Die Reaktion reichte vom Unverständnis bis zur Empörung, als Jens Spahn, Fraktionschef der CDU im Deutschen Bundestag, vor kurzem bekannt gab, Vater eines Kindes geworden zu sein, das eine Leihmutter in den USA ausgetragen hatte. Der «Spiegel» nannte es «verwerflich». Der Körper der Frau werde so zum Objekt, das Kind zur Ware. «Glückwunsch zum Babykauf», kommentierte sarkastisch die ehemalige Vorsitzende der Jungen Grünen, Jette Nietzard, diese Art von Familiengründung.
Das negative Verdikt ist verständlich, denn derselbe Jens Spahn hatte zuvor das in Deutschland bestehende gesetzliche Verbot der Leihmutterschaft auf politischer Ebene stets unterstützt, zuletzt noch auf dem CDU-Parteitag im Februar 2026. Diese Doppelmoral wurde ihm nun zum Verhängnis. Am 18. Juli 2026 trat er als Chef der CDU-Bundestagsfraktion zurück.
Der Fall warf auch in der Schweiz hohe Wellen. Exponenten der LGBT-Lobby nahmen – unterstützt von den Mainstream-Medien – die «causa Spahn» zum Vorwand, um die Legalisierung der nota bene in der Bundesverfassung verbotenen Leihmutterschaft einzufordern. So rühmt sich Markus Hungerbühler, bereits 2017 die Dienste einer Leihmutter in den USA in Anspruch genommen und publik gemacht zu haben. Er war damals Präsident der Stadtzürcher CVP (Watson 21.07.26). Seine Kandidatur für einen Sitz in der Zürcher Stadtregierung blieb ein Jahr später trotz dieses Coming out gleichwohl erfolglos. Er plädiert für die Leihmutterschaft, denn «gemacht werde es sowieso». Sein Argument «besser als ein Verbot ist eine kontrollierte Legalisierung hierzulande» läuft letzten Endes auf einen Ausverkauf unseres Rechtssystems und der ihm zugrunde liegenden Werte hinaus, denn irgendwo auf der Welt gibt es immer Orte, an denen menschenunwürdige Praktiken toleriert oder gar erlaubt werden (Stichworte: Drogenhandel und Kinderarbeit).
Ins gleiche Horn bläst der Grünen-Nationalrat Michael Töngi. Er ist Vorstandsmitglied von Pink Cross, dem Dachverband der schwulen und bisexuellen Männer, und fordert die Anerkennung von Kindesverhältnissen durch Leihmutterschaft als auch deren Legalisierung (nau.ch 21.07.26).
Den Vogel abgeschossen hat aber der deutsche Raphael Rauch, Redaktor beim Sonntags-Blick. In einem Kommentar vom 19. Juli 2026 will er den Fehltritt seines Landsmannes Jens Spahn der Schweiz bzw. Bundesrat Beat Jans allen Ernstes als «Geschenk» andrehen. Jans müsse «vorwärtsmachen und das Gesetz aktualisieren». Rauch sagt nicht, um welches Gesetz es sich handelt. Gemeint ist wohl das Fortpflanzungsmedizingesetz. Vollends verschweigt er die Tatsache, dass die von ihm subkutan gepushte Leihmutterschaft in unserer Bundesverfassung ausdrücklich verboten ist, demzufolge gar nicht auf Gesetzesstufe legalisiert werden kann.
Nein zur Salamitaktik
Mit diesem unlauteren Versteckspiel steht Rauch allerdings nicht allein da. Zur Zeit ist auf Regierungs- und Parlamentsebene eine Revision des Fortpflanzungsmedizingesetzes geplant. Neu soll die Samenspende auch von unverheirateten Paaren in Anspruch genommen werden können und die Eizellenspende erlaubt werden. Es liegt auf der Hand, dass damit zumindest à la longue auch der gesellschaftlichen Akzeptanz der Legalisierung der Leihmutterschaft vorgespurt werden soll.
Umso verdienstvoller ist es, dass der Neue Rütlibund Gegensteuer zu dieser Salamitaktik gibt. Er hat sich in diesem Sinne in zwei inhaltlich gleichlautenden Schreiben an die Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin sowie die Bioethikkommission der Schweizer Bischofskonferenz gewandt. Im Folgenden geben wir das Schreiben an die Nationale Ethikkommission im Wortlaut wieder: Zum Schreiben
Leserinnen und Leser von swiss-cath.ch können über info@neuer-ruetlibund.ch die Broschüre «Leihmutterschaft – Ausbeutung von Frauen und Kindern» kostenlos bestellen.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Kannte eine hochgebildete Frau, mit Briefwechseln mit Hermann Hesse und Reinhold Schneider, die sich im Raum Bern vor 30 oder 40 Jahren mit Empörungsleserbriefen gegen "oben ohne" im Berner Marzilibad verzettelte. Auch Gebetsaktionen vor 75 Jahren gegen den Bergman-Film "Das Lächeln einer Sommernacht" waren ausser Werbung als Moral-Aktion zumal aus heutiger Sicht nicht sinnvoll. 1921 haben noch 500 katholische Frauen gegen die erste Aktfigur in Bronze im Badener Kurpark protestiert. Zu diesem Thema hat aber dann glücklicherweise der Einsiedler Mönch Pater Kuhn , Kunsthistoriker, eine durchaus kluge Artikel-Serie "Das Nackte in der Kunst" geschrieben, die ich in meiner Biografie von Eduard Spörri, einem tief gläubigen und zugleich lebensfrohen Künstler, gewürdigt habe. Natürlich kann das heutige Engagement des Rütlibunds mit dem von mir Erwähnten in keiner Weise gleichgesetzt werden.