Einzug in Jerusalem, Meister der Palastkapelle in Palermo, 1150. (Bild: Public domain via Wikimedia Commons)

Neuevangelisierung

Schritt um Schritt auf das Geheim­nis von Ostern zu

Mit dem Palm­sonn­tag tre­ten wir in die Feier der öster­li­chen Geheim­nisse ein. Vom Ein­zug in Jeru­sa­lem über die Ein­set­zung der Eucha­ris­tie bis zum Grab beglei­ten wir Jesus in sei­nen letz­ten Tagen und beden­ken, was er für uns Men­schen getan hat.

Am Palmsonntag beginnt die Karwoche (von Althochdeutsch «kara», Kummer), im lateinischen Kulturkreis auch «Heilige Woche» genannt. Diese «Woche» dauert jedoch nur bis zur Abendmahlsmesse am Gründonnerstag, danach beginnt das Österliche Triduum.

Mit dem Palmsonntag treten wir in die Feier der österlichen Geheimnisse ein. Dies in Erinnerung daran, wie Jesus auf einem Esel in Jerusalem einzog, um dort für uns Menschen zu leiden und zu sterben. «Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!» (Mt 21,8–9). Wir folgen dem Herrn auf seinem Leidensweg und nehmen teil an seinem Kreuz, um so auch Anteil zu erhalten an seiner Auferstehung.

Wir gehen symbolisch vor die Tore Jerusalem und beginnen den Gottesdienst vor der Kirche. Nach der Segnung der Zweige hören die versammelten Gläubigen das Evangelium mit den Zweigen in den Händen; anschliessend begleiten sie den Herrn in der Prozession singend in seine heilige Stadt.

Bereits mit dem Tagesgebet verstummt jedoch der Einzugsjubel: «Allmächtiger, ewiger Gott, deinem Willen gehorsam, hat unser Erlöser Fleisch angenommen, er hat sich selbst erniedrigt und sich unter die Schmach des Kreuzes gebeugt. Hilf uns, dass wir ihm auf dem Weg des Leidens nachfolgen und an seiner Auferstehung Anteil erlangen.»
Das Gedenken der Leiden Christi findet in der Lesung seiner Passion seinen Höhepunkt.

Die Lesungen der Karwoche führen ohne Umschweife auf Golgotha zu: Sie erzählen von den letzten Tagen Jesu, von der Ankündigung des Verrats durch Judas und der Verleugnung durch Petrus.

Am Morgen des Gründonnerstags wird die Chrisammesse in der Kathedrale gefeiert.[1] In der Eucharistiefeier versammeln sich die Priester um den Bischof, um die Gemeinschaft des Bischofs mit dem Bistum und besonders mit seinen Priestern im Heiligungsdienst auszudrücken. In der Messe wird das Chrisamöl geweiht, das bei der Taufe und Firmung, bei der Weihe eines Bischofs oder eines Priesters sowie für die Weihe von Kirchen und Altären verwendet wird. Es werden auch das Katechumenenöl für die Salbung vor der Taufe sowie das Krankenöl für das Sakrament der Krankensalbung gesegnet.
An vielen Orten ist es üblich, dass die Priester in dieser Messe ihr Weiheversprechen und ihre Bereitschaft für ihren Dienst erneuern.

Das Österliche Triduum
Mit der Abendmahlsmesse am Gründonnerstag beginnt das Österliche Triduum. «Wir rühmen uns des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus. In ihm ist uns Heil geworden und Auferstehung und Leben. Durch ihn sind wir erlöst und befreit.» Mit diesem Eröffnungsvers beginnt der liturgische Zyklus, der mit dem Gottesdienst von Karfreitag und der Osternacht eine einzige liturgische Feier vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung darstellt. Deshalb endet die Abendmahlsmesse ohne Segen und die Karfreitagsliturgie beginnt mit einer stillen Prostratio und ohne Eröffnungsgruss des Priesters. Erst in der Osternacht endet die Liturgie mit einem feierlichen Schlusssegen.

In der Feier des Letzten Abendmahles geht es um die Einsetzung der Eucharistie. Deshalb werden alle Hostien für diese Feier in dieser Messe selbst konsekriert. Der Tabernakel wird vor dem Gottesdienst geleert und die konsekrierten Hostien an einen würdigen Ort ausserhalb der Kirche gebracht.

Im Gottesdienst erklingt wieder das «Gloria», dazu läuten die Glocken, die danach – wie die Orgel – bis zum «Gloria» der Osternacht schweigen werden. Die Stille des Grabes wird bereits spürbar.

Die erste Lesung erinnert an den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten. Das Volk feierte das Paschafest, bevor es von Gott aus der Sklaverei befreit wurde. Das Blut eines Lammes am Türpfosten hielt dabei den Todesengel von ihren Häusern fern. Die zweite Lesung (1 Kor 11,23–26) berichtet vom Letzten Abendmahl, vom Paschafest, das Jesus mit seinen Jüngern feierte. Christus gibt durch seinen Tod und seine Auferstehung dem Paschafest einen neuen und endgültigen Sinn: Er selbst ist das Paschalamm, sein Blut rettet uns vor dem ewigen Tod. Durch die Eucharistie erhalten wir Gemeinschaft mit Christus und nehmen teil an seinem Sterben und seiner Auferstehung.

Da in dieser Messe der Einsetzung der Eucharistie gedacht wird, erfolgt im Hochgebet ein entsprechender Einschub: «Am Abend, bevor er für unser Heil und das Heil aller Menschen das Leiden auf sich nahm – das ist heute –, nahm er das Brot in seine heiligen und ehrwürdigen Hände …»

Es kann eine Fusswaschung als Zeichen der dienenden Liebe erfolgen, wie Jesus beim Letzten Abendmahl seinen Jüngern die Füsse wusch.

Nach dem Schlussgebet wird der Altar abgedeckt und die konsekrierten Hostien aus der Messe werden an einen würdigen Ort ausserhalb der Kirche übertragen; dabei singen die Gläubigen das «Pange lingua». An vielen Orten ist es üblich, zum Gedächtnis an die Todesangst Jesu im Garten Gethsemane eine Zeit der stillen Anbetung zu halten («Da ergriff ihn Traurigkeit und Angst und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir!», Mt 26,37–38).
 

 


Bis zum bitteren Ende
Traditionell wird am Nachmittag des Karfreitages, um 15 Uhr, die «Feier vom Leiden und Sterben Christi» begangen, ein der Situation des Leidens angepasster nüchterner Gottesdienst. In Stille ziehen der Priester und die Dienste ein und werfen sich vor dem Altar auf den Boden. Nach dem Eröffnungsgebet folgt sogleich der Wortgottesdienst mit einer Lesung aus dem vierten Lied vom Gottesknecht (Jes 52,13–53,12). Die zweite Lesung (Hebr 4,14–16; 5,7–9) erinnert uns daran, dass Christus, unser Hohepriester, «in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte» und deshalb mit uns Menschen mitfühlen kann. Durch Tod und Auferstehung zur Vollendung gelangt, «ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden». Wieder wird die Passion Christi vorgetragen, die jetzt in der Sterbestunde Christi in besonderer Weise berührt.

Ein Höhepunkt der Liturgie sind die sogenannten «Grossen Fürbitten». Der Priester spricht jeweils eine Gebetsaufforderung, in der das Anliegen zum Ausdruck kommt. Alle verharren einen Moment kniend im stillen Gebet, bevor der Priester die Bitte mit einer Oration abschliesst. So beten die Gläubigen für die heilige Kirche, den Papst, alle Stände der Kirche, Katechumenen, für die Einheit der Christen, für die Juden, für alle, die nicht an Christus glauben, für alle, die nicht an Gott glauben, für die Regierenden und für alle Not leidenden Menschen.

Anschliessend sind alle eingeladen, das Kreuz zu verehren: «Seht das Kreuz, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt. – Kommt, lasset uns anbeten.»

Die Liturgie endet mit einem Segen – die Stille verdichtet sich.

Am Karsamstag werden keine Gottesdienste gefeiert, ausgenommen das Stundengebet. Im Glaubensbekenntnis beten wir nach dem Tod und der Grablegung Christi: «hinabgestiegen in das Reich des Todes». Mit seinem Tod und seiner Auferstehung kommt die Erlösung für alle Menschen, auch für jene, die vor Jesus gelebt haben. Niemand ist vom Heil ausgeschlossen, das Jesus Christus für uns gewirkt hat. Es gilt jetzt, die Zeit der Grabesruhe auszuhalten, bevor wir in der Osternacht die Auferstehung Jesu Christi feiern können.
 

Karwochenkollekte
Zwischen Palmsonntag und Ostern wird in den katholischen Gottes­diensten weltweit die Karwochenkollekte für die Christinnen und Christen im Heiligen Land aufgenommen. In der Schweiz tragen die Franziskaner und der Schweizerische Heiligland-Verein (SHLV) die Verantwortung für die sorgfältige Weiterleitung der Spendengelder an zahlreiche Projektpartner in Ägypten, Irak, Israel, Libanon, Palästina und Syrien. Link

Schweizerischer Heiligland-Verein, Moosmattstrasse 4, 6005 Luzern
IBAN CH78 0900 0000 9000 0393 0
Spendenvermerk: Karwochenkollekte

 


[1] Aus pastoralen Gründen kann die Chrisammesse auch an einem anderen Tag («nahe beim Osterfest») stattfinden.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

E-Mail

Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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