Es ist eine Epoche in der Geschichte Mexikos, über die bis heute nur ungern gesprochen wird. Die Zeit des «Guerra Cristera», als sich die Katholiken gegen die Unterdrückung durch die anti-katholische Regierung wehrten und zu den Waffen griffen. Sie trugen so zum Überleben der Katholischen Kirche in Mexiko bei.
Das Verhältnis von Kirche und mexikanischem Staat war seit dem 19. Jahrhundert angespannt. Als die Bischöfe 1917 gegen die Einführung einer neuen Verfassung protestierten, die von antiklerikalen Prinzipien geprägt war, führte dies zu einer gewalttätigen Reaktion seitens der Regierung. Im Februar 1925 gründete die Regierung eine romunabhängige mexikanische Staatskirche, die Kirchen wurden verstaatlicht, das Wahlrecht des Klerus aufgehoben, pro 15 000 Einwohner durfte nur noch ein Priester tätig sein. Am 31. Juli 1926 wurde zum ersten Mal seit 400 Jahren der öffentliche Gottesdienst in allen Kirchen des Landes ausgesetzt. Ausländische Priester wurden ausgewiesen, private katholische Schulen geschlossen, kirchliche Wohltätigkeitsorganisationen abgeschafft und Laiengruppen unterdrückt. Katholiken durften das Evangelium nicht mehr verkünden – selbst ein Kreuzzeichen konnte gefährlich werden. Nun wehrte sich das Volk, besonders im zentralen und westlichen Hochland Mexikos, wo der Katholizismus in der zumeist bäuerlichen Bevölkerung stark verankert war, gegen den Präsidenten Plutarco Elías Calles und die «gottlose Regierung».
Gnadenloser Kampf für und gegen die Kirche
Das Motto der Aufständischen – meist einfache katholische Bauern – war «Viva Cristo Rey» (Christus König). Hintergrund war die Einführung des Christkönigsfests am 11. Dezember 1925 durch Papst Pius XI., der den anti-katholischen Kurs der Regierung mehrfach scharf verurteilt hatte. Der Bürgerkrieg wird deshalb auch als «Cristero-Bewegung» oder «Cristero-Krieg» bezeichnet. Man spricht von rund 50 000 Cristeros, die sich für ihren Glauben gewehrt haben. Historiker berichten, dass die Cristeros zwischen den Kämpfen die Heilige Messe feierten und die Beichte ablegten. Selbst die Schichten der verschiedenen Dienste waren so eingeteilt, dass jeder täglich eucharistische Anbetung halten konnte. Unmittelbar vor dem Kampf bekreuzigten sie sich und beteten für sich und ihre Feinde. Die Cristeros zogen mit dem Ruf «Es lebe Christus, der König!» und «Es lebe die heilige Maria von Guadalupe!» in den Kampf.
Der Krieg wurde von beiden Seiten mit äusserster Brutalität geführt. Folterungen, summarische Exekutionen und Deportationen vonseiten der Regierung, Zerstörung von staatlichen Schulen, Ermordung von Lehrern und Regierungsbeamten sowie Vergeltungsaktionen vonseiten der Cristeros. Nach Angaben der Mexikanischen Bischofskonferenz forderte der Krieg rund 200 000 Menschenleben.
Die Anführer der Cristeros suchten die Unterstützung ihrer Seelsorger, erhielten jedoch mehrheitlich nur die Zustimmung zu einem friedlichen Widerstand. Einige Priester schlossen sich ihnen an, andere standen der Bewegung ablehnend gegenüber. Die Mehrzahl der Priester distanzierte sich zwar von der Gewalt der Bewegung, blieb aber in den Pfarreien, um die Menschen seelsorgerlich zu betreuen. Einer von ihnen war Cristóbal Magallanes.
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