Seit 2013 leitete Louis Raphael I. Sako als Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche eine Ostkirche, die weit zurück in die Anfänge des Christentums reicht. Ihr Zentrum liegt im heutigen Irak; der Sitz des Patriarchats befindet sich in der Hauptstadt Bagdad. Hauptaufgabe des Patriarchen ist es, das Überleben der kleinen christlichen Schar im Irak zu sichern. Islamistischer Terror, eine instabile Sicherheitslage, wirtschaftliche Perspektivlosigkeit und Ressentiments in der muslimischen Mehrheitsgesellschaft machen den noch im Land verbliebenen Christinnen und Christen schwer zu schaffen.
Seit seinem 75. Geburtstag habe er darüber nachgedacht, zurückzutreten, doch der verstorbene Papst Franziskus ermutigte ihn, zu bleiben. Am 9. März 2026 war es so weit: Kardinal Sako reichte bei Papst Leo XIV. seinen Rücktritt ein, um sich «in Ruhe dem Gebet, dem Schreiben und einfachen Diensten» zu widmen, wie er in einer persönlichen Erklärung auf der Website des Patriarchats von Bagdad schreibt. «Um jegliche Fehlinterpretation zu vermeiden, bestätige ich, dass mich niemand dazu gezwungen hat, sondern dass ich aus eigenem Willen um meinen Rücktritt gebeten habe», bekräftigt der Kardinal, der immer wieder in Konflikt mit der Regierung gekommen ist.
Vielgereist und hochgebildet
Im nordirakischen Zakho an der Grenze zur Türkei geboren, studierte Louis Sako in Mossul am Theologischen Seminar des Dominikanerordens und wurde 1974 zum Priester geweiht. 1979 begann er weitere Studien am Päpstlichen Orientalischen Institut in Rom, wo er in orientalischer Patristik promovierte. Einen weiteren Doktorgrad erwarb er in Geschichte an der Pariser Sorbonne.
Von 1986 an wirkte Louis Sako in Mossul als Gemeindepfarrer. Zwischen 1997 und 2002 war er Rektor am Priesterseminar in Bagdad. 2002 wurde er, der neben Aramäisch, Arabisch, Französisch, Englisch und Italienisch auch Deutsch spricht, zum Erzbischof von Kirkuk gewählt und im Folgejahr geweiht.
Seit 2013 steht Louis Sako, der bei seiner Wahl zum Patriarchen den Namen Louis Raphael I. wählte, an der Spitze der Chaldäer und damit der grössten christlichen Kirche des Irak mit rund einer halben Million Mitgliedern. 2018 erhob ihn Papst Franziskus in den Kardinalsstand, in den höchsten Rang eines Kardinalbischofs, wie es für die Patriarchen der mit Rom verbundenen («unierten») Ostkirchen üblich ist. Seit 2022 ist Sako Mitglied des vatikanischen Wirtschaftsrates, der das wirtschaftliche Handeln des Vatikans überwacht.
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