80 Prozent der 20 Millionen Menschen in Mali sind Muslime, 17 Prozent bezeichnen sich als Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen, die restlichen 3 bis 4 Prozent sind Christen. Die Zahl der Katholiken wird auf 300 000 bis 400 000 geschätzt; die allermeisten leben im Süden des Landes. Im Norden sind die Christen fast ausschliesslich staatliche Angestellte oder Touristen, da es dort für Christen zu gefährlich ist.
Entführt im sicheren Süden
Pater Ha-Jo Lohre, Weisser Vater, besuchte die Schweiz im Juni 2022 im Rahmen einer Predigtkampagne von «Kirche in Not (ACN)». In Pfarreien informierte er über seinen Alltag: «Als ich 1981 als junger Geistlicher nach Mali kam, war die Situation für Christen unbedenklich. Zwischen Christen und Muslimen herrschte ein gutes Verhältnis. Heute kann ich mich als Christ und Europäer kaum noch im Norden des Landes bewegen. Aber im Süden ist die Situation relativ sicher.» Kaum sechs Monate später wurde er nach einem Gottesdienst in der Hauptstadt entführt, als er in seinen Wagen steigen wollte.
Der 1957 in Deutschland geborene Geistliche gilt als profunder Kenner des Islam. So leitete er vor seiner Entführung ein ökumenisches Zentrum in Bamako und war in der Bischofskonferenz von Mali für den interreligiösen Dialog zuständig. Während seiner Gefangenschaft konnte er immer wieder mit den oft jungen Dschihadisten sprechen. Er ist Gott dankbar, dass er wieder in Freiheit lebt, dennoch ist er ohne Wut auf seine Entführer: «Ich habe nie Hass oder Groll gegen sie empfunden.» Heute lebt und wirkt Pater Lohre in Südfrankreich.
Während seines zweiten Besuchs bei «Kirche in Not (ACN)» vom 15. bis 23. November wird Pater Lohre auf die herausfordernde Situation der Christen in Mali und vielen anderen Ländern eingehen. Um auf das Schicksal der verfolgten und diskriminierten Christen aufmerksam zu machen, rief das Hilfswerk 2015 die REDWEEK ins Leben.
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