Joe Wilson und Pedro Ballester (v.l.). (Bilder: Cover von «Joe's Words»; Screenshot des Trailers von «I have never been happier»)

Weltkirche

Schon bald zwei Hei­lige unse­rer Zeit?

Mit Joe Wil­son könnte Schott­land sei­nen ers­ten Hei­li­gen der Gene­ra­tion Y bekom­men, der soge­nann­ten Mill­en­ni­als. Und in Eng­land begann die Initia­tive zur Hei­lig­spre­chung von Pedro Bal­les­ter. Er wäre der erste Hei­lige der Gene­ra­tion Z.

Joe (Joseph) Wilson wurde am 12. Dezember 1994 in Carfin geboren, einer kleinen Gemeinde zwischen Glasgow und Edinburgh. Er wuchs zusammen mit einer jüngeren Schwester auf; seine Mutter ist Katholikin, sein Vater Anglikaner. Schon als Kind fiel er durch seine positive Einstellung zum Leben und durch seine Empathie auf. «Jeder, der Probleme hatte, schien einfach zu Joe zu gehen und ihm seine Probleme zu erzählen, und er hörte immer zu und schien auch auf alles eine Antwort zu haben», erinnert sich sein Freund Michael O’Hanlon.

Ein Heiliger des 21. Jahrhunderts
Seine Mutter stammte aus der Gegend und besuchte oft die Grotte in Carfin, ein nationales Marienheiligtum, das Unserer Lieben Frau von Lourdes gewidmet ist; sie nahm Joe schon als Kleinkind mit. «Als Joe alt genug war, begann er, selbst darum zu bitten, hinunterzugehen, um zu beten», erinnert sie sich. Für Joe war es ein heiliger Ort, an dem er gerne betete. Er fühlte sich besonders von der heiligen Thérèse von Lisieux inspiriert – von ihrem starken Glauben und ihrem Wunsch, anderen zu helfen. Er lebte seinen Glauben mit grosser Freude und kümmerte sich vor allem um die Ausgegrenzten, die Aussenseiter. Dass sein Leben aus dem Glauben anderen auffiel, zeigte sich beim Besuch von Papst Benedikt XVI. in Schottland im Jahr 2010. Dieser hatte die Schotten aufgefordert, «Heilige des 21. Jahrhunderts zu sein». Im Religionsunterricht fragte der Lehrer, wie ein solcher Heiliger des 21. Jahrhunderts aussehen könnte – die ganze Klasse nannte Joe.

Zwei Tage nach seinem 17. Geburtstag brach Joe zu Hause zusammen; aufgrund von Herzrhythmusstörungen hatte sein Herz kurzzeitig versagt. Er kam auf die Intensivstation und wurde in ein künstliches Koma versetzt. Die Mitschülerinnen und Mitschüler organisierten eine nächtliche Gebetswache in der Grotte. Hunderte von Menschen kamen zu einer Kerzenlichtandacht und einer Prozession zusammen. Gleichzeitig gestalteten die Schüler und Mitarbeiter der Schule eine spezielle Wand mit Gebeten für seine Genesung, aber auch mit Texten. So schrieb jemand: «Wir denken alle an dich. Wenn jemand das, was passiert ist, nicht verdient hat, dann bist du es, ehrlich gesagt der netteste Mensch, den wir je kennenlernen werden. Wir beten alle für dich.» Zusätzlich starteten seine Klassenkameraden einen Hashtag auf X, in welchem sie die Menschen aufforderten, für Joe zu beten – Millionen Menschen weltweit haben ihn gelesen.

Trotz anfänglicher Hoffnungen auf Genesung starb Joe Wilson am 20. Dezember 2011 im Wishaw General Hospital.

Tröstende und inspirierende Worte
Kurz nach Joes Tod fand sein Vater ein Tagebuch, das Joe seit seinem 15. Lebensjahr geführt hatte. Er schrieb über seinen Glauben, sein Aufwachsen in der Kirche und seine Sehnsucht, näher bei Gott zu sein. Für die Eltern war es eine Quelle des Trostes und sein Vater entschied sich dafür, einige dieser Gedanken bei der Trauerfeier vorzulesen. Die Worte hatten grosse Wirkung auf die Anwesenden. 2012 schlug der Schulleiter vor, einige Zitate zusammenzustellen und diese als Broschüre herauszugeben. Auch bei der Grotte wurde das kleine Heft «Joe's Words» aufgelegt. Die Botschaft von Joes Leben verbreitete sich immer mehr, Gnaden und Wunder wurden gemeldet, und Menschen reisten von weit her an sein Grab. 2019 kam der Gedanke auf, mit dem örtlichen Bischof über eine mögliche Heiligsprechung von Joe Wilson zu sprechen. Dieser forderte sie zum Gebet auf, um Klarheit darüber zu erlangen. In der Folge stellte die Gruppe ein Dossier zuhanden des Bischofs zusammen. Im November 2025 wurde es den schottischen Bischöfen vorgelegt, welche die Eröffnung des Verfahrens genehmigten. Jetzt wartet man die Genehmigung durch das «Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse» ab.

Joes Eltern fanden Kraft im Glauben, um den Tod ihres Sohnes zu bewältigen. Sein Vater konvertierte vor kurzem zum katholischen Glauben. Sie hoffen, dass Joes Leben und seine Worte die Menschen dazu inspirieren werden, Gott im Alltäglichen zu vertrauen.

«Ich weiss, dass die Welt nicht perfekt sein wird, und deshalb liebe ich es, Glauben zu haben. Denkt nur an all die Menschen, die hungerten, unter Hungersnöten litten, ausgegrenzt wurden, gefoltert wurden, in der Welt nicht geliebt wurden. All diese Menschen, die auf der Erde unglücklich waren, sitzen, da bin ich mir sicher, auf den höchsten Thronen des Himmels – wie beruhigend ist das denn?» (Letzter Tagebucheintrag, 3. Dezember 2011).
 

Webseite über Joe Wilson


Pedro Ballester Arenas wurde am 22. Mai 1996 in Manchester, England, als ältester von drei Brüdern geboren. Seine Eltern waren zuvor aus beruflichen Gründen von Spanien nach Grossbritannien gezogen. Er war ein fröhlicher Mensch, der die Gesellschaft anderer liebte, aber auch geradlinig und hartnäckig. Durch seine Eltern, verheiratete Mitglieder des Opus Dei, wurde er im katholischen Glauben erzogen. Als Teenager besuchte er Kurse in Greygarth Hall, einem Zentrum des Opus Dei. Sein Glaube vertiefte sich und er spürte die Berufung zu einem gottgeweihten Leben: Am 1. Mai 2013 verpflichtete er sich, inmitten der Welt zölibatär zu leben und den Lehren und dem Geist des heiligen Josemaría Escrivá zu folgen. Als er seinem Bruder Carlo zum ersten Mal von seiner Berufung erzählte, dachte dieser, er hätte eine Freundin. «Ich hatte bemerkt, dass er in den letzten Monaten viel glücklicher war. […] Ich fand heraus, dass er sich verliebt hatte, dass er als Numerarier des Opus Dei Christus gefunden hatte.»

Mit der Diagnose Krebs konfrontiert
Dank seiner guten Noten erhielt er 2014 einen Studienplatz am Imperial College London, einer der renommiertesten Universitäten Grossbritanniens, wo er Chemieingenieurwesen studierte. Doch im Dezember 2014 begann Pedro unter starken Rückenschmerzen zu leiden; Anfang 2015 wurde bei ihm fortgeschrittener Beckenkrebs diagnostiziert.

Für die medizinische Behandlung kehrte er nach Manchester zurück und studierte an der dortigen Universität, soweit es ihm seine Gesundheit erlaubte, weiter. Vom Mai bis Juli 2015 weilte er in Heidelberg (Deutschland), wo er eine hochmoderne Behandlung erhielt. Kurzzeitig schien diese erfolgreich und er konnte im November sogar nach Rom reisen, wo er Papst Franziskus traf. Er sagte zu ihm: «Ich bin Numerarier des Opus Dei. Ich habe Krebs und opfere all dies für die Kirche und für Sie.» Kurz darauf verschlechterte sich sein Zustand und er litt die meiste Zeit unter starken Schmerzen.

Numerarier des Opus Dei leben in der Regel in Opus-Dei-Zentren und so entschied sich Pedro im Jahr 2017, nach Greygarth Hall zu ziehen, wo er sich nun zwischen seinen Spitalaufenthalten aufhielt und von seinen Mitbrüdern betreut und begleitet wurde. Seine Familie und die Mitbrüder halfen ihm beim Beten – wenn die Schmerzen zu stark wurden, bestand Pedros Hauptgebet darin, sein Leiden aufzuopfern. Dem Charisma des Opus Dei folgend, das Leben zu heiligen, versuchte er, der beste Patient, Sohn, Bruder und Freund zu sein, der er sein konnte.

«Ich bin nie glücklicher gewesen als jetzt»
Viele Menschen fanden den Weg in sein Zimmer. Pedro genoss die Gesellschaft anderer und er liebte es, über alles Mögliche zu sprechen – vor allem über das Angeln und die Politik im Nahen Osten. Es fiel ihm leicht, Freundschaften zu schliessen und mit ihnen über Gott zu sprechen. Jack Valero, Pressesprecher des Opus Dei in Grossbritannien, kannte Pedro persönlich. Er erzählt dem «Catholic Herald»: «Er war ein ganz normaler junger Mann, sehr freundlich. Er sprach mit den Menschen über Gott und darüber, ihren Glauben zu leben. Er sprach mit vielen Menschen jeden Alters.» Auch andere bezeugten dieses Charisma von Pedro, allen, denen er begegnete, die Frohe Botschaft vermitteln zu können.

Einige Monate vor seinem Tod kam eine Gruppe junger Opus-Dei-Mitglieder zu Besuch. Pedro wünschte, mit allen einzeln sprechen zu können. Später erfuhren die Mitbrüder, dass er jeden ermutigt hatte, im Glauben treu und in der einmal gewählten Berufung beharrlich zu sein. Pedro fragte einen jungen Mann: «Bist du glücklich?». Dieser antwortete: «Ja, das bin ich, und bist du das denn auch?» Und Pedro antwortete im Angesicht seines bevorstehenden Todes: «Ich bin nie glücklicher gewesen als jetzt.»

Pedro Ballester starb im Alter von 21 Jahren am frühen Morgen des 13. Januar 2018, umgeben von seiner Familie und seinen Mitbrüdern, um 1.30 Uhr bei den Worten des «Salve Regina».

Schon bald nach Pedros Tod kamen Berichte über Hilfe auf seine Fürsprache. Aktuell wird auf diözesaner Ebene ein mögliches Verfahren zur Heiligsprechung überprüft.
 

Eine Gruppe von Freunden hat eine Website eingerichtet, «in der Hoffnung, dass Pedro eines Tages zu den Heiligen der Katholischen Kirche gezählt wird». Der Dokumentarfilm «I have never been happier» beleuchtet sein Zeugnis für die Liebe Gottes. Für deutsche Untertitel diesen Link kopieren und separat starten https://www.youtube.com/watch?v=jNfgbuFusLU


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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Bemerkungen :

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    Daniel Ric 28.02.2026 um 06:49
    Ich möchte denjenigen, die denken, Rom würde zu schnell über Heiligsprechungen nachdenken, in Erinnerung rufen, dass es erst etwa 1000 Jahre nach Christus ein formelles und von Rom gesteuertes Verfahren der Heiligsprechung gab. Vorher war es die Verehrung des Volks und einzelner Bischöfe, welche einen Verstorbenen zum Heiligen machten. Zudem ist es ja so, dass wir alle zur Heiligkeit aufgerufen sind. Ich finde diesen Artikel sehr schön, da er aufzeigt, dass es auch heute Menschen gibt, die durch ihr Leben andere Menschen zum Glauben führen. Die beiden Männer sind Glaubensvorbilder, die nicht über den Zustand der Kirche gejammert haben, sondern mit Freude das Evangelium lebten.
  • user
    ser AD 23.02.2026 um 22:27
    Zwei sympathische junge Männer.

    Ich glaube aber nicht, dass diese Publizität die Heiligkeit ausmacht. Nach meinen Erfahrungen ist Heiligkeit etwas Liturgisches und spiegelt Gottes Grösse wider.

    Das ist aber ein allgemeiner Mangel der Kirche heute, Subjekte in den Mittelpunkt zu stellen, statt Gott an ausserordentlichen Werken zu rühmen. Fromm sein ist subjektiv notwendig, heilig sein übersteigt die eigene Leistung.

    Die heilige Margrit von Cortona als Analogie zu Maria Magdalena wurde erst 450 Jahre nach ihrem Tod kanonisiert. Auch diese Spanne als Ausdruck der Heiligkeit weit über irdischen Erwartungen.
  • user
    MT 22.02.2026 um 17:15
    Die Lebensgeschichten von Joe Wilson und Pedro Ballester sind eindrücklich und berührend. Ihr Glaube, ihre Freude und ihr Umgang mit Leid verdienen grossen Respekt. Dass viele in ihnen bereits ein Zeichen von Seligkeit sehen, ist nachvollziehbar. Dennoch erscheint es mir verfrüht, schon jetzt an eine Heiligsprechung zu denken. Früher galt in der Kirche in der Regel eine Wartefrist von mindestens fünfzig Jahren nach dem Tod, um mit der nötigen Distanz prüfen zu können. In der Praxis dauerte es oft weit länger, weil das Verfahren sehr formalisiert und streng war. Diese Zurückhaltung sollte Emotionen abklingen lassen und eine nüchterne Beurteilung ermöglichen.
    Die Reformen unter Johannes Paul II. im Jahr 1983 haben das Heiligsprechungsverfahren deutlich beschleunigt und vereinfacht. Es lässt sich feststellen, dass seither die Zahl der Selig- und Heiligsprechungen erheblich zugenommen hat. Warum diese Eile? Was will Rom damit bezwecken? Bei Johannes Paul II. selbst dauerte das Verfahren nur neun Jahre vom Tod bis zur Heiligsprechung. Eine solche Geschwindigkeit kann durchaus als Traditionsbruch gewertet werden. Auch bei Carlo Acutis vergingen von seinem Tod 2006 bis zur Heiligsprechung 2025 nicht einmal zwanzig Jahre.