Abschlussmesse des Jubiläums der Jugend. (Bild: JESUS And I Apostolic Ministry / Facebook)

Weltkirche

«Strebt nach Heiligkeit»

Das «Jubi­läum der Jugend» im Rah­men des Hei­li­gen Jah­res fand heute mit der Abschluss­messe mit Papst Leo XIV. sei­nen Höhe­punkt und Abschluss. Rund eine Mil­lion junge Men­schen aus 146 Län­dern nah­men an der Vigil am Sams­tag­abend und am Abschluss­got­tes­dienst teil.

Das Sonderjubiläum im Rahmen des Heiligen Jahres 2025 startete am Dienstagabend mit der Eröffnungsmesse. Dem Eröffnungsgottesdienst stand der Heilig-Jahr-Beauftragte des Vatikans, Erzbischof Rino Fisichella, vor. «Viele von euch haben so viele Opfer gebracht, um hier in Rom zu sein. Der Herr wird euch nicht enttäuschen», kündigte der Erzbischof an. Die jungen Menschen rief er dazu auf, diese Tage mit Freude und Spiritualität zu leben. «Entdeckt neue Freundschaften, aber betrachtet vor allem Rom und die vielen Kunstwerke, die Ausdruck des Glaubens sind, der so viel Schönheit hervorgebracht hat». Der Erzbischof schloss mit dem Satz: «In diesen Tagen liegt Rom mit allem, was es darstellt, in euren Händen.»

Zur Freude der 120 000 jungen Menschen auf dem Petersplatz erschien nach dem Gottesdienst überraschend Papst Leo XIV. selbst und drehte zunächst eine Runde mit dem Papamobil, bevor er sich in einer kurzen Ansprache an die Jugendlichen wandte und sie dazu aufrief, Zeugen der Versöhnung in einer von Konflikten zerrissenen Welt zu sein und sich für den Frieden einzusetzen.

Am Mittwoch und Donnerstand konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter dem Motto «Dialog mit der Stadt» rund 70 lokale Veranstaltungen besuchen. Am Freitag, der als Busstag gestaltet war, bestand die Möglichkeit, im Circus Maximus zu beichten. Über 1000 Priester stellten sich dafür zur Verfügung.

Emotionaler Höhepunkt
Am Samstag begann in Tor Vergata ausserhalb Roms nach einem mehrstündigen Vorprogramm mit Musik und Zeugnissen bei Sonnenuntergang die Vigilfeier unter freiem Himmel. Papst Leo fuhr mit dem Papamobil auf den Platz, wo ihm das grosse Jubiläumskreuz überreicht wurde, das er in Begleitung von Jugendlichen zum Hauptaltar trug. Nach der Eröffnung der Vigil mit Gebeten konnten drei junge Menschen dem Papst eine Frage stellen. Dulce Maria aus Mexiko sprach über Online-Freundschaften. Mit Nachdruck warb Papst Leo  XIV. für stabile Bindungen und sagte: «Unser Leben beginnt mit einer Bindung, und es sind Bindungen, dank derer wir wachsen. [...] Wenn wir leidenschaftlich nach der Wahrheit suchen, verändern wir die Kultur durch unsere Lebensentscheidungen.» Das Internet und die sozialen Netzwerke seien eine «Chance für Gespräche, Begegnungen und den Austausch mit anderen Menschen», doch seien diese Instrumente «ambivalent», auch weil in den sozialen Medien «die Algorithmen bestimmen, wer unsere Freunde sein sollen.» Die Konsequenzen schilderte er mit drastischen Worten: «Wenn das Instrument den Menschen beherrscht, dann wird der Mensch zum Instrument: ja, zu einem Instrument des Marktes und damit selbst zu einer Ware. Nur aufrichtige Beziehungen und stabile Bindungen lassen gute Lebensgeschichten gedeihen.»
 


Gaia, eine 19-jährige Italienerin, wollte von Papst Leo wissen, wie junge Menschen den Mut finden können, inmitten von Unsicherheit Entscheidungen zu treffen. «Christus ist es, der uns mit seinem ganzen Sein geliebt hat, indem er die Welt gerettet und uns so gezeigt hat, dass das Geschenk des Lebens der Weg ist, um uns selbst zu verwirklichen.» Und er erinnerte an die Worte, die der heilige Johannes Paul II. beim Weltjugendtag im Jahr 2000 am gleichen Ort gesagt hatte: «Es ist Jesus, den ihr sucht, wenn ihr vom Glück träumt [...] Er ist es, der euch provoziert mit jenem Durst nach Radikalität, der euch keine Anpassung an den Kompromiss erlaubt; er ist es, der euch dazu drängt, die Masken abzulegen, die das Leben verfälschen; er ist es, der in euren Herzen die wahreren Entscheidungen herausliest, die andere am liebsten ersticken würden.»

Leo XIV. rief die jungen Menschen zu eindeutigen Lebensentscheidungen auf. «Das sind tiefgreifende und bedeutsame Entscheidungen: Die Ehe, das Weihesakrament und das gottgeweihte Leben drücken die freie und befreiende Selbsthingabe aus, die uns wirklich glücklich macht [...] Diese Entscheidungen geben unserem Leben Sinn und verwandeln es in das Abbild der vollkommenen Liebe.» Die Welt brauche «Missionare des Evangeliums, die Zeugen der Gerechtigkeit und des Friedens sind.»

Will aus den USA fragte den Papst, wie man sich der Gegenwart des auferstandenen Herrn auch inmitten von Prüfungen und Ungewissheiten sicher sein kann. Der Pontifex verwies auf Papst Benedikt XVI.: «Papst Benedikt XVI. sagte gern, dass diejenigen, die glauben, niemals allein sind. Mit anderen Worten: Wir begegnen Christus in der Kirche, das heisst in der Gemeinschaft derer, die ihn aufrichtig suchen.»

Papst Leo XIV. rief während der Vigil zum Gebet für zwei junge Pilgerinnen auf, die auf dem Weg zu oder während des Weltjugendtreffens gestorben waren, sowie für einen jungen Mann aus Spanien, der während des Treffens in ein römisches Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Nach der stillen eucharistischen Anbetung spendete der Papst den jungen Menschen den eucharistischen Segen.

Was befreit uns aus der Sinnlosigkeit?
«Guten Morgen!» grüsste Papst Leo XIV. am Sonntagmorgen auf Deutsch die eine Million jungen Menschen, die in Tor Vergata die Nacht in Schlafsäcken unter freiem Himmel verbracht hatten. Zuvor hatte er auf Italienisch, Englisch, Spanisch und auch Französisch einen guten Morgen gewünscht. «Ich hoffe, Ihr habt euch alle ein bisschen ausgeruht. Gleich werden wir die grösste Feier beginnen, die uns Christus hinterlassen hat: Seine wahre Gegenwart in der Eucharistie.»
 


An der Abschlussmesse nahmen neben den rund eine Million Jugendlicher auch rund 400 Bischöfe und etwa 7000 Priester teil. In seiner Homilie erinnerte der Pontifex zunächst an die Jünger von Emmaus (Lk 24,13-35). Diese hatten sich verängstigt und enttäuscht von Jerusalem entfernt, in der Überzeugung, dass mit dem Tod Jesu alles vorbei sei. Doch stattdessen begegneten sie ihm selbst und erkannten ihn beim Brechen des Brotes. «Da gingen ihnen die Augen auf und die frohe Botschaft von Ostern fand Eingang in ihre Herzen.»

Die heutige Liturgie spricht nicht direkt von dieser Begebenheit, erklärte Papst Leo. «Sie hilft uns aber, über das nachzudenken, was darin erzählt wird: die Begegnung mit dem auferstandenen Christus, die unser Leben verändert, die unsere Empfindungen, Wünsche und Gedanken erhellt.»

Die erste Lesung aus dem Buch Kohelet lade ein, uns wie die beiden Jünger mit der Erfahrung unserer Begrenztheit, der Endlichkeit der vergänglichen Dinge auseinanderzusetzen. Der Antwortpsalm sprach vom Gras, das am Morgen blüht und Abend welkt und verdorrt. «Auch wir sind dafür geschaffen: Nicht für ein Leben, in dem alles selbstverständlich und unveränderlich ist, sondern für ein Dasein, das sich ständig in der Gabe, in der Liebe erneuert.»

Wir spüren einen Durst, dass kein Getränk dieser Welt stillen kann. Papst Leo warnte die jungen Menschen davor, diesen Durst mit nutzlosen Ersatzmitteln stillen zu wollen. «Es gibt in unserem Herzen eine brennende Frage, ein Bedürfnis nach Wahrheit, das wir nicht ignorieren können und das uns dazu bringt, uns zu fragen: Was ist wirklich Glück? Was ist der wahre Sinn des Lebens? Was befreit uns aus den Sümpfen der Sinnlosigkeit, der Langeweile, der Mittelmässigkeit?»

Er erinnerte die Teilnehmer an die schönen Erfahrungen, die sie in den letzten Tagen machen durften. «In all dem könnt ihr eine wichtige Antwort finden: Die Fülle unseres Daseins hängt weder davon ab, was wir ansammeln, noch davon, wie wir im Evangelium gehört haben, was wir besitzen (vgl. Lk 12,13-21). Sie hängt vielmehr davon ab, was wir mit Freude annehmen und teilen können.»

Und er erklärte mit Nachdruck: Wir müssen unsere Augen erheben, nach oben schauen, auf ‹das, was oben ist› (Kol 3,2), um zu erkennen, dass alles in der Welt nur insofern Sinn hat, als es dazu dient, uns mit Gott und unseren Brüdern und Schwestern in Liebe zu vereinen und in uns Gefühle von ‹Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld› (Kol 3,12), Vergebung und Frieden wachsen lassen, wie die von Christus.» Und er fuhr fort. «Vor diesem Hintergrund werden wir immer besser verstehen, was es bedeutet, dass ‹die Hoffnung […] nicht zugrunde gehen [lässt]; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist› (Röm 5,5).»

Papst Leo rief die jungen Menschen dazu auf, immer mit Christus vereint zu bleiben, durch das Gebet, die eucharistische Anbetung, die Kommunion und die häufige Beichte. Er ermunterte sie, eine grossherzige Nächstenliebe zu pflegen nach dem Beispiel der seligen Piergiorgio Frassati und Carlo Acutis, die bald heiliggesprochen werden. «Strebt nach Grossem, nach Heiligkeit, wo immer ihr auch seid. Gebt euch nicht mit weniger zufrieden. Dann werdet ihr jeden Tag in euch und um euch herum das Licht des Evangeliums wachsen sehen.»

In seinem Schlusswort lud Papst Leo XIV. die Jugendlichen zum nächsten Weltjugendtag ein, der vom 3. bis 8. August 2027 in Seoul stattfinden wird. Und schloss mit den Worten: «Ich vertraue euch Maria an, der Jungfrau der Hoffnung. Möget ihr mit ihrer Hilfe in den nächsten Tagen, wenn ihr in eure Länder in allen Teilen der Welt zurückkehrt, weiterhin mit Freude auf den Spuren des Erlösers wandeln und alle, denen ihr begegnet, mit eurer Begeisterung und dem Zeugnis eures Glaubens anstecken! Ich wünsche euch einen guten Weg!»


KNA/Redaktion


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