«Adam und Eva im Garten Eden» von Johann Wenzel Peter, zwischen 1800 und 1828. (Bild: Public domain via Wikimedia Commons)

Neuevangelisierung

Para­die­sisch? – Paradiesisch!

Wie oft ver­wen­den wir das Wort «para­die­sisch»? Beson­ders in den Ferien füh­len wir uns manch­mal wie im Para­dies – wobei jeder seine eigene Vor­stel­lung vom Para­dies hat. Doch wo fin­den wir das wahre Paradies?

«Wir fühlen uns wie im Paradies!» «Es ist wirklich ein Paradies für Taucher!» «Unsere Ferien – einfach paradiesisch!» Solche und ähnliche Texte gehen aktuell ihren Weg um die Welt. Dahinter stehen einmalige Naturerlebnisse, unvergessliche Momente mit Menschen, Zeiten der Ruhe und Unbeschwertheit, ohne Stress, Ärger oder Konflikte.

Das verlorene Paradies
Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes «Paradies» (altiranisch pari daēza; hebräisch pardēs ) bezeichnete das Umzäunte, einen Park oder Garten – ein klar abgegrenzter Raum, in dem der Mensch in Sicherheit war.

Im zweiten Kapitel des Buches Genesis erzählt die Bibel vom Garten Eden. «Gott, der Herr, liess aus dem Erdboden allerlei Bäume wachsen, begehrenswert anzusehen und köstlich zu essen, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Ein Strom entspringt in Eden, der den Garten bewässert; dort teilt er sich und wird zu vier Hauptflüssen. […] Gott, der Herr, nahm den Menschen und gab ihm seinen Wohnsitz im Garten von Eden, damit er ihn bearbeite und hüte» (Gen 2,9–15).

In diesem irdischen Paradies lebten die ersten Menschen in Frieden mit den Tieren und frei von den Sorgen des Alltags. Vor allem aber lebten sie in der unmittelbaren Gegenwart Gottes.

Doch die weitere Geschichte ist bekannt: Die Menschen konnten der Versuchung nicht widerstehen, assen die verbotenen Früchte vom Baum der Erkenntnis und mussten das Paradies verlassen. «Gott vertrieb den Menschen und liess östlich vom Garten Eden die Kerubim wohnen und das lodernde Flammenschwert, damit sie den Weg zum Baum des Lebens bewachten» (Gen 3,24).

Der Garten Eden als Bild eines irdischen Paradieses, das nicht nur Fülle und Frieden, sondern auch das ewige Leben bereithält.

Leben in der Herrlichkeit Gottes
Steht die Erzählung vom irdischen Paradies am Anfang der Bibel, so findet sich im letzten Buch – in der Offenbarung des Johannes – eine Beschreibung des himmlischen Paradieses: «Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott her aus dem Himmel herabkommen; sie war bereit wie eine Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat. Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen: Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein. Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen: Der Tod wird nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal. […] Wer durstig ist, den werde ich unentgeltlich aus der Quelle trinken lassen, aus der das Wasser des Lebens strömt. Wer siegt, wird dies als Anteil erhalten: Ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein» (Offb 21,2–7).
 


Das neue Jerusalem ist ganz erfüllt von der Herrlichkeit Gottes. Es ist – formuliert mit der typisch starken Bildsprache der Offenbarung, die jede Vorstellung übersteigt – vollständig aus Gold und kostbaren Edelsteinen erbaut und von einer grossen und hohen Mauer aus Jaspis mit zwölf Toren umgeben. «Einen Tempel sah ich nicht in der Stadt. Denn der Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung, ist ihr Tempel, er und das Lamm. Die Stadt braucht weder Sonne noch Mond, die ihr leuchten. Denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie und ihre Leuchte ist das Lamm» (Offb 21,22–23).

Vom Thron Gottes und des Lammes entspringt der Strom des Wassers des Lebens, und mitten in der Stadt steht der Baum des Lebens. Das neue Jerusalem steht für Überfluss und für die alles erfüllende Gegenwart Gottes.

Beide Paradiesdarstellungen verbinden dieselben zentralen Elemente: den Baum des Lebens, das Wasser und das Leben im Angesicht Gottes.

Das Paradies steht offen
Während der erste Adam der Versuchung erlag, widerstand der neue Adam, Jesus Christus, den Versuchungen in der Wüste. Wenn der Evangelist Markus berichtet, Jesus habe bei den wilden Tieren gelebt und Engel hätten ihm gedient (vgl. Mk 1,13), scheint hier bereits etwas vom endzeitlichen Paradies auf.

Das durch Adam verlorene Paradies wird durch das Leiden, Sterben und die Auferstehung Jesu Christi wieder geöffnet. Deshalb konnte Jesus dem reumütigen Verbrecher am Kreuz versprechen: «Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein» (Lk 23,43). Verschiedene Kirchenväter sahen deshalb im Kreuz den neuen Baum des Lebens: Wie durch den Baum der Erkenntnis das Verderben über die Menschheit kam, so bringt das Kreuz das ewige Leben. Brachte das Essen von den Früchten des Baums der Erkenntnis das Unheil, so verheisst der Herr: «Wer durchhält und den Sieg erringt, dem will ich die Früchte vom Baum des Lebens zu essen geben, der in Gottes Paradies steht» (Offb 2,7).

Hat Gott nach dem Sündenfall Adam und Eva mit Tierfellen eingekleidet, so werden wir durch das Wasser der Taufe von der Sünde gereinigt, zum neuen Leben erweckt und mit Christus bekleidet (vgl. Gal 3,27).

Das Paradies, das uns erwartet, ist die ewige Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott. «Dieses Mysterium der seligen Gemeinschaft mit Gott und all denen, die in Christus sind, geht über jedes Verständnis und jede Vorstellung hinaus. Die Schrift spricht zu uns davon in Bildern, wie Leben, Licht, Frieden, festliches Hochzeitsmahl, Wein des Reiches, Haus des Vaters, himmlisches Jerusalem und Paradies» (KKK 1027).

Dann werden wir in die «Freude des Herrn» eingehen und erleben «was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist; das Grosse, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben» (1 Kor 2,9).

Paradiesische Momente oder Orte auf Erden sind schön und kostbar, aber sie sind vergänglich. Erst im himmlischen Paradies werden wir – zutiefst erfüllt von Gottes Liebe – wahres und bleibendes Glück finden. Deshalb dürfen wir bei aller Freude über die schönen Momente hier auf Erden das eigentliche Ziel unseres Lebens nicht aus den Augen verlieren. Seit der Heilstat Jesu Christi steht uns das neue Jerusalem offen. Er selbst ist der Weg, der zum Paradies führt. An uns liegt es, diesen zugegeben manchmal beschwerlichen und mühsamen Weg im Glauben zu gehen. Es lohnt sich!


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

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Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

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    Meier Pirmin 24.07.2026 um 07:08
    PS. Nicht nur die Bilder vom Schlaraffenland im Globi-Buch waren verfänglich, auch die Illustration oben mit dem Paradies, in welches auch die Tiere einbezogen sind. Dass der Löwe "Stroh frisst", wie ein verstorbener Neffe von mir noch von einer Katechetin hörte, kann kritische Fragen provozieren. "Wozu hat er dann seine spitzen Reiss-Zähne?" Eine echt gute, tiefsinnige, eben "kritische" Frage. Der Zweifler ist später aus der Kirche ausgetreten, jedoch kurz vor seinem Tode wieder eingetreten, freilich dann nicht auf "sittlich erlaubte Weise" aus dem Leben geschieden. Die Frage nach den Zähnen des Löwen bleibt aber sein ewiges Vermächtnis für jeden künftigen Religionsunterricht.
    • user
      Martin Meier-Schnüriger 24.07.2026 um 08:57
      Was heisst hier "von einer Katechetin"? Der Stroh fressende Löwe stammt aus der Bibel (Jesaja 65,25), und das Bild will den allgemeinen Frieden illustrieren, der im Paradies zwischen allen Geschöpfen herrscht.
      • user
        Meier Pirmin 24.07.2026 um 12:11
        Gern wollen wir hoffen, dass katechetinnen, die zum Beispiel noch bei Pater Albert Ziegler in "Theologischen Kursen für Laien" ausgebildet wurden, bibelgetreuten Unterricht erteilten. Nebst dem Stroh fressenden Löwen ist bekanntlich die Verfluchung eines Feigenbaums durch Jesus eine bekannte Knacknuss für den Reigionsunterricht, wohingegen es sich bei "Der Hase ist ein Wiederkäuer" (Luther) um die Fehleinschätzung eines nahöstlichen Wüstenviechs handelt. Sowieso bedeutete es nur, wenn schon: dieses Tier darf man essen!
  • user
    Meier Pirmin 24.07.2026 um 06:58
    Solche Betrachtungen, die man im Vergleich zu mehr "kirchenpolitischen" Diskussionen, wo man auch Polemik abreagieren kann, zählen zu den zweifelsfrei kostbareren Seien dieses Forums. Aufpassen muss man wohl, dass man "Paradies" nicht mit einer Art Schlaraffenland verwechselt, siehte "Globi im Schlaraffenland", welches Buch ich 1955 im Spital las, samt verfänglichen Illustrationen. Wo einem gebratene Tauben ins Maul fliegen usw. Wichtig scheint mir in dieser Darstellung das Umzäunte, welches an die tiefsinnigsten Visionen von Bruder Klaus erinnert. Eher nahe liegt der Gedanke einer Einheit in Gott, der Vereinigung, Unio, was nicht mit einem allgemeinen Wiedersehen im Jenseits zu verwechseln ist, eher schon mit einer Art Teilhabe an der Dreifaltigkeit zu tun hat, was Kurt Marti einmal "die Geselligkeit Gottes" nannte. Würde dies aber nicht mit einer mystischen "Gottwerdung" verwechseln.
  • user
    Niklaus Heber 23.07.2026 um 16:31
    Wie schön! Was für ein schöner Ausblick!

    Zentral für ein Paradies ist, wie auch in der Bibel beschrieben, dass jene nicht hereinkommen können, mit denen es sonst kein Paradies mehr wäre.

    Dann wird es heissen: Hättet ihr mal gehört!
    • user
      Stefan Fleischer 24.07.2026 um 07:26
      Sehr richtig.
      Ich selbst stellte mir das Paradies so vor wie eine wohlfunktionierde Familie, wo sich alle lieben und jeder freudig die ihm zugeteilten Aufgaben erfüllt. So wird dann das sog. Fegfeuer der Ort und die Zeit, wlo wir all das noch lernen müssen, was es dazu baucht und wir hier und jetzt nicht schon gelernt haben.