Seinen ersten Papst-Moment hatte Maurizio mit elf: «Ich war der Grösste in meiner Klasse, deshalb hat mich der Rektor ausgewählt, dem Heiligen Vater eine Lilie zu überreichen.» Das war 1968, Paul VI. weihte in Castel Gandolfo die nach ihm benannte Schule ein - «ein wunderbarer Moment». Viele Päpste und noch mehr denkwürdige Momente in Maurizios Leben sollten folgen.
Paul VI., Johannes Paul II., Benedikt XVI., Franziskus und jetzt Leo XIV. – Maurizio Carosi (68) hat sie alle kennengelernt. Denn er ist Chef der Weinstube «L'Emporio» samt Souvenirladen in Castel Gandolfo, jenem 8600-Seelenort in den Albaner Bergen, wo die meisten Päpste seit rund 400 Jahren ihren Urlaub zu verbringen pflegten. Lediglich der «33-Tage-Papst» Johannes Paul I. schaffte es 1978 nicht bis in das Refugium am blau-grünen Bergsee. Und von Papst Franziskus wird noch zu reden sein.
«Paul VI. liess hier sogar eine Siedlung mit Sozialwohnungen bauen, er hat viel für Castel Gandolfo getan.» Maurizio sitzt im Hinterzimmer seines Lokals und blättert stolz in einem grossen Bildband – «selbst gemacht» – voller Fotos und Geschichten. Er durfte Ministrant bei Papstmessen sein. «Das wollten alle Buben gerne machen: das Kreuz tragen, die Glocken zur Wandlung läuten und all das.»
Dann wird der Wirt etwas wehmütig. «Am 15. August 1977 hat Paul VI. seinen Tod prophezeit», erinnert er sich. «Ich merke, wie meine Kräfte schwinden, wer weiss, ob ich nächstes Jahr noch mit Ihnen hier sein werde», habe der knapp 80-jährige Giovanni Battista Montini gesagt. Und tatsächlich: Am 6. August 1978 starb Paul VI. – in Castel Gandolfo.
«Johannes Paul II. war ein Vulkan!»
Dann kam Johannes Paul II. «Er war ein Vulkan!», sagt der Wirt begeistert. Schon Karol Wojtylas erster Auftritt als frisch gewählter Papst sei «ein Triumph» gewesen: «Er stellte sich auf das Trittbrett seines Wagens und winkte den Menschen zu, er war einfach spontan und authentisch, er konnte so was», findet der Vater von drei erwachsenen Kindern. «Einmal waren wir in der Papstresidenz, mein kleiner Sohn war etwas verlegen, heute ein 1,96-Mann», schwelgt Maurizio. «Wir wussten nicht, wann wir gehen sollten.» Dann habe Wojtyla ganz schlicht «Arrivederci» gesagt, mit seiner typischen tiefen Stimme. «Er war irgendwie einer von uns.»
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