Abt Vigeli Monn spricht das Segensgebet über den Neuprofessen Bruder Benedikt.

Kirche Schweiz

Pro­fess von Bru­der Bene­dikt: Nach vie­len klei­nen Schrit­ten das grosse «Ja»

Am Gedenk­tag Maria Köni­gin legte Bru­der Bene­dikt Meier im Klos­ter Disen­tis die Ewi­gen Gelübde ab. Keine rein per­sön­li­che Ent­schei­dung, son­dern eine Ent­schei­dung in der Kir­che für die Kirche.

Nach dem Regen des vorausgegangenen Tages empfing strahlender Sonnenschein die Gläubigen, die aus nah und fern nach Disentis gekommen waren, um mit der Mönchsgemeinschaft den Festtag der Ewigen Profess von Bruder Benedikt Meier zu begehen.

Vor Beginn des Gottesdienstes probte der «Jodlerklub vom Ägerital» in der Klosterkirche St. Martin. Doch wie kommt ein Jodlerklub aus dem Kanton Zug ins ferne Graubünden? «Der Urgrossonkel von Bruder Benedikt war Jost Marty», erklärte mir eine der beiden Jodlerinnen. «Er wünschte sich deshalb, dass im Professgottesdienst die Jodlermesse von Jost Marty gesungen wird.» Doch Bruder Benedikt fand zunächst keinen Jodlerklub. Eines Tages unterhielt er sich an der Pforte mit einer Besucherin. Diese erzählte ihm nebenbei, dass sie in einem Jodlerklub singt, und Bruder Benedikt ihr anschliessend von seiner Suche. Und jetzt probt der «Jodlerklub vom Ägerital», in welchem die Besucherin mitsingt, in der Klosterkirche die Jodlermesse von Jost Marty.
 


Das «Ja» der Profess und das «Ja» Gottes
«Salve sancta parens enixa puerpera regem qui caelum terramque regit in saecula saeculorum», sang der Mönchschor den Introitus, passend zum Gedenktag Maria Königin. «Gruss dir, heilige Mutter, du hast den König geboren, der in Ewigkeit herrscht über Himmel und Erde.»

«Viele kleine Schritte haben zum grossen «Ja» von Bruder Benedikt geführt, dem das grössere «Ja» Gottes vorausging», so Abt Vigeli Monn in seiner Einleitung. Diesen Gedanken nahm er in seiner Homilie wieder auf: Um «Ja» sagen zu können, muss man zunächst hören. So beginnt auch die Regel des Heiligen Benedikt mit den Worten: «Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens.» Bruder Benedikt wisse nicht, was auf ihn zukomme. Bei der Profess stehe deshalb das Vertrauen im Vordergrund: «Herr, ich vertraue darauf, dass dein Wort mein Leben prägt. Auf das «Ja» der Profess folgen unzählige kleine «Jas»: Ja zum Bruder, mit dem ich mich gerade nicht verstehe, Ja zu einer Entscheidung der Gemeinschaft usw. Es gelte, immer wieder aufzustehen, nicht nur morgens um 5 Uhr, sondern auch aufzustehen nach dem Hinfallen: sich durch Christus aufrichten zu lassen, sich in Christus aufzurichten. «Die Profess ist kein Versprechen aus eigener Kraft, es ist ein Versprechen des Glaubens.» Die Gelübde sind anspruchsvoll und können nur getragen werden, wenn sie in einer tieferen Wirklichkeit verwurzelt sind, nämlich in der Liebe Christi. «Wenn dein Ja schwach werden sollte – das Ja Gottes bleibt.» Bruder Benedikt wisse nicht, was auf ihn zukomme, nahm Abt Vigeli das Wort nochmals auf, «aber er weiss, wer mit ihm geht».

Die Profess sei etwas Grösseres als eine rein persönliche Entscheidung, so Abt Vigeli weiter. In der Lesung aus Jes 9,1–6 hörten wir: «Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht; über denen, die im Land des Todesschattens wohnten, strahlte ein Licht auf.» Ein Kloster soll ein Ort sein, an dem das Licht Christi leuchtet. Ein Ort des Gebetes, von dem die Menschen erfahren dürfen: Hier wird für mich gebetet. «Im Kloster werden Psalmen weiter gesungen, auch wenn viele Menschen keine Worte mehr finden für den Dialog mit Gott.» Deshalb ist die Profess eines Mönches nie nur seine persönliche Angelegenheit. «Dein Ja heute ist ein Ja im Schosse der Kirche für die Kirche», erinnerte Abt Vigeli Bruder Benedikt.

Der letzte Schritt, das grosse «Ja»
Nach der Herabrufung des Heiligen Geistes wurde Bruder Benedikt vom Novizenmeister zum Abt geführt. Dieser befragte ihn nach seiner Bereitschaft, die Gelübde abzulegen. In der Allerheiligenlitanei wurden Gott und alle Heiligen um Beistand für den Weihekandidaten gebeten, der sich als Zeichen seiner Hingabe und Demut auf den Boden legte.

Bruder Benedikt las seine Professurkunde vor, die anschliessend vom Abt und ihm auf dem Altar unterschrieben wurde. Als Ausdruck seiner Hingabe küsste Bruder Benedikt den Altar. Anschliessend sang er dreimal: «Nimm mich auf, o Herr, nach Deinem Wort, auf dass ich lebe, lass mein Vertrauen nicht zuschanden werden.» Die Mönchsgemeinschaft wiederholte jeweils diesen Ruf.

Abt Vigeli sprach das Segensgebet über den Neuprofessen. Anschliessend wurde ihm als Zeichen der bleibenden Zugehörigkeit zur Gemeinschaft die Kukulle (feierliches Chorgewand) überreicht, das zuvor vom Abt gesegnet worden war. Mit dem Friedenskuss nahmen Abt Vigeli und seine Mitbrüder Bruder Benedikt für immer in die Gemeinschaft auf.
 


Zu Hause angekommen
Nach dem feierlichen Gottesdienst war die Festgemeinschaft zu einem wahrhaft festlichen Apéro eingeladen. «Es ist ein wunderbares Ereignis, wenn sich ein Bruder fest an unsere Gemeinschaft bindet. Es ist ein Gnadengeschenk für die ganze Gemeinschaft», bekundete ein strahlender Abt Vigeli. Einer, der Bruder Benedikt bereits ganz zu Beginn seiner Berufung kannte, war der Priester Thomas Rellstab, in dessen damaliger Pfarrei die Familie den Gottesdienst besuchte. «Es ist schön zu sehen, wie von den ersten Fragen nach einer möglichen Berufung, der man in gemeinsamen Gesprächen nachgegangen ist, der Weg nun zur Profess führte.» Bruder Benedikt sei schon als Ministrant immer bereit gewesen, zu dienen, erinnerte sich Thomas Rellstab. Er habe immer gehofft, Bruder Benedikt würde nach Einsiedeln gehen, gab er schmunzelnd zu. «Aber er fühlt sich in der Gemeinschaft von Disentis so wohl, dass er hier sicher am richtigen Ort ist.»

Auch der Novizenmeister der Gemeinschaft, Pater Bruno Rieder, strahlte nach dem Gottesdienst. «Ja, es ist eine Riesenfreude, dass wir wieder einen jungen Mitbruder in unsere Gemeinschaft aufnehmen konnten.» Bei Bruder Benedikt brauchte es zwei Anläufe. «Bei der Verabschiedung haben wir gesagt: Die Tür ist immer offen. Ich war deshalb nicht überrascht, als er wieder den Weg zu uns gefunden hat.»

«Ich bin froh und glücklich, dass mein Sohn so gut angekommen ist, dass er hier zu Hause ist und seinen Weg gefunden hat», erklärte sein Vater. Ob er während des Gottesdienstes nochmals bewusst loslassen musste? Er lachte. «Mein Sohn ist 37 Jahre alt. Da gibt es nicht mehr viel loszulassen.» Die Freude über seine Berufung sei immer gross gewesen.
Während der Allerheiligenlitanei wurde eine Fürbitte für die Eltern vorgetragen, die ihren Sohn auf diesem Weg begleitet haben. Martin Meier-Schnüriger winkt ab: «Es ist nicht unser Verdienst, es ist Gnade.» Sicher hätten sie als Eltern versucht, ihrem Kind das Beste mitzugeben, doch das sei keine Garantie: «Letztlich ist es jemand anderer, der die Fäden in der Hand hält.»

Bruder Benedikt genoss das Gespräch mit den vielen Menschen, die zu seiner Profess gekommen waren. Für ihn sei es ein sehr bewegendes Geschehen gewesen, das er aber mit einer inneren Ruhe mitvollziehen konnte. «Ich habe mich in meinen Exerzitien nochmals mit meiner Berufung auseinandergesetzt und mich gefragt: Was hörst du jetzt? Und durfte feststellen, dass der Ruf noch immer gleich stark ist wie bei meinem Ordenseintritt.» So konnte er die doch sehr schwerwiegenden Gelübde leichten Herzens ablegen. «Mein erstes Gefühl ist Dankbarkeit.»

Die Freude über diese Berufung und die Ewige Profess war nicht nur dem Abt und den Mitbrüdern anzusehen, sondern allen Gläubigen, die Bruder Benedikt an diesem Tag begleiten durften. In einer Zeit des Ego-Kultes und der rastlosen Unruhe zeigen Menschen wie Bruder Benedikt, dass das wahre Glück nur mit Gott und in Gott gefunden werden kann.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


Kommentare und Antworten

×

Name ist erforderlich!

Geben Sie einen gültigen Namen ein

Gültige E-Mail ist erforderlich!

Gib eine gültige E-Mail Adresse ein

Kommentar ist erforderlich!

Captcha Code Kann das Bild nicht gelesen werden? Klicken Sie hier, um zu aktualisieren

Captcha ist erforderlich!

Code stimmt nicht überein!

You have reached the limit for comments!

* Diese Felder sind erforderlich.

Bemerkungen :

  • user
    Maissen 28.08.2026 um 12:27
    Gottes Gnade möge Bruder Benedikt für die kommenden Klosterjahrzehnte immer begleiten, dass er seine Teure zu den Gelübden leben kann! In unserer Zeit ist das überhaupt nicht einfach.
  • user
    Martin Meier-Schnüriger 24.08.2026 um 05:27
    Ein herzliches Vergelt's Gott für diesen Artikel, der zeigt, dass es in unserer Kirche durchaus auch viel Positives und Aufbauendes zu berichten gibt. Klöster waren seit jeher Gottesburgen und Horte des Glaubens im rauen Gegenwind des jeweils herrschenden Zeitgeistes und wurden deshalb von dessen Vertretern aufs heftigste bekämpft. Gerade das Kloster Disentis hat das in seiner Geschichte immer wieder erlebt. Auch heute bilden die Klöster eine Art Kontrapunkt zu einer allzu oft sehr verweltlichten Kirche, was u.a. auch darin liegt, dass sie finanziell von den staatskirchlichen Organisationen unabhängig und somit dem dualen System nicht ausgeliefert sind. Als Eltern des Neuprofessen Br. Benedikt sind meine Frau und ich glücklich darüber, dass unser Sohn gerade diesen Weg gehen darf. Wir können alle Eltern, deren Töchter oder Söhne den Ruf zum Ordensleben in sich verspüren, nur ermuntern, sie darin zu unterstützen. Loslassen muss man seine Kinder so oder so. Sie in die Arme des ewigen Vaters loszulassen, macht das Loslassen einfacher und tröstlicher.