Kinder bekommen in einer katholischen Schule zu Essen (Archivbild, 2025). (Bild: «Kirche in Not (ACN)»)

Weltkirche

Nah­ost­kon­flikt: «Kir­che in Not» baut Not­hilfe im Liba­non aus

Ange­sichts der auf den Liba­non über­grei­fen­den Kriegs­wir­ren ver­stärkt das inter­na­tio­nale katho­li­sche Hilfs­werk «Kir­che in Not (ACN)» seine Unter­stüt­zung vor Ort deut­lich. Im Fokus ste­hen der Aus­bau medi­zi­ni­scher Ver­sor­gung, Hilfe für Ver­trie­bene sowie gezielte Pro­jekte in beson­ders betrof­fe­nen Regionen.

Ein zentrales Vorhaben ist der Aufbau neuer medizinischer Anlaufstellen im Süden des Landes. Gemeinsam mit der maronitisch-katholischen Kirche plant «Kirche in Not» die Einrichtung eines Versorgungszentrums, unter anderem in der Region Qlayaa nahe der israelischen Grenze. In dem mehrheitlich christlich geprägten Dorf bestehen bereits erste Strukturen. Dort war auch Pfarrer Pierre al-Raï tätig, der am 9. März 2026 bei einem Bombenangriff ums Leben kam.

Medizinische Hilfe dringend notwendig
In Qlayaa stehen Freiwillige und medizinisches Personal bereit, doch es mangelt an Medikamenten, Ausrüstung und finanziellen Mitteln. Hier setzt die Hilfe von «Kirche in Not» an: Dringend benötigte Medikamente und medizinische Ausstattung sowie Löhne für die Ärzte sollen bereitgestellt werden. In den vergangenen Wochen kam es wiederholt zu tragischen Fällen, bei denen Verwundete aufgrund fehlender Versorgung starben.

Parallel dazu unterstützt das Hilfswerk Binnenvertriebene mit neuen Nothilfeprojekten. In der maronitischen Diözese Sidon soll rund 1500 Menschen mit Lebensmitteln und lebensnotwendigen Gütern geholfen werden. Ein weiteres Projekt in der Region Baalbek in der Bekaa-Ebene richtet sich an bis zu 8000 Vertriebene. Beide Initiativen werden gemeinsam mit kirchlichen Partnern vor Ort umgesetzt.

Kirchliche Einrichtungen als Zufluchtsorte
Pfarreien, Klöster und kirchliche Einrichtungen spielen eine zentrale Rolle in der aktuellen Notlage. Sie nehmen Vertriebene auf, organisieren Unterkünfte und koordinieren die Versorgung – unabhängig von Religion oder Herkunft. Viele Menschen leben derzeit in kirchlichen Gebäuden, bei Gastfamilien oder in provisorischen Unterkünften.

Zunehmend kritisch ist auch die Energieversorgung: Aufgrund häufiger Stromausfälle sind viele Einrichtungen auf Generatoren angewiesen. Der Mangel an Treibstoff erschwert die Situation zusätzlich, weshalb «Kirche in Not» auch diesen Bereich verstärkt unterstützt.

Unterstützung für Kinder und Familien
Neben der akuten Überlebenshilfe richtet sich der Blick auch auf die Bedürfnisse von Kindern. Geplant ist die Verteilung von Paketen mit Bibeln und Spielen, die helfen sollen, traumatische Erlebnisse zu verarbeiten und Familien in den Kriegswirren Halt zu geben.

Die aktuellen Massnahmen bauen auf der langjährigen Hilfe des Hilfswerks im Libanon auf. Bereits 2024 stellte «Kirche in Not» mehr als vier Millionen Franken für 72 Projekte bereit – angesichts der aktuellen Lage wird jedoch mit einem deutlich steigenden Bedarf gerechnet.
 


Langfristige Hilfe bleibt entscheidend
«Unsere Stärke ist, dass wir bleiben», betonen die Verantwortlichen. Viele bestehende Projekte – etwa die Unterstützung katholischer Schulen oder pastorale Angebote mit psychologischer Begleitung – werden intensiviert. Die Lage im Libanon bleibt bedrohlich. Die Zahl der Vertriebenen wächst weiter, und die Bedürfnisse verändern sich laufend. Umso wichtiger ist die enge Zusammenarbeit mit lokalen Partnern. Für viele Menschen bleibt die Kirche ein zentraler Anlaufpunkt – unterstützt durch «Kirche in Not».

Unsere Waffe ist das Gebet
Bleiben werden auch die Christinnen und Christen im Dorf Rmeish, zwei Kilometer von der israelischen Grenze entfernt, obwohl die Region regelmässig von Bombenangriffen heimgesucht wird. Pfarrer Toni Elias, der maronitische Priester, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur «Fides»: «Wir werden bis zum Ende bleiben. Im Süden sind wir die Einzigen, die in diesen wenigen christlichen Dörfern übrig geblieben sind. […] Wir haben nichts, wir sind hilflos, unsere Waffe ist das Gebet.» Letzte Woche, so Pfarrer Elias, «kam auch der Apostolische Nuntius, Erzbischof Paolo Borgia, zusammen mit dem maronitischen Bischof von Tyros, Charbel Abdallah, und einem Vertreter des Patriarchen zu Besuch. Ein Konvoi mit humanitärer Hilfe, organisiert von katholischen Vereinen und Gruppen, begleitete sie. Es war ein Beweis für die Verbundenheit der gesamten Kirche, die wir persönlich erfahren durften, und es tröstete uns. Der Herr hat uns als intelligente Geschöpfe geschaffen. Doch diese Gabe scheint in dieser Welt, in der nur das Recht des Stärkeren herrscht, verloren gegangen zu sein.»
 

Spenden mit dem Vermerk «Libanon» können gerichtet werden an:
«Kirche in Not (ACN)», Cysatstrasse 6, 6004 Luzern
Konto PC 60-17200-9; IBAN 55 0900 0000 6001 7200 9

«Kirche in Not (ACN)» ist ein internationales katholisches Hilfswerk päpstlichen Rechts, das 1947 als «Ostpriesterhilfe» gegründet wurde. Es steht mit Hilfsaktionen, Informationstätigkeit und Gebet für bedrängte und Not leidende Christen in ca. 140 Ländern ein. Seine Projekte sind ausschliesslich privat finanziert. Das Hilfswerk wird von der Schweizer Bischofskonferenz für Spenden empfohlen. Link

 


Redaktion


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