Papst Leo XIV. ist bei den Gläubigen sehr beliebt. (Bild: © Mazur/cbcew.org.uk CC BY-NC-ND 4.0)

Weltkirche

Papst Leo XIV. zum 70. Geburts­tag: Ad mul­tos annos!

Ein­heit in der Katho­li­schen Kir­che, Liebe zu Gott und den Men­schen, welt­wei­ter Friede und Neuevan­ge­li­sie­rung: Das sind die vor­nehm­lichs­ten Ziele von Papst Leo XIV., der die­sen Sonn­tag sei­nen 70. Geburts­tag fei­ern kann.

Vor 70 Jahren, am 14. September 1955, kam Robert Francis Prevost in Chicago zur Welt. Der Sohn eines Schulleiters und einer Bibliothekarin ist der jüngste von drei Brüdern. Schon als kleiner Junge soll er Gottesdienste am Bügelbrett gefeiert haben und ein eifriger Messdiener gewesen sein. In der Schule glänzte er in allen Fächern und half auch anderen, berichten ehemalige Mitschülerinnen und Mitschüler. Gelegentlich blitzte bei ihm der Schalck auf, dies trotz seines eher zurückhaltenden Naturells.

Nach dem Abschluss in Mathematik und Philosophie entschied sich Robert Prevost 1977 für den Eintritt in den Augustinerorden und ein Theologiestudium; 1982 wurde er zum Priester geweiht.

Es folgte ein erster, zweijähriger Einsatz in Peru in der von Augustinern betreuten damaligen Gebietsprälatur Chulucanas. Ein weiterer Einsatz folgte 1988 nach seiner Promotion in Rom im Fach Kirchenrecht mit einer Arbeit über seinen Orden. Elf Jahre war er im peruanischen Trujillo unter anderem als Ausbildungsleiter des Ordens, Professor für Kirchenrecht und Mitarbeiter am Kirchengericht des örtlichen Erzbistums tätig, zwei Jahre als Provinzialoberer der Augustiner in Peru.

2001 kehrte Robert Prevost nach Rom zurück, als ihn die Augustiner zum Generalprior wählten. 2014 ging es dann wieder nach Peru: Von 2014 bis 2023 war er Bischof von Chiclayo, wo er sich auch um die arme Landbevölkerung, Migranten und Bedürftige kümmerte – eine Zeit, die ihn nachhaltig prägte. Er erhielt zusätzlich zur US-Staatsbürgerschaft auch die peruanische. 2023 erfolgte erneut ein Ruf nach Rom: Papst Franziskus berief Robert Prevost zum Präfekten des Dikasteriums für die Bischöfe und ernannte ihn bald darauf zum Kardinal.
 


Am 8. Mai 2025 wurde Robert Francis Prevost im Konklave im vierten Wahlgang zum neuen Papst gewählt. Der erste US-amerikanische Pontifex nahm den Namen Leo XIV. an und begeisterte die Gläubigen in aller Welt mit seinen ersten Worten: «Der Friede sei mit euch!» Seine erste Ansprache auf der Benediktionsloggia enthielt bereits drei Kernthemen seines Pontifikats: Frieden, Synodalität und Mission. Besonders die Friedensthematik durchzieht sein bisheriges Pontifikat; dies ist auch, aber nicht nur der aktuellen Weltlage geschuldet. In seinen Friedensbemühungen steht er auf einer Linie mit seinem «Namens-Vorgänger» Leo XIII. Diese hatte immer wieder versucht, in internationalen Konflikten zwischen Staaten zu vermitteln.

Spontane, wenig reflektierte Äusserungen «aus dem hohlen Bauch heraus» sind seine Sache nicht – er ist ein Mann der wohlgesetzten, mit Bedacht gewählten Worte und Gesten. Papst Leo XIV. nimmt einige Traditionen wieder auf, trägt etwa die rote «Mozzetta», nutzt den päpstlichen Sommersitz Castel Gandolfo und bekundet die Absicht, in den Apostolischen Palast zu ziehen. Bei öffentlichen Auftritten wechselt der Weltbürger von Italienisch gelegentlich ins Englische und ins Spanische. Auch Französisch spricht er gut, ebenso soll er Portugiesisch verstehen – und ein wenig Deutsch.

Mit Papst Leo ist auch der päpstliche Gesang in den Vatikan zurückgekehrt; Papst Franziskus hatte Gebete stets nur gesprochen. Das Päpstliche Institut für Kirchenmusik (Pontificio Istituto di Musica Sacra) startete darauf eine besondere Initiative: «Let’s sing with the Pope» (Lasst uns mit dem Papst singen). In einer Reihe kurzer Videos auf YouTube werden die einzelnen Teile der Heiligen Messe auf Latein vorgesungen. Das Institut möchte damit den gregorianischen Gesang für alle zugänglich machen.

Doch Papst Leo kann nicht nur gut singen: Er ist ein begeisterter Tennisspieler und geübter Reiter sowie ein bekennender Fan der Chicago White Sox. Er spielt Klavier und liebt Musik und Malerei.

Zugleich ist Leo XIV. ein sehr spiritueller Mensch, der immer wieder Texte des Kirchenvaters Augustinus zitiert, und ein grosser Verehrer der Mutter Gottes.

In einer aus den Fugen geratenen Welt kommen Papst Leos XIV. eindringliche Appelle an die Staatenlenker, Konflikten und Kriegen endlich auf friedliche Weise ein Ende zu setzen, unisono gut an. Ebenso seine Aufrufe zur Solidarität mit den Armen wie die wiederholten Mahnungen, die Klimakrise ernst zu nehmen. Die eigentlichen Herausforderungen seines Pontifikates werden freilich innerkirchlicher Natur sein. Mit seinen langjährigen, globalen Erfahrungen in der Seelsorge vor Ort, verbunden mit profunden Kenntnissen der römischen Kurie verfügt Papst Leo XIV. über geradezu optimale Voraussetzungen, diese Herausforderungen zu meistern. Bereits ins Kraut schiessende Spekulationen, wie er sich zu «heissen Eisen» wie etwa der LGBT-Problematik positionieren wird, sind ebenso verfrüht wie deplatziert. In den ersten Monaten seines Pontifikates hat sich jedenfalls gezeigt: Papst Leo XIV. ist ein ruhiger, besonnener Pontifex, der weiss, dass ihm noch einige Jahre bleiben, um das Schiff Petri auch in stürmischen Gewässern wieder auf Kurs zu bringen.

Wie er seinen Ehrentag begehen will, teilte der Vatikan vorab nicht mit. Fest steht: Am Nachmittag leitet Papst Leo XIV. eine Gedenkfeier für die ökumenischen Märtyrer des frühen 21. Jahrhunderts.
 

«Let’s sing with the Pope» Link


KNA/Redaktion


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  • user
    Meier Pirmin 14.09.2025 um 10:16
    Eine der grössten Herausforderungen dieser Tage wäre für den amerikanischen Papst, auf die Geschehnisse in den USA betr. das Attentat auf Chrlie Kirk die richtigen Worte zu finden, und zwar nicht im Trump-Stil, aber selbstverständlich bei Zurückweisung von Jubel-Arien auf einen Mord wie auch billige Rechtfertigungen. Einen Schritt in die richtige Richtung hat immerhin der auf Rechtstendenz unverdächtige Bernie Sanders geleistet, seine Worte haben mich gerade auch als Nicht-Linken als ethisches Statement echt beeindruckt. Meines Erachtens darf der Papst in einer Sache, die Millionen bewegen, besonders seiner Landsleute, nicht schweigen.