Don Philipp Isenegger bei seinem Vortrag an der Tagung von Pro Ecclesia (Bild: Niklaus Herzog, Swiss-Cath)

Kirche Schweiz

Pro Ecclesia-Einkehrtag im Zeichen der Eucharistie

Am letzten Samstag, dem 29. August 2026, führte Pro Ecclesia in Luzern ihren diesjährigen Einkehrtag durch. Im Zentrum stand das Thema «Eucharistie – Herz der Kirche». Don Philipp Isenegger, Referent und geistlicher Leiter des Missionswerkes BLESS, vermittelte zukunftsweisende Impulse.

Mit einem die Realität ungeschminkt abbildenden Befund erläuterte Don Philipp Isenegger gleich zu Beginn seines Vortrages die Problematik der aktuellen Gottesdienstpraxis hierzulande: «Stellen wir uns einen Sonntag in einem Schweizer Pastoralraum vor. Das Pfarrblatt kündigt für 10.30 Uhr schlicht einen «Gottesdienst» an. Heute wird Eucharistie gefeiert, am nächsten Sonntag eine Wort-Gottes-Feier mit Kommunionspendung. Lieder und liturgische Kleidung sind ähnlich. Am Ende folgt die Kommunion. Für viele bleibt nur die Frage, wer vorne steht. «Hauptsache, die Gemeinde kommt zusammen», hört man dann. Der Satz ist meist gut gemeint, reicht aber nicht. Denn wenn beide Feiern austauschbar erscheinen, verdunkelt sich nicht nur eine liturgische Unterscheidung. Dann verdunkelt sich, was Kirche ist, woraus sie lebt und wer sie aufbaut. Eine Gemeinde versammelt sich nicht selbst zur Kirche. Christus versammelt und baut sie – und in einzigartiger Weise tut er dies in der Eucharistie».

Anhand einer Statistik verdeutlichte Don Philipp Isenegger diesen immer mehr in den kirchlichen Alltag vordringenden Trend zur Verdunkelung: «Im Februar 2025 wurden in den Pfarreien des Bistums Basel sonntags 640 Gottesdienste erfasst: 396 Eucharistiefeiern und 244 Wort-Gottes-Feiern. Fast zwei von fünf Feiern waren damit Wort-Gottes-Feiern. Noch markanter: Von diesen 244 Feiern waren 235 mit Kommunionspendung – nur neun ohne».

Gewiss, Zahlen sind nicht alles. Dennoch legen sie hier die Vermutung, ja den Verdacht nahe, dass – von der kirchlichen Obrigkeit geduldet oder gar gewollt – einer Tendenz Vorschub geleistet wird, welche die Eucharistiefeiern à la longue entbehrlich machen soll. Don Philipp warnt, aus der Notlage, sprich dem Priestermangel, eine Normalität zu machen. Vielmehr gilt es, die eigentliche Not, die verkümmerte eucharistische Sehnsucht, wieder freizulegen und ihr zum Recht zu verhelfen.


Nicht wir machen die Liturgie - Christus handelt
Die Liturgie ist zuerst Gottes Werk. Der eigentliche Handelnde ist Christus. Und im Zentrum seines Handelns steht das Pascha: Tod und Auferstehung, die vollkommene Hingabe Jesu an seinen Vater. In der Eucharistie wird diese Hingabe, dieses Opfer sakramental gegenwärtig. Don Philipp betont: «Darum ist die Realpräsenz keine isolierte Sonderlehre über das, was nach der Wandlung auf dem Altar liegt. Gegenwärtig ist der gekreuzigte und auferstandene Herr, der uns in seine Hingabe hineinzieht. Er gibt sich uns nicht, damit wir ihn besitzen, sondern damit er uns besitzt.»

Don Philipp knüpft an die Aussage des hl. Augustinus an: «Seid, was Ihr seht, und empfangt, was Ihr seid.» Seine Ausführungen dazu: «Auf dem Altar liegt der sakramentale Leib Christi, vor dem Altar steht sein kirchlicher Leib. Beide sind nicht identisch und doch untrennbar verbunden. Der eucharistische Leib baut den kirchlichen Leib. Deshalb ist unser ‘Amen’ bei der Kommunion mehr als die Zustimmung zur Realpräsenz. Es bedeutet auch: Ja, ich will Glied dieses Leibes sein». Dabei gilt: Wer kommuniziert und gleichzeitig Menschen verachtet, widerspricht diesem Amen. Doch gleichzeitig gilt auch das Umgekehrte: Sozialer Einsatz ersetzt die Anbetung nicht. Die Horizontale wurzelt in der Vertikalen: «Wir dienen dem Menschen, weil Christus uns zuerst seinen wirklichen Leib schenkt und uns dadurch zu seinem Leibe macht». Durch die bewusste Selbstaneignung dieser Wahrheit verkümmert die Messfeier für die Gläubigen nicht zur blossen religiösen Insel am Sonntag, sondern wird zur Form des ganzen Lebens.

Wort und Eucharistie sind nicht austauschbar
Ausdrücklich betont Don Philipp, dass die Wort-Gottes-Feier keine Feier zweiter Klasse ist: «Wenn die Schrift verkündet wird, spricht Christus selbst zu seinem Volk. Gerade deshalb muss die Wort-Gottes-Feier davor bewahrt werden, als verkürzte Messe inszeniert zu werden. Sie besitzt eine eigene Würde und eine eigene geistliche Gestalt. Wort-Gottes-Feier und Eucharistiefeier sind beide Liturgie, aber nicht gleichartig.» Die Kommunion ist deshalb «kein isoliertes Objekt, das man an verschiedene Feiern anhängt. Sie ist Frucht des ganzen eucharistischen Geschehens.» Wird sie aus ihrem inneren, wesensgemässen Zusammenhang herausgerissen, droht, so Don Philipp, ein dreifacher Verlust: «Kommunion wird individualisiert, die Wort-Gottes-Feier verliert ihre eigene Gestalt und die Sehnsucht nach der Eucharistie wird betäubt. Eine würdig gestaltete Wort-Gottes-Feier ohne Kommunion darf dagegen sagen: Christus ist wahrhaft in seinem Wort gegenwärtig – und zugleich hungern wir nach jener Fülle, die nur die Eucharistie schenkt.»


Priestermangel oder Sehnsuchtsmangel?
Don Philipp bringt eine Vergleichszahl ins Spiel: In der Schweiz kommt rechnerisch ein Priester auf rund 1600 Katholiken; weltweit sind es rund 3450. Was prima vista vergleichsweise komfortabel erscheint, ist es insbesondere aufgrund der massiven Überalterung nicht. Der Priestermangel ist auch in der Schweiz eine Realität.

Dennoch legt er den Schwerpunkt auf die oft fehlende Wertschätzung der Eucharistie, die Herzmitte unseres Glaubens («Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens», vgl. II. Vat. Konzil, Lumen Gentium Nr.11). Don Philipp ermahnt die Gläubigen: «Wer für einen Fussballmatch, ein Konzert oder einen Einkauf im Supermarkt Wege auf sich nimmt, darf auch gefragt werden: Was ist Dir die Eucharistie wert?»

Die sieben Schritte der Erneuerung
Der Handlungsbedarf ist unbestritten. Doch wie soll eine des Glaubens würdige eucharistische Erneuerung Gestalt annehmen? Sie ist dann glaubwürdig, wenn «Anbetung und Hingabe, Altar und Alltag, der sakramentale und der verwundete Leib Christi wieder zusammenfinden», so Don Philipp. Konkret schlägt er sieben Schritte vor:

  1. Die Eucharistie wieder beim Namen nennen
  2. Weg von der Angebotslogik – hin zur eucharistischen Sammlung
  3. Die Wort-Gottes-Feier in ihrer Eigenart stärken
  4. Das Hochgebet neu erschliessen
  5. Eine neue Kultur der Ehrfurcht aufbauen
  6. Raum schaffen für eine eucharistische Kultur der Berufungen
  7. Das grosse Amen im Alltag als Dienst am Nächsten wahr machen

Mit einem kräftigen Applaus dankten die zahlreichen Anwesenden Don Philipp Isenegger für seinen profunden und inspirierenden Vortrag. Mit eingeschlossen war der Dank an Monika Gegenschatz und Pirmin Müller für die professionelle Organisation und Moderation dieses Anlasses.
 

Referat von Don Philipp Isenegger auf YouTube


Niklaus Herzog
swiss-cath.ch

E-Mail

Lic. iur. et theol. Niklaus Herzog studierte Theologie und Jurisprudenz in Freiburg i. Ü., Münster und Rom.


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Bemerkungen :

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    Meier Pirmin 01.09.2026 um 14:13
    Die Debatte bzw. der Vortrag spricht Grundlegendes an. Im Zusammenhang mit der Eucharistie scheint mir nicht ausgeschlossen, dass die seinerzeitigen Impuls-Aktionen seit der Zeit von Papst Pius X. zur häufigeren Kommunion möglicherweise in eine Sackgasse geführt haben, nämlich Hostien-Empfang ohne einschlägige Vorbereitung, wozu früher auch das Fasten gehörte, selbstverständlich die Beichte und Heiligung des Festtages. Kaum mehr verstanden wird die Geistige Kommunion. Umgekehrt ist etwa Apéro und Essen nach einem Gottesdienst genau genommen vielfach eher noch ein echtes Gemeinschaftserlebnis als der Hostienempfang, da stimmt offensichtlich etwas längst nicht mehr. Nicht dass ich jedoch den Kommunionempfang mit einem Pfarrei-Apéro verwechseln würde. Wenn aber letzterer als nachhaltiger erlebt wird, stimmt es "in Gottes Namen" halt nicht mehr.

    Eine längst nicht ernsthaft geführte Erörterung ist der heutige Umgang mit kirchlichen Abdankungen und Trauerfeiern, ein Thema für sich, weil heute eine Trauergemeinde immer offensichtlicher nicht mehr mit einer Feier der Kirchgemeinde zu verwechseln ist. Hier wäre also ein Wortgottesdienst mit freilich einschlägigen Gebeten unverzichtbar. Das Mahl aber passt nicht richtig, findet sowieso nachher statt, dabei habe ich schon mehrfach erlebt, dass einfach alle in der Kirche Anwesenden sogar "zu Ehren des Toten", der kaum je kommuniziert hat, zum Hostienempfang eingeladen wurden, was besonders praktizierende Nichtkatholische mit Recht als aufdringlich empfinden können. Sowieso ist es ein völliges Missverständnis der Messfeier, die Leute einfach zur Kommunion zu rufen oder, wenn sie nicht nach vorne kommen, ihnen gar nachzulaufen. Es ist bei Abdankungen möglich, eine Seelenmesse etwa zum Dreissigsten separat zu organisieren, wobei aber heute bei der Unsitte der fälschlicherweise mit Hygiene verwechselten Kremation Abdankungen oft sogar erst einen bis zwei Monate nach Hinschied erfolgen, insgesamt zu einer Art Wunschkonzert ausarten. Im schlimmsten Fall sogar zwar mit brennenden Kerzen in der Kirche, aber ohne Gebete und selbst ohne das Vaterunser erfolgen, wie mehrfach schon erlebt. Hängt natürlich damit zusammen, dass es vielerorts keine würdigen Stätten für eine notwendige Stätte für zivile Abdankungen besteht, wozu meines Erachtens ein echtes Bedürfnis besteht.

    Persönlich habe ich eine "Kommunionfeier" noch nie mit einem katholischen Gottesdienst verwechselt.
    • user
      Meier Pirmin 02.09.2026 um 09:47
      Nachtrag: Zwischenzeitlich ist der ganze Vortrag von "Don" Isenegger im Netz per Video abrufbar, eine Einführung bzw. Erinnerung an das Wesen der Messe durch Auslegung der Hochgebete, genau das, was oft leider nur als dahingeleierte Formel verstanden wird, aber zentrale Lehre darstellt: nämlich dass die Heilige Wandlung "uns selber" verwandeln soll. Dies wurde und wird im Rahmen des Verständnisses der "Geheimnisse der heiligen Messe" (Calderon) viel zu wenig wahrgenommen. Als Religionslehrer ist mir aufgefallen, dass die grosse Mehrheit auch der katholisch getauften und in der Regel gefirmten Maturanden die Messe nie auch nur annähernd verständnisfördernd erklärt wurde. Im Religionsunterricht an Gymnasien zwar auch deswegen nicht, weil dieser nicht mehr konfessionell ist, sondern "religionswissenschaftlich2, d.h. von allem ein bisschen was vernehmen von "Lehrkräften", die über keine Religion und Konfession wirklich Spitzenwissen verfügen, zumal immer weniger auch die protestantische Lehren vom Abendmahl betreffend, die im Detail sogar noch anspruchsvoller sind als das katholische Dogma von der Transsubstantiation. Letzteres setzt freilich die aristotelisch-thomistische Theorie der Substanz voraus, die normalerweise mindestens ein Jahr systematischen Philosophie-Unterricht in Metaphysik erfordert, meine nicht für die Schülerinnen und Schüler, sondern für diejenigen, die es lehren sollen. Gerade die Fähigkeit zur Vereinfachung für Anfänger setzt umso genauere Grundkenntnisse voraus, am besten verbunden mit existenzieller und spiritueller persönlicher Vertiefung.
      Hier muss meines Erachtens die kirchliche Erwachsenenbildung ansetzten.
  • user
    Stefan Fleischer 31.08.2026 um 20:29
    Aus meiner Sicht der Dinge hängt die Zukunft der Kirche entscheidend davon ab, dass sie das Erfolgsrezept des Völkerapostels wieder wahrnimmt und mit allem Ernst umsetzt:

    «Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.» (2.Tim 4,2)

    Oder anders ausgedrückt, es geht darum, in unserer Verkündigung wieder wirklich katholisch zu werden, dass wir wieder die ganze katholische, allumfassende, Lehre verkünden, ohne Abstriche, Einseitigkeiten und Beschönigungen, und dass wir den Gläubigen (und der ganzen Welt) wieder klar machen, dass unser Glaube keine Selbstbedienungsideologie ist, sondern eine Selbstoffenbarung Gottes. Denn nur der ganze Gott ist der wahre Gott, nur der ganze Glaube ist der wahre Glaube. Hier müssen wir ansetzen, wenn wir wieder glaubwürdig werden wollen.
  • user
    John Henry 31.08.2026 um 18:39
    Guter Vortrag. Danke 🙏