Nicht der erste, bis dato aber der gewaltigste (und vielleicht auch der letzte) Paukenschlag: die Ankündigung an der Generalversammlung des Vereins Katholisches Medienzentrum vom 29. April 2026, die RKZ werde die Finanzierung von «kath.ch» per 1. Juli 2026 einstellen, sofern kein Kurswechsel erfolge. «kath.ch»-Redaktorin Barbara Ludwig bezeichnete diese Drohung in ihrem Beitrag vom 1. Mai 2026 zu Recht als Damoklesschwert, denn das vom Katholischen Medienzentrum getragene Newsportal «kath.ch» hängt fast vollständig am Tropf der RKZ: 1 183 200 Franken überweist diese pro Jahr, verteilt auf zwei Tranchen, die nächste wäre am 1. Juli 2026 fällig.
Um dieses im Raum stehende Liquidations-Szenario zu verstehen, ist ein Blick auf dessen Vorgeschichte unerlässlich. Als Redaktionsleiter Raphael Rauch im November 2022 «kath.ch» den Rücken kehrte und zum «SonntagsBlick» wechselte, hinterliess er einen Scherbenhaufen. Rauch hatte es geschafft, dass «kath.ch» während seiner nur dreijährigen Zeit als Redaktionsleiter vom Schweizer Presserat wegen Verletzung elementarer journalistischer Sorgfaltspflichten dreimal gerügt wurde. Mehr noch: Die von ihm gestartete Schmutzkampagne gegen den damaligen Degussa-Chef Markus Krall hatte zur Folge, dass «kath.ch» am 3. November 2024 auf der Frontseite eingestehen musste, ihn «zutiefst in seiner Persönlichkeit verletzt und als Menschen herabgesetzt zu haben». Zudem musste sich «kath.ch» zu einer namhaften Spende zugunsten einer gemeinnützigen Organisation verpflichten. In einem Post auf X präzisierte Markus Krall, dass es sich dabei um eine «sehr namhafte Spende» zugunsten der Dormitio-Abtei in Jerusalem handelte. Die Rede ist von einer sechsstelligen Summe. Es ist dies fraglos der Tiefpunkt in der Geschichte der kirchlichen Publizistik hierzulande.
Ein faules Ei ins Nest gelegt
Doch damit nicht genug. Gemäss dem Branchenportal «Klein Report» (6. Juni 2024) engagierte Rauch als letzte Amtshandlung die Deutsche Annalena Müller als Journalistin – und legte damit der «kath.ch»-Redaktion ein faules Ei ins Nest. Denn diese setzte den auf skandalträchtige Sex-Storys fokussierten, auf Klickzahlen gierenden Journalismus ihres Landsmanns Rauch nahtlos fort. Dabei kam ihr zupass, dass Charles Martig, Direktor des Katholischen Medienzentrums, ad interim gleich noch den Posten als Chefredaktor seines Gesinnungsgenossen Rauch übernahm. Martig wechselte wenig später per 1. April 2024 zur Berner Kantonalkirche, wo er für sage und schreibe 800 000 Franken an einem neuen Kommunikationskonzept herumbasteln durfte.
Schnell einmal hatte sich Annalena Müller als dessen Nachfolge in Stellung gebracht und ihre Bewerbung für den Posten als Direktorin und Chefredaktorin in Personalunion deponiert. Ein ausrangierter News-Redaktor des «Blick» hätte ihr zur Seite gestellt werden und so die fehlende Swissness der Dame aus dem grossen Kanton kompensieren sollen (vgl. «Klein Report», 6. Juni 2024). Doch insbesondere mit einer mehr als obszönen Artikel-Serie über Maria hatte sie sich inzwischen selbst disqualifiziert, zumal sie über keine spezifisch-theologische Expertise verfügte. Der Bischofskonferenz war dies zu viel des Unguten – ihr für das Medienressort zuständige Mitglied, Weihbischof Stübi, legte das Veto ein.
Nach längerer Vakanz wurde schliesslich der über grosse journalistische Erfahrungen verfügende reformierte Christian Maurer zum neuen Chefredaktor und Direktor ernannt. Im August 2024 übernahm er gemäss Mitteilung «im vollen Umfang» diese Doppelfunktion. Sein Gastspiel sollte allerdings nur von kurzer Dauer sein. Ende November des gleichen Jahres musste er aus gesundheitlichen Gründen unvermittelt ein Spital aufsuchen und sich krankschreiben lassen. Gleichzeitig kündigte er seinen Rücktritt per Ende Februar 2025 an. Die Lage war für ihn immer unerträglicher geworden. Der Grund: Die Rauch-Seilschaft war immer noch da und hintertrieb nach Kräften Maurers redaktionelle Neuausrichtung. So musste er beispielsweise Beiträge vom Netz nehmen, die hinter seinem Rücken und nicht weisungskonform auf der von ihm geleiteten Plattform «kath.ch» aufgeschaltet wurden («Klein Report», 6. Juni 2024). Es ist deshalb eine grobe Irreführung der Leserschaft, wenn Barbara Ludwig in ihrem zitierten Beitrag behauptet, Christian Maurer habe im Dezember 2024 das Katholische Medienzentrum «überraschend» verlassen.
Kurzfristig übernahm Nadia Omar die betriebliche Leitung. Sie gehört dem Vereinsvorstand des Katholischen Medienzentrums an und ist Präsidentin des Vereins «Pfarrblatt-Vereinigung Nordwestschweiz», der das Pfarrblatt «Lichtblick» herausgibt. Inzwischen ist der Posten der Chefredaktion wieder besetzt. Seit dem 1. Mai 2025 hat es Stefan Betschon inne.
Turnaround geglückt
Am 27. Februar 2026 veröffentlichte Nadia Omar auf «kath.ch» einen Beitrag mit dem Titel «Kath.ch auf Erfolgskurs». Überschwänglich feiert sie darin den «geglückten Turn around» im Jahre 2025. Item: «Hochgebildete Menschen» würden überdurchschnittlich viel Zeit auf der Webseite von «kath.ch» verbringen, was die Vermutung bestärke, «dass diese Publikation eine hohe journalistische Qualität zu bieten hat». Die Zahlen für die Seitenaufrufe seien gegenüber dem Vorjahr um 44,2 Prozent gestiegen, jene der Besucher (Unique Visitors) um 24 Prozent. Nadia Omar verschwieg die viel relevanteren absoluten Zahlen ebenso wie die Tatsache, dass das Vergleichsjahr 2024 infolge der internen Dauerquerelen nicht als aussagekräftiger Massstab herangezogen werden kann.
Um diesen Reanimationsversuch in möglichst strahlendem Licht erscheinen zu lassen, prügelte Nadia Omar aus Leibeskräften auf die vorausgegangene Rauch-Ära ein: «Ein ruppiger Boulevardjournalismus hat das kirchliche Umfeld aufgemischt und aufgewühlt und viele Katholikinnen und Katholiken gegen kath.ch aufgebracht. Ein «Trümmerfeld», ein «tiefgreifender Imageschaden», «zerstörtes Vertrauen» – so charakterisierte in einer deutschen Publikation ein Kenner des schweizerischen kirchlichen Journalismus die Situation von kath.ch Anfang 2024.»
Doch nun, so Omar abschliessend, sei der Turnaround geglückt: «Seit Mai 2025 ist Stefan Betschon Chefredaktor von Kath.ch. Der altgediente NZZ-Wissenschaftsjournalist setzt auf Besonnenheit und Unaufgeregtheit. Der Leserschaft gefällt’s, wie die Zahlen zeigen.»
«Zu klerikal»
Ganz anders sieht das Urs Brosi, Generalsekretär der RKZ und eine der treibenden Kräfte hinter dieser finalen Blattschuss-Drohung. Die von seiner Stellvertreterin Sabine Stalder an der Generalversammlung geäusserte Kritik, die Berichterstattung von «kath.ch» sei «zu klerikal» und müsse «gesellschaftlich breiter aufgestellt werden», konkretisierte er gegenüber der NZZ (6. Mai 2026). Es gebe heute kaum noch Recherchen, die meisten Inhalte seien aufgehübschte Medienmitteilungen kirchlicher Institutionen. Lese man «kath.ch», bekomme man den Eindruck, die Kirche bestehe nur aus dem Papst, den Bischöfen und einigen Orden. Andere Themen aus dem kirchlichen Alltag würden so gut wie gar nicht mehr stattfinden. Als Beispiel nennt er das von rund 10 000 Kindern und Jugendlichen besuchte Pfingstlager von Jungwacht und Blauring, worüber «kath.ch» nicht berichtet habe. Aber nicht nur die Qualität, sondern auch die Quantität lässt gemäss Brosi arg zu wünschen übrig. Es gebe pro Woche nur noch ein paar selbst recherchierte Artikel. Sauer ist Brosi zudem aufgestossen, dass die «kath.ch»-Redaktion über das Wochenende auf Tauchstation geht und nur noch Info-Konserven auftischt, obwohl «am Samstag und Sonntag viel kirchliches Leben stattfindet».
Brosis Kritik wird man in manchen Punkten die Berechtigung nicht ernsthaft abstreiten können. In der Tat kommt man bei der abgesehen vom neuen Chefredaktor schon seit Jahren zum Inventar gehörenden Redaktion (Möchtegern-Priesterin Jacqueline Straub lässt grüssen) nicht um den Eindruck herum, hier werde bestenfalls nur noch «Dienst nach Vorschrift» geleistet, innerlich hätten diese Leute gekündigt, mangels beruflicher Alternativen trage man nach aussen die Neuausrichtung mehr nolens als volens noch mit. Ohne jegliches feu sacré spult man das Pflichtprogramm herunter – stets mit dem verflixten Warnsignal vor Augen, die leidige Konkurrenz von «swiss-cath.ch» könnte einem noch mehr Wasser abgraben, würde man über gewisse Ereignisse nicht berichten, die man, ginge es nach eigenem Gusto, liebend gerne ignorieren würde. Beredtes Beispiel ist die Hostienschändung in der Stadtzürcher Pfarrei Guthirt. «swiss-cath.ch» berichtete über diesen Vorfall am 28. November 2025, ebenso am 24. April 2026 über die dazu von Bischof Bonnemain veranlasste Untersuchung. Elf Tage später – eine halbe Ewigkeit im Online-Zeitalter – zog «kath.ch» zum gleichen Thema nach («Weshalb Hunde keine Hostien fressen dürfen»). Ein sterbenslangweiliger, sich auf die Rekapitulation bischöflicher Auskünfte beschränkender Artikel ohne jeden journalistischen Mehrwert.
RKZ: Zynismus in Reinkultur
Nur: Die RKZ ist zu dieser Medienschelte zuallerletzt befugt. Dies zunächst deshalb, weil sie zwar «kath.ch» den Entzug der lebensnotwendigen Subvention androht, gleichzeitig aber die von ihr mitfinanzierten Partnerorganisationen von «kath.ch», nämlich das Westschweizer Portal «cath.ch» und das Tessiner Portal «catt.ch» unbehelligt lässt, obwohl diese viel «klerikaler» aufgestellt sind als «kath.ch».
Item: Wie Redaktionsleiter Stefan Betschon gegenüber «swiss-cath.ch» bestätigte, wurden die Redaktionsmitglieder bereits am 22. Dezember 2025 über diese Hiobsbotschaft in Kenntnis gesetzt. Es ist nachgerade zynisch, von der Redaktion zu verlangen, mit dem täglichen Damoklesschwert vor Augen die genannten RKZ-Vorgaben umzusetzen. Man kann es der «kath.ch»-Redaktion kaum verargen, wenn sie angesichts dieser Konstellation irgendwo zwischen Dienst nach Vorschrift und Arbeitsverweigerung hin und her pendelt. Dies umso weniger, als die Redaktion über den definitiven Liquidationsentscheid mit Wirkung vom 1. Juli 2026 erst wenige Tage vorher erfahren soll.
Vor allem aber ist es seitens der RKZ eine Anmassung sondergleichen, «kath.ch» de facto im Alleingang die inhaltliche (Neu-)Ausrichtung aufzwingen zu wollen, obwohl «kath.ch» gemäss Leistungsvereinbarung auch und vor allem für die Bischofskonferenz tätig ist.
Es liest sich fast wie ein Menetekel, dass an der Generalversammlung vom 29. April der für das Medienressort zuständige Weihbischof Josef Stübi nicht anwesend war. Da stellt sich unweigerlich die Frage: Nimmt die Bischofskonferenz die seitens der RKZ forcierte Liquidation von «kath.ch» einfach fatalistisch hin, wagt aber nicht, offen dazu zu stehen?
Anwesend an der Generalversammlung war hingegen Cyrill Bischof von der Kantonalkirche Thurgau, Präsident der innerhalb der RKZ zuständigen Fachgruppe für die Medienzentren. Im Bericht der «kath.ch»-Redaktorin Barbara Ludwig lässt sich der gerne selbst Bischof spielende Mann (nomen est omen) mit folgender ominösen Bemerkung zitieren: Die RKZ sei zwar «vorangestürmt» (sic), die Bischofskonferenz habe jedoch im Rahmen eines «Differenzbereinigungsverfahrens» ihre Zustimmung erteilt. «swiss-cath.ch» wollte von Weihbischof Stübi wissen, was es damit genau auf sich hatte. Seine Antwort: «Die SBK hat keiner Drohung mit einem Finanzentzug zugestimmt, nahm aber Kenntnis des offiziell gestellten Antrags der Plenarversammlung der RKZ». Die Frage sei erlaubt: Was hat eine solche Reaktion mit einem «Differenzbereinigungsverfahren» zu tun? Macht eher den Eindruck einer schlecht verklausulierten Kapitulation vor dem rücksichtslos betriebenen Finanz-Monopoly der RKZ. Schliesslich hängt ja auch die Bischofskonferenz am Tropf der RKZ. Für das Jahr 2024 hat ihr die RKZ einen Betrag von 2 160 000 Franken überwiesen. 2023 waren es noch 2 430 000 Franken.
Düstere Zukunftsperspektiven
Die Situation des Katholischen Medienzentrums und des von ihr betriebenen Newsportals «kath.ch» sieht düster aus. Das Bild, das an der Generalversammlung vermittelt wurde, gleicht dem einer Chaostruppe. So erfuhren offensichtlich einige Vereinsmitglieder erst an der Generalversammlung vom geplanten «Steckerziehungs-Entscheid» der RKZ. Empörte Reaktionen waren die Folge. Ebenfalls an der Generalversammlung wurde bekannt gegeben, dass die Co-Präsidentin des Katholischen Medienzentrums, Livia Leykauf, am 19. Februar 2026 Knall auf Fall ihren sofortigen Rücktritt erklärte. Das Co-Präsidium habe sich nicht bewährt, hiess es. Auch Stefan Betschon, der erst vor einem Jahr, am 1. Mai 2025, seine Stelle als Chefredaktor angetreten hat, hat offenbar bereits wieder genug – man kann es ihm nachfühlen. Es sei geplant, eine Chefredaktorin oder einen Chefredaktor zu einem grösseren Pensum anzustellen, als dies aktuell der Fall sei. Es wäre dies der fünfte Chefredaktor innerhalb von vier Jahren. Hals- und Beinbruch!
Hinweis zur Finanzierung der SBK durch die RKZ ergänzt am 8. Mai 2026 um 20.17 Uhr.
Kommentare und Antworten
Bemerkungen :
Artikel 1: UNTERSCHIEDE IM GLAUBEN NICHT AUF KOSTEN DER WAHRHEIT WEGRETUSCHIEREN
Link1: https://website.ifit.li/?p=4259
Artikel 2: Vademecum für die Zusammenarbeit von katholischer Kirche und staatskirchenrechtlichen
Körperschaften in der Schweiz (PDF)
Link2: https://www.bischoefe.ch/wp-content/uploads/sites/2/2020/05/VADEMECUM20130716-doriginal.pdf
"Das ist nicht Kirche! Das ist Politik"
http://kath.net/news/70584