Am Palmsonntag beginnt die Karwoche (von Althochdeutsch «kara», Kummer), im lateinischen Kulturkreis auch «Heilige Woche» genannt. Diese «Woche» dauert jedoch nur bis zur Abendmahlsmesse am Gründonnerstag, danach beginnt das Österliche Triduum.
Mit dem Palmsonntag treten wir in die Feier der österlichen Geheimnisse ein. Dies in Erinnerung daran, wie Jesus auf einem Esel in Jerusalem einzog, um dort für uns Menschen zu leiden und zu sterben. «Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!» (Mt 21,8–9). Wir folgen dem Herrn auf seinem Leidensweg und nehmen teil an seinem Kreuz, um so auch Anteil zu erhalten an seiner Auferstehung.
Wir gehen symbolisch vor die Tore Jerusalem und beginnen den Gottesdienst vor der Kirche. Nach der Segnung der Zweige hören die versammelten Gläubigen das Evangelium mit den Zweigen in den Händen; anschliessend begleiten sie den Herrn in der Prozession singend in seine heilige Stadt.
Bereits mit dem Tagesgebet verstummt jedoch der Einzugsjubel: «Allmächtiger, ewiger Gott, deinem Willen gehorsam, hat unser Erlöser Fleisch angenommen, er hat sich selbst erniedrigt und sich unter die Schmach des Kreuzes gebeugt. Hilf uns, dass wir ihm auf dem Weg des Leidens nachfolgen und an seiner Auferstehung Anteil erlangen.»
Das Gedenken der Leiden Christi findet in der Lesung seiner Passion seinen Höhepunkt.
Die Lesungen der Karwoche führen ohne Umschweife auf Golgotha zu: Sie erzählen von den letzten Tagen Jesu, von der Ankündigung des Verrats durch Judas und der Verleugnung durch Petrus.
Am Morgen des Gründonnerstags wird die Chrisammesse in der Kathedrale gefeiert.[1] In der Eucharistiefeier versammeln sich die Priester um den Bischof, um die Gemeinschaft des Bischofs mit dem Bistum und besonders mit seinen Priestern im Heiligungsdienst auszudrücken. In der Messe wird das Chrisamöl geweiht, das bei der Taufe und Firmung, bei der Weihe eines Bischofs oder eines Priesters sowie für die Weihe von Kirchen und Altären verwendet wird. Es werden auch das Katechumenenöl für die Salbung vor der Taufe sowie das Krankenöl für das Sakrament der Krankensalbung gesegnet.
An vielen Orten ist es üblich, dass die Priester in dieser Messe ihr Weiheversprechen und ihre Bereitschaft für ihren Dienst erneuern.
Das Österliche Triduum
Mit der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag beginnt das Österliche Triduum. «Wir rühmen uns des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus. In ihm ist uns Heil geworden und Auferstehung und Leben. Durch ihn sind wir erlöst und befreit.» Mit diesem Eröffnungsvers beginnt der liturgische Zyklus, der mit dem Gottesdienst von Karfreitag und der Osternacht eine einzige liturgische Feier vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung darstellt. Deshalb endet die Abendmahlsmesse ohne Segen und die Karfreitagsliturgie beginnt mit einer stillen Prostratio und ohne Eröffnungsgruss des Priesters. Erst in der Osternacht endet die Liturgie mit einem feierlichen Schlusssegen.
In der Feier des Letzten Abendmahles geht es um die Einsetzung der Eucharistie. Deshalb werden alle Hostien für diese Feier in dieser Messe selbst konsekriert. Der Tabernakel wird vor dem Gottesdienst geleert und die konsekrierten Hostien an einen würdigen Ort ausserhalb der Kirche gebracht.
Im Gottesdienst erklingt wieder das «Gloria», dazu läuten die Glocken, die danach – wie die Orgel – bis zum «Gloria» der Osternacht schweigen werden. Die Stille des Grabes wird bereits spürbar.
Die erste Lesung erinnert an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Das Volk feierte das Paschafest, bevor es von Gott aus der Sklaverei befreit wurde. Das Blut eines Lammes am Türpfosten hielt dabei den Todesengel von ihren Häusern fern. Die zweite Lesung (1 Kor 11,23–26) berichtet vom Letzten Abendmahl, vom Paschafest, das Jesus mit seinen Jüngern feierte. Christus gibt durch seinen Tod und seine Auferstehung dem Paschafest einen neuen und endgültigen Sinn: Er selbst ist das Paschalamm, sein Blut rettet uns vor dem ewigen Tod. Durch die Eucharistie erhalten wir Gemeinschaft mit Christus und nehmen teil an seinem Sterben und seiner Auferstehung.
Da in dieser Messe der Einsetzung der Eucharistie gedacht wird, erfolgt im Hochgebet ein entsprechender Einschub: «Am Abend, bevor er für unser Heil und das Heil aller Menschen das Leiden auf sich nahm – das ist heute –, nahm er das Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände …»
Es kann eine Fusswaschung als Zeichen der dienenden Liebe erfolgen, wie Jesus beim Letzten Abendmahl seinen Jüngern die Füsse wusch.
Nach dem Schlussgebet wird der Altar abgedeckt und die konsekrierten Hostien aus der Messe werden an einen würdigen Ort ausserhalb der Kirche übertragen; dabei singen die Gläubigen das «Pange lingua». An vielen Orten ist es üblich, zum Gedächtnis an die Todesangst Jesu im Garten Gethsemane eine Zeit der stillen Anbetung zu halten («Da ergriff ihn Traurigkeit und Angst und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir!», Mt 26,37–38).
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