Angehörige des IS im Grossraum Tillaberi im Westen Nigers, nahe der malischen Grenze. Die Dschihadisten sind in der Grenzregion Niger, Mali und Burkina Faso sehr aktiv. (Bild: Screenshot)

Weltkirche

RED­WEEK: Die zuneh­mende Chris­ten­ver­fol­gung im Fokus

Vor zehn Jah­ren rief «Kir­che in Not (ACN)» zur ers­ten RED­WEEK auf, einer Gebets– und Gedenk­wo­che für die ver­folg­ten Chris­tin­nen und Chris­ten. Im Rah­men der dies­jäh­ri­gen RED­WEEK vom 15. bis 23. Novem­ber wird der deut­sche Pater Ha-​Jo Lohre in ver­schie­de­nen Pfar­reien der Schweiz Zeug­nis able­gen. Er war im Herbst 2022 in der mali­schen Haupt­stadt Bamako ent­führt und wäh­rend zwölf Mona­ten von Dschi­ha­dis­ten gefan­gen gehal­ten worden.

80 Prozent der 20 Millionen Menschen in Mali sind Muslime, 17 Prozent bezeichnen sich als Anhänger traditioneller afrikanischer Religionen, die restlichen 3 bis 4 Prozent sind Christen. Die Zahl der Katholiken wird auf 300 000 bis 400 000 geschätzt; die allermeisten leben im Süden des Landes. Im Norden sind die Christen fast ausschliesslich staatliche Angestellte oder Touristen, da es dort für Christen zu gefährlich ist.

Entführt im sicheren Süden
Pater Ha-Jo Lohre, Weisser Vater, besuchte die Schweiz im Juni 2022 im Rahmen einer Predigtkampagne von «Kirche in Not (ACN)». In Pfarreien informierte er über seinen Alltag: «Als ich 1981 als junger Geistlicher nach Mali kam, war die Situation für Christen unbedenklich. Zwischen Christen und Muslimen herrschte ein gutes Verhältnis. Heute kann ich mich als Christ und Europäer kaum noch im Norden des Landes bewegen. Aber im Süden ist die Situation relativ sicher.» Kaum sechs Monate später wurde er nach einem Gottesdienst in der Hauptstadt entführt, als er in seinen Wagen steigen wollte.

Der 1957 in Deutschland geborene Geistliche gilt als profunder Kenner des Islam. So leitete er vor seiner Entführung ein ökumenisches Zentrum in Bamako und war in der Bischofskonferenz von Mali für den interreligiösen Dialog zuständig. Während seiner Gefangenschaft konnte er immer wieder mit den oft jungen Dschihadisten sprechen. Er ist Gott dankbar, dass er wieder in Freiheit lebt, dennoch ist er ohne Wut auf seine Entführer: «Ich habe nie Hass oder Groll gegen sie empfunden.» Heute lebt und wirkt Pater Lohre in Südfrankreich.

Während seines zweiten Besuchs bei «Kirche in Not (ACN)» vom 15. bis 23. November wird Pater Lohre auf die herausfordernde Situation der Christen in Mali und vielen anderen Ländern eingehen. Um auf das Schicksal der verfolgten und diskriminierten Christen aufmerksam zu machen, rief das Hilfswerk 2015 die REDWEEK ins Leben.
 


Christentum hat schweren Stand
Die Gefahr von Gewalt und Entführungen durch radikalislamische Gruppen hat in Mali in den letzten Jahren zugenommen. So wurde die als Missionarin in Mali tätige kolumbianische Ordensfrau Gloria Cecilia Narváez während fünf Jahren von Dschihadisten gefangen gehalten, ehe sie Ende 2021 freikam. Probleme stellen aber nicht nur Entführungen ausländischer Christinnen und Christen dar – auch im Bildungsbereich sieht sich die Kirche herausgefordert. Ein Abkommen zwischen dem Staat und der katholischen Bischofskonferenz aus dem Jahr 1972 sicherte katholischen Schulen staatliche Subventionen zu. Im Gegenzug übernahm die Kirche die Kosten für Verwaltung, Gebäude, Sozialabgaben und die Leitung der Schulen. Doch mittlerweile kommt die Regierung ihren finanziellen Verpflichtungen kaum noch nach. Dabei sind 80 Prozent der Schülerinnen und Schüler, die diese Schulen besuchen, Muslime. Sollte der Staat weiterhin nicht zahlen, müssen die katholischen Schulen in Mali bis zum Jahresende 2025 schliessen. Das wäre für die Christen vor Ort ein herber Rückschlag.

Wie die Gewalt nach Mali kam
Nach dem Sturz Gaddafis in Libyen brachten radikal-islamische Kräfte moderne Waffen aus Libyen nach Mali und damit auch den Terror. Seither gibt es immer wieder Massaker an der Bevölkerung, so im Juni 2022 mit knapp 200 Toten. Opfer waren Muslime, Angehörige von Naturreligionen und auch Christen. Der afrikanische Islam gilt als tolerant, geprägt von den Sufis, den islamischen Bruderschaften, die den Koran aus einer spirituellen Gotteserfahrung lesen und nicht wortwörtlich umsetzen. Das begann sich vor ca. 30 Jahren zu ändern, als von Saudi-Arabien beeinflusste Wahhabiten begannen, eine mit Petro-Dollars finanzierte, fundamentalistische Auslegung des Islam in Mali zu verbreiten.

Infolge der religiösen Radikalisierung wurden auch die politischen Verhältnisse immer instabiler, was 2020 und 2021 in Militärputsche mündete. Die neuen Machthaber beendeten die Kooperation mit europäischen Staaten bei der Bekämpfung der Dschihadisten und holten russisches Militär ins Land, genauso wie Burkina Faso und Niger.

In Mali half «Kirche in Not (ACN)» der katholischen Kirche 2024 mit Fr. 350 000.
 

Spenden mit dem Vermerk «Mali» können gerichtet werden an:
«Kirche in Not» Cysatstrasse 6, 6004 Luzern
Konto PC 60-17200-9; IBAN 55 0900 0000 6001 7200 9

«Kirche in Not (ACN)» ist ein internationales katholisches Hilfswerk päpstlichen Rechts, das 1947 als «Ostpriesterhilfe» gegründet wurde. Es steht mit Hilfsaktionen, Informationstätigkeit und Gebet für bedrängte und Not leidende Christen in ca. 130 Ländern ein. Seine Projekte sind ausschliesslich privat finanziert. Das Hilfswerk wird von der Schweizer Bischofskonferenz für Spenden empfohlen.


Redaktion


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Bemerkungen :

  • user
    Claudio Tessari 09.11.2025 um 11:32
    Ich empfehle euch allen, in dieser Zeit wirklich auch öffentlichen Zeugnis ablegen. Sich in der Kirche dafür aussprechen, wenn möglich, sie rot zu beleuchten, wenn möglich für die verfolgten Christen zu beten. In unserer Pfarrei wird in dieser Zeit den Rosenkranz für die verfolgten Christen gebetet. Und auf der Homepage darüber berichtet. Es ist einfach wichtig. Die linken westlichen Medien verschweigen diese Thema!