Hintergrund ist eine 40 000 Franken teure Umfrage aus dem Jahr 2024[1]. Ihr zufolge sollen 65 Prozent der Befragten das Image der Katholischen Kirche als negativ beurteilen und nur 15 Prozent als positiv oder eher positiv.
Mit der Katholischen Kirche werden Emotionen wie Geborgenheit, Dankbarkeit und Respekt verbunden, aber auch zum Beispiel Enttäuschung. Besonders das soziale Engagement der Kirche wurde hervorgehoben: 71 Prozent der Kirchenmitglieder bewerten es positiv; 95 Prozent erwarten explizit ein soziales Engagement der Kirche.
Auch ein Bedürfnis nach Seelsorge wurde in der Umfrage angemeldet, vor allem im Trauerfall (75 Prozent), bei Taufen (69 Prozent) und Eheschliessungen (63 Prozent) sowie im Spital.
Zwischenbemerkung: Die Umfrage wurde online unter der Wohnbevölkerung der Deutschschweiz durchgeführt. Da sich die Teilnehmer selbst rekrutieren konnten, ist die Umfrage nicht repräsentativ für die Grundgesamtheit. Von den insgesamt 2913 Personen, deren Angaben ausgewertet wurden, waren 705 Mitglieder der Katholischen Kirche, 517 ehemalige Mitglieder der Katholischen Kirche, 853 Mitglieder der Reformierten Kirche und 558 ehemalige Mitglieder der reformierten Kirche. Überdurchschnittlich viele Ausgetretene haben an dieser Umfrage teilgenommen (36,9 Prozent). Die Vermutung liegt nahe, dass sich diese einfach deshalb daran beteiligten, um ihren Kirchenfrust loszuwerden.[2]
Praxis für mentale Gesundheit?
Die Katholische Kirche im Kanton Zürich möchte aus dieser Umfrage lernen, erklärte Simon Spengler, Leiter Kommunikation, nach der Veröffentlichung der Ergebnisse. «Für uns ist klar: Das Gemeinschaftliche und das Solidarische ist der Wesenskern der Katholischen Kirche.» Wie er zu dieser Schlussfolgerung gekommen ist, ist aus dem Artikel nicht ersichtlich. Denn was ein paar wenige Umfrageteilnehmer als Kernaufgabe der Kirche erachten, muss noch lange nicht mit der tatsächlichen Kernaufgabe der Kirche übereinstimmen.
Die Katholische Kirche in Zürich entschied sich, mit einer breiten Kampagne ihre Reputation in der Bevölkerung zu verbessern und damit etwas gegen die hohen Austrittszahlen zu tun. Sie engagierte dafür eine Werbeagentur. Auf der Webseite der Katholischen Kirche im Kanton Zürich kann jetzt das Material zu dieser Kampagne kostenlos (!) bestellt resp. heruntergeladen werden.
Da ist zunächst ein Kampagnenfilm, der in kurzen Szenen das Wirken der Kirche – oder was die Katholische Kirche im Kanton Zürich darunter versteht – zeigt: ein Essen in einer Suppenküche für Vater und Sohn, die von einer Betreibung betroffen sind, überforderte junge Eltern, deren Kind getauft wird, und ein Unfall, bei dem eine Notfallseelsorgerin Beistand leistet. Die Quintessenz des Films: «Niemand kennt den genauen Weg, aber wir können immer miteinander trauern, miteinander teilen, miteinander feiern, füreinander da sein, füreinander sorgen, füreinander leben.»
Die sieben Plakatsujets zeigen unter anderem spielende Kinder, ein Essen oder ein Hochzeitspaar. Nur gerade ein Plakat zeigt Menschen in Kirchenbänken. Auch die Slogans dazu sind allgemein gehalten: Miteinander staunen, füreinander freuen, miteinander tun, füreinander da sein, miteinander beten usw.
Im Juni sind dann Blachen für Gebäude und Kirchtürme vorgesehen. Für diese kann man aus folgenden «Wortmarken» auswählen: Praxis für mentale Gesundheit; Büro für Mitmenschlichkeit; Kompetenzzentrum für grosse Fragen; Club für Nächstenliebe; Institut für Trauerbegleitung; Festsaal für das Leben; Haus der Begegnung; Beziehungspflege nach oben; Haus für alle.
Die Plakate werden nicht nur in Zürcher Pfarreien zu sehen sein, sondern auch im öffentlichen Raum. Die Kampagne soll zusätzlich «über die kleinsten bis zu den grössten Bildschirmen flackern» sowie in den Sozialen Medien präsent sein; der Kampagnenfilm wird auf der Kinoleinwand zu sehen sein.
Bischof Joseph Maria Bonnemain wünscht, dass die Kampagne auch von Pfarreien und Institutionen in den anderen Bistumskantonen übernommen wird. «Die Kampagne macht sichtbar, wofür Kirche heute steht: Als Zeichen der Nähe Gottes, für Gemeinschaft, Mitmenschlichkeit und Begleitung in allen Lebenslagen. […] Die Kampagne möchte diese Wirklichkeit nach aussen sichtbar machen und zeigen, welchen Beitrag Kirche für die Gesellschaft leistet. Deshalb unterstütze ich diese Kampagne ausdrücklich.» So warb er in einem Schreiben an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im März.
Schnell mal eine halbe Million locker machen
Es stellt sich die Frage: Warum braucht die Kirche im Kanton Zürich eine Reputationskampagne? Im Interview mit «persoenlich.com» erklärt der Leiter Kommunikation, Simon Spengler: «Natürlich möchten wir in erster Linie die Mitglieder bestätigen. Aber eine Landeskirche ist auf den Rückhalt der ganzen Bevölkerung angewiesen.» Er erhofft sich von der Kampagne einen Beitrag dazu, «dass sich Menschen für den Verbleib in der Kirche entscheiden. Auch wenn Religion vielleicht keine oder keine grosse Rolle in ihrem Leben spielt.» Im Klartext: Es geht nicht darum, den Glauben der Menschen zu stärken, sondern schlicht um den Erhalt der Kirchensteuereinnahmen.
Doch weshalb soll sich die Kirche überhaupt um ihre Reputation kümmern, sich der Gesellschaft und ihren ständig wechselnden Modeströmungen anbiedern? Und dafür mal schnell eine halbe Million Franken ausgeben? So hoch sind gemäss Simon Spengler die Kosten der Kampagne.
Jesus selbst hat sich nie um die Meinung der Menschen gekümmert: Er heilte am Sabbat, er ass mit Sündern, er hatte Kontakt mit Aussätzigen – alles Dinge, die «man» damals nicht tat. Auch als er seine Jünger aussandte, um das Evangelium zu verkünden, wies er sie an: «Und wenn man euch nicht aufnimmt und eure Worte nicht hören will, geht weg aus jenem Haus oder aus jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füssen!» (vgl. Mt 10,14). Die Jünger sollten also nicht stehen bleiben, sondern einfach weitergehen, wenn sie nicht erwünscht waren.
Und noch eine Frage: Sind wirklich Gemeinschaft und Solidarität der Wesenskern der Katholischen Kirche? Nachdem Jesus den Menschen erklärt hatte, dass er das Brot vom Himmel sei, das ewiges Leben schenke, verliessen ihn viele Jünger. Als er die Zwölf fragte: «Wollt auch ihr weggehen?», antwortete da Petrus etwa: «Nein, wir bleiben bei dir. Denn wir haben gesehen, wie du Kranke geheilt hast, wie du an die Ränder der Gesellschaft gegangen bist, wie du Menschen Brot und Fisch zu essen gegeben hast.» Nein, seine Antwort war kurz und bündig: «Du hast Worte des ewigen Lebens» (Joh 6,68). Und der Aussendungsbefehl des Auferstandenen lautet: «Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe» (Mt 28,19–20; vgl. Mk 16,15).
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Dabei sind sie 500'000 nur eine Momentaufnahme. David Scherrer und Sotomo arbeiten nicht während 3 Jahren für nur 500'000 Fr.
Da Spengler bekannt ist, Kommunikation so zu steuern, das sie nur seine Botschaft transportiert und nie alles erzählt im besten Fall auch eine gebeugte Wahrheit erzählt, kann man getrost von 1 Million und mehr für die GANZE! Kampagne annehmen.
Eine wichtige Frage könnte lauten:
Welche Reputationskampagne hat die Kirche eigentlich früher gefahren, im 14., im 15., im 17., Jahrhundert, oder noch früher, im 4. oder 5. Jahrhundert. Schliesslich hat es all die Jahrhunderte erstaunlich gut funktioniert!
Eine Antwort könnte lauten:
Die Wahrheit sagen. Jesus Christus predigen. So, wie es immer war und immer funktioniert hat.
Noch eine andere Antwort könnte lauten:
Die Messe aller Zeiten nicht unterdrücken. Einfach die Messe wie immer, dann kann man sich die Videos da sparen.
Bitte nehmen Sie sich ein Vorbild an Erzbischof Marcel Lefebvre - exponentielles Kirchenwachstum durch Wahrheit sagen.
«Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.»(2.Tim 4,2)
Einerseits nach Innen aushöhlen und nach Aussen Plakate mit umgedrehten Kreuzen aufhängen - da weiss man, wes Geistes Kind die sind. Man kann nur Beten und selbst treu bleiben.
Die erste Sorge der Kirche sollte sein, nicht dass die Menschen eintreten, sondern dass sie glauben und aus diesem Glauben leben.
Ja, die Kirche als Zeichen der Nähe Gottes wird erwähnt. Aber was hat Gott eigentlich mit dieser Kirche zu tun? Miteinander und füreinander da zu sein, das kann man auch ohne Gott und ohne Kirche. Das Gemeinschaftliche und das Solidarische ist nicht der Wesenskern der Katholischen Kirche. Darum bemühen sich auch die Heiden. Ein Zeichen für die Nähe Gottes zu sehen, genügt nicht. Man muss diese Nähe auch wahrnehmen, das heisst für wahr nehmen, das heisst glauben. Den Glauben, und zwar den ganzen Glauben, zu verkünden und die Menschen zu Gott zu führen, ihnen die Erlösung aus Sünde und Schuld, welche uns der Herr am Kreuz erworben hat, zu vermitteln, das ist der Auftrag, den diese Kirche von Gott erhalten hat. «Euch aber muss es zuerst um sein Reich und um seine Gerechtigkeit gehen; dann wird euch alles andere dazugegeben.» (Mt 6,33»)