Emil Paul Tscherrig war der dritte zum Kardinal ernannte Walliser und zugleich der erste Nicht-Italiener, der zum Apostolischen Nuntius für Italien und San Marino berufen wurde.
Er kam am 3. Februar 1947 in Unterems im Oberwallis als ältestes von acht Kindern einer Bergbauernfamilie zur Welt. Der Entscheid zum Priestertum fiel ihm nicht leicht. In seiner Predigt am 2. Juni 2024, in der Kathedrale von Sitten, erzählte er rückblickend, dass die Priesterweihe am 11. April 1974 die «Krönung eines langen und schwierigen Entscheidungsprozesses» gewesen war. In den 1968er-Jahren wollten sich die freiheitsliebenden jungen Menschen von allen traditionellen Autoritäten, sowohl ziviler als auch kirchlicher Natur, befreien. «In diesem Durcheinander von Vorschlägen, Ideen und Ideologien war die Einladung, sich Gott zu widmen, sicherlich nicht die attraktivste.» Doch mithilfe Gottes und seiner damaligen geistlichen Begleiter konnte er den Weg aus diesem Wirrwarr finden. «Sie haben mir gezeigt, dass der Weg zur wahren Freiheit nicht darin bestand, zu tun und zu lassen, was mir gefiel, sondern mein Leben in die Hände des Höchsten der Herren zu legen und seinen Willen zu tun. Diese Erkenntnis gehört zu einer der schönsten Erfahrungen meines Lebens. Es war der Tag, an dem ich frei wurde: Nun war ich auch bereit zum Gehorsam und zu tun, was immer von mir verlangt wurde.»
Nach dem Abschluss der theologischen, philosophischen und kirchenrechtlichen Studien trat Emil Paul Tscherrig in die diplomatischen Dienste des Vatikans. Seine Diplomaten-Laufbahn begann er als Sekretär in der Nuntiatur in Kampala, der Hauptstadt von Uganda. Es folgten Stationen in den päpstlichen Vertretungen in Süd-Korea und Bangladesch. In den Vatikan zurückgekehrt, übernahm er die Mitverantwortung für die Organisation der zahlreichen Auslandsreisen von Papst Johannes Paul II. 1996 ernannte ihn der Papst zum Botschafter in Burundi: Sozusagen seine Feuertaufe, war dies doch just die Zeit eines mörderischen Bürgerkrieges, dem Hunderttausende zum Opfer fielen. Im selben Jahr wurde er zum Titularerzbischof geweiht. Es folgten mehrere Einsätze in Übersee.
2008 wurde Emil Tscherrig Nuntius in den skandinavischen Ländern. In diese Zeit fällt ein aussergewöhnliches Ereignis: Intuitiv hatte er die Gefahr erkannt, die der Katholischen Kirche durch ein Interview des schwedischen Fernsehens mit dem Holocaustleugner und Bischof Richard Williamson von der Piusbruderschaft drohte. Umgehend warnte Erzbischof Tscherrig die zuständigen Stellen im Vatikan, doch seine Warnung blieb ungehört. Ob mit der Nicht-Weiterleitung dieser brisanten Information an Papst Benedikt XVI. diesem eine Falle gestellt werden sollte, ist bis heute nicht geklärt.
2017 ernannte Papst Franziskus Erzbischof Tscherrig zum Nuntius für Italien und San Marino. Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte wurde dieser wichtige Posten einem Nicht-Italiener anvertraut. Im Konsistorium vom September 2023 wurde Emil Tscherrig ins Kardinalskollegium aufgenommen. Nur wenige Monate später, am 11. März 2024, endete seine Amtszeit. Er war aber weiterhin in wichtigen Dikasterien der römischen Kurie wie jenen für die Bischöfe und für die Heiligsprechungen tätig. 2025 hatte er noch an der Wahl von Papst Leo XIV. teilgenommen. Nun hat er sein Leben endgültig in die Hände des Höchsten der Herren gelegt.
Kardinal Emil Paul Tscherrig unterstützte den von Papst Franziskus angestossenen Synodalen Prozess und hoffte auf eine stärkere Einbindung von Laien. Ihm lag auch die Einheit der Kirche am Herzen. Während der Familiensynode 2014 sprach er sich für einen flexibleren pastoralen Umgang mit Menschen in irregulären Situationen aus.
Er denke mit Dankbarkeit an Tscherrigs treuen Dienst, so Papst Leo XIV. in seinem Kondolenzschreiben. In allen ihm anvertrauten Aufgaben habe der Verstorbene grosszügig gehandelt und seine Liebe zur Kirche und zum Papst bewiesen.
Nach dem Tod von Emil Paul Tscherrig ist Kurienkardinal Kurt Koch (76) der einzige Schweizer Purpurträger.
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