(Symbolbild: Ekki_Bisch/Pixabay)

Neuevangelisierung

Seid Salz der Erde und Licht der Welt

Mit dem Ers­ten Advents­sonn­tag beginnt das neue Kir­chen­jahr. Der Advent führt den Gedan­ken an die Wie­der­kunft Christi, der das Ende des Kir­chen­jah­res prägte, wei­ter und rich­tet gleich­zei­tig unse­ren Blick nach Beth­le­hem, wo Jesus Mensch gewor­den ist.

Das Wort Advent (adventus) bezeichnete ursprünglich das Weihnachtsfest selbst (adventus Domini). Mit der Zeit wurde die Zeit «ante adventum» (vor dem Kommen) zur Zeit «in adventu», zur Vorbereitungszeit auf Weihnachten.

Von der Fastenzeit zur «Zeit freudiger Erwartung»
Erste Spuren einer Adventszeit lassen sich Ende des 4. Jahrhunderts in Spanien und Gallien ausmachen: Das Konzil von Saragossa (380) spricht von einer dreiwöchigen Vorbereitungszeit auf Epiphanie durch häufigen Gottesdienstbesuch, Werke der Nächstenliebe und Fasten. Dies hat vermutlich damit zu tun, dass Epiphanie – neben Ostern – ein Tauftermin war.

Bischof Perpetuus von Tours legte um das Jahr 480 eine 40-tägige Fastenzeit fest, beginnend am Fest des heiligen Martin (11. November), die nicht mehr mit dem Fest Epiphanie, sondern mit dem Weihnachtsfest endete. Diese Praxis wurde nach dem Konzil von Mâcon (583) von der Kirche in Gallien und Spanien übernommen.

Rotulus von Ravenna (Mitte 5. Jahrhundert) berichtet für Ravenna von einer Vorbereitungszeit auf Weihnachten. Dabei wird die Menschwerdung in ihrer gegenwärtigen Heilswirkung erfahren und als Unterpfand der Vollendung der Erlösung bei der Wiederkunft Christi gefeiert; der inkarnatorische und eschatologische Aspekt des Advents fallen zusammen.

Rom kennt spätestens ab dem 6. Jahrhundert einen Advent, der zunächst sechs Wochen dauerte. Dies war auch in einigen anderen Kirchen üblich und ist noch heute ein Merkmal des Ambrosianischen Ritus und des Mozarabischen Ritus. Gregor I. (540–604) verkürzte für die römische Liturgie die Adventszeit auf vier Wochen; im Gegensatz zur Gallischen Liturgie war der Advent keine Fastenzeit.

Die Liturgiereform im 20. Jahrhundert hat für den Advent zu einer enormen Bereicherung der Texte des Lektionars, des Messbuchs und des Breviers geführt.
Die «Grundordnung des Kirchenjahres und des neuen Römischen Generalkalenders» hält fest, dass die Adventszeit «eine Zeit hingebender und freudiger Erwartung» ist (Nr. 39). Vom ursprünglichen Fastengedanken ist noch die liturgische Farbe Violett erhalten sowie der Verzicht auf das Gloria.[1]

Erwartung und Erfüllung zugleich
In seiner frühesten Form war der Advent eine Vorbereitung auf Weihnachten, doch schnell bekam er auch einen eschatologischen Charakter. Die Menschwerdung Jesu Christi im Stall von Bethlehem und sein Kommen in Herrlichkeit sind zwei Aspekte einer einzigen erlösenden Ankunft, die noch nicht vollendet ist. Bernhard von Clairvaux (1090–1153) ergänzte eine dritte Ankunft – die Ankunft in der Seele: «Diese mittlere Ankunft ist gewissermassen der Weg, auf dem man von der ersten bis zur letzten gelangt: In der ersten war Christus unsere Erlösung, in der letzten wird er als unser Leben erscheinen, in dieser aber ist er unsere Ruhe und unser Trost.»

Die liturgischen Texte enthalten alle drei Dimensionen: Bis zum 16. Dezember liegt der Akzent auf der Eschatologie, ab dem 17. Dezember dominiert der Blick auf die Geburt Jesu in Bethlehem.

Im Lesejahr A, das mit dem Ersten Adventssonntag beginnt, begegnet uns in den ersten Lesungen der Prophet Jesaja. Seine Texte malen uns Bilder vom kommenden Jerusalem, zu dem alle Nationen strömen. Dann wird der Herr Recht schaffen zwischen den Nationen, sodass «sie ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Lanzen zu Winzermessern.» Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen, «denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn». Den Blinden werden die Augen aufgetan und die Ohren der Tauben werden geöffnet, die Zunge des Stummen frohlockt und der Lahme springt wie ein Hirsch. «An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Ísais sein, der dasteht als Feldzeichen für die Völker; die Nationen werden nach ihm fragen und seine Ruhe wird herrlich sein» (Jes 11,10).

Am Ersten Adventssonntag fordert uns Jesus selbst zur Wachsamkeit auf, denn wir wissen nicht, an welchem Tag der Herr kommt. «Darum haltet auch ihr euch bereit!
Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet» (Mt 24,44).

Dass Jesus der erwartete Messias ist, darauf weist Johannes der Täufer in den Evangelien vom zweiten und dritten Adventssonntag hin. Und er fordert uns zur Umkehr auf, damit wir den Herrn erkennen, wenn er (wieder)kommt.

Die zweiten Lesungen bestärken diesen Aufruf zur Umkehr, denn «jetzt ist das Heil uns näher, als zu der Zeit, da wir gläubig wurden» (Röm 13,11), «denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor» (Jak 5,8).

Der Advent ruft uns zur inneren Bekehrung auf, damit wir als «Salz der Erde» und «Licht der Welt» zur gesellschaftlichen Erneuerung beitragen und schon im Hier und Jetzt Zeugnis für das kommende Jerusalem geben. «Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts! … Zieht den Herrn Jesus Christus an» (Röm 13,12.14).

Im Advent dürfen wir uns auf die Geburt Jesu Christi im Stall von Bethlehem freuen, die bereits auf sein Wirken, Leiden und Auferstehen hinweist, und uns Unterpfand für sein Kommen in Herrlichkeit ist. Jetzt liegt es an uns, dem kommenden Herrn das Herz zu bereiten, damit er dort eine offene Tür findet.
 

«Christus ist Liebe und Wahrheit, und weder die Liebe noch die Wahrheit drängen sich je auf: Sie klopfen an die Tür des Herzens und des Verstandes, und dort, wo sie eintreten dürfen, bringen sie Frieden und Freude» (Benedikt XVI., Angelus, 26. November 2006)

 


[1] Die beide Bräuche kamen im zwölften Jahrhundert von Gallien nach Rom.


Rosmarie Schärer
swiss-cath.ch

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Rosmarie Schärer studierte Theologie und Latein in Freiburg i. Ü. Nach mehreren Jahren in der Pastoral absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.


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