Cristeros bei einer Heiligen Messe auf freiem FEld: (Bild: Archiv des CEC)

Weltkirche

Mexiko oder das Blut der Mär­ty­rer ist der Same der Kirche

«Viva Cristo Rey» erschallte es in den 1920er-​Jahren in Mexiko. Die Worte ertön­ten auf dem Schlacht­feld als Kampf­ruf, aber auch in Gefäng­nis­sen und an Hin­rich­tungs­stät­ten als Bekennt­nis­ruf zu Jesus Chris­tus und sei­ner Kir­che. Unter den vie­len getö­te­ten Pries­tern war auch Cristó­bal Magalla­nes, dem die Kir­che heute mit sei­nen 24 Gefähr­ten gedenkt.

Es ist eine Epoche in der Geschichte Mexikos, über die bis heute nur ungern gesprochen wird. Die Zeit des «Guerra Cristera», als sich die Katholiken gegen die Unterdrückung durch die anti-katholische Regierung wehrten und zu den Waffen griffen. Sie trugen so zum Überleben der Katholischen Kirche in Mexiko bei.

Das Verhältnis von Kirche und mexikanischem Staat war seit dem 19. Jahrhundert angespannt. Als die Bischöfe 1917 gegen die Einführung einer neuen Verfassung protestierten, die von antiklerikalen Prinzipien geprägt war, führte dies zu einer gewalttätigen Reaktion seitens der Regierung. Im Februar 1925 gründete die Regierung eine romunabhängige mexikanische Staatskirche, die Kirchen wurden verstaatlicht, das Wahlrecht des Klerus aufgehoben, pro 15 000 Einwohner durfte nur noch ein Priester tätig sein. Am 31. Juli 1926 wurde zum ersten Mal seit 400 Jahren der öffentliche Gottesdienst in allen Kirchen des Landes ausgesetzt. Ausländische Priester wurden ausgewiesen, private katholische Schulen geschlossen, kirchliche Wohltätigkeitsorganisationen abgeschafft und Laiengruppen unterdrückt. Katholiken durften das Evangelium nicht mehr verkünden – selbst ein Kreuzzeichen konnte gefährlich werden. Nun wehrte sich das Volk, besonders im zentralen und westlichen Hochland Mexikos, wo der Katholizismus in der zumeist bäuerlichen Bevölkerung stark verankert war, gegen den Präsidenten Plutarco Elías Calles und die «gottlose Regierung».

Gnadenloser Kampf für und gegen die Kirche
Das Motto der Aufständischen – meist einfache katholische Bauern – war «Viva Cristo Rey» (Christus König). Hintergrund war die Einführung des Christkönigsfests am 11. Dezember 1925 durch Papst Pius XI., der den anti-katholischen Kurs der Regierung mehrfach scharf verurteilt hatte. Der Bürgerkrieg wird deshalb auch als «Cristero-Bewegung» oder «Cristero-Krieg» bezeichnet. Man spricht von rund 50 000 Cristeros, die sich für ihren Glauben gewehrt haben. Historiker berichten, dass die Cristeros zwischen den Kämpfen die Heilige Messe feierten und die Beichte ablegten. Selbst die Schichten der verschiedenen Dienste waren so eingeteilt, dass jeder täglich eucharistische Anbetung halten konnte. Unmittelbar vor dem Kampf bekreuzigten sie sich und beteten für sich und ihre Feinde. Die Cristeros zogen mit dem Ruf «Es lebe Christus, der König!» und «Es lebe die heilige Maria von Guadalupe!» in den Kampf.

Der Krieg wurde von beiden Seiten mit äusserster Brutalität geführt. Folterungen, summarische Exekutionen und Deportationen vonseiten der Regierung, Zerstörung von staatlichen Schulen, Ermordung von Lehrern und Regierungsbeamten sowie Vergeltungsaktionen vonseiten der Cristeros. Nach Angaben der Mexikanischen Bischofskonferenz forderte der Krieg rund 200 000 Menschenleben.

Die Anführer der Cristeros suchten die Unterstützung ihrer Seelsorger, erhielten jedoch mehrheitlich nur die Zustimmung zu einem friedlichen Widerstand. Einige Priester schlossen sich ihnen an, andere standen der Bewegung ablehnend gegenüber. Die Mehrzahl der Priester distanzierte sich zwar von der Gewalt der Bewegung, blieb aber in den Pfarreien, um die Menschen seelsorgerlich zu betreuen. Einer von ihnen war Cristóbal Magallanes.
 


Unermüdlicher gewaltloser Einsatz für die Kirche
Cristóbal Magallanes kam 1869 in Totatiche bei Guadalajara zur Welt. Seine Eltern waren Bauern, die ihn die Liebe zum Heiligsten Herzen Jesu und zur Muttergottes lehrten. Mit 19 Jahren trat er ins Priesterseminar ein. Als Priester gründete er eine Mission in Azqueltán unter den Huichol-Indianern, die der Evangelisierung diente, und mehrere Schulen, ein Waisenhaus und ein Altersheim. Er baute Agrargenossenschaften auf, in denen die indigene Bevölkerung und die Menschen in der Stadt zusammenwirkten, um so die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Er setzte sich auch stark für die Verbreitung des Rosenkranzgebets ein. Doch sein wichtigstes Anliegen war die Förderung von Priesterberufen. Als die Regierung alle Priesterseminare schliessen liess, gründete er kurzerhand ein eigenes Priesterseminar. Als dieses ebenfalls geschlossen wurde, gründete er ein weiteres Seminar und nach dessen Schliessung noch ein anderes; als auch dieses geschlossen wurde, unterrichtete er die Seminaristen in Privathaushalten.

Da er jede Gewalt ablehnte, schloss sich Cristóbal Magallanes nicht der «Cristero-Bewegung» an. Er war überzeugt, dass die einzige Waffe der Kirche das Wort Gottes ist. Er blieb aber seiner Pfarrei treu, was er mit dem Leben bezahlte. Er wurde beschuldigt, den Aufstand der Cristeros zu unterstützen, obwohl er sich in der Zeitung gegen den Aufstand gestellt hatte. Er wurde am 21. Mai 1927 auf dem Weg zur Feier einer Heiligen Messe verhaftet. Im Gefängnis verschenkte er seine wenigen Besitztümer an die Aufseher, erteilte ihnen die Absolution und wurde vier Tage später ohne Gerichtsverfahren hingerichtet. Seine letzten Worte waren: «Ruhig, Brüder, nur ein Moment, dann das Himmelreich. Ich sterbe unschuldig und bitte Gott, dass mein Blut der Einheit meiner mexikanischen Brüder diene.»

1929 leitete der Übergangspräsident Emilio Portes Gil Verhandlungen mit der Katholischen Kirche ein. Es kam zu einer Vereinbarung eines Modus Vivendi: Der Staat verzichtete mehrheitlich auf die Anwendung der Gesetze von 1917, die Kirche sollte sich dafür in der Einforderung ihrer Rechte zurückhalten. Das führte zu Spannungen innerhalb der Kirche in Mexiko, da sich die ehemaligen Cristeros von den Bischöfen und dem Vatikan verraten fühlten. Die Cristeros hatten, wenn auch widerwillig, im Gehorsam gegenüber der Kirche die Waffen niedergelegt, als das Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet wurde. Obwohl eine Amnestie vereinbart worden war, wurden rund 5000 Cisteros danach ermordet.

Unter Präsident Manuel Ávila Camacho (1. Dezember 1940 bis 30. November 1946) kam es zu einer Stärkung der rechten Kräfte und zur Entspannung im Verhältnis mit der Kirche. Aber erst 1992 wurden die Gesetze von 1917 aus der Verfassung gestrichen; daraufhin nahmen der Vatikan und Mexiko diplomatische Beziehungen auf.

Cristóbal Magallanes wurde zusammen mit 21 weiteren Priestern und drei Laien am 22. November 1992 von Papst Johannes Paul II. selig- und am 21. Mai 2000 heiliggesprochen.

Die Heiligsprechung von Cristóbal Magallanes war Anstoss für den Spielfilm «Cristiada» (For Greater Glory), der erstmals die Aufmerksamkeit auf dieses traurige Kapitel der mexikanischen Geschichte lenkte. Die Ausstrahlung des Films wurde immer wieder behindert.

Bei seinem Besuch in Guadalajara 2012 beging Papst Benedikt XVI. einen Tabubruch, als er beim Angelus an die Verfolgung der Kirche erinnerte; darüber wurde bis zum Papstbesuch nicht öffentlich gesprochen. «In Zeiten der Prüfung und des Leids wurde sie [Unsere Liebe Frau von Guadalupe] von vielen Märtyrern angerufen, die mit dem Ruf ‹Es lebe Christus König und Maria von Guadalupe› ein bleibendes Zeugnis der Treue zum Evangelium und der Hingabe an die Kirche gegeben haben.»

Trotz oder gerade wegen der langen Zeit der Unterdrückung und Verfolgung der Kirche ist Mexiko heute das Land mit der weltweit zweitgrössten Anzahl von Katholikinnen und Katholiken. Das Priesterseminar von Guadalajara, wo Cristóbal Magallanes studierte, ist heute mit rund 1200 Seminaristen das grösste diözesaneigene Priesterseminar der Welt.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

You have reached the limit for comments!

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Claudio Tessari 22.05.2026 um 13:58
    Ich bin ein grosser Verehrer der Märtyrer von Mexico, vor allem auch des kleine José Sánchez del Río. Für mich ist der Ruf: VIVA CRISTO REY (AVE CHRISTUS REX) zu einem Symbol gegen den Kommunismus oder heute Wokeismus Sozialismus und alle antichristliche Ideologien geworden. Für jeden Christen kann es nur einen König geben, und eine Königin. ¡Viva Cristo Rey! ¡Viva la Virgen de Guadalupe