Es ist ein Tiefschlag für einen Traditionsorden der Kirche: Das Gründungskloster der Trappisten, die Abtei La Trappe in der Normandie, steht vor dem Aus. Die Mönche des Klosters denken darüber nach, den Standort bis 2028 aufzugeben und wegzuziehen, wie französische kirchliche Medien aus einer Mitteilung des Ordens zitieren. Gründe seien mangelnde Wirtschaftlichkeit, Nachwuchsmangel und Überalterung.
Eine auf zwölf Millionen Euro geschätzte Restaurierung historischer Gebäude sei an der Finanzierung gescheitert. Zuletzt sollten öffentliche Führungen durch das Kloster das Interesse junger Männer für die Lebensweise der Mönche wecken.
Ein zurückgezogenes Leben
Die Trappisten sind aus dem benediktinischen Reformorden der Zisterzienser hervorgegangen, benannt nach dem 1098 gegründeten Kloster Cîteaux bei Dijon. Die Betonung von Handarbeit, Landwirtschaft und Urbarmachung unwirtlicher Landstriche gab dem Orden nicht zuletzt eine grosse Bedeutung bei der deutschen Ostsiedlung im Hochmittelalter.
Dem Geist der Zisterzienser entsprach es, ans Ende der Welt zu wandern, um sich in der Zurückgezogenheit der Wildnis ganz Gott zu weihen und in Landwirtschaft und Fischerei zu arbeiten. Seit 1892 bilden die Trappisten, offiziell die «Zisterzienser der Strengeren Observanz», einen eigenständigen Orden. Sie gehören zu den strengsten Orden der Kirche. Bekannte Trappisten sind der heilige Charles de Foucauld (1858–1916) oder Bischof Erik Varden (* 1974), Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz.
Ausgerechnet im Jubiläumsjahr
Die Ankündigung des wahrscheinlichen Wegzugs aus dem Gründungskloster wäre ein grosser Rückschlag für den traditionsreichen Orden – ausgerechnet zum 400. Geburtstag seines Gründers: Am 9. Januar 1626 wurde Armand-Jean Le Bouthillier de Rancé in den französischen Hochadel hineingeboren. Schon mit elf Jahren wurde er 1637 Domherr von Notre-Dame in Paris sowie Abt von fünf Abteien, darunter auch La Trappe. Als sogenannter Kommendatarabt, nicht mehr von der Klostergemeinschaft gewählt, sondern vom französischen König frei ernannt, bezog er allerdings lediglich aus der Ferne Einkünfte aus seinen Abteien, ohne Leitungsgewalt und Amtspflichten.
1654 promovierte Rancé an der Pariser Sorbonne. Er lebte am Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. – und genoss das dortige Leben. Doch dann sein Damaskus-Erlebnis: Im April 1657 fand der geistliche Höfling seine Geliebte tot auf. Der Anblick soll seine Bekehrung gewesen sein. Sein Vermögen und seine Pfründe verteilte er nach und nach an andere.
1660 besuchte Rancé seine Zisterzienser-Abtei La Trappe in der Normandie. Und was er sah, gefiel ihm nicht: Verfall, baulich wie moralisch. Impulsiv, wie er war, schickte er die bisherigen Mönche kurzerhand weg und ersetzte sie durch andere, aus dem 40 Kilometer entfernten Reformkloster Perseigne. Im Mittelpunkt sollten wieder Gebet, regelmässiges Fasten und körperliche Arbeit stehen.
Aus Rancés Reformbemühungen ging schliesslich eine besondere Zisterzienser-Gruppe hervor, deren Regeln 1678 von Papst Innozenz XI. anerkannt wurden. Allerdings gibt es in der jüngeren Geschichtsforschung auch kritischere Bewertungen des Abtes von La Trappe, der dort auch im Oktober 1700 starb. Der strenge Lebenswandel habe eine hohe Sterblichkeit unter den Mönchen bewirkt; auch sei die theologische Bildung beiseitegelassen worden.
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