Die St. Paul Kirche in Abu Dhabi. (Bild: Apostolisches Vikariat Südliches Arabien)

Weltkirche

Neuer lit­ur­gi­scher Kalen­der stärkt Chris­ten in Arabien

Der Hei­lige Stuhl hat durch ein Dekret des Dikas­te­ri­ums für den Got­tes­dienst und die Sakra­men­ten­ord­nung den neuen Par­ti­ku­lar­ka­len­der des Apos­to­li­schen Vika­ri­ats Süd­li­ches Ara­bien geneh­migt. Die­ser lit­ur­gi­sche Kalen­der spie­gelt die Reli­gi­ons­ge­schichte der Kir­che in einer bestimm­ten Region wider und umfasst lokale Hei­lige von beson­de­rer Bedeutung.

Zu den wichtigsten Neuerungen gehört die offizielle Ernennung der heiligen Petrus und Paulus zu Schutzpatronen des Apostolischen Vikariats Südliches Arabien und der Seligen Jungfrau Maria mit dem Titel «Unsere Liebe Frau von Arabien» zur Schutzpatronin der gesamten Halbinsel, d. h. aller Länder am Golf. Die beiden Hochfeste werden jeweils am 29. Juni respektive am Samstag nach dem Fest der Taufe des Herrn gefeiert.

«Die Schutzpatrone Petrus und Paulus wurden im Apostolischen Vikariat von (Süd) Arabien schon seit Jahrzehnten inoffiziell gefeiert», schreibt Bischof em. Paul Hinder, der von 2005 bis 2022 dort Apostolischer Vikar war. «Sie spiegeln die Einheit und den missionarischen Charakter unserer Migrantenkirche. Beide Apostel waren als Prediger unterwegs und gründeten Gemeinden, meist mit Leuten, die ihrerseits unterwegs waren. Zudem stehen wir als Apostolisches Vikariat in besonderer Verbindung mit dem Bischof von Rom. Die Statue «Unserer Lieben Frau von Arabien» wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den Karmeliten nach Ahmadi in Kuwait eingeführt und symbolisiert ihrerseits die Zuwendung Marias zu den Migranten aus aller Welt. Unsere Gläubigen nehmen in ihrer Heimatlosigkeit gerne Zuflucht zur Mutter der Bedrängten. Zudem erfreut sich die Gestalt Marias auch unter den Muslimen einer besonderen Wertschätzung und bildet so einen wichtigen interreligiösen Bezugspunkt.»
 


Heilige als verbindendes Element in einer Migrantenkirche
Der neue liturgische Kalender ehrt auch die Heiligen, die mit dem Apostolischen Vikariat verbunden sind: die jemenitischen Märtyrer Arethas und seiner Gefährten aus dem 6. Jahrhundert (24. Oktober), den äthiopischen Herrschers Kaleb (Elesbaan), der zur Christianisierung Jemens beitrug (15. Mai), und den seligen Charles Deckers (8. Mai). Charles Deckers war ein belgischer Missionar, der den «Weissen Vätern» angehörte. Er setzte sich für den interreligiösen Dialog zwischen Katholiken und Muslimen im Jemen und später in Algerien ein. Er wurde 1994 zusammen mit drei Mitbrüdern in Algerien ermordet.

Vom 23. Oktober 2023 bis zum 23. Oktober 2024 begingen das Apostolische Vikariat Südliches Arabien (Vereinigte Arabische Emirate, Jemen und Oman) und das Apostolische Vikariat Nördliches Arabien (Barhain, Katar, Kuwait und Saudi-Arabien) gemeinsam ein «Heilige Jahr der arabischen Märtyrer». Dies war für den aktuellen Apostolischen Vikar des Südlichen Arabiens, Bischof Paolo Martinelli ofm.Cap, eine «wertvolle Gelegenheit, die lange Geschichte des Christentums in Arabien wiederzuentdecken, eine Geschichte, die im apostolischen Zeugnis verwurzelt und vom Blut der Märtyrer durchtränkt ist». Diese Heiligen sind für die Katholikinnen und Katholiken dieser Gebiete so wichtig, da viele Gläubigen Gastarbeiter aus anderen Ländern sind, mit ihren eigenen geistlichen Traditionen, Kulturen und eben Heiligen. «Aber der heilige Arethas und seine Gefährten sind Heilige dieser Region Arabiens, in der wir heute leben. Sie sind also unsere Heiligen, die wir alle gemeinsam als eine Kirche, die Kirche Arabiens, feiern können.»

Weitere Feiertage und Quatember-Tage
Der neue Partikularkalender enthält auch zwei Feiertage, die die Einheit der Ortskirche unterstreichen: der Jahrestag der Weihe der Kathedrale des heiligen Josef (25. Februar) und das Gedenken an alle verstorbenen Missionare, die im Vikariat tätig waren (5. November).

Darüber hinaus umfasst der neue Partikularkalender auch Heilige, die mit der Verbreitung des Christentums in Arabien in Verbindung stehen. Zu ihnen gehören Cosmas und Damian, Märtyrer aus dem 3. Jahrhundert (26. September); der Asket des 5. Jahrhunderts Simeon Stylites, dessen Zeugnis viele Araber im Landesinneren zum Glauben führte (27. Juli); die syrischen Märtyrersoldaten Sergius und Bacchus, die unter den arabischen Stämmen sehr verehrt werden (8. Oktober); und Isaak der Syrer, ein Mystiker aus Katar aus dem 7. Jahrhundert (29. Januar).

Der heilige Isaak, der ursprünglich in der assyrischen Kirche des Ostens verehrt wurde und erst vor wenigen Monaten von Papst Franziskus in das römische Martyrologium aufgenommen wurde, wird auf derselben Ebene gefeiert wie weitere Personen aus dem Alten Testament: Abraham (9. Oktober), Moses (4. September) und Hiob (10. Mai, nur für Salalah in Oman).

Hinzu kommen die sogenannten «Quatember-Tage» (jeweils Mittwoch, Freitag und Samstag derselben Woche), Busstage, die traditionell zu Beginn der verschiedenen Jahreszeiten stattfinden und dem Fasten und Beten gewidmet sind. Im Gebiet des Vikariats wird an diesen Tagen für die Früchte der Erde und für Priesterberufungen gebetet.

Der erste Freitag im März (während der Fastenzeit) ist dem Gebet für die Anliegen der Kirche des Apostolischen Vikariats Südarabien gewidmet, insbesondere für den Frieden und die Zunahme der Berufungen. Am ersten Freitag im Juni respektive November danken die Gläubigen für die Gaben der Schöpfung, die Früchte der Erde, bitten um ein günstiges Wetter und für einen verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen der Erde.
 

Das heutige Apostolische Vikariat Südliches Arabien ging ursprünglich aus dem Apostolischen Vikariat Galla (Äthiopien) hervor. Nach mehreren Namens- und Gebietsänderungen begründete Papst Benedikt XVI. 2011 durch Umbenennung das heutige Apostolische Vikariat Südliches Arabien. Aktuell (2025) leben dort rund 1,122 Millionen Katholiken. Das Gebiet umfasst 17 Pfarreien, 13 Diözesanpriester und 59 Ordenspriester, 2 Ständige Diakone, ein Ordensmann und 46 Ordensschwestern.


Fides/Redaktion


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