Weltkirche

Sr. Maria Tron­catti – eine Mis­sio­na­rin mit Herz für den Frieden

Schon als Kind ist Maria Tron­catti vom Wir­ken der Mis­sio­nare fas­zi­niert. Die ita­lie­ni­sche Don-​Bosco Schwes­ter fin­det ihre Beru­fung im Regen­wald Ecua­dors, wo sie sich uner­müd­lich für die Men­schen und den Frie­den ein­setzt. Am 19. Okto­ber 2025, dem Sonn­tag der Welt­mis­sion, wird sie von Papst Leo XIV. heiliggesprochen.

Maria Troncatti kommt am 16. Februar 1883 in Còrteno Golgi (Provinz Brescia, Italien) zur Welt. Bei ihrer Taufe erhält sie die Namen Maria Benvenuta. Sie wächst in einer kinderreichen Familie auf. Neben dem Schulbesuch hilft sie im Haushalt und hütet Ziegen. Sie ist ein intelligentes, lebhaftes Kind und zeigt schon früh Verantwortungsbewusstsein. Sie darf bereits im Alter von sechs Jahren die Kommunion empfangen und besucht jeden Tag die Heilige Messe.

In der fünften Klasse gibt ihr die Lehrerin als Prüfungsvorbereitung das Salesianische Bulletin zu lesen. In Maria entsteht beim Lesen über das Leben der Missionare der Wunsch, selbst als Missionarin zu wirken. Sobald sie volljährig ist, tritt sie bei den «Figlie di Maria Ausiliatrice» (Don Bosco Schwestern) ein und legt 1908 die zeitlichen Gelübde ab.

Trotz gesundheitlicher Probleme zeichnet sie sich durch Gebet, Nächstenliebe und Opfergeist aus. Sie arbeitet zunächst als Haushaltshilfe. Anfang 1915 besucht sie einen speziellen Kurs für Krankenschwestern, der zur Versorgung der Verwundeten im Kriegsfall organisiert wird.[1]

Am 25. Juni 1915 kommen sie und eine Mitschwester bei einer Überschwemmung fast ums Leben. Sie legt ein Versprechen ab: «Maria, ich verspreche Ihnen, dass ich Missionarin werde, wenn Sie mich vor dieser Überschwemmung retten.» Wie durch ein Wunder überleben die beiden Schwestern, doch es dauert noch etwas, bis sie ihr Versprechen erfüllen kann.

Am 4. November 1918 endet der Erste Weltkrieg und Schwester Maria bewirbt sich als Missionarin, um zu den Leprakranken zu gehen. Ein Jahr später wird sie nach Nizza Monferrato (Piemont) versetzt. Im März 1922 liegt Marina Luzzi, eine Schülerin des Instituts, im Sterben. Schwester Maria bittet sie: «Marina, sobald du die Muttergottes siehst, bitte sie, dass sie mir von Jesus gewährt, Missionarin unter den Leprakranken zu werden.» Marina antwortet: «Nein, Schwester Maria, Sie werden Missionarin in Ecuador.» Die junge Frau stirbt am 14. März 1922. Wenige Tage später teilt ihr die Mutter Oberin mit, dass sie als Missionarin nach Ecuador gehen könne.

Am 9. November 1922 ist der ersehnte Tag da. Schwester Maria bricht zusammen mit vier weiteren Schwestern nach Ecuador auf. Die ersten zwei Jahre arbeitet sie in der Kleinstadt Chunchi, wo sie eine Ambulanz einrichtet.

Vertrauen der indigenen Bevölkerung
Im November 1925 geht es weiter – in den Regenwald. Am 4. Dezember kommen die Missionarinnen zusammen mit Salesianern in Macas an. 1933 kommt es in Sucúa zum ersten Kontakt mit dem indigenen Volk der Shuar. Sie gewinnt das Vertrauen der Bevölkerung, als sie mit einem Taschenmesser die Tochter eines Stammesführers rettet, die von einer Kugel verletzt worden war. Schwester Maria richtet auch hier kleine Ambulanzen und Apotheken ein, leistet zu jeder Tages- und Nachtzeit erste Hilfe und nimmt todkranke Neugeborene, Kinder, misshandelte Frauen oder Verletzte aus Familienfehden auf. Aber auch bei kriegerischen Auseinandersetzungen, Epidemien oder Überschwemmungen setzt sie sich unermüdlich ein. Dabei verkündet sie stets das Evangelium.

Es zeigen sich erste Erfolge: Taufen, Erstkommunionen und die ersten christlichen Eheschliessungen, die aus freier Wahl entstehen und nicht als arrangierte Ehen.

Vierundvierzig Jahre lang lebt Schwester Maria unter den Shuar im Apostolischen Vikariat Mendez als Krankenschwester, Chirurgin, Orthopädin, Zahnärztin, Apothekerin und Ratgeberin. Von ihnen wird sie «La Madrecita» (Mütterchen) genannt. Ihr ist die Förderung der Shuar-Frauen ein wichtiges Anliegen, so bietet sie Kurse zur Vorbereitung auf den Pflegeberuf und zur Ehe- und Familienbildung an. 1953 wird sie zudem Leiterin des neuen Spitals «Pius XII.» Kraft für diese immense Arbeite schöpft sie im Gebet: Die eucharistische Anbetung und der Rosenkranz sind ihre Kraftquelle.

Sie setzt sich besonders für Frieden und Versöhnung bei Familienfehden oder den Konflikten zwischen den Shuar und den Kolonisten ein. Am 4. Juli 1969 wird die Mission von Sucúa in einem Klima der Feindseligkeit und offenen Drohungen durch einen Brand zerstört. Wiederum setzt sie sich für Versöhnung und Frieden ein.

Am 25. August 1969 bricht die inzwischen 86-jährige Schwester Maria zu Exerzitien auf. Das kleine Flugzeug stürzt kurz nach dem Start ab. Der Radiosender der Shuar-Föderation verkündet traurig: «Unsere Mutter, Schwester Maria Troncatti, ist gestorben.» Ihre sterblichen Überreste ruhen in Sucúa.

Nach dem Absturz erschien am Himmel ein Regenbogen, der bis zu ihrer Beerdigung sichtbar blieb. Die Menschen deuteten dies als Zeichen des Friedens und als Aufruf zur Versöhnung zwischen den Shuar und den Siedlern.

Am 24. November 2012 wird sie von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen. Nachdem Papst Franziskus am 25. November 2024 ein Wunder auf die Fürsprache von Mutter Maria Troncatti anerkannt hat, erfolgt im kommenden Missionsmonat Oktober die Heiligsprechung.

 


[1] Italien trat im Mai 1915 in den Ersten Weltkrieg ein.


Redaktion


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