Queere Workshops im Bibelzentrum auf Kirchen- und Katholikentagen seien überfüllt und deshalb sei es Zeit, sich dem Thema zu widmen. So die Erklärung des «Katholisches Bibelwerk Stuttgart» für das 80 Seiten umfassende Heft ihrer Zeitschrift «Bibel und Kirche». Die aktuelle Ausgabe soll erklären, was queere Bibelauslegung ist, wie es dazu kam und was sich hinter den verschiedenen Begrifflichkeiten verbirgt. «Vor allem zeigt sie, wie bereichernd es ist, Bibeltexte queersensibel zu lesen.»
Der Queer-Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Ludger Schepers, zum Heft: «Queere Menschen haben sich nicht erst heute in die Geschichten der Bibel eingeschrieben – sie waren immer Teil jener menschlichen Wirklichkeit, von der die Heilige Schrift erzählt. […] Wer die Bibel queeren Menschen öffnet, nimmt ihr nichts von ihrer Wahrheit – er erinnert sie an ihren universellen Anspruch.»
Was ist der Mensch?
Das Inhaltsverzeichnis lässt die Zumutungen erahnen, die auf die Leserschaft zukommen: Jakobs Kampf am Jabbok wird unter dem Titel «Zwischen Ringen und Umarmen. Genesis 32 que(e)r gelesen» abgehandelt. Oder: «Es fehlt die Braut – eine bewusste Leerstelle? Die Hochzeit zu Kana (Joh 2,1–12) queer gelesen».
Aus der Geschichte von Josef und seinen Brüdern könne man «eine geschlechtliche Uneindeutigkeit des Josef» oder eine «soziale Normierung von Männlichkeit» herauslesen.
Katrin Brockmöller, geschäftsführende Direktorin des Katholischen Bibelwerks und Schriftleiterin von «Bibel und Kirche» setzt sich mit Gen 1,27 auseinander.
Hiess es in der früheren Einheitsübersetzung noch: «Gott schuf also den Menschen als sein Abbild, als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie», heisst es in der Neuausgabe (2016): «Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie.» Damit kehrte die Übersetzung zum Wortlaut des hebräischen Textes zurück, der von «sachar» (männlich) und nekevah (weiblich) spricht.
«Adjektive benennen einzelne Eigenschaften, keine generellen Konzepte. Hier verweisen sie auf die sexuelle Differenzierung – ohne Wesensaussagen des Menschseins festzuschreiben», so Katrin Brockmöller.
(Zwischenbemerkung: Das Judentum, welches die Texte der Thora seit Jahrhunderten hütet und studiert, geht trotz der Adjektive «männlich» und «weiblich» klar von zwei Geschlechtern aus.)
Die Verse ab Gen 1,26f seien Teil eines poetischen Textes. Dabei werde «das Ganze durch die Nennung komplementärer Pole umschrieben». Wenn man das poetische Stilmittel (Merismus) ernst nehme, entstünden Leerstellen, die neu gefüllt werden können: So durch «die Vorstellung einer Menschheit, die von Anfang nicht einfach binär, sondern eben queer (im Sinne von ‹weiter als du denkst›) zu verstehen ist». Und weiter: «Die Menschheit als Ganze sichert dabei die Generationenfolge und die vielfältige Gegenwart Gottes – genau das wird eben nicht einzelnen Paaren zugeschrieben.»
Aber, so das Fazit von Katrin Brockmöller, schlussendlich werde es irrelevant, ob Gen 1,27 auf biologisch-genetische, soziale, gewählte oder vorgefundene Konzepte von Geschlecht Bezug nehme, denn «vom Menschsein, so Genesis 1, kann man nur poetisch sprechen».
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
2.Petr 2,1
Es gab aber auch falsche Propheten im Volk; so wird es auch bei euch falsche Lehrer geben. Sie werden verderbliche Irrlehren verbreiten und den Herrscher, der sie freigekauft hat, verleugnen; doch dadurch werden sie sich selbst bald ins Verderben stürzen.