Pfarrer Christoph Schönenberger bei einer Predigt. (Bild: zVg)

Weltkirche

Süd­afrika: Gemein­schaft und Ver­söh­nung im Mittelpunkt

Schon als jun­ger Stu­dent inter­es­sierte sich der Ost­schwei­zer Pries­ter Chris­toph Schö­nen­ber­ger für das Leben der Men­schen in Süd­afrika. Mitt­ler­weile hat er dort eine zweite Hei­mat gefun­den, wo er nun seit 37 Jah­ren als Seel­sor­ger eine wich­tige Auf­gabe wahr­nimmt: Er betreut im Erz­bis­tum Pre­to­ria ein Begeg­nungs­zen­trum für Jugend­li­che ohne fami­liä­ren Rückhalt.

Im Juli besuchte Pfarrer Schönenberger auf Einladung des Hilfswerks «Kirche in Not (ACN)» seine Schweizer Heimat, so natürlich auch die Ostschweiz.

Aus einer kleinen Verpflichtung wurde ein Engagement fürs ganze Leben
Bei einem Besuch als Jungwacht-Präses auf dem afrikanischen Kontinent konnte der junge Mann damals unter anderem das Armenviertel von Johannesburg kennenlernen. «Da hat es mir den Ärmel hineingenommen», erzählte Christoph Schönenberger.

Eigentlich wollte der tatkräftige Ostschweizer nach seiner Priesterweihe lediglich vier Jahre in Südafrika bleiben, doch fand er dort nicht nur eine Lebensaufgabe, sondern auch eine neue Heimat. Für diesen ersten Einsatz verpflichtete er sich gegenüber der bischöflichen Organisation «Fidei donum» (Geschenk des Glaubens), welche sich vor allem nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil entfaltete. Dieser bischöfliche Dienst sieht nach der Missionsenzyklika «Fidei Donum» (1957) von Papst Pius XII. vor, Diözesanpriester für die Seelsorge nach Übersee zu entsenden.

Bald feiert Pfarrer Schönenberger sein 40-jähriges Jubiläum in Afrika. Zur Zeit seiner ersten Besuche in Südafrika herrschten dort noch die Zustände des Apartheid-Regimes. Diese oft brutale Art der Rassendiskriminierung wurde erst 1994 aufgehoben. So gab es vorab für die christlichen Kirchen viel Aufbauarbeit zu verrichten. Das Nebeneinander der verschiedenen Ethnien hat sich zwischenzeitlich verbessert, doch gibt es noch immer offene Wunden aus dieser Zeit.

Segensreiches Aufbauwerk – offizielle Unterstützung
Im Sinne von Taizé-Gründer Frère Roger Schutz wagte sich Pfarrer Christoph Schönenberger vor 25 Jahren an den Aufbau der ökumenischen Jugendbegegnungsstätte «Ha Phororo Youth Retreat Centre», unweit von Pretoria gelegen, welche sich am Motto «Versöhnung und Gemeinschaft» inspiriert. Eine wichtige Unterstützung des Projektes leistet die Schweizer Organisation von «Fidei donum». Der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung beträgt etwas mehr als sechs Prozent. Die meisten Südafrikaner gehören einer christlichen Konfession an.

Die günstig gelegene Liegenschaft im Süden des Landes gehört einer Oblatengemeinschaft, die dem tatkräftigen Schweizer Priester Gastrecht für seine unermüdliche soziale Tätigkeit gewährt, welche vom Erzbistum Pretoria mitgetragen wird.
 


Wichtiger Halt für jugendliche Menschen – Lebenshilfen
Das Jugendbegegnungszentrum erfüllt die Funktion einer sozialen «Notbrücke». Den jungen Menschen, in der Regel ab dem 18. Altersjahr, fehlt der familiäre Rückhalt. Viele bleiben länger als die üblichen drei Monate. So entstehen familiäre Teams mit entsprechendem Rückhalt, was von den jungen Erwachsenen sehr geschätzt wird.

Der Schweizer Geistliche wird für seine einfühlsame Führung und sein grosses Engagement für die ganzheitliche Förderung junger Menschen geschätzt. Die Jugendlichen erhalten hier die Möglichkeit zu einer einjährigen Anlehre, die ihnen später den Einstieg in eine Berufsausbildung erleichtert. Neben praktischer Mitarbeit im Zentrum umfasst das Programm auch schulischen Unterricht in Pretoria.

Zwei Drittel aller Jugendlichen, die sich beim Begegnungszentrum von Pfarrer Schönenberger melden, verfügen über keine Vaterfigur; die meisten jungen Frauen wurden schon sexuell missbraucht und leiden deswegen unter seelischen Schmerzen. Zwei Drittel der jungen Menschen sehnen sich nach einer Beschäftigung, was in Anbetracht der schwierigen wirtschaftlichen Lage Südafrikas – die Arbeitslosenquote liegt bei 32 Prozent – kein leichtes Unterfangen ist.

Dennoch, in Pfarrer Schönenbergers Jugendbegegnungszentrum setzt man alles daran, um den jungen Menschen zu einer dauerhaften Lebensperspektive zu verhelfen. Durch das gemeinsame Wohnen, Essen, Beten und Zusammenleben, wie auch die liebevolle Betreuung, erhalten die jungen Menschen Hoffnung auf Arbeit und ein starkes Lebensfundament und so letztlich auch eine Grundlage zur Gründung einer eigenen Familie.

In der Regel leben rund zehn junge Menschen im Begegnungszentrum. Wie Pfarrer Christoph Schönenberger zu verstehen gibt, wäre es für die Zukunft wertvoll, professionelle Sozialarbeiterinnen und weitere Helfer für die Mitarbeit zu gewinnen. Es ist wichtig, Menschen im Team zu haben, welche mit den seelischen Verletzungen der jungen Menschen richtig umgehen können. Prinzipiell werden noch mehr Leute im Betreuungsdienst benötigt, um das erfolgreiche Werk auch auf längere Zeit weiterführen zu können. Bedauerlicherweise mangelt es – im Gegensatz zu anderen afrikanischen Staaten – an Nachwuchs bei den Berufungen für Priester und Ordensleute.

Die Entwicklung des beliebt gewordenen Zentrums hängt nicht unwesentlich von der Leitung und der finanziellen Unterstützung ab. Diese kommt aus Europa und ist natürlich auch aus dem eigenen Land willkommen.

Das von Pfarrer Schönenberger aufgebaute Projekt zeigt, dass für solche Vorhaben, vor allem in ärmeren Ländern, grosse Bedürfnisse bestehen. Mit der Aufnahme junger Menschen wird zweifelsohne auch ein wichtiger pastoraler Beitrag geleistet, der alle Unterstützung und Wertschätzung verdient.
 

«Kirche in Not (ACN)» ist ein internationales katholisches Hilfswerk päpstlichen Rechts, das als «Ostpriesterhilfe» gegründet wurde. Es steht mit Hilfsaktionen, Informationstätigkeit und Gebet für bedrängte und Not leidende Christen in rund 140 Ländern ein. Seine Projekte sind ausschliesslich privat finanziert. Das Hilfswerk wird von der Schweizer Bischofskonferenz für Spenden empfohlen. Link

Spenden können, mit einem Bestimmungsvermerk, gerichtet werden an:
Kirche in Not, Cysatstrasse 6, 6004 Luzern
Konto PC 60-17200-9; IBAN 55 0900 0000 6001 7200 9


Stefan Treier

Stefan Treier ist freier Mitarbeiter von «Kirche in Not».


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