Gemäss dem Bericht «Religionsfreiheit weltweit 2025» des katholischen Hilfswerks «Kirche in Not» leben aktuell mehr als 5,4 Milliarden Menschen, also rund 65 Prozent der Weltbevölkerung, in einem Umfeld, das die freie Religionsausübung behindert oder massiv dagegen vorgeht. «Open Doors» untersucht für seinen Weltverfolgungsindex speziell die Situation der Christinnen und Christen.
Der Sturz des Diktators Baschar al-Assad hat die Lage der Christen in Syrien rückblickend nicht verbessert, sondern im Gegenteil entgegen mancher Erwartungen neue Ängste und Gewalt ausgelöst. Das verdeutlichen die Zahlen des neuen Weltverfolgungsindex aus dem Berichtszeitraum 1. Oktober 2024 bis 30. September 2025, den das internationale christliche Hilfswerk «Open Doors» am 14. Januar 2026 veröffentlicht hat. Daran wird deutlich, dass die Lage der Christinnen und Christen in Syrien sich stärker als irgendwo sonst verschlechtert hat. Als Folge davon rückt das Land im Vergleich zum Vorjahr von Platz 18 auf Platz 6 des Weltverfolgungsindex vor.
Insgesamt sind 388 Millionen Christinnen und Christen wegen ihres Glauben,s mindestens in hohem Masse Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt (Vorjahr: 380 Millionen). 4849 Christen weltweit wurden in Zusammenhang mit der Ausübung ihres Glaubens getötet (Vorjahr 4476). Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Von ihnen starben allein 3490 in Nigeria. Einem Höchstmass an Gewalt sind auch Christen im Sudan und in Mali ausgesetzt.
Die Zahl sexueller Übergriffe, Vergewaltigungen und Zwangsehen im Zusammenhang mit dem christlichen Glauben der Opfer stieg von 3944 auf 5202.
Zumindest ein kleiner Lichtblick erscheint im Bericht: Angriffe auf Kirchen oder kirchliche Einrichtungen gingen von 7679 auf 3632 markant zurück.
Christen in Syrien: Ende der Illusionen
Syriens Punktzahl stieg um 12 Punkte auf 90 – den höchsten je gemessenen Wert. Hauptgrund dafür war ein Anstieg der Gewaltbewertung um 9 Punkte von 7,0 auf 16,1 (maximal möglich: 16,7). «World Watch Research» hat bestätigt, dass im Berichtszeitraum mindestens 27 syrische Christen wegen ihres Glaubens getötet wurden, gegenüber null im Vorjahr. Bei einem Selbstmordanschlag auf die griechisch-orthodoxe Mar-Elias-Kirche in Damaskus im Juni 2025 wurden 22 Christinnen und Christen getötet und 63 weitere verletzt.
Die Gewalt ging über Morde hinaus: In Hama griffen nicht identifizierte Bewaffnete die griechisch-orthodoxe Erzdiözese an, zerstörten Kircheneigentum und religiöse Symbole und schändeten Gräber auf einem nahegelegenen christlichen Friedhof. Auch in anderen Regionen Syriens nahmen Angriffe auf Kirchengebäude dramatisch zu; christliche Schulen wurden vorübergehend geschlossen.
«Der Angriff in Damaskus veranlasste viele Christen, nicht mehr zur Kirche zu gehen», stellten die Forscher fest. Die Angst vor weiteren Angriffen und dem Aufstieg des islamischen Radikalismus hat die Gläubigen dazu veranlasst, christliche Symbole zu verstecken und öffentliche Bekundungen ihres Glaubens zu vermeiden.
«Als das Assad-Regime im Dezember 2024 fiel, gab es vorsichtigen Optimismus, dass die Christen in Syrien unter der neuen Führung von Hay'at Tahrir al-Sham eine Atempause finden könnten», erklärt Philippe Fonjallaz, Leiter von Open Doors Schweiz. «Nach Jahren relativer Ruhe nach der territorialen Niederlage des IS ist Syrien wieder in unsere Top 10 zurückgekehrt, wobei die Gewalt gegen Christen ein hohes Niveau erreicht hat. Der Anschlag im Juni in Damaskus, bei dem 22 Christen getötet wurden, zerstörte jede Illusion von Sicherheit. Diese harte Realität erfordert dringende Aufmerksamkeit: Wenn der Schutz durch den Staat zusammenbricht und extremistische Ideologien die Lücke füllen, zahlen religiöse Minderheiten den Preis dafür. Die Welt darf nicht wieder wegsehen.»
Nur noch 300 000 Christinnen und Christen leben derzeit in Syrien – Hunderttausende haben das Land verlassen. Eine ähnliche Entwicklung hat im Irak (Platz 18) bereits stattgefunden und ist derzeit im gesamten Nahen Osten zu beobachten.
Situation in Subsahara Afrika verschärft sich weiter
Doch im Blick auf die absolute Anzahl betroffener Christen weist eine andere Region ein noch deutlich höheres Mass an religiös motivierter Verfolgung auf: In den 14 Ländern Subsahara-Afrikas, die auf dem Weltverfolgungsindex stehen, leben mehr als 721 Millionen Menschen; fast die Hälfte davon sind Christen.
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