Mit einem die Realität ungeschminkt abbildenden Befund erläuterte Don Philipp Isenegger gleich zu Beginn seines Vortrages die Problematik der aktuellen Gottesdienstpraxis hierzulande: «Stellen wir uns einen Sonntag in einem Schweizer Pastoralraum vor. Das Pfarrblatt kündigt für 10.30 Uhr schlicht einen «Gottesdienst» an. Heute wird Eucharistie gefeiert, am nächsten Sonntag eine Wort-Gottes-Feier mit Kommunionspendung. Lieder und liturgische Kleidung sind ähnlich. Am Ende folgt die Kommunion. Für viele bleibt nur die Frage, wer vorne steht. «Hauptsache, die Gemeinde kommt zusammen», hört man dann. Der Satz ist meist gut gemeint, reicht aber nicht. Denn wenn beide Feiern austauschbar erscheinen, verdunkelt sich nicht nur eine liturgische Unterscheidung. Dann verdunkelt sich, was Kirche ist, woraus sie lebt und wer sie aufbaut. Eine Gemeinde versammelt sich nicht selbst zur Kirche. Christus versammelt und baut sie – und in einzigartiger Weise tut er dies in der Eucharistie».
Anhand einer Statistik verdeutlichte Don Philipp Isenegger diesen immer mehr in den kirchlichen Alltag vordringenden Trend zur Verdunkelung: «Im Februar 2025 wurden in den Pfarreien des Bistums Basel sonntags 640 Gottesdienste erfasst: 396 Eucharistiefeiern und 244 Wort-Gottes-Feiern. Fast zwei von fünf Feiern waren damit Wort-Gottes-Feiern. Noch markanter: Von diesen 244 Feiern waren 235 mit Kommunionspendung – nur neun ohne».
Gewiss, Zahlen sind nicht alles. Dennoch legen sie hier die Vermutung, ja den Verdacht nahe, dass – von der kirchlichen Obrigkeit geduldet oder gar gewollt – einer Tendenz Vorschub geleistet wird, welche die Eucharistiefeiern à la longue entbehrlich machen soll. Don Philipp warnt, aus der Notlage, sprich dem Priestermangel, eine Normalität zu machen. Vielmehr gilt es, die eigentliche Not, die verkümmerte eucharistische Sehnsucht, wieder freizulegen und ihr zum Recht zu verhelfen.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Eine längst nicht ernsthaft geführte Erörterung ist der heutige Umgang mit kirchlichen Abdankungen und Trauerfeiern, ein Thema für sich, weil heute eine Trauergemeinde immer offensichtlicher nicht mehr mit einer Feier der Kirchgemeinde zu verwechseln ist. Hier wäre also ein Wortgottesdienst mit freilich einschlägigen Gebeten unverzichtbar. Das Mahl aber passt nicht richtig, findet sowieso nachher statt, dabei habe ich schon mehrfach erlebt, dass einfach alle in der Kirche Anwesenden sogar "zu Ehren des Toten", der kaum je kommuniziert hat, zum Hostienempfang eingeladen wurden, was besonders praktizierende Nichtkatholische mit Recht als aufdringlich empfinden können. Sowieso ist es ein völliges Missverständnis der Messfeier, die Leute einfach zur Kommunion zu rufen oder, wenn sie nicht nach vorne kommen, ihnen gar nachzulaufen. Es ist bei Abdankungen möglich, eine Seelenmesse etwa zum Dreissigsten separat zu organisieren, wobei aber heute bei der Unsitte der fälschlicherweise mit Hygiene verwechselten Kremation Abdankungen oft sogar erst einen bis zwei Monate nach Hinschied erfolgen, insgesamt zu einer Art Wunschkonzert ausarten. Im schlimmsten Fall sogar zwar mit brennenden Kerzen in der Kirche, aber ohne Gebete und selbst ohne das Vaterunser erfolgen, wie mehrfach schon erlebt. Hängt natürlich damit zusammen, dass es vielerorts keine würdigen Stätten für eine notwendige Stätte für zivile Abdankungen besteht, wozu meines Erachtens ein echtes Bedürfnis besteht.
Persönlich habe ich eine "Kommunionfeier" noch nie mit einem katholischen Gottesdienst verwechselt.
Hier muss meines Erachtens die kirchliche Erwachsenenbildung ansetzten.
«Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.» (2.Tim 4,2)
Oder anders ausgedrückt, es geht darum, in unserer Verkündigung wieder wirklich katholisch zu werden, dass wir wieder die ganze katholische, allumfassende, Lehre verkünden, ohne Abstriche, Einseitigkeiten und Beschönigungen, und dass wir den Gläubigen (und der ganzen Welt) wieder klar machen, dass unser Glaube keine Selbstbedienungsideologie ist, sondern eine Selbstoffenbarung Gottes. Denn nur der ganze Gott ist der wahre Gott, nur der ganze Glaube ist der wahre Glaube. Hier müssen wir ansetzen, wenn wir wieder glaubwürdig werden wollen.