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Weltkirche

Papst­reise nach Spa­nien birgt migra­ti­ons­po­li­ti­schen Zündstoff

Papst Leo XIV. wird vom 6. bis 12. Juni Spa­nien besu­chen. Er beginnt seine Apos­to­li­sche Reise in Madrid und fliegt als­dann nach Bar­ce­lona und auf die Kana­ri­schen Inseln. Mit dem Klos­ter Monts­er­rat und der Sagrada Famí­lia besucht er geschichts­träch­tige Orte. Wäh­rend der gan­zen Reise wird ihn das Thema Migra­tion begleiten.

Der Besuch steht unter dem Motto «Erhebt eure Augen». Das gewählte Motto, inspiriert vom Johannesevangelium (Joh 4,35), versteht die Organisation als Aufforderung, über alltägliche Sorgen hinauszublicken. «Erhebt eure Augen, denn der Herr erhebt sich über Kriege, Konflikte, Schwierigkeiten und Sorgen», spielte der Vorsitzende der Bischofskonferenz und Erzbischof von Valladolid, Luis Argüello, bereits am Ostermontag auf das Motto an. Er betonte: «Der Besuch des Papstes wird uns im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe stärken.»

Das Logo der päpstlichen Spanienreise zeigt sich umarmende Menschen in Bewegung. Sie tanzen um eine Abbildung der Gottesmutter Maria sowie um einige Symbole der Besuchsorte. Madrid wird durch den Alcalá-Triumphbogen symbolisiert, Barcelona durch die Sagrada Família und die Kanarischen Inseln durch das Meer.

In den Fels gehauenes Symbol
Am ersten Tag seiner Reise wird Papst Leo XIV. vom spanischen Königspaar in der Hauptstadt Madrid empfangen; sie zählen zu den wenigen katholischen Monarchen weltweit. Erst zwei Tage später trifft der Pontifex mit dem sozialistischen Regierungschef Pedro Sánchez zusammen, und zwar nicht – wie üblich – an dessen Regierungssitz, sondern in der Vatikanbotschaft des Landes.

Am 7. Juni folgt auf die Heilige Messe mit Fronleichnamsprozession – in Spanien wird das Hochfest am Sonntag gefeiert – ein privates Treffen mit Angehörigen des Augustinerordens, den Leo XIV. über viele Jahre leitete.

Ein Besuch im Kloster Montserrat steht am Mittwoch, 10. Juni, auf dem Programm. Die Benediktinerabtei konnte 2025 ihr 1000-jähriges Bestehen feiern. Das Bergkloster rund 40 Kilometer nordwestlich von Barcelona ist ein in den Fels gehauenes Symbol für Nationalstolz und Unabhängigkeitsstreben ganz Kataloniens. 1881 erklärte Papst Leo XIII. die Muttergottes von Montserrat zur Schutzpatronin der Region. Seit 1947 thront die Marienfigur in der Basilika, nachdem sie zum Schutz während der Napoleonischen Kriege (1808–1814) und des Spanischen Bürgerkriegs (1936–1939) immer wieder versteckt wurde. Sie ist der Grund, warum die Benediktiner auf 720 Metern Höhe in den Bergen ihr Kloster errichteten – und unter Einsatz ihres Lebens beschützten. 1936 wurden dabei mehrere Mönche von anarchistischen Soldaten getötet. Sie gelten heute als Märtyrer der Katholischen Kirche.

 


Auch während der Franco-Diktatur (1939–1975) spielte Montserrat eine wichtige Rolle. Franco unterdrückte sämtliche Autonomiebestrebungen Kataloniens und verbot die katalanische Sprache. Das Kloster bot in dieser Phase politisch Verfolgten Unterschlupf und widersetzte sich mit religiösen Schriften der Zensur. Bis heute versuchen separatistische Kräfte, die sich von Spanien lossagen wollen, das Kloster für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Inzwischen verfolgen die dortigen Benediktiner einen gemässigteren Kurs und wollen Montserrat zu einem «Ort des Dialogs» machen, um gesellschaftliche Gräben zu überwinden.

Feierliche Einweihung
Das Motto «Erhebt eure Augen» gewinnt am Abend mit der Einweihung des Turms Jesu Cristi der Basilika Sagrada Família in Barcelona eine neue Bedeutung: Es handelt sich mit 172,5 Metern um den aktuell höchsten Kirchturm der Welt. Der feierliche Akt fällt genau auf den 100. Todestag des Architekten Antoni Gaudí. Papst Leo wird vor der Einweihung an seinem Grab beten. Gaudís Seligsprechungsprozess ist hängig; derzeit prüft der Vatikan ein Wunder auf seine Vermittlung hin.

Erzbischof Juan José Omella hätte sich nach eigenen Worten gewünscht, dass der laufende Seligsprechungsprozess bereits zur Einweihung des höchsten Kirchturms der Welt abgeschlossen gewesen wäre. «Allein für die Schönheit seines Sühnetempels hätte Gaudí die Erhebung zum Seligen verdient», so Barcelonas Erzbischof, der die Sagrada Família mit einem «Evangelium aus Stein» verglich.
 


Streit mit umgekehrten Vorzeichen
Nach Politik, Kirche und Kunst sind die beiden letzten Reisetage eng mit dem Thema Migration verknüpft. Dies sorgte im Vorfeld der Reise bereits für Streit zwischen Kirche und Vertretern der rechtspopulistischen Vox-Partei, die sich vehement gegen illegale Einwanderung ausspricht.

Ein lebensfeindliches Abtreibungsgesetz, aktive Sterbehilfe, staatliche Einmischung bei der kirchlichen Missbrauchsaufarbeitung: Es gäbe mit Blick auf die sozialistische Regierung zahlreiche Konfliktthemen, die Papst Leo XIV. bei seinem Spanien-Besuch eigentlich ansprechen müsste.

Doch es sind nicht die Sozialisten um Ministerpräsident Pedro Sánchez, mit denen die Katholische Kirche derzeit im öffentlichen Clinch liegt. Stattdessen dominiert der verbale Schlagabtausch zwischen den Bischöfen und der Vox-Partei seit Tagen die Schlagzeilen. Dabei bezeichnen sich die Rechtspopulisten eigentlich als Verteidiger christlicher Werte.

Doch der Papst dürfte am 8. Juni in seiner Rede vor dem Parlament womöglich etwas fordern, das Vox gar nicht gefällt: eine Willkommenskultur für afrikanische Migranten. Vox-Chef Santiago Abascal erklärte kürzlich in einem Interview, er werde dem Papst im Parlament aufmerksam zuhören. Zugleich stellte er vorsorglich klar: «Wenn uns ein religiöser Führer – sei es der Dalai Lama, der Papst, ein Rabbiner, ein Bischof oder ein Kardinal – sagt, wir müssten Masseneinwanderung und den Vormarsch des Islamismus in der Gesellschaft hinnehmen, werden wir ‹Nein› sagen.»

Mehr noch: Abascal übte erneut Kritik am Vorsitzenden der Spanischen Bischofskonferenz, Erzbischof Luis Argüello, und warf den Bischöfen zum wiederholten Mal vor, durch ihre Hilfswerke von illegaler Einwanderung zu profitieren. Wörtlich sagte der Politiker, Argüello habe nicht den Mut, die «mafiöse Regierung» zu kritisieren. «Denn die Regierung verschafft ihnen durch die Invasion ihre Geschäfte. Und das ist ihre Priorität: das Geschäft.»

Auswirkungen auf die Schweiz
Hintergrund des Streits ist nicht zuletzt die aktuelle Massenlegalisierung Hunderttausender illegal Eingewanderter durch ein ausserordentliches Verfahren der Regierung. Die Kirche zählt zu den Befürwortern der Regelung, von der laut Schätzungen bis zu 750 000 Personen Gebrauch machen könnten. Dies hätte auch Auswirkungen auf die Schweiz, da diese von der spanischen Regierung das Recht auf Freizügigkeit im gesamten Schengen-Raum erhalten.

Der Bischofskonferenz-Vorsitzende Argüello versucht nun, die Wogen zu glätten. Er rief zu einer Rückkehr zum Dialog und zum Verzicht auf polarisierende Parolen auf. Dies sei umso wichtiger beim Thema Migration, das die politischen Debatten nicht nur in Spanien, sondern in ganz Europa bestimme. In diesem Zusammenhang zitierte der Erzbischof Papst Leo XIV., der Ende April gesagt hatte, dass Staaten zwar ihre Grenzen kontrollieren dürften, aber die Würde ankommender Migranten geachtet werden müsse.

Papst Leo XIV. wird am 11. und 12. Juni die unter besonders hohem Migrationsdruck stehenden Kanarischen Inseln vor der Küste Afrikas besuchen. Seine Worte und Gesten werden sehr genau beobachtet werden.

Doch trotz der aktuellen Probleme und Diskussionen ist Luis Argüello, Vorsitzender der Spanischen Bischofskonferenz, überzeugt, dass Papst Leo den Spanierinnen und Spaniern Licht bringen wird. Gerade in den aktuell schwierigen Zeiten sei der Papst ein wichtiges ethisches Vorbild für Frieden, Dialog und demokratisches Zusammenleben, so der Erzbischof von Valladolid.
 

Es ist der erste Besuch eines Papstes seit 2011. Johannes Paul II. besuchte das Land insgesamt fünf Mal. Papst Benedikt XVI. nahm 2006 am Weltfamilientreffen teil. Es folgte 2010 anlässlich des Heiligen Jahres von Compostela ein Besuch in Santiago de Compostela sowie in Barcelona, wo er die Kirche Sagrada Família weihte. 2011 nahm der Pontifex am Weltjugendtreffen in Madrid teil. Papst Franziskus hingegen führten seine Reisen trotz spanischer Muttersprache nie nach Spanien.


KNA/Redaktion


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Bemerkungen :

  • user
    Claudio Tessari 19.05.2026 um 08:24

    Die Vertreter der Kirche, egal ob Papst Bischöfe oder Priester stehen nicht über dem Katechismus und dieser sagt klipp und klar: KKK 2241


    Die politischen Autoritäten dürfen im Hinblick auf das Gemeinwohl, für das sie verantwortlich sind, die Ausübung des Einwanderungsrechtes verschiedenen gesetzlichen Bedingungen unterstellen und verlangen, daß die Einwanderer ihren Verpflichtungen gegenüber dem Gastland nachkommen. Der Einwanderer ist verpflichtet, das materielle und geistige Erbe seines Gastlandes dankbar zu achten, dessen Gesetzen zu gehorchen und die Lasten mitzutragen.


    Ein Migration von hauptsächlich jungen muslimischen Männer, welche sich weder dem Gastland anpassen wollen, noch das geistige Erbe mittragen, ist sicherlich gegen das Gemeinwohl. In ganz Europa sehen wir diese Parallelstrukturen mit islamischen Ghettos. In Wien müssen christliche Mädchen bereits Kopftücher tragen, damit sie in Ruhe gelassen werden. Diese Islamisierung kann man sicherlich nicht mit NÄCHSTENLIEBE abtun. Die Hirten der Kirche sollten in der Migrationsfrage, langsam beginnen die Geister zu unterscheiden und nicht als linke Politiker fungieren.