Am 14. Mai 2025 hatte das schottische Parlament noch mit 70 zu 56 Stimmen einem Gesetzentwurf zur Legalisierung von assistiertem Suizid grundsätzlich zugestimmt. Der Vorsitzende der Schottischen Bischofskonferenz, Bischof John Keenan, zeigte sich damals zutiefst enttäuscht. Er wies darauf hin, dass viele Abgeordnete erhebliche Vorbehalte gegen den Gesetzentwurf von Liam McArthur geäussert haben. «Ich hoffe und bete, dass die Abgeordneten sich die Zeit nehmen werden, diese Bedenken sorgfältig zu prüfen und den Gesetzentwurf abzulehnen, bevor er in Kraft tritt.»
Bischöfliches Lob für die Abgeordneten
Die schottischen Bischöfe hatten sich von Anfang an immer wieder öffentlich gegen die Gesetzesvorlage ausgesprochen und noch am Tag der jetzigen Abstimmung die Gläubigen zum Gebet aufgerufen: «In diesem bedeutsamen Moment vertrauen wir Schottland der Obhut des allmächtigen Gottes an. Wir bitten die Gläubigen, um die Führung des Heiligen Geistes für unsere Abgeordneten zu beten, damit jede Entscheidung die Würde und Heiligkeit des menschlichen Lebens wahrt. Unsere Liebe Frau vom Guten Rat, bitte für uns.»
Die zahlreichen Gebete wurden erhört: Der Gesetzesentwurf wurde am 17. März mit 69 zu 57 Stimmen abgelehnt. Unmittelbar nach der Bekanntgabe des Ergebnisses erklärten die schottischen Bischöfe gegenüber «EWTN News»: «Das Gebet hat die Herzen in dieser wichtigen Frage bewegt. Wir sind überglücklich. Ehre sei Gott, dass das Leben heute Abend gesiegt hat!»
Die Mitglieder des schottischen Parlaments hätten den richtigen Weg eingeschlagen. Ihre Entscheidung diene dazu, einige der schutzbedürftigsten Menschen Schottlands vor der Gefahr zu bewahren, zu einem vorzeitigen Tod gedrängt zu werden, erklärte Bischof John Keenan, Präsident der Schottischen Bischofskonferenz in seiner offiziellen Stellungnahme. «Jedes menschliche Leben besitzt einen innewohnenden Wert. Echtes Mitgefühl drückt sich nicht darin aus, ein Leben zu beenden, sondern darin, diejenigen zu begleiten, die leiden, und sicherzustellen, dass sie die medizinische, emotionale und spirituelle Unterstützung erhalten, die ihrer Würde gerecht wird. Kein Leben ist wertlos.» Er lobte die Abgeordneten dafür, dass sie Schottland dem Ziel einen Schritt nähergebracht haben, «jeden Menschen bis zu seinem natürlichen Lebensende mit Fürsorge, Respekt und Würde zu umgeben».
Parlamentarier besinnen sich neu
Der Initiator des Gesetzentwurfs, Liam McArthur, war zuversichtlich, dass der Gesetzentwurf zur Legalisierung des assistierten Suizids für unheilbar kranke Erwachsene angenommen werden würde, nachdem dieser im Mai 2025 mit 70 zu 56 Stimmen in die zweite Lesung gegangen war. Im Laufe der emotionalen Debatte wechselten zwölf Abgeordnete die Seiten, darunter der Vorsitzende der «Scottish Conservative Party», Russell Findlay. Die Parteien hatten den Fraktionszwang für die Abstimmung aufgehoben; die schottische Regierung blieb in der Sache neutral. Regierungschef John Swinney hatte sich persönlich gegen den Gesetzesentwurf ausgesprochen und zeigte sich über den Ausgang der Abstimmung erleichtert.
Paul Atkin, Pro-Life-Beauftragter der Erzdiözese St. Andrews und Edinburgh, ist überzeugt, dass dieser Meinungsumschwung auf das starke Engagement der Erzdiözese zurückzuführen ist: Von den zwölf Abgeordneten, die ihre Stimme geändert und gegen den Gesetzentwurf gestimmt haben, vertreten acht Abgeordnete Wahlkreise innerhalb der Erzdiözese St. Andrews und Edinburgh. Paul Atkin lobte gegenüber «EWTN News» den «bemerkenswerten Beitrag» der Erzdiözese und würdigte das «höfliche, beharrliche Engagement der katholischen Gemeinschaft».
Gegner des gescheiterten Gesetzesentwurfes hatten davor gewarnt, dass sich schwache, kranke und ältere Menschen unter Druck gesetzt fühlen könnten, sich für Suizidbeihilfe zu entscheiden. Weitere Bedenken betrafen unter anderem den Schutz von Ärzten und Pflegepersonal, die sich nicht an einem assistierten Suizid beteiligen möchten.
Das Resultat der Abstimmung deckt sich mit einer in dieser Woche veröffentlichten Umfrage. Diese ergab, dass die schottische Bevölkerung erhebliche Bedenken hinsichtlich der Einführung des assistierten Suizids hat. Eine andere Umfrage ergab, dass 69 Prozent der Schotten der Meinung sind, dass das schottische Parlament zuerst den Zugang zur Pflege für Menschen mit Behinderungen verbessern soll, bevor ein Gesetzentwurf zu assistiertem Suizid eingebracht wird.
Die Gegner des Gesetzesentwurfs sind sich einig, dass nun die Verbesserung der Palliativversorgung in Schottland oberste Priorität haben muss.
Auswirkungen auf London?
Das Abstimmungsresultat in Schottland könnte auch Auswirkungen auf einen ähnlichen Gesetzentwurf der Abgeordneten Kim Leadbeater haben, der aktuell im «House of Lords» in London diskutiert wird und der den assistierten Suizid in England und Wales legalisieren würde. Das britische Unterhaus hatte im Juni 2025 dem Gesetzesentwurf «Terminally Ill Adults (End of Life) Bill» mit 313 zu 291 zugestimmt. Der Entwurf liegt seitdem im Oberhaus. Es wurden über 1000 Änderungsanträge eingereicht. Befürworter des assistierten Suizids sprechen von einer bewussten Verzögerungstaktik: Sollte der Gesetzesentwurf nicht vor Ende der aktuellen Legislaturperiode (voraussichtlich im Mai) beschlossen werden, verfällt er und müsste komplett neu im Unterhaus eingebracht werden.
Schweiz: Sterbetourismus als Geschäftsmodell
Die Schweiz ist aufgrund ihrer Gesetzgebung, die assistierten Suizid erlaubt, sofern die Suizidbeihilfe nicht «aus selbstsüchtigen Beweggründen» erfolgt, Ziel von Sterbetouristen. «Going to Switzerland» sei im angelsächsischen Raum inzwischen ein Synonym für assistierten Suizid, schreibt Lukas Lippert in seinem Beitrag im «Beobachter» vom 19. März 2026. Darin geht es um einen Pfleger, der mit Sterbetouristen über 150 000 Franken verdiente und jetzt eine eigene Sterbehilfeorganisation gründete. Das Geschäft mit sterbewilligen Ausländerinnen und Ausländern boomt: «Neben den etablierten Organisationen Dignitas und Life Circle haben sich in jüngster Zeit nämlich gleich vier neue Organisationen gebildet, die ebenfalls assistierte Suizide auch für ausländische Menschen anbieten», so der «Beobachter».
Besonders Philip Nitschke sorgt immer wieder für Aufregung: So eröffnete der Staatsanwalt des Kantons Schaffhausen eine Strafuntersuchung, nachdem eine Frau mit der Suizidkapsel Sarco Selbstmord begangen hatte. Inzwischen will Nitschke gar einen Doppel-Sarco für Ehepaare oder einen Killerkragen anbieten, der für einen schnellen, schmerzlosen Tod sorgen soll. Auch von einem «Selbstmordschalter» ist die Rede. Aufgrund solcher Ideen stellt sich die Frage, wie lange es dauert, bis die Schweiz solchen menschenverachtenden Praktiken einen Riegel schiebt.
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