Hierzulande dürfte Josefine Bakhita den wenigsten ein Begriff sein. In Italien ist sie unter dem Namen Madre Moreta, als schwarze Mutter, bekannt. Die 1869 im Sudan geborene Schwarzafrikanerin wird als Sklavin in den Norden des Landes verschleppt. Sie kann die Narben an ihrem Körper einzeln aufzählen. Narben, die von den «Markierungen» ihrer jeweiligen muslimischen «Besitzer» stammen. Man ritzt ihr Wunden auf die Brust, den Bauch und den rechten Arm, streut Salz hinein, um sie so buchstäblich lebenslänglich zu brandmarken.
Dem italienischen Konsul in Khartum gelingt es schliesslich, sie freizukaufen.
Josefine Bakhita findet Obhut bei den Canossianerinnen von Venedig, wo sie zum christlichen Glauben findet. Sie nimmt den Namen Giuseppina an und setzt sich für die Missionierung ihrer sudanesischen Heimat ein. Als sie 1947 stirbt, nehmen Tausende an ihrer Bestattung teil. Papst Johannes Paul II. hat sie im Jahre 2000 heiliggesprochen.
Die Zeiten, als Frauen und Kinder aus dem mehrheitlich naturreligiösen und christlichen Süden des Sudan in den arabisch-muslimischen Norden des Landes und dessen Nachbarländer verschleppt und versklavt wurden, sind – wenigstens als Massenphänomen – glücklicherweise vorbei.
Doch die Hoffnungen, dass sich die Verhältnisse im Südsudan nach dessen im Jahre 2011 erlangter staatlicher Unabhängigkeit zum Besseren wenden würden, haben sich nicht erfüllt. Hauptursachen sind die wiederkehrenden Naturkatastrophen, seien es Dürreperioden oder Überschwemmungen, sowie in Bürgerkriege ausartende Stammesrivalitäten zwischen den wichtigsten Ethnien, den Dinka und den Nuer, wobei der Kampf um die beträchtlichen Erdölreserven eine wichtige Rolle spielt. Der staatlichen Unabhängigkeit waren 2002 Verhandlungen auf dem Bürgenstock zwischen der Regierung in Khartum und der südsudanesischen Rebellenarmee SPLA vorausgegangen, die in einen Waffenstillstand mündeten.
Der Südsudan ist flächenmässig 15 Mal grösser als die Schweiz, zählt aber nur rund 11,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Zurzeit leben 1,8 Millionen Binnenflüchtlinge im Land, über 2 Millionen sind in die Nachbarländer geflohen. Hungersnöte und Unterernährung sind weit verbreitet, der Anteil an Analphabeten beträgt ca. 65 Prozent – weltweit ein Spitzenwert. Darüber hinaus leiden gemäss UNO-Angaben rund 30 Prozent der Bevölkerung an Unterernährung.
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