Papst Leo XIV. bei seiner Amtseinführung. (Bild: © Mazur/cbcew.org.uk / Flickr CC BY-NC-ND 2.0)

Weltkirche

Ruhig, über­legt, gewin­nend – 100 Tage Papst Leo XIV.

Am 15. August, dem Hoch­fest Mariä Auf­nahme in den Him­mel, ist Papst Leo XIV. 100 Tage im Amt. Als Kar­di­nal Domi­ni­que Mam­berti am 8. Mai den Namen des neuen Pon­ti­fex bekannt gibt, ist Robert Fran­cis Pre­vost für die meis­ten eine unbe­kannte Grösse. In ruhi­ger, unauf­ge­reg­ter Art lei­tet er seit­dem die Kir­che, setzt seine Zei­chen und weiss zu begeistern.

Am Donnerstag, 8. Mai 2025, um 18.08 Uhr erscholl Jubel auf dem Petersplatz, als aus dem Schornstein der Sixtinischen Kapelle überraschend schnell der ersehnte weisse Rauch aufstieg. Bereits im vierten Wahlgang hatten die 133 wahlberechtigten Kardinäle den Nachfolger von Papst Franziskus gewählt.

Knapp eine Stunde später verkündete Kardinalprotodiakon Dominique Mamberti auf der Benediktionsloggia: «Annuntio vobis gaudium magnum: Habemus Papam!» (Ich verkünde euch eine grosse Freude: Wir haben einen Papst!) Und gab den Namen bekannt: Robertum Franciscum Prevost. Der 267. Papst der Geschichte – erster Amerikaner und erster Augustiner – wählte den Namen Leo XIV.

«Der Friede sei mit euch!»
Als dann am 8. Mai der neue Papst auf die Loggia trat – eher schüchtern – wartete die Welt gespannt auf seine ersten Worte. «Der Friede sei mit euch allen», so begrüsste Leo XIV. die jubelnden Menschen auf dem Petersplatz. Kein unverbindliches «Buona sera» wie bei Papst Franziskus, sondern der Gruss des auferstandenen Christus. Und er fuhr fort: «Dies ist der Friede des auferstandenen Christus, ein unbewaffneter und entwaffnender Friede, demütig und beharrlich. Er kommt von Gott, dem Gott, der uns alle bedingungslos liebt. […] Wir alle sind in den Händen Gottes. Lasst uns daher ohne Angst, Hand in Hand mit Gott und miteinander weitergehen! Wir sind Jünger Christi. Christus geht uns voran. Die Welt braucht sein Licht. Die Menschheit braucht ihn als Brücke, um von Gott und seiner Liebe erreicht zu werden. […] Ich möchte auch allen meinen Mitbrüdern, den Kardinälen, danken, die mich zum Nachfolger Petri gewählt haben, damit wir zusammen als geeinte Kirche unterwegs sind, stets auf der Suche nach Frieden und Gerechtigkeit, stets darauf bedacht, als Männer und Frauen zu arbeiten, die Jesus Christus treu sind, ohne Furcht, um das Evangelium zu verkünden, um Missionare zu sein. Ich bin ein Sohn des heiligen Augustinus, ein Augustiner, und dieser sagte: ‹Mit euch bin ich Christ, für euch bin ich Bischof.› In diesem Sinne können wir alle gemeinsam auf jene Heimat zugehen, die Gott uns bereitet hat.» Er schloss mit einem Gruss an seine «liebe Diözese Chiclayo in Peru», wo er lange als Bischof gewirkt hatte, und forderte alle auf, mit ihm zusammen um den Beistand Mariens zu beten.

Diese Themen waren seitdem auch in seinen Ansprachen und Predigten immer wieder zu hören. Man darf davon ausgehen, dass er bereits mit seinen ersten Worten als Papst sein theologisches Programm bekannt gegeben hat.

Frieden, Synodalität, Mission
Besonders der Gedanke an den Frieden durchzieht sein bisheriges Pontifikat. Dies ist auch, aber nicht nur der aktuellen Weltlage geschuldet: Für Papst Leo gehört es zum Auftrag von uns Christen, der Welt den Frieden zu bringen. Er lässt deshalb keine Gelegenheit aus, um die Gläubigen zum Gebet für den Frieden aufzurufen. Er erinnert regelmässig an Kriege und  Konflikte, die es überall auf der Welt gibt und nennt dabei auch Krisen, die von den Medien weniger beachtet werden.

Er übernimmt von seinem Vorgänger Franziskus den Gedanken der Synodalität, doch lässt er keine Zweifel daran, wie diese zu verstehen ist. Es geht nicht darum, dass irgendwelche (Laien-)Gremien für ihren Ort in Anspruch nehmen können, die Lehre der Kirche nach ihrem Gusto zu ändern, sondern um ein gemeinsames Gehen auf Christus zu. Noch als Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe hatte Papst Leo einen Brief an die Deutsche Bischofskonferenz mitunterzeichnet, in dem die geplante Errichtung eines Synodalen Rats als ungültig und gegen den ausdrücklichen Willen des Heiligen Stuhl bezeichnet wird. «Die Approbation der Satzung des Synodalen Ausschusses stünde daher im Widerspruch zu der im besonderen Auftrag des Heiligen Vaters ergangenen Weisung des Heiligen Stuhls und würde ihn einmal mehr vor vollendete Tatsachen stellen.»

Gegenüber den Mitgliedern des Ordentlichen Rates des Generalsekretariates der Bischofssynode erklärte Papst Leo, was er unter Synodalität versteht: «Und das Vermächtnis, das Franziskus uns hinterlassen hat, scheint mir vor allem dies zu sein: dass die Synodalität ein Stil, eine Haltung ist, die uns hilft, Kirche zu sein, indem sie authentische Erfahrungen der Teilnahme und der Gemeinschaft fördert.»

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Mission. Schon bei seinem ersten öffentlichen Gottesdienst sprach er vom missionarischen Auftrag der Kirche. «Wir sind gerufen, allen Menschen die Liebe Gottes zu bringen, damit jene Einheit Wirklichkeit wird, die die Unterschiede nicht aufhebt, sondern die persönliche Geschichte jedes Einzelnen und die soziale und religiöse Kultur jedes Volkes zur Geltung bringt. […] Lasst uns im Licht und mit der Kraft des Heiligen Geistes an einer Kirche bauen, die auf der Liebe Gottes gegründet und ein Zeichen der Einheit ist, an einer missionarischen Kirche, die ihre Arme der Welt gegenüber öffnet, die das Wort verkündet, die sich von der Geschichte herausfordern lässt und die zum Sauerteig der Eintracht für die Menschheit wird.»[1]

Vor allem die Jugend ruft er immer wieder dazu auf, missionarisch zu wirken, so auch am «Jubiläum der Jugend» in Rom: «Die Welt braucht Missionare des Evangeliums, die Zeugen der Gerechtigkeit und des Friedens sind.»
 


Heisses Eisen «Fiducia supplicans»
Papst Leo XIV. strebt nicht nur nach Einheit innerhalb der Katholischen Kirche, sondern sucht auch eine Annäherung an die anderen christlichen Konfessionen. Den Dialog mit den östlichen Kirchen ernst nehmen heisst auch, auf die Erklärung «Fiducia supplicans» zurückzukommen, denn mehrere orthodoxe Kirchen haben das auch innerkirchlich stark kritisierte Dokument klar abgelehnt; die Heilige Synode der koptisch-orthodoxen Kirche setzte gar den ökumenischen Dialog mit der Römisch-katholischen Kirche aus. Gerade im Hinblick auf das 1700-Jahr-Jubiläum des ersten ökumenischen Konzils in Nizäa, zu dem Papst Leo voraussichtlich reisen wird, ist er gut beraten, hier für Klärung zu sorgen.

Unaufgeregte Kontinuität und Diskontinuität
Papst Leo ist geprägt von seiner Zeit als Bischof in Peru. In einer Audienz für die Mitarbeiter der Römischen Kurie und des Staats der Vatikanstadt erklärte er: «Wie Sie wissen, ist die Erfahrung der Mission Teil meines Lebens, und zwar nicht nur als Getaufter, wie für uns alle Christen, sondern weil ich als Augustiner-Missionar in Peru war und meine pastorale Berufung inmitten des peruanischen Volkes gereift ist. Ich kann dem Herrn für dieses Geschenk nie genug danken!»

Aufgrund seiner Erfahrungen in dem südamerikanischen Land ist für ihn der Kampf gegen Armut, Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung selbstverständlich. Er tut dies in einer unaufgeregten Weise. Diese ruhige, überlegte Art ist typisch für Papst Leo XIV. und er unterscheidet sich darin stark von seinem direkten Vorgänger im Papstamt. Auch in seinem äusseren Auftreten folgt er wieder der Tradition der früheren Päpste: So gehört es für ihn zu seinem Amt, dass er die entsprechende liturgische Kleidung trägt oder dass er den Ringkuss wieder erlaubt, den Franziskus für sich abgeschafft hatte. Papst Leo wird voraussichtlich auch wieder in der Wohnung im Apostolischen Palast wohnen.

Ebenso ist sein Verhalten der Kurie gegenüber wohlwollender. Während Franziskus die Kurie immer wieder öffentlich buchstäblich abgekanzelt hat, erklärte Papst Leo XIV. in der Audienz für die Mitarbeiter der Römischen Kurie und des Vatikanstaats: «Die Päpste kommen und gehen, aber die Kurie bleibt.»

Wichtige Personalentscheide
Bei seiner Aufgabe, das Schiff der Kirche zu lenken, kommen ihm seine Erfahrungen als Prior, Ausbildungsleiter und Generaloberer des Augustinerordens zugute. Ebenso seine Zeit als Bischof und als Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe. In den ersten 100 Tagen hat er noch keine übereilten Entscheidungen getroffen; diese Ruhephase tut der Kirche nach den Aufregungen während des Pontifikats von Franziskus gut.

Es spricht für Papst Leo XIV., dass es bisher keine Aufregung um irgendwelche Dokumente oder unüberlegte Aussagen gab; er zeigt sich als Mann des Ausgleichs.
Interessant wird es nach den Sommerferien: Darf man den Gerüchten glauben, arbeitet Papst Leo an seinem ersten Lehrschreiben. Ausserdem will er dann Personalentscheide fällen. Nach seiner Wahl hat er die leitenden Personen vorübergehend in ihren jeweiligen Ämtern bestätigt.
Gespannt darf man sein, ob er den Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Víctor Manuel Fernández, im Amt belassen wird. Dass dieser diese Stelle nur erhalten hat, weil er ein Vertrauter von Papst Franziskus war, ist hinlänglich bekannt. Die Personalentscheide werden aufschlussreich sein für das Pontifikat von Papst Leo XIV., der mit seinen 69 Jahren noch manche Jahre im Amt vor sich hat.

Auch wenn in Rom bisher Papst Leo-Souvenirs fehlen – noch immer lächelt Papst Franziskus den Pilgern und Touristen von Tassen, Bildern und Postkarten entgegen – tut dies seiner Beliebtheit keinen Abbruch: An den Abschlussveranstaltungen des «Jubiläum der Jugend» im Juli nahmen rund eine Million Jugendliche aus 146 Ländern teil. In der aktuellen Gallup-Umfrage in den USA steht Papst Leo XIV. sogar an der Spitze der führenden Politiker der Welt.

Den 100. Tag als Papst wird Leo XIV. in seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo verbringen. Morgens feiert er in der Kirche S. Tommaso da Villanova die Heilige Messe zum Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel, um 12 betet er auf dem Dorfplatz den Angelus.

 


[1] https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/homilies/2025/documents/20250518-inizio-pontificato.html

 


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

  • user
    Beobachter 15.08.2025 um 07:30
    Nichts einsuwenden, dass Sie dieses uebertriebene Lob des roemischen Pontifex publixieren, unangebracht it es aber, dass Sie es ausnutzen, um auf unseren geliebten Papst Franziskus zu schiessen, ganz gleich wie Sie es getan hatten als dieser gestorben ist. Respekt bitte!