Bischofsweihen der Piusbruderschaft im Jahr 1988. (Bild: Public domain via Wikimedia Commons)

Kommentar

Pius­bru­der­schaft kün­digt Bischofs­wei­hen an

Pater Davide Pagli­arani, Gene­ral­obe­rer der von Erz­bi­schof Mar­cel Lef­eb­vre gegrün­de­ten Pries­ter­bru­der­schaft St. Pius X., hat die Bischöfe der Bru­der­schaft beauf­tragt, am 1. Juli neue Bischofs­wei­hen vor­zu­neh­men. Weih­bi­schof em. Marian Ele­ganti nimmt eine kri­ti­sche Ver­or­tung die­ser Ankün­di­gung vor.

Der universale Jurisdiktionsprimat des Papstes (ex sese) über die ganze Kirche ist seit dem Ersten Vatikanum eine unfehlbare, dogmatisierte Wahrheit. Wir können also in diesem Artikel nicht von einem legalistischen Missverständnis des kirchlichen Gehorsams unsererseits sprechen, wenn wir die angekündigte Weihe von Bischöfen durch die Priesterbruderschaft Pius X. (FSSPX) ohne die ausdrückliche Zustimmung des Papstes als einen schismatischen Akt einstufen und zum zweiten Mal mit Schmerzen zur Kenntnis nehmen und in aller Schärfe verurteilen. Mit «wir» meine ich alle Gläubigen, die meine hier vorgetragene Einschätzung teilen. Ich nehme aufgrund der Medienmitteilung der Piusbruderschaft an, dass die Bischöfe, die am 1. Juli 2026 geweiht werden, nicht durch Papst Leo XIV. ernannt sein werden.

Das Hauptargument der «Piusbruderschaft» eines historisch einmaligen, kirchlichen Notstandes und ihr Hinweis auf das prioritäre Heil der Seelen – vor allem jener, die sich der Priesterbruderschaft (FSSPX) angeschlossen haben – können einen so schwerwiegenden Schritt in keiner Weise legitimieren.

Seit meiner Jugendzeit habe ich mich stets gegen eine «Kirche» neben der Kirche oder eine «Kirche» in der Kirche ausgesprochen – die erstere immer elitär als die treue und wahre verstanden, die letztere (universale) als die untreue, vom guten Weg abgekommene. Es gibt nur eine Kirche: die eine, heilige, apostolische und katholische Universalkirche, die Jesus Christus auf Petrus, dem Felsen, gegründet hat. Sie ist sichtbar verwirklicht in der Einheit mit dem Papst: Diese Einheit ist nicht ideell zu verstehen als eine allgemeine Anerkennung des Papsttums bzw. des gerade regierenden Papstes im Gebet, sondern muss faktisch und kanonisch realisiert sein, indem man sich offensichtlicher Akte des kanonischen Ungehorsams enthält. Zu Letzteren zähle ich nicht eine stets legitime Papstkritik, die klar zwischen fehlbaren und unfehlbaren Aussagen und Akten des Papstes unterscheidet und im Allgemeinen prudentiale Urteile betrifft oder spontane Aussagen in Interviews, schlimmstenfalls nicht unfehlbare Äusserungen des ordentlichen Lehramtes.

Päpste halten sich an die Tradition und widersprechen nicht ihren Vorgängern auf dem Stuhl Petri. Das sogenannte «Lehramt des Franziskus» (2013–2025) ist als Redeweise ein Phänomen sui generis.

Aber, was die Priesterbruderschaft Pius X. am 2. Februar 2026) angekündigt hat, nämlich die Weihe von weiteren Bischöfen am 1. Juli 2026, ist meines Erachtens ein eindeutig schismatischer Akt, der darin besteht, eine Hierarchie auf- bzw. auszubauen neben jener, die in der vollen, sichtbaren und kanonischen Einheit mit dem aktuellen Papst steht und von Tausenden von Bischöfen und Priestern in aller Welt gebildet wird. Damit hätten wir – wie gesagt – eine «Kirche» neben der Kirche oder in der Kirche mit gültigen Sakramenten, die behauptet, die wahre zu sein. Darin täuscht sie sich.

Gemeint ist das Selbstverständnis der Priesterbruderschaft Pius X. Hier zählen nicht Gemeinschaft im Gebet und in Rest-Schnittmengen des gemeinsamen Glaubens und der gemeinsamen Sakramente, sondern die kanonische Einheit mit dem Papst, die nicht gegeben ist, wenn man Bischöfe ohne seinen Willen weiht. Die Heiligen sind in ähnlichen Zerreissproben nicht ins Schisma gegangen, während die Schismatiker immer scheinbar gute und angeblich schwere Gründe anführten, die ihren Schritt rechtfertigen sollten.

Das 4. Jahrhundert wird gerne als eine kirchengeschichtlich analoge Notsituation ins Argument geführt. Papst Julius I. (337–352) unterstützte Athanasius, nahm ihn in Rom auf, rehabilitierte ihn und verurteilte seine Absetzung. Die Verurteilung des Athanasius durch Papst Liberius (352–366) kam nur unter Folter zustande und wurde von Athanasius nicht als rechtmässig eingestuft, weil sie unter Zwang erfolgte. Deshalb hielt er sich nicht daran. Später revidierte Liberius seine Haltung. Athanasius verteidigte ihn in seinen Schriften. Papst Damasus I. (366–384) unterstützte Athanasius.

Basilius (zusammen mit den anderen Kappadokiern) bemühte sich intensiv um Unterstützung aus dem Westen gegen den Arianismus und den kaiserlichen Druck (Valens). Er schrieb mehrmals an Papst Damasus I. und bat um klare Unterstützung und Anerkennung der orthodoxen orientalischen Bischöfe (vor allem Meletius von Antiochien). Basilius war teilweise frustriert, weil Rom die theologischen Feinheiten des Ostens (Hypostasen-Diskussion) nicht immer verstand, zu langsam und zögerlich reagierte, im antiochenischen Schisma eindeutig Paulinus unterstützte, während Basilius Meletius sein Vertrauen gab. Es kam zu Spannungen und Basilius lehnte es ab, eine von Rom geforderte Unterschrifts-Formel zu unterzeichnen. Sein Widerstand war meines Wissens mehr kirchenpolitisch-taktischer als dogmatischer Natur.

Athanasius und Basilius haben aber nie eine häretische oder schismatische Position gegenüber dem Papst vertreten, auch wenn die praktische Unterstützung durch Rom phasenweise für sie enttäuschend ausfiel. Die Vorstellung, sie seien «ungehorsam» gewesen, entstammt späteren konfessionellen Polemiken. Damit kehre ich zur Aktualität zurück:

Auch wenn ich der Ansicht bin, dass …

  1. Passagen in einigen Konzilsdokumenten (von ganz unterschiedlichem Gewicht) durchaus kritikwürdig sind;
  2. man in der Liturgiereform über den Willen und die Vorstellungen der Konzilsväter hinausgeschossen ist und Dinge eingeführt oder abgeschafft hat, die gar nicht im Denk- und Vorstellungshorizont der Letzteren lagen und wahrscheinlich auch nicht ihren Absichten entsprachen, …

halte ich die Weihe von weiteren Bischöfen durch die Piusbruderschaft ohne ausdrückliche, päpstliche Legitimation (Ernennung), für einen definitiv schismatischen Akt, der nicht durch die genannten Mängel gerechtfertigt werden kann.

Anzuraten bleibt:

  1. eine ehrliche Auseinandersetzung mit der Liturgiereform und einigen Aussagen des Konzils;
  2. eine gerechte Ordnung der Riten in der Kirche, die den altehrwürdigen lateinischen Ritus weder verbietet noch marginalisiert, vielmehr als Inspiration sieht, Einseitigkeiten und Defizite im Novus Ordo auszugleichen.

Dazu braucht es, wie ich schon einmal betont habe, Expertise. Kritik muss ernst genommen werden. Die Sitzungsprotokolle der Konzilsjahre sind für den unverstellten Blick sehr hilfreich und sollten dem nächsten Konsistorium, das sich mit der liturgischen Frage befassen wird, vermittelt werden. Die Gläubigen, die – etwas vereinfachend gesagt – den Horizontalismus und Anthropozentrismus im Novus Ordo kritisieren, müssen ernst genommen werden. Die Lösung aber ist nicht die Piusbruderschaft oder eine Rückkehr zum Messbuch von 1962, sondern eine wie auch immer geartete «Reform der Reform» (Benedikt XVI.), welche offensichtliche Brüche, die geschehen sind, heilt. Dabei geht es mir um die Sache, nicht um das Reizwort (Reform der Reform).
 

Gastkommentare spiegeln die Auffassungen ihrer Autorinnen und Autoren wider.


Weihbischof em. Marian Eleganti


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Bemerkungen :

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    Redaktion 05.02.2026 um 10:40
    Liebe Leserinnen und Leser. Wir beenden die Diskussion zu diesem Thema und schalten keine neuen Kommentare mehr auf. Vielen Dank für Ihr Verständnis.
    Redaktion
  • user
    A.Z. 04.02.2026 um 22:20
    Die Verantwortlichen bei den Piusbrüder welche diese Bischofsweihen nun planen sollten sich als erstes grundsätzlich fragen:
    Ist eine Spaltung im Sinne des Herrn oder lösen wir dadurch eine Lawine an Folgereaktionen aus die wir einmal vor dem Herrn nicht verantworten können?

    Das Petrusamt wurde vom Herrn eingesetzt: "Weide meine Schafe". Und unser Herr hat dies nicht etwa getan, nachdem Petrus weiss ich nicht wie brilliert hätte. Nein, Petrus hat den Herrn dreimal verraten, und dennoch gibt Christus ihm dieses wichtige Amt? Hätte er nicht jemand anderes wählen können? z.B. den Apostel Johannes welcher unter dem Kreuz war, oder warten bis der Apostel Paulus soweit ist? Oder hätten sich die anderen 11 Apostel sträuben sollen Petrus anzuerkennen. Sie hätten ja möglicherweise auch Grund gehabt nachdem Versagen des Petrus.

    Nein, unser Herr hat entschieden, sein Auftrag ist eindeutig: "Weide meine Schafe" => Wo Petrus ist da ist die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.

    Es gab in der Kirche viele gute und weniger gute Päpste. Aber nach wie vor gilt: "Wo Petrus is da ist die Kirche!"

    Heilige Katharina von Siena, bitte für uns um die Einheit:

    „Selbst wenn der Papst der menschgewordene Satan wäre, sollten wir uns nicht gegen ihn erheben, sondern uns ruhig an seine Brust legen. Wer gegen unseren Vater rebelliert, wird zum Tode verurteilt, denn was wir ihm antun, tun wir auch Christus an: Wir ehren Christus, wenn wir den Papst ehren; wir entehren Christus, wenn wir den Papst entehren. Ich weiss sehr gut, dass viele sich verteidigen, indem sie prahlen: „Sie sind so korrupt und begehen allerlei Böses!“ Aber Gott hat befohlen, dass wir, selbst wenn die Priester, die Pastoren und Christus auf Erden fleischgewordene Teufel wären, ihnen gehorsam und unterworfen sein sollten, nicht um ihretwillen, sondern um Gottes willen und aus Gehorsam ihm gegenüber .“
    (Buch 5: „Das Buch des Gehorsams“, Kapitel 1: „Es gibt keine Erlösung ohne persönliche Unterwerfung unter den Papst“).)

    Beten wir dass die Verantwortlichen das Gespräch suchen und eine gute Lösung findet damit der "Leib Christi der die Kirche ist" nicht verwundet wird.
  • user
    John Henry 04.02.2026 um 21:01
    Ich bin innerlich der FSSPX sehr nahe, weil auch ich ungläubige Theologie und missbräuchliche Liturgie verachte.

    Die Demut würde es mir aber verbieten, einen Akt des Ungehorsams zu tätigen. Als Ex-Protestant musste ich mich auch einmal entscheiden auf schismatische Schritte trotz persönlicher Nachteile zu verzichten.

    Der Weg für FSSPX ist einfach. Folgt dem Beispiel der FSSP und demütigt euch unter Gottes mächtige Hand ✋ … Er wird für euch sorgen. Sucht die Einheit 🙏🫶
    • user
      Michael Dahinden 05.02.2026 um 07:17
      Die Frage ist, ob man Christus demütigt. Darüber hängt ein Stop-Schild. Der Christ darf, ja, darf sich nicht alles gefallen lassen.
    • user
      MT 05.02.2026 um 07:27
      Ihr Argument mit der Demut ist nachvollziehbar. Man sollte aber auch klar festhalten, dass es die FSSP nur aufgrund der Entwicklungen rund um die FSSPX gibt. Ohne diese Vorgeschichte wäre sie so nicht entstanden. Die FSSP besitzt in der Regel keine eigenen Kirchen und Kapellen; rechtlich könnte Rom ihre Strukturen jederzeit stark einschränken oder gar verbieten. Dass man das nicht tut, hängt aus meiner Sicht auch damit zusammen, dass sonst viele Priester zur FSSPX wechseln würden, die über eigene Häuser und Kapellen verfügt. Die FSSP wurde nach den unerlaubten Bischofsweihen durch Erzbischof Lefebvre gegründet, um Priestern, die an der alten Messe festhalten wollten, eine Alternative zu bieten — allerdings unter der Voraussetzung, das Zweite Vatikanum vorbehaltlos anzunehmen. Bei nicht wenigen war das eher ein Lippenbekenntnis, da sie zuvor inhaltlich mit Lefebvre übereinstimmten. Das hatte den Charakter eines Schweigeabkommens mit dem heutigen Rom — Diplomatie statt offenem Bekenntnis. Aus Sicht der FSSPX geht es jedoch nicht nur darum, die alte Messe zu feiern, sondern auch darum, die traditionelle Theologie vollständig zu vertreten, moderne Irrtümer klar zu benennen und den Mut zu haben, nicht zu schweigen.
  • user
    einfacher Katholik 04.02.2026 um 15:25
    Zuerst muss ich sagen, dass ich grossen Respekt vor S. E. Weihbischof Eleganti habe, besonders für die mutige Verteidigung des katholischen Glaubens. Trotzdem kann ich bei diesem Thema Weihbischof Eleganti leider nicht völlig zustimmen. Ich bin weder Anhänger der FSSPX noch einer Eclesia Dei Gemeinschaft, sondern verfasse diesen Kommentar als einfacher Katholik.

    Das Thema ist äusserst komplex, deshalb gebe ich ausführliche Hintergrundinformationen, was meinen Text leider auch so lange macht. Ich erhebe auch keine Anspruch auf Vollständigkeit, Ergänzungen sind willkommen. Auch sollte es nicht zur Beschönigung der FSSPX dienen, es gibt Punkte, die klar zu kritisieren sind, wie die übertriebene Verehrung von Erzbischof Lefebvre, dass in dogmatisch unklaren Fragen häufig die Opposition gesucht wird oder auch die bei manchen FSSPX-Anhängern vorkommende Meinung, sie seien die einzigen Katholiken mit dem vollen Glaubensgut bzw. das wäre nur bei der FSSPX vorhanden.

    Die kanonische Gründung der FSSPX fand 1969 statt, mit Anerkennung des damaligen Ortsbischof von Fribourg. Später folgte der Umzug der Bruderschaft von Fribourg nach Ecône, wo ein Priesterseminar eröffnet wurde, das Priesterseminar war kanonisch unerlaubt. Der Nachfolger des vorherigen Ortsbischof von Fribourg entzog danach auf Druck des Vatikans den kanonischen Status der FSSPX. Erzbischof Lefebvre sah dies als ungültig an und weihte unerlaubt, aber trotzdem gültig, Priester. 1976 folgte daraufhin die Suspendierung. Zum Vergleich, der öffentlich dogmenleugnende Priester und Professor Hans Küng wurde nicht einmal suspendiert, sondern erhielt nur den Entzug der kirchlichen Lehrbefugnis. In der Biografie von Erzbischof Lefebvre wird dargestellt, dass er mit sich gerungen hat, ob er nun Bischöfe als seine Nachfolger weihen sollte oder nicht. Ausschlaggebend für die Bischofsweihen war schliesslich das Treffen von Johannes Paul II mit Vertretern anderer Religionen und Konfessionen in Assisi, bei dem u. a. schamanische Rituale in der Kirche von Assisi vollzogen wurden, im Beisein Johannes Paul II. Für ihn war offensichtlich, dass nicht klar ist, wie die kirchliche Führung in Zukunft handeln würde, was sich spätestens seit dem Korankuss von Johannes Paul II. 1999 als reale Gefahr herausstellte. Nach langwierigen Verhandlungen mit dem Vatikan, bei dem es nach der Meinung Erzbf. Lefebvre nur darum ging, die Zeit hinauszuzögern bis er sterben würde und nach dem Rückzug seinerseits aus einer Beinahe-Lösung sah er sich gezwungen, 1988 vier Bischöfe zu weihen, damit aus seiner Sicht die Kirche mit voller Tradition und voller Lehre fortbestehen möge. Kard. Ratzinger meinte hingegen, manche Kleriker in der FSSPX seien einer Lösung im Weg gestanden. Erzbf. Lefebvre begründete die Weihen mit dem Notrecht. Nach den Bischofsweihen wurde vom Vatikan die Exkommunikation der Beteiligten festgestellt und unter Benedikt XVI. für die noch Lebenden wieder zurückgenommen.
    Und heute muss man objektiv sagen, ist die Situation im Vergleich zu 1988 für glaubenstreue Katholiken keineswegs besser geworden, besonders nach Pachamama-Kulten mit Franziskus, LGBTQ-Wahlfahrt im Petersdom und langsamer, aber kontinuierlicher Aufweichung der moralischen Lehre. Der Höhepunkt erreichte Papst Leo XIV. als er im vergangenen September zum Thema Homosexualität folgendes sagte: "People want the Church doctrine to change, want attitudes to change. I think we have to change attitudes before we ever change doctrine". Besonders der zweite Satz zeigt, dass er zumindest im Punkt Homosexualität von veränderlichen oder sich entwickelnden Dogmen ausgeht, obwohl dies eindeutige Dogmen sind, die in der Heiligen Schrift eindeutig verankert sind. Dies zeigt leider einen gewissen Modernismus auf, nämlich dass Dogmen veränderbar bzw. entwickelbar wären. Dieses Denken wurde von dem heiligen Pius X. in der Enzyklika Pascendi Dominici gregis verurteilt. Bei
    welchen Themen könnten noch solche Aussagen folgen? Das muss man sich berechtigterweise fragen.
    Weiter folgten kürzlich komische Ernennungen für Ämter von Papst Leo XIV. von mindestens einer Person, die öffentlich die Aufhebung von Roe v. Wade in den USA kritisierte. Auch erhielt der LGBTQ-befürwortende Priester James Martin aus den USA bereits nach kurzer Zeit eine Audienz bei Papst Leo XIV., währenddessen die Vertreter der tridentinischen Messe weitaus länger warten mussten. Dass zudem die Liturgiefrage auf dem letzten Kardinal-Konsistorium aufgeschoben wurde und Kard. Roche, ein radikaler Bekämpfer der tridentinischen Messe, weiterhin im Amt ist, stimmt die FSSPX selbstverständlich nicht positiv. Eine Besserung sieht leider anders aus. Währenddessen dürfen "die auf der anderen Seite" weitermachen wie bisher oder es wird sogar gefördert, wie oben aufgezeigt. Auch unter den Bischofsernennungen seit Mai 2025 waren ein paar Kandidaten, die offen mit der Lehre der Kirche in manchen Punkten brechen (Homosexualität, Frauenpriestertum etc.).
    Dass die FSSPX die äusserst schwierige kirchliche Situation als ausreichenden Grund für Weihen ansieht, ist verständlich.

    Ein zweiter Punkt ist die Situation der Kirche in China. Pius XII. führte die Tatstrafe der Exkommunikation bei unerlaubten Bischofsweihen ein, da in China die Bischöfe der "kommunistisch-katholischen Kirche" unerlaubt Bischöfe weihten. Vorher war die Strafe für eine unerlaubte Bischofsweihe nur die Suspendierung. Seit dem Geheimabkommen des Vatikans mit China darf aber die kommunistische Kirche schalten und walten wie sie will, die Bischöfe werden im Nachhinein vom Vatikan anerkannt. Und sogar während der Sedisvakanz wurden zwei Bischöfe ernannt. Es wäre also mehr als unaufrichtig, dass der Vatikan dort so lasch ist und bei der FSSPX wären sie so streng, sind doch die Bischöfe der "kommunistischen Kirche" viel mehr aufmüpfig gegenüber dem Papst.

    Einen dritten und letzten Punkt: Der südamerikanische Mitkonsekrator Bf. Mayer der Bischofsweihen der FSSPX verstarb, ohne für seine eigene Vereinigung einen Bischof geweiht zu haben. Daraufhin half ein Teil der FSSPX-Bischöfe aus und weihte für diese Vereinigung einen Bischof, den Bf. Licinio Rangel. Seine Gemeinschaft und er kehrten später in volle Einheit mit Rom zurück, es wurde eine apostolische Personaladministration erstellt. Daraufhin durfte er seinen Nachfolger, Bf. Rifan, weihen. Nun wurde Bf. Rifan kürzlich 75 Jahre alt und wollte für seine apostolische Personaladministration einen Bischof als Nachfolger haben. Trotz zahlreichen Zugeständnissen an den Vatikan gibt es bis jetzt kein grünes Licht für einen Nachfolger. Dieses Verhalten schreckt die Verantwortlichen der FSSPX natürlich ab, eine vollständige Eingliederung der Gemeinschaft zu suchen, da sie das Gleiche in ein paar Jahren oder Jahrzehnten bei ihrer Bruderschaft zu befürchten hätten. Ähnliches erleben die sogenannten Ecclesia Dei Gemeinschaften (viele haben ihre Existenz auch indirekt Erzbf. Lefebvre zu verdanken und sollten sich deshalb m. E. mit Kritik zurücknehmen) und sogar nicht-traditionalistische Gemeinschaften wie der Opus Dei oder die Franziskaner der Immakulata, deren Beispiele schreckt die FSSPX sicherlich ab.

    Auch ich hoffe auf eine Lösung mit dem Vatikan, damit Weihen erlaubt stattfinden können und es für beide Seiten gut ausgeht. Noch bleibt genug Zeit zum Verhandeln und der Vatikan hat erfreulicherweise darauf hingewiesen, dass der Dialog weitergeführt wird. Der Vatikan wäre mit einer Erlaubnis der Weihen gut beraten, damit man den Frieden in der Kirche bewahren könnte und für die FSSPX wäre es sicherlich auch besser. Wir als Gläubige sollten für eine gute Lösung beten!
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    Otto Diemer 04.02.2026 um 09:56
    Rom wird von der Lavendel Mafia kontrolliert. Dort interessiert sich fast niemand für die Tradition. Die traditionelle Messe würde für die nur mehr Arbeit bedeuten. Was uns kleinen frommen Katholiken blüht in dieser "Kirche" kann man sich meines Erachtens am besten veranschaulichen, wenn man den Film "The Hunt" (2020) anschaut. Viel Glück. "Mir reichts, ich gehe zu Pius!"
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    MT 04.02.2026 um 06:40
    In Zusammenhang zum Artikel von Weihbischof Eleganti erscheint mir eine ergänzende Perspektive wichtig. Die Priesterbruderschaft St. Pius X. versteht sich als konsequente Bewahrerin der kirchlichen Überlieferung. Sie lehnt die Reformen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil und die neue Liturgie ab und nimmt dafür bis heute Spannungen mit Rom in Kauf. Ihr Selbstverständnis gründet auf der Überzeugung, dass Tradition kein Sondercharisma einzelner Gruppen ist, sondern gemeinsames Erbe der ganzen Kirche. Im Unterschied dazu stehen die sogenannten Ecclesia-Dei-Gemeinschaften (wie Petrusbruderschaft FSSP) innerhalb der kirchlichen Hierarchie und wirken mit begrenzten, von bischöflicher Zustimmung abhängigen Freiräumen. Kritiker sehen darin ein strukturelles Problem: Wer in dieser Form eingebunden ist, kann moderne theologische und liturgische Entwicklungen nur eingeschränkt öffentlich beanstanden. Dadurch werde Tradition eher als geduldete Option behandelt denn als verbindliche Grundlage. Die Unabhängigkeit der FSSPX wird hingegen als Voraussetzung gesehen, die katholische Lehre klar und unverwässert verkünden zu können, ohne Anpassungsdruck oder taktisches Schweigen. In dieser Linie wird auch das Handeln von Erzbischof Lefebvre bewertet: Seine Entscheidungen gelten vielen als notwendig und folgerichtig. Er wollte weder eine neue Kirche gründen noch Neuerungen einführen, sondern das Überlieferte bewahren. Nach dieser Auffassung hätte ohne sein Eingreifen ein wesentlicher Teil des traditionellen Glaubenslebens kaum überdauert. Dass er dafür Ausgrenzung und Verurteilung in Kauf nahm, wird als Ausdruck persönlicher Konsequenz gewertet. Unabhängig davon, wie man diese Positionen beurteilt, zeigt die Debatte, dass es nicht nur um liturgische Vorlieben geht, sondern um das grundlegende Verständnis von Tradition, Lehrautorität und kirchlicher Kontinuität. Eine sachliche und faire Auseinandersetzung darüber bleibt daher notwendig.
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      Meier Pirmin 04.02.2026 um 14:24
      @MT. Ich gehörte selber zu denjenigen, die vor über 50 Jahren das Anliegen von Erzbischof Lefebre unterstützten und sogar, siehe meinen Beitrag unten, als Redaktor einer katholischen Zeitung auf keineswegs herablassende Art wohlwollend begleiteten. Es bleibt aber dabei, dass Lefebvre-Anhänger nicht vollständig unähnlich wie Linkskatholiken und sog. liberale Katholiken einen einseitigen und insofern nicht konsequent katholischen Begriff von der Einheit sowohl der sichtbaren als auch der unsichtbaren Kirche praktizieren, wie er zumal in der Ausfaltung der katholischen Mystik, repräsentiert durch unsere grössten Heiligen und Theologen sowie Glaubenszeugen sich manifestiert. Diese standen Lebzeiten jedoch viefach im Spannungsverhältnis zur Amtskirche, nicht selten spirituell und auch in der Praxis eines heiligen Lebens bedeutender als die offiziellen Kirchenrepräsentanten. Nicht wenige, etwa Meister Eckhart, Nikolaus von Cues, Erasmus, Blaise Pascal, Bischof Sailer, Teilhard de Chaardin mussten als radikale Grenzgänger kirchiche Verurteilungen über sich ergehen lassen, die, wie beim Humanisten und grossen katholischen Musikschriftsteller Heinrich Glarean nur ganz ausnahmsweise wieder zurückgenommen wurden. Es gibt auf jeden Fall, bei berechtigter Umstrittenheit einzelner Glaubensinterpretationen auch grosser Heiligen und Theologen auf jeden Fall eine katholische Weite, die von der Art Traditionalismus und ideologischer Engführung von Ideologen nicht nur in der Art von Marcel Lefebvre nicht eingeholt wird. Was die Liturgie betrifft, so gab es v o r dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine imponierende liturgische Bewergung, zu der ich zum Beispiel Romano Guardini zähle, die von den seitherigen Reformen an spirituellem Rang leider nicht erreicht worden ist. Es gibt sodann heute fast kaum eine Mess-Praxis, wie sie Calderon in seinem religionsdidaktisch einmaligen Feier-Spiel "Die Geheimnisse der heiligen Messe" in die Form einer unvergleichlichen Dramaturgie gebracht hat. Wiewohl es auch dort Zeitbedingtes gibt, das nicht für alle Ewigkeit Bestandteil des Gottesdienstes bleiben muss. Dies gilt im Prinzip, bei aller Anerkennung, auch für den am Konzil von Trient konstituierten Mess-Barock.
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    Stefan Fleischer 04.02.2026 um 02:15
    @ Joseph Laurentin
    Aus meiner absolut laienhaften Sicht waren vielleicht die unerlaubten Bischofsweihen nicht der alles entscheidende, schismatische Akt, sondern jenes «non possumus», das diese Gruppe immer wieder dem Papst entgegen geschleudert, und von welchem sie sich meines Wissens, immer noch nicht distanziert hat. Auf einer solchen Basis sind vernünftige Gespräche von vornherein zum Scheitern verurteilt. Aber wie gesagt, das ist ein gefühlsmässiges, kein theologisch hieb- und stichfestes Argument.
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    Hansjörg 03.02.2026 um 21:27
    Da heute von den vier am 30. Juni 1988 von Erzbischof Marcel Lefebvre, geweihten Bischöfe nur noch zwei am Leben sind, müssen wohl neue Bischöfe gewählt werden.
    Andernfalls ginge ja die Führung der rund 735 Priester und ca. 600.000 Gläubigen verloren.
  • user
    Michael Dahinden 03.02.2026 um 20:42
    Bis zum 1. Juli ist noch etwas Frist. 1) Rom könnte mit der FSSPX ausdührlicher reden; 2) die FSSPX könnte mit einzelnen Bischöfen reden, warum nicht auch mit Marian?, Bischöfen, die noch bei Verstand sind. Aber wer zur Piusbruderschaft Schisma sagt, während er einen ausgemachten Götzendiener, den ein irrendes Geschlecht an die Kirchenspitze hievte, der Christus für irrelevant erklärt hat und die ganze Kirche für dumm verkaufen wollte, nicht als Schismatiker und Apostat bezeichnet hat, läuft bei aller sonst vorhandenen gesunden Einsicht in diesem Fall halt doch Gefahr, die Mücke mit dem Elephanten zu verwechseln.
    • user
      Claudio Tessari 03.02.2026 um 20:59
      Bischof Eleganti schreibt ja KLAR: die angekündigte Weihe von Bischöfen durch die Priesterbruderschaft Pius X. (FSSPX) ohne die ausdrückliche Zustimmung des Papstes als einen schismatischen Akt einstufen und zum zweiten Mal mit Schmerzen zur Kenntnis nehmen und in aller Schärfe verurteilen. Zitat Ende

      Das ist die folge gemäss dem aktuellen Kirchenrecht! Wir beten alle das die FSSPX zur VOLLEN EINHEIT kommt, den über jede Spaltung der Glaubenstreuen, freut sich der Teufel und die Liberalen
    • user
      Daniel Ric 03.02.2026 um 21:42
      Sehr geehrter Herr Dahinden, unabhängig davon, wie man kirchenpolitisch steht, sollte man versuchen, zumindest den Anspruch zu haben, christlich zu schreiben und zu argumentieren. Ich fände es schon pietätlos, einen gewöhnlichen Verstorbenen so zu beschimpfen, wie Sie dies hier tun. Bei einem verstorbenen Papst ist dies noch viel schlimmer, da Sie damit zur Verunsicherung beitragen und viele Menschen verletzen, die das vergangene Pontifikat nicht so negativ bewerten wie Sie. Christus hat uns aufgetragen, die Welt durch unsere Nächstenliebe erkennen zu lassen, dass wir SEINE Jünger sind. Diese Worte Jesu sind keine Mücke, sondern die Wahrheit, an der auch Sie gemessen werden.
      • user
        Michael Dahinden 04.02.2026 um 14:06
        Sehr geehrter Herr Ric,

        danke Ihnen, dass Sie mitdiskutieren. Auch war von Ihnen hier schon sehr Gutes und Bemerkenswertes gelesen, dafür gehört Ihnen mein Dank. In dieser Sache hier möchte ich Ihnen für heute allerdings drei Dinge zu bedenken geben:
        1. Die Situation der Kirche ist kein Spass und gehört nicht auf die leichte Schulter genommen. Aus meiner eigenen persönlichen Umgebung kenne ich Leute, die wegen der Verhältnisse 13-25 in Irrtümer gefallen sind und deswegen nur schwer daraus zu befreien sind, weil ja angeblich „die Autorität“ es gesagt habe bzw. die Kirche ja in der und der Frage zerstritten sei und man sich also besser auf keine feststehende Lehre stütze.
        2. Der Betreffende kann gerettet sein, wenn er nicht der Papst war. Ich würde es ihm wünschen, an der Person war ja vieles sympathisch. Sollte er das Amt aber gehabt haben, das inzwischen so oder so auf das Schwerste beschädigt ist, wäre er nach allem was wir wissen können auf ewig verloren, denn der Papst kann den Seelen nicht ungestraft den Glauben rauben.
        3. Es war nicht nur ein anderer der Papst, der auf Druck „zur Seite“ trat, wie er sich auszudrücken beliebte, sondern wir haben auch Dokumente, die den traurigen Zustand der Jahre 13-25 belegen, der eingetreten ist, z. B. Pastor Aeternus aus dem I. Vaticanum, welches ein päpstliches Charisma der Irrtumsfreiheit postuliert, woraus folgt, dass der Träger des Amtes nicht dauerhaft und wiederholt schwerste dogmatische Irrtümer verkündigt, oder auch Nostra Aetate aus dem II. Vaticanum, welches eine Religionstoleranz dann und nur dann fordert, wenn Dinge in Religionen wahr und heilig sind, wogegen die Modernisten behaupten (und wir haben es mehrmals und schriftlich, Abu Dhabi Schlussrede zweiter Unterstrich und Kasachstan Schlussdokument Ziffer 10), Gott habe eine Toleranz von Natur aus gegeben, welche Religionen gegenüber um der Vielfalt Willen zu gelten habe. Kurz und knapp: Wer das sagt und darauf seine Verkündigung aufbaut, der ist nicht katholisch.

        Nun haben wir hier aber auch noch die Debatte, wer wann von Schisma reden sollte und wer nicht. Da kann ich Ihnen insofern entgegenkommen, als dass es völlig losgelöst von der Papstdebatte auch sonst ein paar zweifelhafte Blüten gibt, die der Begriff „Schisma“ treibt und die ihn objektiv betrachtet weit eher decken als ein FSSP-Problem. Ist kath.ch mit seiner Haltung zur Muttergottes schismatisch oder katholisch? Sind die Synodenprotestantismen der Teutonen in den letzten Tagen (Fortschreibung von Zusammenkünften, die von Bischöfen und Vatikan Dinge zu „fordern“ haben, Institutionalisierung von Gremien, die die Moral ablehnen etc.) etwa wirklich keine schismatischen Akte? Glauben Sie etwa wirklich, dass der Kirche gedient ist, wenn sie sich von Gruppierungen ihrer eigenen Tradition abspaltet, während sie fordert, wir hätten Buddhastatuen auf Tabernakeln zu dulden?

        Man sollte nicht den Verzicht des Vatikans, Anathem auszusprechen, mit der Annahme verwechseln, alles sei katholisch und es gebe überhaupt keine Grenzen zwischen katholisch und nichtkatholisch. Und wer aus Furcht vor der FSSPX und dem, was diese nichtkatholisch nennt, sie selber als schismatisch bezeichnet und damit meint, den Ansoruch loszuwerden, den Jesus an Sie und mich stellt, liegt krass daneben.
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          Daniel Ric 04.02.2026 um 17:38
          Sehr geehrter Herr Dahinden, mir geht es nicht um die Piusbrüder, die - und hier muss ich für einmal unserem lieben Hansjörg zustimmen - ein Randphänomen in der katholischen Kirche darstellen. Eigentlich ist es unsinnig, dass dieser Artikel so viel Aufmerksamkeit erregt, währenddem Artikel und kirchliche Ereignisse, die das Leben der normalen Katholiken viel mehr tangieren, ignoriert werden. Seit Jahren findet in der Schweiz eine für mich beunruhigende Polarisierung statt, die der gesunden Mitte schadet bzw. sie gar nicht erst entstehen lässt. Man muss radikal sein, wenn es um die Christusnachfolge geht, und nicht radikal, wenn es um die Bewertung von bestimmten Personen geht. Wenn ein Katholik oder eine Katholikin im Glauben verunsichert wird, weil er oder sie gewisse Aussagen oder Handlungen des Papstes nicht teilt oder nicht nachvollziehen kann, dann hat er oder sie es auch vorher schon nicht so ernst genommen mit der Liebe zu Christus. All die Extrempositionen, die wir in der Schweizer Kirche haben, offenbaren diese fehlende Liebe zu Jesus und zum katholischen Glauben.
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    Joseph Laurentin 03.02.2026 um 20:19
    Der Kommentar von Weihbischof em. Eleganti setzt den päpstlichen Primat dogmatisch richtig an, zieht daraus aber eine zu schnelle Schlussfolgerung: Bischofsweihen ohne Mandat seien automatisch schismatisch. Aus der Sicht Erzbischof Lefebvres wäre zu unterscheiden: Der Primat wird nicht bestritten, wohl aber die Annahme, dass jede konkrete Leitungsentscheidung damit unangreifbar wird – selbst dann, wenn sie nach Überzeugung vieler Gläubiger der überlieferten Lehre oder Liturgie schadet. Dogma ersetzt nicht die Gewissens- und Lageprüfung.
    Auch der Schisma-Begriff wird vorschnell angewandt. Kirchenrechtlich bedeutet Schisma die Verweigerung der Unterordnung unter den Papst. Die betroffene Bruderschaft behauptet jedoch, den Papst anzuerkennen und keine Gegenkirche gründen zu wollen. Man sollte daher zwischen unerlaubtem Handeln und formellem Schisma unterscheiden. Nicht jeder schwere Ungehorsam ist automatisch Kirchenspaltung.
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    Dr. theol. Emil Hobi, kath. Priester 03.02.2026 um 17:02
    Ein wirklicher Notstand zur Weihe von Bischöfen, ohne Einbezug des Petrusnachfolgers, wäre tatsächlich nur in extremsten Denkszenarien gegeben, wenn beispielsweise nach dem Entsetzen eines Atomkrieges und bei einer fast weitgehend zerstörten Erde, der Einbezug das petrinischen Leitungs-, Lehr- und Hirtenamtes auch physisch gar nicht mehr funktionieren würde oder der Papst sich in offensichtlicher Gefangenschaft eines diktatorischen Régimes befindet. Die angekündigten Bischofsweihen sind gewiss nicht notstandserfordert und daher illegitim und jene, welche sich weihen lassen und weihen - nicht ihre Priester und Gläubigen - rutschen erneut ins Schisma, in die Trennung von der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche. Dies ist tieftraurig!
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    Claudio Tessari 03.02.2026 um 16:37
    Ich danke Bischof Eleganti für die klaren Worte und bete, dass es noch zur einer Einigung kommen möge. Nach der Ankündigung der Bischofsweihen der FSSPX ist unter den „Frommen“ natürlich eine Diskussion ausgebrochen: gerechtfertigt? schismatisch? Tradition bewahren usw.
    Für mich sollte ein wahrer Katholik vier Säulen haben. Er sollte papsttreu sein, eucharistisch, marianisch und traditionell.
    Was bedeutet das konkret?
    Man gehorcht dem Papst im Regieren. Es heißt: Ubi Petrus, ibi Ecclesia – dort, wo Petrus ist, dort ist die Kirche, also auch Jesus.
    Man liebt die heilige Eucharistie, welche ja Jesus ist, über alles, und das heilige Messopfer – unabhängig, in welcher Form oder mit welchem Messbuch es gefeiert wird.
    Man geht an der Hand Mariens durchs Leben: per Mariam ad Iesum.
    Traditionell ist nicht traditionalistisch. Ein Modernist und ein Traditionalist sind sich in Glaubensfragen sehr weit entfernt, aber leider in der Haltung sehr nahe: beide meinen, sie wissen es besser als die Kirche und haben oft eine protestantische Haltung.
    Der traditionell katholische Mensch nimmt die Tradition zum Unterscheiden der Geister. Wenn es Dokumente des Lehramtes gibt, die nicht klar sind oder widersprüchlich erscheinen – leider gibt es sie –, dann soll man sie in der Hermeneutik der Kontinuität lesen. So lehrte es Papst Benedikt: das heißt, man nimmt die Dokumente der Kirche der Vergangenheit und betrachtet sie durch die Brille der Tradition.
    Mit diesen vier Säulen kann man gelassen durch diese Zeiten gehen. Jesus verspricht in der Offenbarung:
    „Sei getreu bis in den Tod, dann werde ich dir den Kranz des Lebens geben.“
    (Offb 2,10 )
    • Johanna-Jessica OFS 04.02.2026 um 13:37
      "Ein Modernist und ein Traditionalist sind sich in Glaubensfragen sehr weit entfernt, aber leider in der Haltung sehr nahe: beide meinen, sie wissen es besser als die Kirche und haben oft eine protestantische Haltung."

      Diese Passage finde ich — gerade als protestantische Konvertitin — sehr treffend von Ihnen formuliert. Leider...

      Es versetzte mir neulich schon einen Stich, als es viele Kommentare gegen Bischof Bonnemain hagelte, die sich teils sehr herablassend lasen.

      Auch mir ist die kath. Tradition wichtig, gar heilig. Doch der kath. Glaube umfasst, aus meiner Sicht, weit mehr als "nur" die Tradition. Klagte nicht Jesus selbst so auch die Pharisäer als Heuchler an, u.A. ...?

      Als Laie, Ex-Protestantin und Ex-Okkultistin bleibt mir weniger das umfassende Wissen um die Tradition, als mehr die eigenen Erfahrungen, zur Unterscheidung der Geister.

      Da ich alle hier tatsächlich für klüger halte, Emotionen ein schlechter Ratgeber sein können und ich mitunter wohl auch ein Opfer des zeitgemässen, unsäglichen Relativismus bin, halte ich mich oft im Urteilen zurück. Traurig machen mich manche Aussagen dennoch...
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    Schwyzerin 03.02.2026 um 16:34
    Vatican zu Piusbrüdern: "Brüche vermeiden" vom 3. Februar 2026 www.vaticannews.va betreffend Erklärung der Bruderschaft St. Pius X steht: Der Heilige Stuhl habe ein Schreiben geschickt, "das in keiner Weise auf unsere Anfragen antwortet, heisst es in der Erklärung. Darum habe man sich entschlossen, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.

    Das Gebet hat geholfen. Der Vatikan will die Gespräche mit der Piusbruderschaft fortsetzen, das ist jetzt ein positives Signal. Beten wir für die Piusbruderschaft und für die Tradition der Kirche.
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    Meier Pirmin 03.02.2026 um 16:06
    Die Ausführungen von Bischof Marian sind differenziert. Selber habe ich noch als einstiger Redaktor des katholischen Aargauer Volksblatt Bischof Lefebvre wenn auch nur kurz persönlich gesprochen, einer Predigt und einem Hochamt von ihm durchaus beeindruckt beigewohnt. Dabei hatte ich dann doch auch seine ideologischen Hintergründe aus der Französischen Rechten um Maurras und Barrés einigermassen recherchiert und zur Kenntnis genommen im Wissen, dass dies etwa nicht die Weltanschauung katholisch-konservativer Christen etwa in der Art von Franz von Sales, Kardinal Wiseman, Kardinal Newman oder dem heiligmässigen Schweizer Priester Père Blanchard aus der Zeit der Unterdrückung der jurassischen Priesterschaft in der Epoche des Kulturkampfes und später war.

    Lefebvre stand jedoch meines Erachtens keineswegs auf dem theologischen Niveau etwa von einem der grössten katholischen Gelehrten meiner Generation, Gerd-Klaus Kaltenbrunner, wiewohl dieser mindestens gedanklich mit dem Sedivakantismus sympathisierte, im übrigen aber als einer der absolut besten Kenner der katholischen Geistesgeschichte zu unserer Zeit war. Ich würde aber Kaltenbrunner, gest. 2011, von seinem theologischen Denken her keineswegs über Ratzinger bzw. Papst Benedikt XVI. einschätzen. Im Zusammenhang mit dem sehr bedenkenswerten obigen Kurz-Aufsatz von Bischof Marian würde ich mit Nachdruck festhalten, dass das Beispiel von Kirchenvater Athanasius von ihm nicht nur prima gewählt ist, sondern im höchsten Grad bedeutsam und beispielhaft gegen Lefebvre ins Feld geführt wird.. Athanasius gehört nebst Augustinus, Hieronymus und Chrysostomus zu den absolut bedeutenden und massgebenden Kirchenvätern, der im Leben und Schaffen und in der Bewältigung auch seiner nicht bloss subjektiven Schwierigkeiten mit der Kirche Massstäbe gesetzt hat, letztlich und kirchengeschichtli h eine ganz andere Nummer als Bischof Lefebvre darstellt. Zu den französischen Gelehrten, die auf Lefebvre Einfluss ausgeübt haben, gehört zweifelsfrei einer der Hauptideologen des Unfehlbarkeitsdogmas, Joseph de Maistre, wohl zurecht umstritten, weil er die Unfehlbarkeit eigentlich pragmatisch und in der Art von Kaiser Konstantin als reiner Ordnungsdenker postulierte. Aber gerade dieser Joseph de Maistre, gewiss ein grosser Geist, der als Reaktionär kirchensoziologisch dachte wie heute zum Teil auch sog. progessive Theologen, hätte das Dilemman von Bischof Marian nachvollziehen können und hätte die Piusbruderschaft allenfalls vor dieser Aktion gewarnt. Letztes mal besuchte ich Ecône vor bald vier jahren, war noch beeindruckt vom dortigen Angebot vorkonziliarer theologischer Literatur und Gesprächen mit frommen, auch musikbegeisterten Seminaristen, zumeist Franzosen. Beim Mitfeiern der Messe kam für mich jedoch wegen des letztlich schismatischen Charakters die Kommunion so wenig in Frage wie bei einem Besuch einer christkatholischen Messe in Kaiseraugst, die mir seinerzeit einen ausserordentlich würdigen Eindruck gemacht hat. Bei einem lutherischen Gottesdienst im Osten Deutschlands beeindruckte mich, wiewohl nicht Kommunikant, zumal die Praxis der Mundkommunion, womit sich Luther u.a. noch von Zwingli abgegrenzt hat.