Die Katholiken sind im überwiegend muslimischen Kasachstan eine kleine Minderheit. Von den circa 20 Millionen Einwohnern sind etwa 26 Prozent Christen – die meisten von ihnen russisch-orthodox. Die Katholische Kirche hat nur rund 120 000 Mitglieder, die in der Erzdiözese der Allerheiligsten Jungfrau Maria in Astana, den Diözesen Karaganda und Almaty sowie in der Apostolischen Administration Atyrau leben.
Die ethnische Zusammensetzung Kasachstans und auch der Christen ist eine Mischung aus Kolonisierung und freiwilliger Migration, staatlich gelenkter Ansiedlung (seit dem 18. Jahrhundert) sowie den im grossen Ausmass erfolgten Stalinistischen Zwangsdeportationen von Polen, Deutschen, Ukrainern und Litauern. Diese Deportationen erfolgten nicht in Straflager (Gulags), sondern in Siedlungen, wo die Siedler weitestgehend auf sich allein gestellt waren. In dieser heterogenen Bevölkerung hat die katholische Präsenz in Kasachstan ihre Wurzeln.
Nach der Unabhängigkeit des Landes und dem Wiederaufbau der kirchlichen Strukturen in den 1990er-Jahren entwickelte die Katholische Kirche nach und nach eine missionarische Dimension. Heute schrumpfen zwar die historischen Gemeinden aufgrund der Rückkehr der Menschen in ihre Herkunftsländer, doch gleichzeitig wächst das seelsorgerische Augenmerk für die kasachische Bevölkerung.
Ganz Kasache und ganz Christ
Der Wandel prägt auch das Gesicht der katholischen Gemeinden. «Auf dem Land sind die Christen grösstenteils Nachkommen von Siedlern und Deportierten», so Pater Gabriel Jocher, ein 37-jähriger österreichischer Priester des Ordens der Diener Jesu und Mariens (SJM) und Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke in Kasachstan, gegenüber «Fides». Nach dem Zerfall der Sowjetunion kehrten viele in ihre Herkunftsländer zurück – ländliche Pfarreien wurden nach und nach entvölkert. Doch mit dem Schwinden dieses historischen Erbes entsteht ein neues Phänomen: «In den Grossstädten sehen wir täglich Kasachen ohne christlichen Hintergrund, oft aus muslimischen oder atheistischen Familien, die spontan unsere Kirchen betreten. Sie fragen einfach: ‹Was ist das für ein Ort? Was machen Sie hier?›. Und so können wir ihnen anbieten, mehr über das Evangelium und die Kirche zu erfahren.»
Laut dem Missionar sind dies Menschen auf der Suche: «Wir haben mittlerweile eine grössere Gruppe von Kasachen, die ursprünglich aus dem Islam stammen und zum Katholizismus konvertiert sind.» Ihr Weg ist nicht ohne Herausforderungen: «In manchen Familien gibt es Misstrauen und Widerstand», erklärt Pater Jocher. «Viele glauben, dass kasachische Identität und Islam untrennbar miteinander verbunden sind. Sie denken, ein Religionswechsel bedeute, ihre Kultur aufzugeben. Wir erklären ihnen jedoch, dass man ganz Kasache und ganz Christ sein kann.»
Jedes Jahr zu Ostern sieht die Kirche die Früchte: «In meiner jetzigen Pfarrei in Astana haben wir dieses Jahr vier Erwachsenentaufen gefeiert; letztes Jahr waren es zwölf. Zehn weitere Personen nehmen derzeit am Katechumenat teil.» Manchmal entsteht die erste Begegnung mit Christus einfach aus der Stille einer Kirche: «Manchmal kommt jemand und fragt nach Informationen. Wir sagen ihnen dann: ‹Gehen Sie in die Himmelfahrtskapelle, setzen Sie sich und beten Sie zu Gott.› Dann wirkt der Heilige Geist. Nach diesem Moment zeigen viele Interesse am christlichen Glauben.»
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