlüsseln oder zu neuen Arbeitsideen anderer Katecheten.
Prof. Dr. Alexander Krylov / Francisco Javier del Rio Blay, Mein Lebensentwurf. Fe-Medienverlags GmbH 2025, 88 Seiten, Softcover, ISBN 978-3-86357-446-8. Euro 12. Ab 13 Jahren. Link
Link zur Webseite von «Mein Lebensentwurf»
Die fünf Gebote der Kirche lauten:
Du sollst an Sonn- und Feiertagen der heiligen Messe andächtig beiwohnen.
Du sollst deine Sünden jährlich wenigstens einmal beichten.
Du sollst wenigstens zur österlichen Zeit sowie in Todesgefahr die heilige Kommunion empfangen.
Du sollst die gebotenen Feiertage halten.
Du sollst die gebotenen Fasttage halten (vgl. KKK 2041–2043).
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Wie schade, dass Sie jeden Aufbruch zur so dringend benötigten Neuevangelisierung gleich mit einem Misstrauensvotum belegen! Vielleicht ist dieses neue Buch wirklich nicht zu 100% gelungen, aber haben Sie schon mal einen Blick in eines der gängigen, heute verwendeten Religionslehrmittel geworfen? Da würden Ihnen die Haare zu Berge stehen! Seien wir doch froh, dass es noch Theologen gibt, die den Glauben ernst nehmen und ihn an die Jugend weitergeben wollen. Und bedenken Sie: Die meisten Menschen - Jugendliche und Erwachsene - sind heute glaubensmässig Analphabeten. Ihnen kann man nicht mit der Tür ins Haus fallen, sondern muss sie behutsam zum Glauben führen. Der hl. Paulus spricht in diesem Zusammenhang davon, diesen Menschen zunächst Milch anstelle von fester Nahrung zu geben.