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Kommentar

Pius-​Bruderschaft: Der Ball liegt beim Vatikan

Die Pius-​Bruderschaft hat gegen die Exkom­mu­ni­ka­tion der von ihr vor­ge­nom­me­nen Bischofs­wei­hen Rekurs bei der zustän­di­gen Behörde des Vati­kans ein­ge­reicht. Es ist dies der gege­bene Anlass, auch die bis­he­rige Pra­xis gegen­über der rom­treuen Petrus-​Bruderschaft zu revidieren.

Am 1. Juli 2026 hat in Ecône die Bruderschaft St. Pius X. vier Priester zu Bischöfen geweiht. Bereits einen Tag später bezeichnete das Dikasterium für die Glaubenslehre in einem von Kardinal Victor Fernandez unterzeichneten Dekret diese Weihehandlung als schismatischen Akt mit der Folge der automatischen Exkommunikation. Letztere betrifft nicht nur die vier neu geweihten Bischöfe, sondern auch Alfonso de Galarreta, der die Weihen vorgenommen hatte, sowie den Konzelebranten Bernard Fellay.

In der dem Dekret beigefügten Nota esplicativa wurden darüber hinaus auch alle der Pius-Bruderschaft angehörenden rund 700 Priester exkommuniziert, ebenso wie alle Laien, die sich «formell der Pius-Bruderschaft anschliessen».

Wie nun die Pius-Bruderschaft am 13. Juli 2026 mitgeteilt hat, beschreitet sie gegen das genannte Dekret den Rechtsweg. Gemäss den Vorschriften des kanonischen Prozessrechts hat sie fristgerecht eine Beschwerde eingereicht. Diese muss laut can. 1734 § 1 des kirchlichen Gesetzbuches bei jener Behörde eingereicht werden, welche das beanstandete Dekret erlassen hat, in diesem Falle also beim Dikasterium für die Glaubenslehre. Wichtig zu wissen: Die von der Pius-Bruderschaft eingereichte Beschwerde hat aufschiebende Wirkung, da sie sich gegen eine verhängte oder festgestellte Strafe richtet (vgl. can. 1353).

Die Pius-Bruderschaft hält zwar in ihrem Communiqué fest, dass sie ihre Beschwerde «in einem Geist des Respekts gegenüber der kirchlichen Autorität und in treuer Verbundenheit bezüglich der Gerechtigkeit, der Wahrheit und dem Wohl der Kirche eingereicht hat» und «vertrauensvoll in die Hände der zuständigen Autoritäten legt». Gleichwohl müssen die Erfolgsaussichten dieser Beschwerde infolge der gravierenden dogmatischen Differenzen aus objektiver Warte als gering, ja aussichtslos eingeschätzt werden. Denkbar ist allenfalls eine (notwendige!) Klärung des obskuren Satzes im Dekret, demzufolge auch Laien, die der Pius-Bruderschaft beitreten («aderire»), die Tatstrafe der Exkommunikation auf sich ziehen. Die Frage sei erlaubt: Wie muss man sich den Beitritt von Laien zu einer Gemeinschaft vorstellen, die per definitionem nur aus Klerikern besteht?

Neue Wege?
Von weit grundlegenderer Bedeutung ist – obwohl damit in einem inneren Zusammenhang stehend – die Frage, wie der Vatikan mit jenen Gläubigen umgehen will, die, um es in den Worten von Kardinal Koch zu formulieren, sich zwar den klassischen Formen der Liturgie verbunden fühlen, «ohne dass sie den ganzen ideologischen Überbau der Pius-Bruderschaft teilen. Für diese Gläubigen, denke ich, müsste man neue Wege suchen».

Doch was heisst hier «neue Wege?». Kardinal Koch hat an gleicher Stelle diplomatisch verpackt, aber unmissverständlich, die Antwort gegeben: «Papst Benedikt hat ja in seinem Schreiben Summorum Pontificum einen Weg gewiesen. Papst Franziskus hat ihn hier radikal gebremst» (Interview von Kardinal Kurt Koch mit Jan-Heiner Tück in der Zeitschrift Communio vom 4. Juli 2026).

Der wunde Punkt
Damit legt Kardinal Koch den Finger auf den wunden Punkt, sprich das Apostolische Schreiben «Traditionis custodes» vom 16. Juli 2021. Denn darin hatte Papst Franziskus die Bemühungen seiner beiden Vorgänger, Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI., eine Brücke zu den Anhängern der traditionellen Liturgie zu bauen, jäh gestoppt.

Papst Johannes Paul II. hatte 1988 im Motu Proprio «Ecclesia Dei» festgehalten, dass die überlieferte Form der römischen Liturgie gar nie abgeschafft worden war und demzufolge weiterhin auf legitime Weise zelebriert werden dürfe. Papst Benedikt XVI. ging mit dem Motu Proprio «Summorum Pontificum» noch einen Schritt weiter. Er stellte die Feier der Liturgie in der traditionellen Form unter seinen Schutz und erlaubte deren freie Ausübung. In seinem Begleitbrief schrieb Papst Benedikt XVI. damals: «Was früheren Generationen heilig war, bleibt auch uns heilig und gross; es kann nicht plötzlich rundum verboten oder gar schädlich sein. Es tut uns allen gut, die Reichtümer zu wahren, die im Glauben und Beten der Kirche gewachsen sind und ihnen ihren rechten Ort zu geben».

Ganz anders sah es Papst Franziskus. Dem mit liturgischer Würde und Feierlichkeit zeitlebens fremdelnden Pontifex aus Argentinien war die Wertschätzung der traditionellen Liturgie durch seine Vorgänger umso mehr ein Dorn im Auge, als diese insbesondere bei Jugendlichen auf positive Resonanz mit zunehmender Tendenz stiess. Zur Begründung seiner Kehrtwende machte Papst Franziskus im Begleitschreiben zu «Traditionis custodes» geltend, die weltweite Konsultation der Bischöfe habe eine Situation zutage gefördert, die «mich beunruhigt und betrübt und mich von der Notwendigkeit eines Eingreifens überzeugt hat». Und weiter: «Ich sehe mich gezwungen, unter dem Druck der Bischöfe zu handeln» (katholisches.info vom 8. Juli 2025).

Der Tod kann Siegel brechen
«Der Tod kann Siegel brechen», heisst ein altes Sprichwort. Die Vatikanexpertin Diane Montagna gelangte nur wenige Monate nach dem Tod von Papst Franziskus in den Besitz amtlicher Dokumente, deren Echtheit vom Direktor des vatikanischen Presseamtes, Mateo Bruni, indirekt bestätigt wurde.  Diese Dokumente belegen, dass die Mehrheit der Bischöfe, die überhaupt an der Umfrage teilnahmen, sich mit dem Motu Proprio von Papst Benedikt zufrieden zeigte, ja, dessen Rücknahme als schädlich einschätzte (katholisches.info ibid.). Die damalige Glaubenskongregation wird u.a. mit dem Satz zitiert: «Eine Schwächung oder Abschaffung von Summorum Pontificum würde dem kirchlichen Leben schweren Schaden zufügen, da sie die Spannungen wieder aufleben liesse, die durch dieses Dokument bereits überwunden worden waren.» Gemäss dem Nachrichtenportal CNA vom 2. Juli 2025 sollen sich sogar die alles andere als konservativ geltenden deutschen Bischöfe die bisherige Praxis mit dem Motu Proprio «Summorum Pontificum» von Papst Benedikt XVI. als positiv bewertet haben.

Schwerer noch als diese Falschmünzerei rund um die Genesis von «Traditionis custodes» wiegt der Inhalt dieses Apostolische Schreibens selbst. Es spiegelt so ziemlich das pure Gegenteil dessen, was Papst Franziskus zu den Schwerpunkten seines Pontifikates erklärt hat. So ist in diesem Dokument statt Synodalität bzw. Verlagerung von Kompetenzen nach unten ein exzessiver Zentralismus angesagt: Priester, die nach Inkraftsetzung von «Traditionis custodes» geweiht werden und die Messe im traditionellen Ritus feiern wollen, brauchen ab sofort eine Genehmigung von höchster Stelle, sprich des Apostolischen Stuhls.

Auch die von Franziskus ansonsten bei jeder Gelegenheit beschworene «Misericordia» sucht man in diesem Dokument vergebens: Eucharistiefeiern in der traditionellen Form dürfen nicht mehr in Pfarrkirchen zelebriert, neue Personalpfarreien nicht mehr errichtet werden: Unbarmherziger geht’s nicht mehr. Das Dokument endet mit dem Satz: «Ich ordne an, dass all das, was ich mit diesem Apostolischen Schreiben in Form eines Motu Proprio entschieden habe, in allen seinen Teilen, ungeachtet gegenteiliger Bestimmungen, auch wenn sie besonderer Erwähnung wert wären, befolgt wird».

Man wird bei der Lektüre dieses Dokumentes den Eindruck nicht los, Papst Franziskus hätte den traditionellen Ritus am liebsten ganz verboten. Aber aus der Befürchtung heraus, dadurch noch mehr Gläubige in die Arme der Pius-Bruderschaft zu treiben, davon abgesehen hat.

Die jüngst vorgenommenen Bischofsweihen der Pius-Bruderschaft, die darauffolgenden Exkommunikationen sowie die dagegen erhobene Beschwerde an den Apostolischen Stuhl sind der gegebene Anlass, in Sachen «Traditionis custodes» gründlich über die Bücher zu gehen. Mehrere bedeutende Kirchenvertreter sprechen sich für eine völlige Rücknahme dieses «Daumenschrauben-Dokumentes» aus. Darunter auch Erzbischof Georg Gänswein, ehemaliger Sekretär von Papst Benedikt XVI. Gegenüber der italienischen Tageszeitung «Il Giornale» äusserte er die Hoffnung, dass die Restriktionen von «Traditionis custodes» aufgehoben werden.

In der Tat tut der Vatikan gut daran, im Interesse seiner eigenen Glaubwürdigkeit das fehlgeleitete Dokument «Traditionis Custodes» einer kritischen Analyse zu unterziehen. Und Papst Leo XIV. darf daran erinnert werden, dass die ureigene Aufgabe eines jeden Papstes darin besteht, Pontifex, also Brückenbauer, zu sein.


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

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Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

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    Sepp Traxler 27.07.2026 um 15:16
    Ich verstehe diesen "internen Krieg" absolut nicht, es schadet unserem Glauben und diese Streitereien bringen doch überhaupt gar nichts...
    Es wäre ganz einfach: Regeln einhalten - basta! Ansonsten muss es Konsequenzen haben!
  • user
    Peter Menke 21.07.2026 um 17:41
    Der WWF will Panda-Bären schützen, UNESCO stellt Gebäude und Regionen unter Denkmalschutz und Weltkulturerbe - aber die heilige Messe aller Zeiten soll ausradiert werden: Das ist ein Skandal was sich hier Papst und Bischöfe erlauben!
    • user
      Sabine Sutter 21.07.2026 um 19:09
      Jeglicher Versuch unser kulturelles Erbe auszulöschen gehört vor dem Internationalen Strafgerichtshof abgeurteilt.
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    Schwyzerin 21.07.2026 um 09:37

    Papst Benedikt XIV. hob am 21. Januar 2009 die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. auf, primär aus dem Motiv der Wiederherstellung der kirchlichen Einheit. Ein entscheidender rechtlicher Aspekt war, dass die vier Bischöfe zuvor schriftlich den Primat des Papstes anerkannt hatten. Da der ursprüngliche Grund für die Exkommunikation im Jahr 1988 die Bischofsweihe ohne päpstliche Zustimmung gewesen war, entfiel dieser Grund nach der Anerkennung der päpstlichen Autorität. Benedikt XVI, betonte, dass die Aufhebung eine Geste des Friedens sei und keine Billigung der teologischen Positionen der Traditionalisten.



    Wer Jesus im Glauben annimmt, erhält Anteil an Ihm. Er gehört, so beschreibt es der Apostel Paulus (vgl. Gal 2,20), nicht sich selbst, sondern zu Christus. Mit dem Glauben an Christus wird der Mensch Teil seines Leibes, der die Kirche ist (vgl 1 Kor 12,27). Er tritt in die Gemeinschaft mit Christus ein und diese Gemeinschaft ist die Kirche. Deshalb gilt: Es gibt keinen Glauben an Christus, der nicht zugleich kirchlich wäre.


    Bereits aus diesem Blickwinkel wird deutlich: Die Kirche ist weit mehr als eine bloss menschliche Institution. Sie ist Leib Christi (vgl. 1 Petr 2,9). Braut Christi (vgl. Offb 21.9). Die Zugehörigkeit zur Kirche ist daher keine äusserliche Formalität, sondern Ausdruck und Vollzug der Gemeinschaft mit dem Herrn. Wer in Christus ist, gehört zur Kirche, nicht aus organisatorischen Gründen, sondern weil es zur Natur des Glaubens gehört, dass er in Gemeinschaft gelebt wird. Wie es der heilige Cyprian von Karthago formuliert: "Niemand kann Gott zum Vater haben, der nicht die Kirche zur Mutter hat.


    Ausschnitt aus 16. Der Glaube ist kirchlich aus WEGWEISUNG ZUM GLAUBEN von Don Ralph Weimann



    Es kommt auf den wahren Glauben an.

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      Stefan Fleischer 21.07.2026 um 11:45
      «Es gibt keinen Glauben an Christus, der nicht zugleich kirchlich wäre.»
      Das ist m.E. eine gefährliche Behauptung. Wie viel Christen glauben heute an Christus und gehören nicht der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche an, ja wollen ihr nicht angehören. Für uns gehört die Zugehörigkeit zur Kirche Christi zum Glauben. Damit verbunden ist auch der Glaubensgehorsam, welcher den Gehorsam gegenüber dem Nachfolger Petri einschliesst. Wer diesem den Gehorsam verweigert, verweigert ihn Christus dem Herrn, dessen Stellvertreter hier auf Erden der Papst ist.
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    Schwyzerin 20.07.2026 um 11:02
    Der Präfekt Kardinal Viktor Manuel Fernandes fordert von der Piusbruderschaft die volle Anerkennung des II. Vatikanischen Konzils, obwohl es kein Dogma ist. Also ein Paket von Dogmen. Das II. Vatikanische Konzil kann man nicht korrigieren so der Kardinal. Weihbischof Athanasius Schneider hat Kardinal Fernandes wiedersprochen. Ein pastorales Konzil kann man korrigieren. Das II. Vatikanische Konzil hat Fehler. Das kann man nicht so belassen. Mehrdeutigkeiten muss man korrigieren. In diesem Zusammenhang unterstützt bei der Verkündigung des Evangeliums Präfekt Kardinal Fernandes den Papst und die Bischöfe nicht. Seine primäre Aufgabe des Dikasteriums für die Glaubenslehre kommt der Präfekt Kardinal Fernandes nicht nach, weshalb ein Dialog mit der Piusbruderschaft gar nicht möglich ist.

    Ein Dikasterium für die Tradition, das ist gut. Denn in der Tritentinische Messe oder alten Messe wird das Evangelium verkündet. Da hört man das wahre Evangelium. Das genügt, mehr braucht es nicht.
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      Stefan Fleischer 20.07.2026 um 20:14
      Traurig aber wahr! Ich bin nach wie vor überzeugt, hätte EB Lefebvre am Ende des Konzil seine Opposition aufgegeben und begonnen kontruktiv und energisch an der korrekten Umsetzung mitzuarbeiten, unsere Kirche stünde heute wesentlich besser da. Es ist doch jedermann klar, dass Ungehorsam praktisch nie gut ausgehen kann, weil dieser mehr Gräben aufreisst, als er füllt. Deshalb liegt der Ball heute nicht in Rom, sondern, sondern in Ecône. Doch der Ungehorsam der Bischofweihen hat uns um Jahrzehnte zurück geworfen. Ich denke oft, da kann nur noch ein Wunder helfen.
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    Stefan Fleischer 19.07.2026 um 15:30
    Meine Meinung:
    «Doch es genügt nicht, traditionsverbundenen Katholiken grosszügigere Ausnahmen zu gewähren.» Noch weniger genügt es, das Schwarzpeterspiel ewig weiter zu spielen. Es müssen endlich Lösungen auf den Tisch, die aus diesem Teufelskreis heraus führen. Ich frage mich immer mehr, wie sich die Dinge entwickelt hätten, wenn der EB im Sinn seines Gehorsamsgelübde das ganze Konzil anerkannt, und im Vertrauen auf Gott und im Gehorsam gegenüber der Kirche und dem Papst, seine ganze Energie und die seiner Anhänger für dessen Verwirklichung im Sinn und Geist dieser Versammlung eingesetzt hätte. Das hätte unserer Kirche manches erspart und den Gedanken an eine mögliche Abspaltung gar nicht erst aufkommen lassen. Das hätte dann auch die Aufsplitterung und die gegenseitigen Stellungskämpfe zwischen unter den Freunden der Tradition verhindert und nicht zuletzt zu einer Erneuerung der Liturgie geführt, welche nicht so weit von den Vorstellungen der Konzilsväter gelegen wäre wie die heutige Realität. Doch ich bin immer noch, ja immer mehr überzeugt, dass es mit Gottes Hilfe möglich sein müsste, das Rad zurück zu drehen und die Einheit im Glauben und im Glaubensgehorsam wieder herzustellen. Dass dabei der Bruderschaft eine Führungsrolle zufallen würde, scheint mir klar zu sein, denn das Ganze verlangt von allen Einsicht und Umkehr, ganz besonders aber von dieser.
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    Joseph Laurentin 19.07.2026 um 10:33
    Zutreffend weist der Artikel darauf hin, dass Traditionis custodes die Spannungen verschärft hat. Doch es genügt nicht, traditionsverbundenen Katholiken grosszügigere Ausnahmen zu gewähren. Solange die überlieferte Messe nur aufgrund widerrufbarer Privilegien gefeiert werden darf, bleiben Priester und Gläubige vom Wohlwollen der kirchlichen Autorität abhängig. Diese Unsicherheit fördert auch das Schweigen. Wer um sein Apostolat fürchten muss, wird Missstände oder Irrtümer kaum offen kritisieren. Die jüngsten Entwicklungen in Dijon, Quimper und Valence zeigen, wie fragil die Situation traditionsverbundener Gemeinschaften sein kann. Wenn Papst Leo XIV. wirklich Brücken bauen will, muss die überlieferte Liturgie daher wieder als selbstverständlicher und vollwertiger Bestandteil des kirchlichen Lebens anerkannt werden. Ebenso darf ihre Feier nicht an die vorbehaltlose Anerkennung sämtlicher Konzils- und Nachkonzilstexte gebunden sein. Ein echter theologischer Dialog setzt voraus, dass mehrdeutige oder problematische Aussagen offen erörtert werden können. Wer erklärt, an den Konzilstexten dürfe «kein Komma» verändert werden, schliesst einen solchen Dialog von vornherein aus. Nach den vom Glaubensdikasterium am 2. Juli veröffentlichten Richtlinien sollen Priester der FSSPX, die in die volle Gemeinschaft zurückkehren möchten, das Zweite Vatikanische Konzil, die Legitimität des Novus Ordo sowie die Professio fidei und die Formula adhaesionis annehmen. Gerade hierin sieht die Bruderschaft die Gefahr, dass offene Fragen zum Konzil und zu den nachkonziliaren Reformen nicht mehr frei diskutiert werden können.
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    Schwyzerin 19.07.2026 um 00:37
    Die Piusbruderschaft hat innert Frist von 10 Tagen am 11. Juli 2026 Berufung gegen das Dekret der Exkommunikation Bischöfe von Kardinal Viktor Manuel Fernandes beim Dikasterium für die Glaubenslehre eingereicht. Erst nach der Ablehnung dieser Berufung, kann eine Beschwerde an die weitere Instanz des apostolischen Gerichtshof gemacht werden. Kardinal Fernandes wird die Berufung sicher ablehnen. Dann kommt es auf den apostolischen Gerichtshof an, wie sie die Exkommunikation beurteilen.

    Kardinal Raymond Leo Burke fordert mit Nachdruck die Errichtung eines eigenen Dikasterium für die Tradition im Vatikan. Diese Forderung stellte er in einem Interview mit dem The College of Cardinals Report, das im Juli 2026 veröffentlicht wurde. Der Kardinal steht in diesem Schritt eine notwendige Massnahme, um den überlieferten Ritus der Kirche dauerhaft zu schützen und die aktuelle liturgische Unsicherheit zu beenden. Zusätzlich zur Schaffung einer neuen Behörde verlangt Burke die Korrektur des Motu Proprio "Traditionis custodes" von Papst Franziskus, welches die Feier der alten Messe stark eingeschränkt hat. Er ist der Überzeugung, dass der überlieferte Ritus ein "bleibendes Gut der Kirche" ist und nicht durch administrative Hürden eingeschränkt werden darf. Ein eigenes Dikasterium würde sicherstellen, dass die Anliegen der Gläubigen, die den Usus Antiquior pflegen, auf höchster der Kirchenverwaltung vertreten sind, anstatt als Problemfall in anderen Abteilungen behandelt zu werden.

    Es ist so, dass Gläubige, die den Usus Antiquior pflegen nicht vertreten sind. Die Tridentische Messe oder alte Messe wurde auch in Kapelle verweigert. Der Generalvikar der Röm.-kath. Kantonalkirche setzt den bisherigen Pfarrer ab und setzt einen Pfarradministrator ein, bis er zum Pfarrer ernannt wird, der die alte Messe ablehnt. Lieber haben sie die Kapelle leer, als sie die Tridentinische Messe zu zulassen. Die alte Messe muss man schützen. Ich hoffe sehr, dass im Vatikan ein Dikasterium für die Tradition errichtet wird.
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      Stefan Fleischer 19.07.2026 um 10:15
      So richtig das alles auch sein mag. So wie ich die Lage beurteilen kann, fehlten und fehlen immer noch konkrete Schritte von der Seite der Bruderschaft um Lösungen für das Problem zu finden. Insbesondere von Papst Benedikkt gab es riesige, leider erfolglose Bemühungen diesbezüglich. Ich habe das Gefühl, dass das (an sich unglückliche) Vorgehen von Papst Franziskus nicht zuletzt auch der Situation zuzuschreiben ist, dass er nicht mehr an die Möglichkeit glaubte, die Bruderschaft könnte noch zur Einsicht und zur Umkehr von ihrem kirchenspalterischen Weg kommen. Genau deshalb habe ich meinen Kommentar geschrieben, weil ich die Hoffnung noch nicht aufgegeben habe.
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    Stefan Fleischer 18.07.2026 um 21:00
    Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die Annullierung von Traditionis custodes die Situation sicher beruhigen könnte. Doch damit wäre das Problem noch nicht gelöst. Nötig wäre, dass sich die Piusbruderschaft von ihrer Rolle als Opposition gegen alles Neue löst und sich zu einer konstruktiven Opposition mausert, zu einer Kraft welche tatkräftig an den Zielen des Konzils mitarbeitet und dabei ein Augenmerk auf all das hat, was über das Konzil hinaus geht und/oder ins gegensätzliche Extrem zu rutschen droht. Für diese Aufgabe könnte, ja sollte sie sich mit den anderen Freunden der Tradition verbinden. Das ergäbe eine schlagkräftige Truppe im Dienst der Kirche und des Heiligen Vaters.