«Er starb mit dem Rosenkranz in der Hand, so wie er gelebt hatte: als Missionar, der sich ganz hingegeben hatte», so fasst Pfarrer Benoît Campion im Gespräch mit «Fides» das Leben von Pater Amédée Benoît zusammen, einem Priester der «Missions Etrangères de Paris» (MEP), der 1954 im Alter von erst 40 Jahren in Vietnam ermordet wurde.
In Treue zur inneren Berufung
Amédée Charles Benoît wurde 1913, am Vorabend des Ersten Weltkriegs, in eine kinderreiche Familie geboren, die tief vom Glauben und vom Pfarreileben geprägt war. Die Familie betete gemeinsam, besuchte die Heilige Messe und praktizierte gelebte Nächstenliebe.
Nach seiner Priesterweihe 1937 war er zunächst acht Jahre in Saint-Didier-au-Mont-d'Or in der Diözese Lyon als Vikar tätig, doch nach und nach entwickelte sich in ihm eine neue Berufung: die der Mission «ad gentes». Amédée Benoît schloss sich der «Missions étrangères de Paris» an, jener geistlichen Gemeinschaft, die Hunderte von Priestern nach Asien entsandte. «Er suchte nicht das Abenteuer, sondern folgte in Treue einer ganz klaren inneren Berufung», so Pfarrer Benoît Campion.
Pater Amédée, der für die Mission in Quy Nhon in Zentralvietnam bestimmt war, verliess Frankreich 1946 und erlernte zunächst die Sprache und die Kultur dieses ostasiatischen Landes. Es war politisch eine schwierige Zeit: Der Versuch Frankreichs, nach dem Zweiten Weltkrieg das inzwischen unabhängige Nordvietnam wieder unter seine Kontrolle zu bringen, führte 1946 zum Ausbruch des Ersten Indochinakrieges. Dabei standen sich Frankreich und die «Liga für die Unabhängigkeit Vietnams» (kurz Vietminh) gegenüber. Letztere setzte sich aus nationalistischen und kommunistischen Gruppen unter der Führung von Hồ Chí Minh zusammen.
Im Februar 1949 begab sich Pater Amédée nach Trakieu, um als Lehrer und Ökonom am Kleinen Seminar zu wirken. Mit sich selbst war der kühl und zurückhaltend wirkende Priester streng, doch als Lehrer war er bei seinen Schülern sehr beliebt. Er besass gute Menschenkenntnisse und zu seinen intellektuellen Qualitäten gesellte sich eine grosse Herzensgüte.
Die eigene Angst überwunden, um andere zu ermutigen
Nach einem kurzen Aufenthalt im Süden kehrte er im Februar 1952 nach Trakieu zurück, jetzt als Pfarrer dieses grossen Bezirks. Das Gebiet war durch den Krieg in eine regelrechte Festung verwandelt worden und konnte viele Monate nur per Flugzeug versorgt werden. Pater Amédée war unermüdlich unterwegs, um die Messe zu feiern, Beichte zu hören, Religionsunterricht zu erteilen und Kranke zu besuchen; dabei nahm er sich auch der Soldaten des benachbarten Militärpostens an. Er war einer der wenigen, die es wagten, die verminte Strasse zu befahren. Eine Kampfpause nutzte er, um im angegriffenen Militärposten sterbenden Soldaten die letzte Ölung zu geben. Von den Menschen wurde er für seinen Mut bewundert: Beim Ertönen des Alarms suchten sie Zuflucht beim Pfarrhaus, wo sie sich in grösserer Sicherheit wähnten, denn allein die Anwesenheit ihres Pfarrers gab ihnen neues Vertrauen. Mitbrüdern gestand er, dass er sich von Zeit zu Zeit eine solche Heldentat erlaube, um seine eigene Angst zu überwinden und die ihm anvertrauten Menschen zu ermutigen.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :