Seit der Verabschiedung der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen 1989 sind Grundrechte wie Schutz, Förderung und Beteiligung für Kinder weltweit bindend. Staaten, die die Konvention unterzeichnet haben, wie die Schweiz, verpflichten sich zur Umsetzung. Dies hat weltweit schon deutliche Fortschritte gebracht: Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren halbierte sich, der Anteil unterernährter Kinder sank, mehr Kinder besuchen eine Schule und Kinderarbeit ging um ein Drittel zurück. Dennoch bleibt viel zu tun: Immer noch gehen rund 250 Millionen Kinder nicht zur Schule, 160 Millionen arbeiten – viele unter ausbeuterischen Bedingungen. Ein Viertel aller Kinder ist unterernährt und über 43 Millionen sind auf der Flucht.
Diese Zahlen zeigen: Kinderrechte brauchen weiterhin internationale Unterstützung und die Mitwirkung aller. Die Aktion Sternsingen 2025 stellt daher die Rechte und Würde aller Kinder in den Mittelpunkt, besonders jener, die selbst keine Stimme haben.
Lange Tradition in der Deutschschweiz
Zwischen Neujahr und dem Dreikönigstag ziehen in der gesamten Schweiz Kinder und Jugendliche als Heilige Drei Könige von Haus zu Haus und überbringen mit Liedern und Sprüchen die frohe Botschaft von Weihnachten. Dabei schreiben sie die Segensformel «C+M+B» (Christus mansionem benedicat, «Christus segne dieses Haus») an die Türen. Zugleich sammeln sie unter dem Motto «Kinder helfen Kindern» Geld für benachteiligte Kinder weltweit.
«Die Tradition des Sternsingens gehört in der Deutschschweiz sowie in der Räteromanischen Schweiz zum kulturellem respektive volksreligiösem Erbe, was in der Westschweiz sowie im Tessin nicht der Fall ist», erzählt Hanspeter Ruedl, Medienverantwortlicher bei Missio Schweiz. «Die Aktion Sternsingen von Missio Schweiz ist daher traditionell auch in den zuerst genannten Regionen viel stärker vertreten.»
Missio Schweiz organisiert die Aktion Sternsingen im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz seit 1989 in der Deutschschweiz, seit 2005 in der Westschweiz und seit 2012 im Tessin, dabei nahm die Zahl der Beteiligten kontinuierlich zu. «Seit rund fünf Jahren hat sich die Zahl bei rund 10 000 Kindern und Jugendlichen aus allen vier Sprachregionen sowie etwa 2000 Begleiterinnen und Begleiter eingependelt.»
Projekte in Kenia und Kolumbien
Die Aktion Sternsingen 2025 vermittelt den Sternsingerinnen und Sternsingern das Bewusstsein und den Ansporn, sich für andere Kinder, denen es nicht so gut geht, konkret einsetzen zu können. Sie lernen, dass alle Menschen, auch die Kleinsten und Schwächsten, Kinder Gottes sind und das Recht auf ein Leben in Würde haben. Die Aktion ermutigt sie, sich gemeinsam mit anderen weltweit für Kinder einzusetzen, die Unterstützung benötigen.
Dieses Jahr liegt der Fokus der Sternsinger-Aktion in der Schweiz auf zwei Projekten. In der Turkana, einer von Dürre und extremem Klima geprägten Region in Kenia, unterstützt die Aktion Sternsingen die Gemeinschaft «Sankt Paul der Apostel» beim Aufbau einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung, bei der Ernährungssicherheit und der Schulbildung, um den Kleinsten eine Zukunft vor Ort zu ermöglichen.
In Kolumbien steht das Projekt «Benposta» im Mittelpunkt. Dieses unterstützt Kinder und Jugendliche, die Gewalt und Vernachlässigung erfahren haben. Hier finden sie Schutz, Zugang zu Bildung und therapeutische Unterstützung. In Benposta sind Kinder nicht blosse Hilfsempfänger, sondern werden nach dem Grundsatz «Hilfe zur Selbsthilfe» auf ein selbstbestimmtes Leben vorbereitet.
Für die Projektauswahl besteht eine langjährige Kooperation mit Missio Aachen bzw. dem Kindermissionswerk «Die Sternsinger», erklärt Hanspeter Ruedl. «Uns ist wichtig, dass die Projekte von kirchlichen Akteuren aus den Ländern des globalen Südens selbst kommen und Kinder in den Mittelpunkt stellen, die in einer Notlage sind. Das Motto der Aktion lautet ja ‹Kinder helfen Kindern›.»
Vor einigen Jahren gab es Diskussionen, ob es weiterhin erlaubt sein soll, dass sich einer der Drei Heiligen Könige sein Gesicht schwarz anmalt. Dies sei «Blackfacing». «Blackfacing» wird von vielen Menschen als rassistisch angesehen, da es die diskriminierenden Erfahrungen von Schwarzen Menschen untergrabe, während das eigene Vergnügen in den Vordergrund gestellt werde. Bei den Heiligen Drei Könige ging es jedoch darum, dass sie die drei damals bekannten Kontinente Afrika, Asien und Europa darstellen sollen. «Wir haben die Pfarreien damals gebeten, auf ‹Blackfacing› zu verzichten», erzählt Hanspeter Ruedl. «In der Realität hat sich das Thema durch Migration allerdings teilweise selbst überholt. Bei den Sternsingern finden sich inzwischen viele Kinder nichtweisser Hautfarbe, was auch auf eine gute Integration in den Pfarrgemeinden schliessen lässt.»
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