Podiumsteilnehmer und Mitarbeiter von «Kirche in Not (ACN)». (Bild «Kirche in Not (ACN)»)

Weltkirche Kirche Schweiz

Pre­mière in Ein­sie­deln: Erst­mals gemein­same Wall­fahrt von «Kir­che in Not» und dem Mal­te­ser­or­den Schweiz

Am Sonn­tag, den 31. Mai 2026, führ­ten das Hilfs­werk «Kir­che in Not» und der Schwei­zer Zweig des Mal­te­ser­or­dens erst­mals eine gemein­same Wall­fahrt nach Ein­sie­deln durch. Ehren­gast war Kar­di­nal Kurt Koch, seit 2025 Prä­si­dent des päpst­li­chen Hilfs­werks «Kir­che in Not».

Diese Première lag schon fast in der Luft: die gemeinsame Wallfahrt des päpstlichen Hilfswerkes «Kirche in Not» und des schweizerischen Zweiges des Malteserordens. Denn beide sind auf je eigene Weise dem gleichen Auftrag verpflichtet: den Glauben zu leben und den Notleidenden zu helfen. Fast möchte man die Frage stellen: Warum nicht schon früher, denn schon seit Längerem bestehen personelle Verflechtungen. So ist etwa der Malteserritter Jean de Skowronski seit 2019 Präsident von «Kirche in Not» Schweiz / Liechtenstein. Am 31. Mai 2026 war es so weit. Im Bewusstsein der unterschiedlichen, sich ergänzenden Stärken setzten die beiden Gemeinschaften ein starkes Zeichen der Verbundenheit, getragen von einer gemeinsamen, grossen Vision.

«Kirche in Not» unterstützt durch zahlreiche Projekte die Ortskirchen in rund 140 Ländern durch Nothilfe, Bildung und Seelsorge. Das 1947 im Elend der Nachkriegszeit vom belgischen Pater Werenfried van Straaten («Speckpater») gegründete Werk wurde nach einer Reorganisation 2011 von Papst Benedikt XVI. als päpstliche Stiftung anerkannt.

«Tuitio fidei et obsequium pauperum»: Verteidigung des Glaubens und Hilfe für die Bedürftigen» – so lautet das Leitmotiv des 1113 gegründeten und damit ältesten religiösen Laienordens der Katholischen Kirche. Ihm gehören 13 000 Mitglieder und über 100 000 Freiwillige an. Der Orden leistet medizinische und humanitäre Hilfe weltweit und ist Träger von 1500 Spitälern, Kliniken und sozialmedizinischen Einrichtungen. Sein spezifisches Merkmal: Der Malteserorden ist ein Subjekt des Völkerrechts und unterhält diplomatische Vertretungen in 115 Ländern und in der EU. Dieser Sonderstatus ermöglicht ihm, durch diskrete Interventionen bei staatlichen Stellen wirksam für den Schutz der Menschenrechte einzutreten.
 


Die Identitätskarte der Christen
Die Wallfahrt begann mit einem Pontifikalamt in der Klosterkirche von Einsiedeln, dem Kardinal Kurt Koch vorstand, auch «Ökumene-Minister des Vatikans» genannt und seit 2025 Präsident von «Kirche in Not». Seine Festpredigt galt der Ausfaltung des grossen Geheimnisses des dreifaltigen Gottes, dem der Sonntag vom 31. Mai gewidmet ist. An diesem Tag, so der Kardinal, feiert die Kirche im Gegensatz zu Weihnachten und Ostern kein spezifisches Heilsgeschehen wie die Geburt Christi oder dessen Tod und Auferstehung, sondern «Gott wie er ist», und das heisst den trinitarischen Gott: ein Wesen in drei Personen. Wenn wir die Worte zum Kreuzzeichen sprechen (gleichsam die Identitätskarte der Christen), rufen wir die Mitte unseres Glaubens an, den Glauben an einen Gott nicht als ein abgehobenes, einsames Wesen, sondern als ein Wesen in Beziehung.

Gott braucht, näherte sich Kardinal Koch dem trinitarischen Geheimnis an, ein personales Gegenüber, um Liebe sein zu können. Gott ist in sich selbst Mitteilung und überströmende Liebe. Daraus ergeben sich, so Kardinal Koch weiter, auch eminente Konsequenzen für das christliche Menschenbild und Kirchenverständnis: Auch der Mensch ist seinem innersten Wesen nach auf Beziehungen angelegt und die Kirche ist ihrerseits ein Abbild des dreifaltigen Gottes, verstanden als Vielfalt in der Einheit, als Einheit in der Vielfalt. Durch die Taufe auf den trinitarischen Gott entsteht eine personale und persönliche Beziehung: mit Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, aber auch mit allen Getauften. Das Geheimnis der Trinität findet seine kongeniale Ausdrucksweise im Messopfer, «so wie wir es jetzt in der Klosterkirche Einsiedeln feiern».

Traditionellerweise werden jeweils bei den Fürbitten Kerzen im Gedenken an Christinnen und Christen angezündet, die wegen ihres Glaubens getötet oder diskriminiert wurden. So auch dieses Jahr: Die solidarische Erinnerung galt Opfern im Irak, in Haiti, Pakistan und Indonesien. Einen besonders eindrücklichen Akzent setzten zwei Priester aus Nigeria, die gemeinsam das Vaterunser in ihrer Muttersprache sangen.
 


Wo der wahre Friede beginnt
Der Nachmittag galt der Podiumsdiskussion zum Thema «Kirche im Spannungsfeld von Krieg, Verfolgung, Hilfe und Diplomatie. Wo wächst Hoffnung?». Das Wort «Friede» war dabei der Schlüsselbegriff, an dem der Moderator Mariano Tschuor die Diskussion vor dem Hintergrund der vielen kriegerischen Auseinandersetzungen in aller Welt festmachte. Kardinal Koch erinnerte an die Worte von Papst Leo XIV., dass Friede weder durch Krieg noch durch Gewalt dauerhaft gesichert werden kann. Für Kardinal Koch ist klar: Echter Friede für die Welt muss aus dem Innersten des Menschen, aus seinem Herzen kommen – er beginnt bereits im Kinderzimmer. Dazu gehört auch die Abrüstung der Sprache. Abt Urban Federer ergänzte: Wir dürfen Frieden nicht nur fordern, sondern müssen auch bereit sein, durch Selbstverpflichtung aktiv dazu beizutragen. Dabei ist die Einsicht nötig: Friede ist zuallererst ein Geschenk Gottes, erfahrbar in der Feier der Eucharistie («Der Friede sei mit euch»), den es in die Welt hinauszutragen und zu bezeugen gilt. Abt Urban warnte zugleich davor, überzogene Erwartungen und Hoffnungen in Gremien zu setzen, und sei es die Bischofskonferenz.

Eine aufschlussreiche Äusserung liess sich Kardinal Koch von Moderator Tschuor entlocken, als dieser ihn fragte, was für ihn das Spannungsfeld zwischen der Verpflichtung auf die Wahrheit und der Diplomatie bedeute, wenn er in Moskau Patriarch Kyrill gegenübertrete, der den Aggressionskrieg Russlands gegen die Ukraine wiederholt als vaterländische Pflicht, ja als «heiligen Krieg» bezeichnete. Kardinal Koch: «Jedes Mal, wenn ich ihn traf, wetterte er die ersten zehn Minuten gegen die griechisch-katholische Kirche und die zweiten zehn Minuten gegen den dekadenten Westen.» Er, Kardinal Koch, habe sich dabei erlaubt, auf die erschreckend hohen Abtreibungszahlen in Russland hinzuweisen. Worauf Patriarch Kyrill höchst verärgert reagierte und ihm untersagte, dieses Thema in Zukunft nochmals zur Sprache zu bringen.

Thomas Fritsche, Vize-Präsident Malteserorden Schweiz, betonte seinerseits den Wert der diplomatischen Dienste, die es dem Malteserorden ermöglichen, der kriegsversehrten Bevölkerung insbesondere in Gaza und ganz Palästina effizient und schnell zu Hilfe zu kommen. Jan Probst, Geschäftsführer von «Kirche in Not» Schweiz, erinnerte schliesslich an den grossen Friedensfürsten unseres Landes: Bruder Klaus («Friede ist allweg in Gott»). Am 13. Mai 1940 hatte der Eremit im Ranft seine schützende Hand über der Schweiz gehalten und sie vor den Verheerungen des Zweiten Weltkrieges bewahrt.

Ein Zeichen der Hoffnung setzte nicht zuletzt der rundum gelungene Verlauf der gemeinsamen Wallfahrt von «Kirche in Not» und dem Malteserorden Schweiz. L‘exemple est à suivre!


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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