(Symbolbild: Catholic Church England and Wales/Flickr, CC BY-NC-ND 2.0)

Weltkirche

«Pries­ter fal­len nicht aus den Wolken»

Die Diö­zese Not­ting­ham (GB) geht die hohen Aus­tritts­zah­len der Gläu­bi­gen mit einem Mis­si­ons­plan an. Um jun­gen Män­nern zu hel­fen, ihre Beru­fung zum Pries­ter zu ent­de­cken, hat sie am Guthirt-​Sonntag eine spe­zi­elle Aktion gestar­tet, an der sich alle Gläu­bi­gen betei­li­gen können.

Die Diözese Nottingham spürt wie viele andere Diözesen auch einen Einbruch im Glaubensleben und erlebt einen starken Rückgang von Priesterberufungen: Auf einen Neueintritt kommen zehn Austritte; die Zahl der aktiven Priester sank in den letzten 40 Jahren um 41 Prozent; bei den Priesterberufungen erfolgte ein dramatischer Rückgang um 94 Prozent: von 34 auf 2.

Doch die Verantwortlichen im Bistum legen die Hände nicht in den Schoss und versuchen es auch nicht mit einer Anbiederung an den Zeitgeist. Sie haben für die Jahre 2026 bis 2030 einen Missionsplan erstellt. Sein Motto: «Geht und macht Menschen zu Jüngern». Der Missionsplan beruht auf drei Pfeilern:

  • Begegnung: Jedem Menschen wird geholfen, die Liebe Jesu immer tiefer zu erfahren und sich persönlich dafür zu entscheiden, ihm nachzufolgen.
  • Jüngerschaft: Jeder Einzelne wird dabei unterstützt, täglich als Jünger Jesu zu wachsen; es gibt andächtige und würdevolle Gottesdienste sowie klare Wege der Jüngerschaft, sowohl auf Gemeindeebene als auch in Kleingruppen.
  • Mission: Jeder Mensch wird durch eine grössere Offenheit für die Führung und Inspiration des Heiligen Geistes befähigt, Zeugnis von der Kraft der Liebe und Barmherzigkeit Jesu zu geben und anderen zu helfen, Jesus kennenzulernen und ihm nachzufolgen.

Bischof Patrick McKinney ist überzeugt: «Durch die Inspiration des Heiligen Geistes und die geistliche Nahrung der Eucharistie sind wir in der Lage, diese drei geistlichen Themen zu leben.»

In erster Linie eine Ehrung, keine Verpflichtung
In der Berufungspastoral für Priester hat sich die Diözese an dem neuen Modell der Erzdiözese Denver (USA) orientiert. Die Kampagne «Called by Name» startete am Guthirt-Sonntag 2026. Alle Gläubigen wurden eingeladen, den Namen eines Mannes zu nennen, von dem sie glauben, dass er ein grossartiger Priester sein könnte. Es brauche die Kirche als Ganzes, um Priesterberufungen zu erkennen, schrieb Bischof McKinney in seinem Hirtenwort. «Ich lade alle Katholikinnen und Katholiken ein, die Namen junger Männer im Alter von mindestens 18 Jahren zu nennen, die ihr aufgrund ihrer Liebe zu Christus und seiner Kirche, ihres starken Glaubens sowie ihres Engagements für den Dienst an anderen und ihrer Führungsqualitäten ehren möchtet.»

Diejenigen, deren Namen eingereicht wurden, erhielten einen persönlichen Brief vom Bischof und eine Einladung zu einem Treffen mit ihm und Pater Neil Peoples, dem Beauftragten für die Berufungspastoral.

Dieses Treffen fand nun am 7. Juni statt: 37 junge Männer kamen der Einladung des Bischofs nach. Father Neil Peoples erzählte zu Beginn von seiner eigenen Berufung. Er hatte als Jugendlicher darüber nachgedacht, Priester zu werden, diesen Gedanken aber wieder verworfen. Doch dann fragte ihn ein Bischof: «Hast du schon einmal über das Priesteramt nachgedacht?» Die Frage liess ihn nicht mehr los und in ihm wuchs die Überzeugung, dass er «die Sache etwas ernster nehmen» müsse.

Die jungen Männer waren hier, weil jemand oder mehrere Personen aus der Pfarrei sie als möglichen Priester genannt haben. Dass jemand ihren Namen genannt hat, hat viele der jungen Menschen berührt. Ein Mann erzählte, dass er ziemlich überrascht war, als er erfuhr, dass ihn jemand bemerkt hatte. Er kam an das Treffen, nicht weil er sich über seine Berufung sicher ist, sondern, «weil ich mich schon immer gefragt habe, wie ich diese erkennen kann». Ein anderer Mann, der bereits als Lektor in der Pfarrei tätig ist, meinte, dass ihn diese Nennung motiviert, sich noch stärker in der Kirche zu engagieren. Ein dritter Mann erklärte nüchtern: «Ich weiss nicht, ob das meine Berufung ist, aber es gibt nur einen Weg, das herauszufinden.»

Es ist die Aufgabe von Father Peoples, den jungen Menschen zu helfen, ihre Berufung zu klären. Es gibt keinen Druck, keine Erwartung. Die Nennung eines Namens bedeutet für den betreffenden Mann zunächst eine Ehrung: Er wurde von seiner Pfarrei positiv wahrgenommen. Diejenigen, die sich jetzt mit ihrer Berufung auseinandersetzen wollen, bestimmen das Tempo selbst. Für Father Peoples ist nur eines klar: Er will einem jungen Mann «nicht die Walt-Disney-Version» des Priestertums vermitteln, sondern die Realität. Auf die Frage, was er sehe, wenn die Männer zu ihm kämen, antwortete er: «Man sieht Hoffnung. Man sieht Menschen, die bereit sind, zu erkennen, was sein könnte.»

Bischof Patrick McKinney war bewegt von den vielen jungen Männern, die seiner Einladung gefolgt sind. «Ich hatte keine Ahnung, wie viele kommen würden, und es sind weit mehr, als ich erwartet hatte.» Und er wiederholte den Gedanken seines Hirtenbriefes: «Priester wachsen nicht auf Bäumen. Sie fallen nicht aus den Wolken. Sie kommen aus den Pfarreien.»

Das Treffen brachte junge Männer zusammen, die in sich eine Anfrage spüren. Sie hatten Gelegenheit, sich gegenseitig kennenzulernen und zu erkennen, dass sie mit diesen Gedanken nicht allein sind. «Sie tauschten Telefonnummern aus, verglichen ihre Pfarreien und lachten über die Geschichten, wie sie jeweils an diesem Sonntagnachmittag hier gelandet waren», weiss die Diözese zu berichten. Es gibt für sie keine Verpflichtungen – es ist eine Einladung. Bischof Patrick McKinney brachte es auf den Punkt: «Gebt dem Herrn eine Chance.»
 

Die Kampagne «Called by Name» stammt aus der Erzdiözese Denver (USA). Im Startjahr 2025 wurden 955 Namen eingereicht. Fast 100 dieser Männer nahmen im August des gleichen Jahres an einer Besinnungswoche teil. Die Erzdiözese verzeichnete für das akademische Jahr 2025/26 den Eintritt von 27 Männern ins Priesterseminar. Dieses Jahr werden voraussichtlich weitere etwa 20 hinzukommen. Im laufenden Jahr wurden die Namen von 405 weiteren Männern der Diözese genannt.


Webseite der Diözese Nottingham zu «Called by Name»

Missionsplan 2026–2030 der Diözese Nottingham


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

  • user
    Patrik 22.06.2026 um 06:43
    Die Initiative der Diözese Nottingham verdient grosses Lob. Dass Gläubige junge Männer ermutigen, über eine Berufung zum Priestertum nachzudenken, ist eine einfache und schöne Idee.
    Zu hoffen bleibt, dass jene, die den Ruf Gottes verspüren, auch an Hochschulen und in Priesterseminaren ausgebildet werden, in denen der katholische Glaube treu weitergegeben wird. Eine Berufung braucht nicht nur Ermutigung, sondern auch eine gute geistliche und theologische Ausbildung. Ich habe im Laufe der Jahre schon Theologiestudenten kennengelernt, die während ihres Studiums ihren Glauben verloren haben und sich am Ende eher als Historiker der Religion denn als Priester sahen. Umso wichtiger ist es, dass Priesterseminare Orte bleiben, an denen der Glaube gestärkt und vertieft wird. Möge diese Initiative viele gute Früchte hervorbringen.