Die Piusbruderschaft zeigt sich überrascht über das Schweigen von Papst Leo XIV. zu ihrer drohenden Exkommunikation. Es sei sein «aufrichtigster Wunsch», den Papst noch vor den für 1. Juli geplanten verbotenen Bischofsweihen zu treffen, sagte der Generalobere der Bruderschaft, Davide Pagliarani, dem eigenen Pressedienst «FSSPX.Actualités». Es gebe jedoch bislang weder eine Antwort noch eine persönliche Reaktion von Papst Leo XIV.
Pikant: Pater Pagliarani erinnert in diesem Zusammenhang an Papst Franziskus, welcher der vorkonziliaren Liturgie mit kirchendisziplinarischer Härte entgegengetreten war und dessen Amtsführung und Programm der Pius-Obere insgesamt als eine «Katastrophe» bezeichnet. Es sei wohl «nur ein Detail, aber als ich um ein Treffen mit ihm im Vatikan bat, erhielt ich binnen 24 Stunden eine Audienz, und er zeigte sich besonders freundlich», so Davide Pagliarani.
Der aktuelle Generalobere Davide Pagliarani betonte nun: «Bevor man eine Gemeinschaft mit mehr als 1000 Mitgliedern, die für Hunderttausende Gläubige weltweit einen Bezugspunkt darstellt, vielleicht für schismatisch erklärt, wäre es vielleicht wünschenswert, jene persönlich kennenzulernen, über die geurteilt werden soll.» Die geplante Sanktion betreffe nicht nur eine Institution, sondern auch «Menschen, die dem Papst und der Kirche zutiefst verbunden sind».
Nein zu Reformen des Konzils
Die Priesterbruderschaft Sankt Pius X. (FSSPX) will am 1. Juli in Écône VS vier ihrer Priester zu Bischöfen weihen. Da der Papst die Weihe wegen lehrmässiger Differenzen mit den Piusbrüdern nicht erlaubt hat, droht den Kandidaten sowie dem weihenden Bischof nach dem Kirchenrecht die automatische Exkommunikation, also der Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft.
Die Piusbrüder lehnen die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) etwa zu Ökumene und Religionsfreiheit sowie die Messfeier nach dem sogenannten Neuen Ordo ab. In der Formulierung des Konzils, dass Muslime wie die Christen und Juden in der Tradition Abrahams den Schöpfer anerkennen und gemeinsam mit ihnen den einen Gott anbeten, sehen die Piusbrüder einen religionsgeschichtlichen Relativismus, der jenseits der Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus eine gemeinsame Menschheitsreligion annimmt. Dem widerspricht Kardinal Gerhard Ludwig Müller in einem Interview mit der Zeitschrift «Communio» entschieden: «Wenn man die von den Piusbrüdern monierten Aussagen des Zweiten Vatikanums im Horizont der gesamten Tradition der Kirche liest, dann ist eine relativistische Interpretation ausgeschlossen.» Er erachtet die monierten Anfragen an die Lehre um vorgeschobene Argumente, «um sich nicht der Autorität des Papstes voll zu unterstellen, die sie in der Theorie aber im Sinne des vom Ersten Vatikanum definierten Lehr- und Jurisdiktionsprimates anerkennen müssen, wenn ihr Anspruch, besser katholisch zu sein als Rom, überhaupt einen Sinn hat.» Bei vielen Konzilien habe es Auseinandersetzungen um die rechtgläubige Interpretation von einzelnen Termini und Argumenten gegeben. «Aber es wurde auch deutlich, dass es letzten Endes der römische Papst als Nachfolger des heiligen Petrus ist, dem die Feststellung der Gültigkeit der Konzilien und ihre authentische Interpretation obliegt. «Ubi Petrus, ibi Ecclesia» – Wo Petrus ist, da ist die Kirche (heiliger Ambrosius).
Kardinal Kurt Koch hatte anlässlich eines Interviews mit «swiss-cath.ch» auf eine widersprüchliche Haltung der Piusbruderschaft hingewiesen: An Papst Franziskus haben sie immer kritisiert, dass er nicht die klare Linie des Glaubens vertrete, sondern pastorale Ausnahmen gemacht habe. Jetzt wollen sie jedoch aus pastoralen Gründen Bischöfe weihen, denen sie bewusst keine Jurisdiktion geben wollen, und erwarten dazu das Einverständnis von Papst Leo XIV. «Ich hoffe, dass sie noch zu einer besseren Einsicht kommen und merken, was hier wirklich auf dem Spiel steht, und dass es wieder zur Einheit in der Kirche kommt.»
Der Priesterbruderschaft Pius X. gehören weltweit mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich. Bereits 1988 waren nach der unerlaubten Weihe von vier eigenen Bischöfen ihr Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991), sowie die Geweihten exkommuniziert worden. Papst Benedikt XVI. hob die Beugestrafe zwar 2009 auf; zu einer theologischen Einigung kam es aber trotz langer Verhandlungen nicht. Von den vier 1988 geweihten Bischöfen leben nur noch Alfonso de Galarreta (69) und der frühere Obere Bernard Fellay (68). Ihre Weihen und Weihehandlungen sind nach dem Kirchenrecht unerlaubt, aber gültig.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Ich danke für Eure Aufmerksamkeit.
An alle welche Verständnis haben oder sich für die FSSPX einsetzen
Sie vegessen etwas ganz Wichtiges:
Gott ist die Ordnung. (Augustinus)
Satan probiert immer und überall die göttliche Ordnung zu verdrehen, zu imitieren oder umzukehren (Beispiele kennen Sie selber genug), da er eben selber nichts erschaffen kann. Das beste Beispiel ist aktuell der Juni (Pride Month versus Herz-Jesu Monat).
Wenn nun eine Organisation wie die Piusbruderschaft, sich immer im Umgang mit den Gläubigen auf die göttliche Ordnung beruft, diese predigt, und somit unteranderem auch zweitrangige Dinge rechtfertigt und diese gegenüber den Gläubigen einfordert (Schleier, Röcke, Trennung Frauen Männer bei Anlässen usw, Gehorsam der Gläubigen gegenüber Priestern usw.) ist es nun nicht faszinierend, dass genau diesselben Priester, allen voran der Generalrat&Pater Pagliarni die Ordnung Gottes nicht respektieren wollen, indem Sie sich der hierarchischen Ordnung der Kirche widersetzen? Indem Sie bewusst sagen, wir respektieren den Papst, wollen aber ihm nicht gehorchen, und uns nicht unterordnen? Also faktisch den Papst ignorieren - Faktisch bereits Richtung Sedisvakantisten abgleiten? Ist es nicht interessant, dass genau solche Priester, welche beinahe Ihr ganzes Leben in diese Ordnung eingefügt haben (Pater Schreiber, und all die anderen Kandidaten) sich nun der Ordnung Gottes widersetzen? Und warum? Um die Kirche und somit am Schluss die Ordnung Gottes auf der Welt, zu "retten" ? Wer ist so schlau und missachtet Ordnung, um Ordnung zu schaffen? Das funktioniert niemals. Es widerspricht sich und der genzen Logik von Ordnung. Ich bin kein Theologe und will auch gar nicht auf irgendwelche kanonischen Artikel eingehen. Sie argumentieren die Übertretung dieser Ordnung, mit einem Notstand. Gemäss Kardinal Müller, ist ein Notstand, wenn die heilsnotwendigen Sakramente nicht mehr gültig empfangen werden können. Beichten können Sie im Kloster Einsiedeln. Die Hl. Kommunion empfangen ebenfalls. Auf den Knien, Mundkommunion, das braucht Mut, weil man auffällt, ist aber möglich. Und wenn Sie sich überhaupt gegen den NO sträuben, gibt es genug, fromme Priester, welche Gehorsam und Demut haben und die alte Messse zelebrieren. Einfach müssen Sie dazu Ihre Bequemlichkeit überwinden und vielleicht ein weiteren Weg auf sich nehmen um am Sonntag in den Gottesdienst zu gehen.
Der Notstand besteht für die allermeisten Besucher der Piusbruderschaft darin, dass Sie zb. vor 60 Jahren im eigenen Dorf, 5min laufen und in die Hl. Messe hätten gehen konnen, und dies ach leider heute nicht mehr möglich ist. Für die allermeisten Besucher der Piusbruderschaft ist es zuviel verlangt, 1h bis 2h mit dem Auto irgendwo hin, in eine "Romtreue" alte Messe zu fahren. Das ist Ihr Notstand!
Meine Urgrosseltern sind 2.5h am Sonntag zu Fuss in die Kirche gelaufen. Das war auch kein Notstand. Das war sogar gesund!
Und jetzt argumentieren Sie bestimmt wieder mit den widersprüchlichen Aussagen von Päpsten, Bischöfen und so weiter. Lesen Sie die Kirchengeschichte. Man schätzt dass zeitweise mindestens 2/3 der gesamten Kirche dem Arianismus verfallen waren. Und dies war nicht irgendeine Lehre bezüglich Pastoralkonzil, bezüglich Ehe, AbuDhabi und Dokumente welche es nie in einen aktuellen Katechismus geschafft haben, sondern der Arianismus betrifft das Grundsätzliche unseres Glaubens.
So. Und jetzt, warum hat es die Piusbruderschaft, oder ein ähnliches, vom Nachfolger Petrus, somit von Rom abgewandtes Grüppchen, DAMALS nicht gegeben?
Die Kirche wird immer von Innen erneuert.
Und jetzt werden Sie argumentieren, die FSSPX braucht diese Bischöfe um zu überleben.
Wieviele Heilige haben im Verlauf der Kirchengeschichte die Kirche, den Papst, die Kardinäle, die Schismatischen Päpste usw. aufs Schärfste kritisiert, sind aber trotzdem Rom untergeordnet geblieben. Ja selbst, wenn Rom diese Kritik mit Sanktionen gegen diese Heiligen erwidert hat, haben Sie dies ertragen, erdultet, aufgeopfert für das Heil der Seelen, für die Genesung der Kirche, wie unser Herr Jesus Christus sich für uns hingegeben hat.
Niemand braucht eine Piusbruderschaft ausserhalb der Kirche. Die Piusbruderschaft ist Stolz und hat zuwenig DEMUT und Gottvertrauen.
Dies erkennt man unteranderem an dieser abwertenden Sprache, welche leider zu oft von Priestern der ach so tollen "Bruderschaft" benutzt wird.
Zb. sind modernere Mönche oder Klosterbewohner gleich "Kommunisten" oder noch schlimmer... die Kirche ist nicht die Hl. Kirche, sonder wird als "Konzilskirche" betitelt. Ich könnte diese Liste leider noch ausführen, was aber auch nichts bringen würde.
Wachen Sie auf. Die Krise der Kirche wird nicht besser indem Sie sich einen schönen Gartenzaun bauen und Ihre eigene Struktur zementieren für die nächsten 50 Jahre.
Ich bin der Meinung die Kirche braucht die Piusbruderschaft. Aber eine demütige, freundliche (im Ton freundlich, aber klar in der Sache) Piusbruderschaft, welche voller Gottvertrauen in die Zukunft sieht.
Das Hauptproblem von uns Menschen (damit sind auch sie gemeint) ist, dass wir immer selber handeln möchten, anstatt, dass wir Gott vertrauen und IHN handeln lassen durch uns. Die Ordnung wir niemals gerettet durch Zerstörung der Ordnung.
Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich hätte auch lieber einen Papst, welcher nur katholische Dinge sagt und macht. Vieles wäre dann einfacher. Aber ich habe das nicht zu bestimmen. Ich kann beten, aufopfern, aber ich bin nicht Gott.
Gott hat aus einem ganz bestimten Grund diesen Papst zum Papst werden lassen. Ob es uns gefällt oder nicht. Und auch wenn der einzige Vorteil nur wäre, dass die Menschen welche wiedersprüchliche und komisch Dinge vom Papst hören/lesen, den Katechismus hervornehmen und sich selber über den Glauben erkundigen.
Gottvertrauen, Demut und Aufofperungsbereitschaft, auch wenn es nicht so läuft wie wir das gerne hätten!
Gerade die weltweit zahlreichen, bewegten Reaktionen zeigen, dass die FSSPX immer ein Werk der Kirche war und es auch bleibt.
Was ist mit dem anderen Argumenten?
Jesus wird seine Kirche füren. Du bist Petrus der Fels.
Nicht "Du bist Pagliarani der Fels."
Wo ist das Gottvertrauen der Bruderschaft?
https://www.bger.ch/files/live/sites/tfl/files/pdf/de/archive/2C_955_2016_2019_01_30_T_d_11_25_27.pdf
(Das sind nur Beispiele, beliebig zu ergänzen)
Zulässig und treffend wäre jedoch der Bankvergleich mit der möglichen Abwärtsentwicklung von einzelnen innerkirchlichen von Menschen gegründeten Gemeinschaften, Klöstern, theologischen Schulen, Bistümern und sogar ganzen Kirchenprovinzen und Zeitläufen, welche es zulassen, dass der ihnen anvertraute Glaubenschatz - thesaurus ecclesiae - verschleudert und untergraben wird; aber immer erfolgten dann innerhalb und durch die Gesamtkirche früher oder später unter dem Einfluss des Hl. Geistes die nötigen Korrekturen.
Ich bleibe bei dem, was ich schon 2008 geschrieben habe:
Wenn ich gewissen Vertretern der ausserordentlichen Form des lateinischen Ritus begegne, so beschleicht mich manchmal das Gefühl, als wären diese sehr überzeugt von ihrer Rolle als Retter der Liturgie und damit der Kirche. Die Geschichte wird (vielleicht) einmal zeigen, ob dem so war, oder nicht. Doch könnte es nicht auch sein, dass unser Herr diesen Leuten beim Gericht keinen Orden umhängt, sondern sie fragt: „Wo waren Sie, meine Herren?
Wo waren Sie, als ich Sie gebraucht hätte, um den Gläubigen die Beschlüsse des Konzils zu verkünden und zu erläutern? Wo waren sie, als es um die Gestaltung und Einführung des novo ordo ging? Wo waren Sie, als galt, dem Latein auch im NOM den ihm gebührenden Platz zu sichern? Wo waren Sie, als es darum ging, die Brücke zwischen den verschiedenen Spiritualitäten zu schlagen, das Neue, das aufbrach, harmonisch mit dem Alten zu verbinden? Wo waren Sie, als bei den Modernen der Ungehorsam einzubrechen und die moderne Theologie sich als Lehramt aufzuspielen begann? Wo waren Sie, als in den ordentlichen Gemeinden die lehramttreuen Verkünder auszugehen drohten? Wo waren Sie da? Da hüteten Sie ihr altvertrautes Gärtchen! Da gingen Sie in Opposition zu allem Neuen. Ja, da scheuten Sie sich nicht, ihren Gehorsam gegenüber dem Papst an Bedingungen zu knüpfen. Da gaben Sie jenes schlechte Beispiel des Eigensinns und der Besserwisserei, die dann auf der anderen Seite ungehemmt zu wuchern begannen?
Könnte es nicht sein, dass der Grossteil des gläubige Volk sich seines Tauf- und Firmversprechens bewusst war und sich weigerte, dem Papst die Treue aufzukünden, nur weil ein Erzbischof behauptete, unfehlbarer als Papst und Konzil gemeinsam zu sein, und weil sie spürten, dass der Ungehorsam dieser Gruppe innerhalb der Kirche leicht zu einer Kirchenspaltung führen könnte. Schon in meiner Schulzeit wurde uns beigebracht: «Ungehorsam ist der Beginn des Schismas.» Das zeigt die Entwicklung heute nur zu gut.
Bei einer sog. ökumenischen Taufe des Kindes einer sog. Misch-Ehe durfte ich in Ermangelung eines verhinderten ref. Pfarrers die sehr treffenden Argumente Zwinglis für die Kindertaufe (gegen die damaligen Täufer) vortragen, was der ebenfalls pressante kath. Priester aber nach 5 Minuten empfahl abzubrechen, er musste offenbar gleich weiter. Die religiöse Volkskunde weiss bei beiden Konfessionen um eindrückliche Taufbräuche, zwar nicht das wesentliche schlechthin, aber doch Bestätigung für die enorme Bedeutung der Taufe auch als Aufnahme in die christliche Gesellschaft, die Familie natürlich inbegriffen.