Die Trappistenabtei La Trappe in Soligny-la-Trappe. (Bild: Olive Titus/Flickr, CC BY 2.0)

Weltkirche

Mut­ter­klos­ter der Trap­pis­ten vor dem Aus?

In die­sem Jahr begeht der Trap­pis­ten­or­den den 400. Geburts­tag sei­nes Grün­ders. Doch aus­ge­rech­net jetzt wird bekannt, dass das Grün­dungs­klos­ter, die Abtei La Trappe in der Nor­man­die, 2028 seine Pfor­ten schlies­sen könnte.

Es ist ein Tiefschlag für einen Traditionsorden der Kirche: Das Gründungskloster der Trappisten, die Abtei La Trappe in der Normandie, steht vor dem Aus. Die Mönche des Klosters denken darüber nach, den Standort bis 2028 aufzugeben und wegzuziehen, wie französische kirchliche Medien aus einer Mitteilung des Ordens zitieren. Gründe seien mangelnde Wirtschaftlichkeit, Nachwuchsmangel und Überalterung.

Eine auf zwölf Millionen Euro geschätzte Restaurierung historischer Gebäude sei an der Finanzierung gescheitert. Zuletzt sollten öffentliche Führungen durch das Kloster das Interesse junger Männer für die Lebensweise der Mönche wecken.

Ein zurückgezogenes Leben
Die Trappisten sind aus dem benediktinischen Reformorden der Zisterzienser hervorgegangen, benannt nach dem 1098 gegründeten Kloster Cîteaux bei Dijon. Die Betonung von Handarbeit, Landwirtschaft und Urbarmachung unwirtlicher Landstriche gab dem Orden nicht zuletzt eine grosse Bedeutung bei der deutschen Ostsiedlung im Hochmittelalter.

Dem Geist der Zisterzienser entsprach es, ans Ende der Welt zu wandern, um sich in der Zurückgezogenheit der Wildnis ganz Gott zu weihen und in Landwirtschaft und Fischerei zu arbeiten. Seit 1892 bilden die Trappisten, offiziell die «Zisterzienser der Strengeren Observanz», einen eigenständigen Orden. Sie gehören zu den strengsten Orden der Kirche. Bekannte Trappisten sind der heilige Charles de Foucauld (1858–1916) oder Bischof Erik Varden (* 1974), Vorsitzender der Nordischen Bischofskonferenz.

Ausgerechnet im Jubiläumsjahr
Die Ankündigung des wahrscheinlichen Wegzugs aus dem Gründungskloster wäre ein grosser Rückschlag für den traditionsreichen Orden – ausgerechnet zum 400. Geburtstag seines Gründers: Am 9. Januar 1626 wurde Armand-Jean Le Bouthillier de Rancé in den französischen Hochadel hineingeboren. Schon mit elf Jahren wurde er 1637 Domherr von Notre-Dame in Paris sowie Abt von fünf Abteien, darunter auch La Trappe. Als sogenannter Kommendatarabt, nicht mehr von der Klostergemeinschaft gewählt, sondern vom französischen König frei ernannt, bezog er allerdings lediglich aus der Ferne Einkünfte aus seinen Abteien, ohne Leitungsgewalt und Amtspflichten.

1654 promovierte Rancé an der Pariser Sorbonne. Er lebte am Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. – und genoss das dortige Leben. Doch dann sein Damaskus-Erlebnis: Im April 1657 fand der geistliche Höfling seine Geliebte tot auf. Der Anblick soll seine Bekehrung gewesen sein. Sein Vermögen und seine Pfründe verteilte er nach und nach an andere.

1660 besuchte Rancé seine Zisterzienser-Abtei La Trappe in der Normandie. Und was er sah, gefiel ihm nicht: Verfall, baulich wie moralisch. Impulsiv, wie er war, schickte er die bisherigen Mönche kurzerhand weg und ersetzte sie durch andere, aus dem 40 Kilometer entfernten Reformkloster Perseigne. Im Mittelpunkt sollten wieder Gebet, regelmässiges Fasten und körperliche Arbeit stehen.

Aus Rancés Reformbemühungen ging schliesslich eine besondere Zisterzienser-Gruppe hervor, deren Regeln 1678 von Papst Innozenz XI. anerkannt wurden. Allerdings gibt es in der jüngeren Geschichtsforschung auch kritischere Bewertungen des Abtes von La Trappe, der dort auch im Oktober 1700 starb. Der strenge Lebenswandel habe eine hohe Sterblichkeit unter den Mönchen bewirkt; auch sei die theologische Bildung beiseitegelassen worden.
 


Lange Zeit bestanden die Klöster der Reformströmung von La Trappe und jene der herkömmlichen Ordnung parallel nebeneinander. Unter dem gemeinsamen Dach des Zisterziensertums erlebten sie den totalen Kollaps im Gefolge der Französischen Revolution in Frankreich und Belgien sowie die Klosteraufhebung in den Habsburgerlanden und in Deutschland. Und unter dem gemeinsamen Dach begann auch im 19. Jahrhundert ein beeindruckender Neubeginn. Doch die beiden Traditionen hatten sich auseinandergelebt.

Die Zisterzienser im deutschsprachigen Raum legten ihren neuen Schwerpunkt mehr in die Pfarreiseelsorge, während die zumeist französischsprachigen Trappisten dies nicht in der traditionellen Ordensregel angelegt sahen. Mehr als die deutschen Niederlassungen produzierten sie in Handarbeit Käse, Biere, Wein, Öle, Liköre, Kräuter und Heilmittel.

1892 erfolgte eine Neuaufteilung: Die drei französischsprachigen Kongregationen verbanden sich zum «Orden der Reformierten Zisterzienser Unserer Lieben Frau von La Trappe» – der sich damit vom hergebrachten Zisterzienserorden trennte. 1902 schliesslich bekam der Orden seine endgültige Bezeichnung «Zisterzienser von der strengeren Observanz».

Doch zuletzt mussten zahlreiche Abteien in Frankreich schliessen, auch die einzigen Trappistenklöster in Deutschland und Österreich; in Belgien und in den Niederlanden wurden und werden einst wichtige Standorte geschlossen. In Afrika und in Asien entstanden dagegen in den vergangenen Jahrzehnten neue Klöster. Aktuell gibt es nach Ordensangaben weltweit 145 Männer- und Frauenklöster – was mehr als eine Verdoppelung binnen 75 Jahren bedeutet. In ihnen leben gemäss aktuellster Statistik 1451 Trappisten und 1400 Trappistinnen.

Käse, Biere, Kräuter
Die Aufhebung von Trappistenklöstern ist nicht nur ein grosser geistlicher und kultureller, sondern auch ein permanenter kulinarischer Verlust. Denn Trappistenabteien produzieren nicht nur individuelle, renommierte und beliebte Käsesorten, sondern auch besondere Biere. Inzwischen gibt es nur noch acht Klöster, in denen noch sogenannte authentische Trappistenbiere gebraut werden.

Für das entsprechende Siegel der Internationalen Trappistenvereinigung «Authentic Trappist Product» (ATP) müssen die obergärigen Biere innerhalb einer Trappisten-Abtei und unter Verantwortung des Ordens gebraut werden. Das heisst immerhin: Manche Trappistenbiere gibt es weiter – aber «authentisch» sind sie nicht mehr.
 

Wachstum in Afrika und Asien
Die aktuelle Statistik 2025 (basierend auf den Daten vom 31. Dezember 2023) weist für Afrika eine Zunahme von Ordensleuten aus: 107 Männer und 1804 Frauen mehr verglichen mit dem Vorjahr. Auch in Asien nahm die Zahl Ordensfrauen um 46 zu. In Vietnam beispielsweise gibt es trotz der schwierigen Lage 11 Zisterzienser- und 3 Zisterzienserinnenklöster mit rund 1500 Mitgliedern sowie 10 Karmelitinnenklöster mit rund 300 Nonnen.


KNA/Redaktion


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