Papst Paul VI. (Bild: Catholic News Service, Public domain via Wikimedia Commons)

Weltkirche

Papst Paul VI. erwog Abschaf­fung der Hei­li­gen Jahre

Die Hei­li­gen Jahre der Katho­li­schen Kir­che füh­ren viele Mil­lio­nen Men­schen als Pil­ge­rin­nen und Pil­ger nach Rom. Vor 50 Jah­ren stand die uralte Tra­di­tion vor dem mög­li­chen Aus. Das geht aus bis­lang unver­öf­fent­lich­ten Auf­zeich­nun­gen des Kon­zils­paps­tes Paul VI. her­vor, die jetzt im Vati­kan in einem Buch doku­men­tiert wurden.

Eine bisher unveröffentlichte handschriftliche Notiz von Papst Paul VI. (1963–1978) zeigt die Zweifel, die der Pontifex vor seiner Entscheidung zur Einberufung des Heiligen Jahres 1975 hatte und welche Überlegungen er dazu anstellte. Diese Notiz findet sich im Buch «L'anno santo con Paolo VI» (Das Heilige Jahr mit Paul VI.), das von der vatikanischen Verlagsbuchhandlung LEV veröffentlicht wurde. Herausgeber ist der italienische Geistliche Leonardo Sapienza, seit 2012 Regent der Präfektur des Päpstlichen Hauses und damit für den reibungslosen Ablauf innerhalb des päpstlichen Haushalts zuständig.

Bewusste Konfrontation mit der Moderne
Nach gründlicher Abwägung habe sich Paul VI. dann doch entschieden, die Tradition der Heiligen Jahre fortzusetzen und damit auch bewusst in eine Auseinandersetzung mit der modernen Welt zu führen, heisst es dort. Der Papst hielt dies damals in seinen Notizen mit den Worten fest: «Konfrontation von Glaube und Welt – die Welt entwickelt sich und neigt dazu aufzusaugen, zu verschlingen, zu relativieren.»

Dem setzt er entgegen: «Erneuerung durch das Festhalten an den fruchtbaren Prinzipien – Wiederentdeckung des Reiches Gottes – Energie und Hoffnung [...] Rückkehr in ‹Gnade›. Umkehr, Busse und sakramentale Vergebung. [...] Berufung zur sozialen Verantwortung.» Zusammenfassend hält er drei Ideen für das Heilige Jahr fest: «1. Erweckung; 2. Konfrontation; 3. Reform.»

Öffentliche Hinweise auf Zweifel
Seine ursprünglichen Zweifel an der Idee der Heiligen Jahre hatte Papst Paul VI. selbst 1974 in einer Ansprache zur Ankündigung des Heiligen Jahres angedeutet. Damals sagte er: «Nach Gebet und Nachdenken haben wir entschieden, das kommende Jahr 1975 als Heiliges Jahr zu feiern – gemäss dem 25-jährigen Rhythmus.»

Das erste Heilige Jahr seit den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) wurde seinerzeit ein überraschend grosser Erfolg. Mehr als neun Millionen Pilger strömten 1975 durch die Heiligen Pforten der Papstkirchen in Rom. Im laufenden Heiligen Jahr 2025 rechnet der Vatikan mit rund 30 Million Pilgerinnen und Pilgern.

Das bislang erfolgreichste Heilige Jahr war das Jahr 2000; damals kamen laut vatikanischer Zählung rund 25 Millionen Pilgerinnen und Pilger nach Rom.

Das Heilige Jahr ist ein besonderes Jubiläumsjahr, in dem der Papst den Gläubigen bei Erfüllung bestimmter Bedingungen einen vollkommenen Ablass («Jubiläumsablass») ihrer zeitlichen Sündenstrafen gewährt. Das erste Heilige Jahr fand 1300 unter Papst Bonifaz VIII. statt. Seit 1475 findet alle 25 Jahre ein Heiliges Jahr statt. Biblischer Hintergrund ist das in Lev 25,8–55 erwähnte Jubeljahr: Jedes 50. Jahr sollten die Israeliten ihren untergebenen Volksangehörigen einen vollständigen Schuldenerlass gewähren, ihnen ihr Erbland zurückgeben und Schuldsklaverei aufheben.


KNA/Redaktion


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