Das Seminar der Piusbruderschaft in Ecône. (Bild: DICI, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

Weltkirche

Pius­bru­der­schaft: Hof­fen auf bal­di­ges Tref­fen mit dem Papst

Die Pries­ter­bru­der­schaft Pius X. will am 1. Juli 2026 neue Bischöfe wei­hen. Der Vati­kan hat unmiss­ver­ständ­lich erklärt, dass dar­auf der Aus­schluss aus der Kir­che folgt. Den­noch scheint die Pius­bru­der­schaft auf ein Ein­len­ken des Paps­tes zu hoffen.

Die Piusbruderschaft zeigt sich überrascht über das Schweigen von Papst Leo XIV. zu ihrer drohenden Exkommunikation. Es sei sein «aufrichtigster Wunsch», den Papst noch vor den für 1. Juli geplanten verbotenen Bischofsweihen zu treffen, sagte der Generalobere der Bruderschaft, Davide Pagliarani, dem eigenen Pressedienst «FSSPX.Actualités». Es gebe jedoch bislang weder eine Antwort noch eine persönliche Reaktion von Papst Leo XIV.

Pikant: Pater Pagliarani erinnert in diesem Zusammenhang an Papst Franziskus, welcher der vorkonziliaren Liturgie mit kirchendisziplinarischer Härte entgegengetreten war und dessen Amtsführung und Programm der Pius-Obere insgesamt als eine «Katastrophe» bezeichnet. Es sei wohl «nur ein Detail, aber als ich um ein Treffen mit ihm im Vatikan bat, erhielt ich binnen 24 Stunden eine Audienz, und er zeigte sich besonders freundlich», so Davide Pagliarani.

Der aktuelle Generalobere Davide Pagliarani betonte nun: «Bevor man eine Gemeinschaft mit mehr als 1000 Mitgliedern, die für Hunderttausende Gläubige weltweit einen Bezugspunkt darstellt, vielleicht für schismatisch erklärt, wäre es vielleicht wünschenswert, jene persönlich kennenzulernen, über die geurteilt werden soll.» Die geplante Sanktion betreffe nicht nur eine Institution, sondern auch «Menschen, die dem Papst und der Kirche zutiefst verbunden sind».

Nein zu Reformen des Konzils
Die Priesterbruderschaft Sankt Pius X. (FSSPX) will am 1. Juli in Écône VS vier ihrer Priester zu Bischöfen weihen. Da der Papst die Weihe wegen lehrmässiger Differenzen mit den Piusbrüdern nicht erlaubt hat, droht den Kandidaten sowie dem weihenden Bischof nach dem Kirchenrecht die automatische Exkommunikation, also der Ausschluss aus der Kirchengemeinschaft.

Die Piusbrüder lehnen die meisten Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) etwa zu Ökumene und Religionsfreiheit sowie die Messfeier nach dem sogenannten Neuen Ordo ab. In der Formulierung des Konzils, dass Muslime wie die Christen und Juden in der Tradition Abrahams den Schöpfer anerkennen und gemeinsam mit ihnen den einen Gott anbeten, sehen die Piusbrüder einen religionsgeschichtlichen Relativismus, der jenseits der Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus eine gemeinsame Menschheitsreligion annimmt. Dem widerspricht Kardinal Gerhard Ludwig Müller in einem Interview mit der Zeitschrift «Communio» entschieden: «Wenn man die von den Piusbrüdern monierten Aussagen des Zweiten Vatikanums im Horizont der gesamten Tradition der Kirche liest, dann ist eine relativistische Interpretation ausgeschlossen.» Er erachtet die monierten Anfragen an die Lehre um vorgeschobene Argumente, «um sich nicht der Autorität des Papstes voll zu unterstellen, die sie in der Theorie aber im Sinne des vom Ersten Vatikanum definierten Lehr- und Jurisdiktionsprimates anerkennen müssen, wenn ihr Anspruch, besser katholisch zu sein als Rom, überhaupt einen Sinn hat.» Bei vielen Konzilien habe es Auseinandersetzungen um die rechtgläubige Interpretation von einzelnen Termini und Argumenten gegeben. «Aber es wurde auch deutlich, dass es letzten Endes der römische Papst als Nachfolger des heiligen Petrus ist, dem die Feststellung der Gültigkeit der Konzilien und ihre authentische Interpretation obliegt. «Ubi Petrus, ibi Ecclesia» – Wo Petrus ist, da ist die Kirche (heiliger Ambrosius).

Kardinal Kurt Koch hatte anlässlich eines Interviews mit «swiss-cath.ch» auf eine widersprüchliche Haltung der Piusbruderschaft hingewiesen: An Papst Franziskus haben sie immer kritisiert, dass er nicht die klare Linie des Glaubens vertrete, sondern pastorale Ausnahmen gemacht habe. Jetzt wollen sie jedoch aus pastoralen Gründen Bischöfe weihen, denen sie bewusst keine Jurisdiktion geben wollen, und erwarten dazu das Einverständnis von Papst Leo XIV. «Ich hoffe, dass sie noch zu einer besseren Einsicht kommen und merken, was hier wirklich auf dem Spiel steht, und dass es wieder zur Einheit in der Kirche kommt.»
 

Der Priesterbruderschaft Pius X. gehören weltweit mehr als 700 Priester an, die meisten davon in Nordamerika und in Frankreich. Bereits 1988 waren nach der unerlaubten Weihe von vier eigenen Bischöfen ihr Gründer, Erzbischof Marcel Lefebvre (1905–1991), sowie die Geweihten exkommuniziert worden. Papst Benedikt XVI. hob die Beugestrafe zwar 2009 auf; zu einer theologischen Einigung kam es aber trotz langer Verhandlungen nicht. Von den vier 1988 geweihten Bischöfen leben nur noch Alfonso de Galarreta (69) und der frühere Obere Bernard Fellay (68). Ihre Weihen und Weihehandlungen sind nach dem Kirchenrecht unerlaubt, aber gültig.


KNA/Redaktion


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Bemerkungen :

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    Gabriela Ulrich 15.06.2026 um 15:03
    Die Redaktion publiziert zu diesem Artikel einseitige Kommentare. Das bedaure ich sehr. Ich habe für den Kommentar von Jerry kein Verständnis. Denn die Priesterbruderschaft St. Pius X. betet für den Papst, wie sie selbst beteuert. Von stolzen Bischofsweihen kann so sicherlich nicht die Rede sein. Die Anerkennung der Weihbischöfe liegt ganz beim Heiligen Vater Leo XIV. Papst Leo XIV. ist für die Einheit. Darum betet für den Papst Leo XIV.

    Ich danke für Eure Aufmerksamkeit.
  • user
    Jerry 13.06.2026 um 17:53
    DEMUT, GOTTVERTRAUEN, AUFOPFERUNGSBEREITSCHAFT anstelle stolzen Bischofsweihen

    An alle welche Verständnis haben oder sich für die FSSPX einsetzen

    Sie vegessen etwas ganz Wichtiges:

    Gott ist die Ordnung. (Augustinus)
    Satan probiert immer und überall die göttliche Ordnung zu verdrehen, zu imitieren oder umzukehren (Beispiele kennen Sie selber genug), da er eben selber nichts erschaffen kann. Das beste Beispiel ist aktuell der Juni (Pride Month versus Herz-Jesu Monat).
    Wenn nun eine Organisation wie die Piusbruderschaft, sich immer im Umgang mit den Gläubigen auf die göttliche Ordnung beruft, diese predigt, und somit unteranderem auch zweitrangige Dinge rechtfertigt und diese gegenüber den Gläubigen einfordert (Schleier, Röcke, Trennung Frauen Männer bei Anlässen usw, Gehorsam der Gläubigen gegenüber Priestern usw.) ist es nun nicht faszinierend, dass genau diesselben Priester, allen voran der Generalrat&Pater Pagliarni die Ordnung Gottes nicht respektieren wollen, indem Sie sich der hierarchischen Ordnung der Kirche widersetzen? Indem Sie bewusst sagen, wir respektieren den Papst, wollen aber ihm nicht gehorchen, und uns nicht unterordnen? Also faktisch den Papst ignorieren - Faktisch bereits Richtung Sedisvakantisten abgleiten? Ist es nicht interessant, dass genau solche Priester, welche beinahe Ihr ganzes Leben in diese Ordnung eingefügt haben (Pater Schreiber, und all die anderen Kandidaten) sich nun der Ordnung Gottes widersetzen? Und warum? Um die Kirche und somit am Schluss die Ordnung Gottes auf der Welt, zu "retten" ? Wer ist so schlau und missachtet Ordnung, um Ordnung zu schaffen? Das funktioniert niemals. Es widerspricht sich und der genzen Logik von Ordnung. Ich bin kein Theologe und will auch gar nicht auf irgendwelche kanonischen Artikel eingehen. Sie argumentieren die Übertretung dieser Ordnung, mit einem Notstand. Gemäss Kardinal Müller, ist ein Notstand, wenn die heilsnotwendigen Sakramente nicht mehr gültig empfangen werden können. Beichten können Sie im Kloster Einsiedeln. Die Hl. Kommunion empfangen ebenfalls. Auf den Knien, Mundkommunion, das braucht Mut, weil man auffällt, ist aber möglich. Und wenn Sie sich überhaupt gegen den NO sträuben, gibt es genug, fromme Priester, welche Gehorsam und Demut haben und die alte Messse zelebrieren. Einfach müssen Sie dazu Ihre Bequemlichkeit überwinden und vielleicht ein weiteren Weg auf sich nehmen um am Sonntag in den Gottesdienst zu gehen.

    Der Notstand besteht für die allermeisten Besucher der Piusbruderschaft darin, dass Sie zb. vor 60 Jahren im eigenen Dorf, 5min laufen und in die Hl. Messe hätten gehen konnen, und dies ach leider heute nicht mehr möglich ist. Für die allermeisten Besucher der Piusbruderschaft ist es zuviel verlangt, 1h bis 2h mit dem Auto irgendwo hin, in eine "Romtreue" alte Messe zu fahren. Das ist Ihr Notstand!
    Meine Urgrosseltern sind 2.5h am Sonntag zu Fuss in die Kirche gelaufen. Das war auch kein Notstand. Das war sogar gesund!

    Und jetzt argumentieren Sie bestimmt wieder mit den widersprüchlichen Aussagen von Päpsten, Bischöfen und so weiter. Lesen Sie die Kirchengeschichte. Man schätzt dass zeitweise mindestens 2/3 der gesamten Kirche dem Arianismus verfallen waren. Und dies war nicht irgendeine Lehre bezüglich Pastoralkonzil, bezüglich Ehe, AbuDhabi und Dokumente welche es nie in einen aktuellen Katechismus geschafft haben, sondern der Arianismus betrifft das Grundsätzliche unseres Glaubens.

    So. Und jetzt, warum hat es die Piusbruderschaft, oder ein ähnliches, vom Nachfolger Petrus, somit von Rom abgewandtes Grüppchen, DAMALS nicht gegeben?

    Die Kirche wird immer von Innen erneuert.

    Und jetzt werden Sie argumentieren, die FSSPX braucht diese Bischöfe um zu überleben.

    Wieviele Heilige haben im Verlauf der Kirchengeschichte die Kirche, den Papst, die Kardinäle, die Schismatischen Päpste usw. aufs Schärfste kritisiert, sind aber trotzdem Rom untergeordnet geblieben. Ja selbst, wenn Rom diese Kritik mit Sanktionen gegen diese Heiligen erwidert hat, haben Sie dies ertragen, erdultet, aufgeopfert für das Heil der Seelen, für die Genesung der Kirche, wie unser Herr Jesus Christus sich für uns hingegeben hat.

    Niemand braucht eine Piusbruderschaft ausserhalb der Kirche. Die Piusbruderschaft ist Stolz und hat zuwenig DEMUT und Gottvertrauen.

    Dies erkennt man unteranderem an dieser abwertenden Sprache, welche leider zu oft von Priestern der ach so tollen "Bruderschaft" benutzt wird.

    Zb. sind modernere Mönche oder Klosterbewohner gleich "Kommunisten" oder noch schlimmer... die Kirche ist nicht die Hl. Kirche, sonder wird als "Konzilskirche" betitelt. Ich könnte diese Liste leider noch ausführen, was aber auch nichts bringen würde.

    Wachen Sie auf. Die Krise der Kirche wird nicht besser indem Sie sich einen schönen Gartenzaun bauen und Ihre eigene Struktur zementieren für die nächsten 50 Jahre.

    Ich bin der Meinung die Kirche braucht die Piusbruderschaft. Aber eine demütige, freundliche (im Ton freundlich, aber klar in der Sache) Piusbruderschaft, welche voller Gottvertrauen in die Zukunft sieht.

    Das Hauptproblem von uns Menschen (damit sind auch sie gemeint) ist, dass wir immer selber handeln möchten, anstatt, dass wir Gott vertrauen und IHN handeln lassen durch uns. Die Ordnung wir niemals gerettet durch Zerstörung der Ordnung.

    Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich hätte auch lieber einen Papst, welcher nur katholische Dinge sagt und macht. Vieles wäre dann einfacher. Aber ich habe das nicht zu bestimmen. Ich kann beten, aufopfern, aber ich bin nicht Gott.

    Gott hat aus einem ganz bestimten Grund diesen Papst zum Papst werden lassen. Ob es uns gefällt oder nicht. Und auch wenn der einzige Vorteil nur wäre, dass die Menschen welche wiedersprüchliche und komisch Dinge vom Papst hören/lesen, den Katechismus hervornehmen und sich selber über den Glauben erkundigen.

    Gottvertrauen, Demut und Aufofperungsbereitschaft, auch wenn es nicht so läuft wie wir das gerne hätten!
    • user
      Cyrill 19.06.2026 um 14:45
      Sie kritisieren die klare Sprache der Piusbruderschaft bezüglich dem Konzil. Gleichzeitig verlangt der Papst selbst ein unbedingtes Bekenntnis zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Doch warum wird nie mit derselben Klarheit und Konsequenz eine unbedingte Treue zur 2000-jährigen Tradition der Heiligen Römisch-Katholischen Kirche eingefordert? Wenn diese fundamentale Treue fehlt, verwundert es dann ernsthaft, dass manche von einer „Konzilskirche“ sprechen?

      Gerade die weltweit zahlreichen, bewegten Reaktionen zeigen, dass die FSSPX immer ein Werk der Kirche war und es auch bleibt.
      • user
        Jerry 20.06.2026 um 22:26
        Okee, und was halten Sie von den restlichen abwertenden Begriffen?
        Was ist mit dem anderen Argumenten?

        Jesus wird seine Kirche füren. Du bist Petrus der Fels.

        Nicht "Du bist Pagliarani der Fels."

        Wo ist das Gottvertrauen der Bruderschaft?
  • user
    Hermann Kuhn 12.06.2026 um 17:29
    Wenn Bischof Bonnemain die Antwort aus Rom ist auf unsere Bischöfe Huonder und Haas, dann ist meine Antwort Kirchenaustritt und das Geld geht zu Pius. Punkt.
    • user
      Peter 12.06.2026 um 18:55
      Wobei zu sagen ist, dass ein solcher Austritt lediglich die staatliche Organisation “Römisch-Katholische Landeskirche” betrifft und nicht die eigentliche sakramental verfasste Römisch-Katholische Kirche. Das sind 2 verschiedene Gegebenheiten, auch rein rechtlich, siehe Gerichtsurteil “Adebar”

      https://www.bger.ch/files/live/sites/tfl/files/pdf/de/archive/2C_955_2016_2019_01_30_T_d_11_25_27.pdf
      • user
        Hermann Kuhn 12.06.2026 um 21:18
        Genau so sehen wir das auch.
  • user
    Dr. theol. Emil Hobi, kath. Priester 12.06.2026 um 13:36
    Mit den irregulären Bischofsweihen anfangs Juli 26 begeben sich die massgeblichen Verantwortlichen der Piusbruderschaft in jenes Parodoxon, dass sie einerseits formal den auch dogmatisch festgelegten Jurisdiktionsprimat wortreich bejahen, aber andererseits de facto gerade durch die ungehorsamen Weihen für sich in einem schismatischen Akt ausser Kraft setzen. Die Berufung auf den angeblichen „Notstand“ hält einer kritischen Prüfung nicht stand: Weder ist - wie etwa bei einem tatsächlichen Notstand - der römische Bischof als Nachfolger des Hl. Petrus ein unfreier Gefangener eines diktatorischen Régimes, noch haben ein globaler Atomkrieg, eine weltweite Seuche oder irgendwelche sonstige Verwerfungen jegliche Verbindungen mit Rom zerschlagen, auch ist der Papst kein Häretiker oder eine aus welchen Gründen auch immer viele Jahre dauernde Sedisvakanz setzte das Petrusamt ausser Kraft; ebenfalls leben wir in keinem diktatorischen Régime - wie seinerseits die katholischen Christinnen und Christen in China - etc. Ein solcher Vergleich, der auch schon gemacht wurde, wäre also völlig unzutreffend. Ein weiteres Argument, dass die Neugeweihten nur „Weihbischöfe“ seien, setzt nun an die Stelle der ordentlichen kirchlichen Hierarchie das Leitungsgremium der Priesterbruderschaft St. Pius X., denn auch ein solches „Weihbischofsamt“ müsste mit Rom abgesprochen werden. Trotzdem müsste mit der Priesterbruderschaft St. Pius X., um der vom Heiland geforderten Einheit, des Salus animarum und des Evangeliums willen an einer tragbaren kirchenrechtlichen Lösung gearbeitet werden, was vergeblich versucht wurde (Personalordinariat?): Strittige Konzilsdokumente, welche vom Verbindlichkeitsgrad her nur pastorale Erwägungen waren, dürfen im Lichte der Gesamttradition der Kirche hermeneutisch interpretiert werden. Dies aber wäre nur innerhalb der Kirche und mit der Gesamtkirche fruchtbar und glaubwürdig. Mit den unerlaubten - aber gültigen Bischofsweihen - klinkt sich Menzingen gerade davon aus: Kritik von dieser Seite - ob berechtigt oder nicht - wird nun zur Kritik von ausserhalb der Kirche; von ausserhalb des organischen Ganzen, welches den mystischen Leib Christi, gerade auch mit seinen sichtbaren Ämtern, Kompetenzen, Struktuern und Verwundungen umfasst. Übrigens gelten aus einer global-katholischen Sicht diese Weihen weitgehend nur als schismatisierendes Randphänomen. Die Piusbrüder sind sich wohl zu wenig bewusst, dass sie sich damit schlagartig ins Abseits manövrieren. Gesprächsforderungen für im Nachhinein - nachdem man also Rom durch die unautorisierten Bischofsweihen vor vollendete Tatsachen gestellt hätte - sind m. E. unglaubwürdig und nötigend.
    • user
      Peter 12.06.2026 um 15:41
      Nur zum besseren Verständnis: Für Sie ist es kein Notstand sondern normal, dass ein Papst lehrt und unterschreibt, die Vielfalt der Religionen entspringe dem Willen Gottes, das Ehesakrament sei hier und da doch nicht verbindlich (Amoris laetitia) etc. etc. etc.
      (Das sind nur Beispiele, beliebig zu ergänzen)
      • user
        Dr. theol. Emil Hobi, kath. Priester 12.06.2026 um 18:18
        Bitte zwischen einem tatsächlich-skizzierten möglichen physischen „Notstand“ und dem Verbindlichkeitsgrad von Zweideutigkeiten in der Fussnote von schwachen - oder vielleicht sogar mit Irrtümern behafteten lehramtlichen - Dokumenten und Aussagen mit schwächerem Verbindlichkeitsgrad unterscheiden, die gewiss nicht Unfehlbarkeit beanspruchen. Hier haben wir ausserdem ein Lehrbeispiel eines „Strohmannes“: Man unterschiebt der Gegenposition, was sie gar nie behauptet hat: Weder „die Vielfalt der Religionen“ noch die Relativierung des „Ehesakrament“es etc. wurden für „normal“ behauptet. Ausserdem hatte sich die Piusbruderschaft schon unter dem glasklaren Papst Benedikt XVI. nicht bewegt, während dieser m. E. heiligmässige Papst fällige Zusagen, was den klassischen röm. Ritus (VO) betraf, machte und die Beugestrafe der Exkommunikation an den unrechtmässig geweihten Bischöfen grosszügig aufhob. P. Franziskus gestand der Priesterbruderschaft die kanonische Eheassistenz und die Beichterlaubnis zu. Bitte bei der Sache, so wie sie geschrieben wurde, bleiben. Irgendwie verweist mich die Argumentationsschiene der Piusbruderschaft und ihrer Anhängerschaft auf folgenden einfachen Vergleich: Die minderjährige Tochter im Teenageralter kommt nachts viel zu spät nach Hause. Von den Eltern berechtigt zur Rede gestellt, geht sie darauf nicht ein, sondern verklagt sofort und reflexartig ihren noch jüngeren Bruder, der sich heimlich an der Hausbar an alkoholischen Getränken vergriffen hatte. Was ist nun die Position der Eltern? Sache wäre wohl das eine, wie das andere?
        • user
          Peter 12.06.2026 um 19:34
          Ich bin sehr wohl beim Thema: Die modernistische Kirchenkrise, die seit über 60 Jahren anhält. Diese sophistischen Unterscheidungen, etwas sei nicht Lehramt etc. sind ein Teil dieser Krise. Wer würde einem spielsüchtigen Banker sein Geld anvertrauen mit der Begründung, süchtig sei er nur privat in der Freizeit und nicht als Banker?! - Zu Ihren Vergleich mit Eltern und Kindern: Trifft nicht das erörterte Problem. Es ist eher so zu vergleichen: Die Eltern sind Alkoholiker und ein Kind unterstützt sie darin und entschuldigt alles, das andere verweigert dies…
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            Dr. theol. Emil Hobi, kath. Priester 12.06.2026 um 23:22
            Wiederum fehlt m. E. der Blick auf das Ganze; stattdessen kommt der Vorwurf des „Sophismus“. Könnte man einem Kardinal Zen, einem Kardinal Burke, einem Weihbischof Eleganti, einem Kardinal Müller, einem Kardinal Sarah, einem Kardinal Koch etc., den vielen Bischofskonferenzen aus aller Welt, welche gerade auch das Lehramt beinhalten und welche allein schon durch ihre Treue die illegitimen Bischofsweihen der Priesterbruderschaft St. Pius X. auch verwerfen, „Sophismus“ vorwerfen? Was ist daran sophistisch, zwischen der Gewichtigkeit von Aussagen, mit welchem Verbindlichkeitsgrad und in welchem Kontext sie gesprochen werden, zu differenzieren? Das tut jede gute Theologie, gerade auch die Neuscholastik; während die Sophisterei verwischt, nicht konketisiert, pauschalisiert und nicht differenziert. Sind all die der Gesamtkirche und dem Glauben getreuen Orden, Gemeinschaften, Diakone, Priester, Bischöfe, Katholikinnen und Katholiken, Theologinnen und Theologen, welche Menzingen nicht folgen, dem „Sophismus“ verfallen? Waren jene Päpste, welche gelegentlich Irrtümer ihrer Vorgänger - in Aussagen, was das genau definierte Dogma der Unfehlbarkeit nicht berührt - korrigieren mussten, der Sophisterei verfallen? Gewiss, einer ungetreuen Bank würde ich mein Vermögen auch nicht anvertrauen, aber die von Jesus Christus gegründete Gesamtkirche ist halt eben gerade keine blosse „Bank“, sondern der mystische Leib Christi unter dem römischen Bischof - dem Papst, welcher unser Heiland in der Petrusnachfolge als einziger - trotz Verwerfungen und Fehler ihrer Glieder - verheissen hat, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden. Sie ist in ihrer Gesamtheit als eigentliche und sichtbar-ursprüngliche Stiftung Christi, wie Kardinal Hosius auf dem Trienter Konzil beteuerte, das „lebendige Evangelium“; denn ohne sie gäbe es keine Sakramente, kein Christentum. Man macht also hier implizit und um die Ecke - gewiss ohne es zu wollen - den Heiland zum Lügner, wenn man gegen Mt 16,18f. behaupten wollte, die Priesterbruderschaft St. Pius X. sei nun gerade jene neue getreue „Bank“. Ich kann einfach nicht glauben, dass sich die Priesterbruderschaft St. Pius X. in dieser Rolle sieht; es wäre nämlich häretisch. Welche Schwächen hatten doch Petrus und die Apostel! Welche Verwerfungen durchzogen die rd. zweitausendjährige Kirchen- und Dogmengeschichte! Das Jurisdiktionsprimat - immer mit dem Blick auf das Ganze - wurde nun mal nicht der Priesterbruderschaft St. Pius X., sondern dem Petrusamt anvertraut und zwar bis zum Ende der Welt. Wenn die 1970 von Menschen gegründete Priesterbruderschaft St. Pius X. aus dem Vergleich tatsächlich von jetzt an eine andere als die vom Gottmenschen Jesus Christus vor zweitausend Jahren gegründete „Bank“ sein will, entspräche dieser Bank-Vergleich m. E. all jenen Theorien, welche vermeintliche oder tatsächliche Fehler und fehlerhafte-umstrittene Aussagen zum Vorwand gegen die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche machen, und damit ihre Abspaltungen begründen wollen. Arius, Waldes, Zwingli, Luther etc. hatten das seinerzeit „gut“ gekonnt. Will sich nun die Priesterbruderschaft St. Pius X. hier einreihen? Wir schwachen, gelegentlich nicht-irrtumsfreien und sündhaften Glieder machen noch lange nicht die Gesamtkirche aus; also sollte zwischen der von Jesus gegründeten Gesamtkirche und ihren mehr oder weniger schuldhaft verwundeten Söhnen und Töchtern, und dazu zählen wir ja von Haupt bis Gliedern - ausser der Hl. Jungfrau Maria - alle, klar unterschieden werden.
            Zulässig und treffend wäre jedoch der Bankvergleich mit der möglichen Abwärtsentwicklung von einzelnen innerkirchlichen von Menschen gegründeten Gemeinschaften, Klöstern, theologischen Schulen, Bistümern und sogar ganzen Kirchenprovinzen und Zeitläufen, welche es zulassen, dass der ihnen anvertraute Glaubenschatz - thesaurus ecclesiae - verschleudert und untergraben wird; aber immer erfolgten dann innerhalb und durch die Gesamtkirche früher oder später unter dem Einfluss des Hl. Geistes die nötigen Korrekturen.
            • user
              Peter 13.06.2026 um 13:41
              Hier - von meiner Seite abschliessend - der Blick aufs “Grosse Ganze”: Die Kirche ist seit den 60er Jahren in der schlimmsten Krise aller Zeiten, der modernistischen Kirchenkrise. Das betrifft nicht nur einzelne Aspekte sondern die ganze Kirche in ihrer gesamten Lehre und Realität, überall, Laien, Klerus, Orden. Dass einzelne Kleriker wie die von Ihnen erwähnten versuchen, das Steuer zu halten, ist gut aber nicht ausreichend. Wann die Krise vorbei ist, weiss niemand, aber wenn sie vorbei ist, wird kein Kleriker und auch kein Papst etwas lehren, was den Päpsten und der Lehre vor den 60er Jahren widerspricht. Wahrheit in Klarheit statt Schönreden und Sophisterei! Und hier sieht sich die FSSPX: Bewahren was war und weitergeben, Lehre und Überlieferung, besonders die Hl. Messe, nichts neues, nichts anderes. Keine neue Kirche, sondern ein kleiner Rest der alten, der in Treue bewahrt, was vor der Krise galt. Als Theologe wissen Sie besser, wie oft es ein “kleiner Rest” war in der Geschichte Gottes mit den Menschen…Trotzdem merci für Ihre ausführlichen Antworten.
  • user
    Anton Schneider 11.06.2026 um 15:37
    Solange uns Rom mit Bischöfen wie Bonnemain bestraft, kann man Econe keine Vorwürfe machen.
  • user
    Stefan Fleischer 11.06.2026 um 15:06
    Wo waren Sie, meine Herren?
    Ich bleibe bei dem, was ich schon 2008 geschrieben habe:
    Wenn ich gewissen Vertretern der ausserordentlichen Form des lateinischen Ritus begegne, so beschleicht mich manchmal das Gefühl, als wären diese sehr überzeugt von ihrer Rolle als Retter der Liturgie und damit der Kirche. Die Geschichte wird (vielleicht) einmal zeigen, ob dem so war, oder nicht. Doch könnte es nicht auch sein, dass unser Herr diesen Leuten beim Gericht keinen Orden umhängt, sondern sie fragt: „Wo waren Sie, meine Herren?

    Wo waren Sie, als ich Sie gebraucht hätte, um den Gläubigen die Beschlüsse des Konzils zu verkünden und zu erläutern? Wo waren sie, als es um die Gestaltung und Einführung des novo ordo ging? Wo waren Sie, als galt, dem Latein auch im NOM den ihm gebührenden Platz zu sichern? Wo waren Sie, als es darum ging, die Brücke zwischen den verschiedenen Spiritualitäten zu schlagen, das Neue, das aufbrach, harmonisch mit dem Alten zu verbinden? Wo waren Sie, als bei den Modernen der Ungehorsam einzubrechen und die moderne Theologie sich als Lehramt aufzuspielen begann? Wo waren Sie, als in den ordentlichen Gemeinden die lehramttreuen Verkünder auszugehen drohten? Wo waren Sie da? Da hüteten Sie ihr altvertrautes Gärtchen! Da gingen Sie in Opposition zu allem Neuen. Ja, da scheuten Sie sich nicht, ihren Gehorsam gegenüber dem Papst an Bedingungen zu knüpfen. Da gaben Sie jenes schlechte Beispiel des Eigensinns und der Besserwisserei, die dann auf der anderen Seite ungehemmt zu wuchern begannen?
    • user
      Peter 11.06.2026 um 17:46
      Ich kann Ihnen sagen, wo diese “Herren” waren: Sie wurden ab den 60er Jahre systematisch aus der Kirchenstruktur herausgeekelt und sammelten sich um glaubenstreue Priester, so entstand die Piusbruderschaft. Ein Seminarist, der damals die Soutane behalten wollte, der den Rosenkranz betete, wurde nicht akzeptiert etc. MAN wollte sie nicht mehr, nicht umgekehrt…
      • user
        Stefan Fleischer 13.06.2026 um 16:46
        Und warum wurden sie sie herausgeekelt?
        Könnte es nicht sein, dass der Grossteil des gläubige Volk sich seines Tauf- und Firmversprechens bewusst war und sich weigerte, dem Papst die Treue aufzukünden, nur weil ein Erzbischof behauptete, unfehlbarer als Papst und Konzil gemeinsam zu sein, und weil sie spürten, dass der Ungehorsam dieser Gruppe innerhalb der Kirche leicht zu einer Kirchenspaltung führen könnte. Schon in meiner Schulzeit wurde uns beigebracht: «Ungehorsam ist der Beginn des Schismas.» Das zeigt die Entwicklung heute nur zu gut.
        • user
          Peter 14.06.2026 um 21:36
          Da verwechseln Sie erneut Ursache und Wirkung…
  • user
    Alfons Bürgi 11.06.2026 um 05:47
    Der Vatikan hat wohl nichts besseres zu tun als mir zu verbieten meine Kinder auf genau dieselbe Weise nach lateinischem Ritus taufen zu lassen wie das alle meine Vorfahren seit Jahrhunderten taten. Alles so abgeschafft und geändert werden. Aber wir hier in der Schweiz sind damit nicht einverstanden.
    • user
      Meier Pirmin 11.06.2026 um 13:48
      Meine Hauptsorge geht eher dahin, dass die Generation unserer Kinder und zumal Enkel, sage ich als unterdessen Älterer, gar nicht mehr taufen lässt und nichts dabei vermisst. Für Heinrich Heine, den Juden, war es das "Entrée-Billet" in die europäische Kultur, was Johannes der Täufer und Jesus mutmasslich nicht so gemeint haben. Dafür nehmen sogar, trotz Umstrittenheit und gar nicht mal aus religiösen Gründen, Beschneidungen zu, in den USA noch mehr als bei uns. Und immer länger wird betr. Taufe gewartet, bei einem meiner Grossneffen bis kurz vor der Erstkommunion. Zunehmendes Verständnis bekunde ich aber für den Verzicht auf kirchliche Hochzeit, sofern diese aus folkloristischen Gründen und wegen dem schönen Trauungsfilm und dem sichtbar festlicheren Charakter der Heirat in der Kirche gefeiert wird.

      Bei einer sog. ökumenischen Taufe des Kindes einer sog. Misch-Ehe durfte ich in Ermangelung eines verhinderten ref. Pfarrers die sehr treffenden Argumente Zwinglis für die Kindertaufe (gegen die damaligen Täufer) vortragen, was der ebenfalls pressante kath. Priester aber nach 5 Minuten empfahl abzubrechen, er musste offenbar gleich weiter. Die religiöse Volkskunde weiss bei beiden Konfessionen um eindrückliche Taufbräuche, zwar nicht das wesentliche schlechthin, aber doch Bestätigung für die enorme Bedeutung der Taufe auch als Aufnahme in die christliche Gesellschaft, die Familie natürlich inbegriffen.