(Symbolbild: Priscilla du Preez/Unsplash)

Kommentar

Syn­oda­li­tät als Code-​Wort

Ein Zwi­schen­ruf von Weih­bi­schof em. Marian Eleganti

Um der Liebe Christi willen hört endlich auf mit dem Overkill synodaler Dokumente, Zwischenschritten, Wegweisungen für den weiteren Prozess, Ankündigungen von Ergebnissen, Schlussdokumenten, die keine solchen sind, Verlängerungen in weitere Runden, Vermehrung der Kommissionen, am Ende eine Versammlung im kanonischen Niemandsland. Das breite Volk Gottes ignoriert eure Dokumente. Kaum ein Gläubiger, der nach meiner Erfahrung davon weiss oder sie liest.

Stoppt die Drehung um die eigene Achse in einem Prozess, der in keiner einzigen Seele die Liebe zu Jesus Christus geweckt hat, sondern bisher vor allem (deutschsprachige) «Reformkatholiken» (im Hauptamt) beschäftigt. Hört auf, euch in Arbeitsgruppen und Kommissionen zu vervielfältigen und zu vermehren! Das Volk Gottes interessiert sich nicht dafür.

Die Ergebnisse sind ein einziger Nebel, Segnungen, die besser unterlassen blieben; Leitungsmodelle, die dem geltenden Kirchenrecht widersprechen; neue Gremien bzw. Räte, als hätten wir seit 60 Jahren nicht genug davon. Ihr lebt in einer Blase und beschäftigt die falschen Leute. Die Bischöfe sitzen schon jetzt die meiste Zeit an Tischen, aber nicht nur sie. Die Berufung auf den Heiligen Geist kommt zu schnell über eure Lippen.

Verkündet das Evangelium um der Liebe Christi willen! Verkündet Christus einem Europa, das sich von Ihm abgewandt hat! Verkündet Christus einer Welt, die apokalyptische Züge trägt und ständig neue Kriege führt! Redet von Jesus Christus statt von Synodalität! Wie ihr letztere versteht, haben andere sie schon durchbuchstabiert (z. B. die Anglikaner) mit dem Ergebnis neuer Spaltungen.

Hört auf, die Kirche in einem nicht enden wollenden, synodalen Taumel zu halten, angeblich um Gaben auszutauschen. Die real existierenden Probleme in der Kirche werden nicht besprochen: der massenhafte Abfall Getaufter und Gefirmter von wesentlichen Inhalten des Glaubens (das Gottsein Jesu; seine leibliche Auferstehung); liturgische Formlosigkeit (Mosebach) und Missbräuche im Novus Ordo; keine Priesterberufungen in vielen Teilkirchen; weit verbreitete heterodoxe Verkündigung (Katechese; Universitätstheologie) und eine Seelsorgepraxis, die der katholischen Lehre und dem kanonischen Recht widerspricht, angeblich, weil die Wirklichkeit grösser ist als die Idee. Die Aufzählung ist unvollständig.

Ich kann eure Propaganda nicht mehr anhören. Ich vermute, dass ich nicht der Einzige bin. Seit langem wurde die Kirche nicht so autoritär und manipulativ geführt wie in der Zeit der neuen Synodalität unter Papst Franziskus, eines nicht enden wollenden Versuches, gewünschte Ergebnisse zu erzielen. Aber Godot ist nicht gekommen. Bis jetzt wenigstens, und seiner eigenen Natur nach ist es vergeblich, auf ihn zu warten! Gekommen ist die Volatilität der Lehre – die Wanderdüne, nicht der Fels. Vor dem Ende geschieht gemäss der Schrift der grosse Glaubensabfall, treten Propheten auf, die den Ohren schmeicheln, suchen die Menschen sich Lehren nach eigenem Geschmack, eine Wahrheit, die nichts kostet, die Homosexualität (Diversity); der Antichrist, das Martyrium. Jeder kann es nachlesen.

Richtig an eurer Synodalität ist nur die herkömmliche Lehre von der Unterscheidung des Geistes, das wünschenswerte Hören auf GOTT. Was aber ist an dieser Lehre wirklich neu? Das «Höre, Israel» (Sch’ma Jisrael) wie auch die Benediktsregel (Prolog) beginnen mit dem Wort «Höre!» und sind altehrwürdig. Wir beschäftigen uns nicht erst seit der «Synode über Synodalität» mit der traditionellen Lehre von der Unterscheidung des Geistes. Neu daran ist die Illusion, man könne dieses Werk der Unterscheidung mit 1,4 Milliarden Katholiken durchführen – unter ihnen viele mit absolut heterodoxen Ansichten – ohne dass der Prozess der Unterscheidung und des Hörens politisiert, instrumentalisiert, manipuliert oder in eine bestimmte Richtung gesteuert wird und womöglich entgleist wie in Deutschland. Aber auch «Fiducia supplicans» und «Traditionis custodes» sind höchst umstrittene Dokumente im Prozess und kamen gegen alle Regeln der propagierten Kunst zustande.

Wo bleiben im Prozess die Anhänger der Tradition, weitgehend junge Leute und Familien? Wo bleibt ihr Votum in diesem viel beschworenen, synodalen Prozess sui generis? Bis jetzt blieben sie aussen vor. In manchen Ländern (Frankreich; England) wünschen viele junge Erwachsene die Taufe. Die am Glauben interessierte Jugend studiert den Katechismus, wünscht sich eine ehrfürchtig gefeierte Liturgie, verlangt nach mehr Mysterium bei der Feier der Heiligen Messe, in der zu viel geredet wird. In Albanien werden die Christen in absehbarer Zeit die Mehrheit bilden, wie ich gelesen habe. Aber in anderen Ländern Europas werden die Christen in 25 Jahren gegenüber Muslimen die demographische Minderheit bilden (reine Statistik). Wen kümmert die Herausforderung des Islam im synodalen Prozess?

Macht aus der Kirche keine Ideenbörse heterodoxer Vorstösse und Erfindungen! Tut etwas für die Erneuerung der Liturgie und der Katechese in diesen antichristlichen Zeiten! Mehr Missionare, weniger Spindoktoren.

Synodalität ist zum «Hermeneutikum» für alles Mögliche geworden, vor allem für die Mitentscheidung von Laien auf allen Ebenen. Die Sakramentalität des kirchlichen Amtes (Leitung) wurde dabei arg beschädigt durch eine egalitäre Synodalität, die keinen Unterschied macht zwischen Geweihten und Nichtgeweihten! Dies widerspricht der Lehre des Konzils und den 2000 Jahre alten apostolischen Baugesetzen des Leibes Christi!

Glaubt nicht, dass man sich in unseren Breitengraden mit dem «Hören» und «Reden im Geist» zufriedengibt. Veränderungen werden verlangt. Nach dem langen und aufwendigen synodalen Prozess wollen die Involvierten Ergebnisse sehen: eine Diakonin oder Dikasterienpräfektin, die Ordinariatskanzlerin; die Aufhebung des Zölibates wegen Priestermangel; die Gleichstellung von Geweihten und Nichtgeweihten in den kirchlichen Entscheidungsstrukturen oder Gremien; Frauen in Ämtern, welche bisher Priestern und Bischöfen vorbehalten waren. Und während in säkularen Organisationsformen Hierarchien unhinterfragt und unangetastet in Kraft bleiben und in ihnen vom Management oder CEO Entscheidungen gefällt werden, die von den unteren Ebenen widerspruchslos zu befolgen und umzusetzen sind, ist Synodalität in der Kirche für viele zum Code-Wort für das Gegenteil geworden (eine flache Hierarchie; sogenannte Machtkontrolle; demokratische, kirchenpolitische Prozesse; funktionales Amtsverständnis; Ersetzen des guten Hirten durch Kollektive) und last but not least für alternative, nicht priesterliche Gottesdienstformen. Der Hirte folgt den Schafen. Der Lehrer lernt vom Schüler. Das Tun bestimmt das Sollen. Die Mehrheit macht die Wahrheit. Der Priester gehorcht dem Laien. Der Bischof sitzt daneben. Und über allen schwebt der Geist. Welcher?


Gastkommentare spiegeln die Auffassungen ihrer Autorinnen und Autoren wider.


Weihbischof em. Marian Eleganti


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Bemerkungen :

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    Michael Dahinden 12.07.2025 um 21:15
    Was ist der Zweck des Ganzen?
    Es gab um die Jahrtausendwende in den Staatskirchen Europas ein paar übervolle Kassen.
    Ziel des Feindes, der sich mit Erfolg bis in die Kirchenspitze eingeschlichen hat, ist es, dieses Geld sinnlos zu verbraten. Es gelingt mit dem Synodalismus vortrefflich.
  • user
    Daniel Ric 12.07.2025 um 08:55
    Ich stimme Weihbischof Eleganti zu, dass wir vor allem in der Deutschschweiz seit Jahren zu viele Gremien haben, die nur reden und wenig handeln. Dass die Kirche in unseren Breitenkreisen an Relevanz verloren hat, ist auch offensichtlich. Ich befürchte aber, dass der apokalyptische Tenor dieses Kommentars das Kind mit dem Bade ausschüttet. In vielen Gegenden in Europa gibt es ein reges Glaubensleben, dies ohne in das eine oder andere Extrem (sehr konservativ oder progressiv) abdriften zu müssen. Die Bischöfe und Priester sind dort einfach näher beim Volk, währenddem in der Deutschschweiz der Klerus sehr viel Zeit damit verbracht hat, sich selbst mit Labeln wie progressiv oder konservativ zu etikettieren. Ich glaube einfach nicht daran, dass wir in der Schweiz eine Neuevangelisierung schaffen, wenn wir uns vor allem negativ abgrenzen, wie dies in diesem Artikel teilweise geschehen ist: Gegen die Entscheide von Papst Franziskus, gegen Islam, gegen den Autoritätsverlust (der ja das historische Produkt von mehr als 200 Jahren ist und nicht nur die Kirche betrifft). Als Katholiken sollten wir uns positiv definieren und den Mitmenschen vor allem durch unsere Taten der Nächstenliebe zeigen, für was und für WEN wir stehen.
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      Stefan Fleischer 12.07.2025 um 09:49
      Für mich ist die Situation ganz klar:
      Solange nicht einmal mehr in der Kirche Gott wahrer Gott, unser Herr, sein darf, solange wir ihn immer mehr nur noch als Dekorationsfigur, als konstitutionellen Monarchen behndeln, dem unsere mehr oder weniger demokratisch gewählte «Regierung» vorschreibt, was er zu sagen hat und was nicht mehr, oder dann bestenfalls noch als gutmütiges Helferlein, das wir rufen, wenn wir es brauchen, sonst aber ins Pfefferland wünschen, ist Hopfen und Malz verloren.
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        Daniel Ric 12.07.2025 um 14:48
        Dass Menschen Gott instrumentalisieren und als Vorwand für ihre eigenen Ziele nehmen, gab es schon immer - jetzt wie früher. Ich erachte die jetzige Situation in der Schweizer Kirche auch als sehr schlimm, ich warne aber vor einer Überdramatisierung. Möchte man erkennen, ob ein Mensch ein wahrer Christ ist, achte man auf sein Handeln gegenüber seinen Mitmenschen. Wer sich nicht vor seinem Mitmenschen, den er sieht, erniedrigen kann, wird dies auch nicht vor Gott tun können, den er nicht sieht. Gott braucht keine Schauspieler, die fromm eine Show abliefern, sondern wahre Christen.
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          Stefan Fleischer 12.07.2025 um 19:56
          Wer sich nicht vor seinem Mitmenschen, den er sieht, erniedrigen kann, wird dies auch nicht vor Gott tun können, den er nicht sieht

          Persönlich würde ich eher sagen: «Wer sich nicht vor Gott, der so viel grösser und herrlicher, allwissender und allmächtiger ist als er selbst, erniedrigen kann, wird dies auch nicht vor seinen Mitmenschen tun können, denen er dann logischerweise «auf Augenhöhe» begegnen will, oder sogar noch ein Stück höher.»
  • user
    Terrasancta 12.07.2025 um 08:29
    Ich selber wollte mal Katechet werden und lernte am Informationsabend nur, dass man nicht an Wunder und deshalb auch nicht an den Wunderwirker - Christus - glauben muss. Man muss auch nicht. Jesus aber sagte: „Dann glaubt um meinet Werke willen“ (Joh 14,11).

    Unser duales System ist so krank, dass es nicht heilbar ist. Ich kann nur beten, dass Gott es auf seine Weise überwindet.

    Ich bete auch für Priester aus meinen Nachkommen. Ich kann dies aber nicht tun ohne gleichzeitig für treue Bischöfe zu beten, denn die heutigen Zustände sind Gott ein Gräuel.

    Der sogenannte synodale Weg ist eine Farce und wurde zum Vorwand alle rechtgläubigen Katholiken aus Amt und Lohnplan zu streichen. Die faulen Fische wollen regieren und das mit allen Mitteln.

    Oremus 🙏
  • user
    Maissen Marie-Thérèse 11.07.2025 um 17:21
    Der Zwischenruf ist viel zu langatmig. Weniger ist mehr. Kürzen Sie Ihren Zwischenruf auf die Länge eines Vater Unsers, lieber Herr Weihbischof em. Marian Eleganti.
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      Roland Graf 12.07.2025 um 07:30
      Im Vergleich zu den Synodenpapieren ist der Zwischenruf von Weihbischof Marian Eleganti geradezu kurz und prägnant ausgefallen!
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      Eselchen 12.07.2025 um 11:23
      Hallo Frau Maissen et al., wenn ich mich nicht irre, ist und bleibt ein emeritierter Bischof immer noch eine Bischof! Falls jemand nicht mehr Wissen sollte, wer ein geweihter Bischof der röm.-kath. Kirche [Jesu Christi] ist, empfehle ich das kleine theologische Wörterbuch von Karl Rahner. Also für mich ist und bleibt Seine Eminenz Dr. Marian Eleganti immer noch ein Bischof, der kein Zwischenrufer sondern eher ein Rufer ist, aber auch dieser Begriff genügt mir nicht. Darum möchte ich hier noch extra das 15. Kapitel, Verse 1-17 des Johannes-Evangeliums zitieren, sprich Jesus Christus, unsern König und Erlöser, selbst zitieren, auf dessen Name ich getauft und gefirmt bin und vor 45 Jahren das Ehesakrament empfangen habe. Denn ich vermute, dass viele sich nicht mehr erinnern, was Jesus gesagt hat und immer noch sagt. Und das trifft sicher auf SE Dr. Marian Eleganti zu, denn er ist aufgrund meines Glaubens ein Verkünder auch dieses heiligen Evangeliums!

      Joh-Kapitel 15
      Der wahre Weinstock
      15 1 Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Weingärtner. 2 Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, entfernt er, und jede, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie noch mehr Frucht bringe. 3 Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch geredet habe. 4 Bleibet in mir und ich in euch. Wie die Rebe nicht von sich aus Frucht bringen kann, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt. 5 Ich bin der Weinstock, ihr die Rebzweige. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viele Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 6 Wenn einer nicht in mir bleibt, wird er hinausgeworfen wie der Rebzweig und verdorrt. Man liest sie zusammen und wirft sie ins Feuer. Und sie verbrennen. 7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, dann bittet, um was ihr wollt, und es wird euch zuteil werden. 8 Dadurch ist mein Vater verherrlicht, daß ihr viele Frucht bringt, und dann werdet ihr meine Jünger sein. 9 Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt. Bleibet in meiner Liebe. 10 Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe. 11 Das habe ich zu euch geredet, damit meine Freude in euch sei und eure Freude vollkommen werde. 12 Das ist mein Gebot, daß ihr einander liebet, wie ich euch geliebt habe. 13 Eine größere Liebe hat niemand als die, daß er sein Leben für seine Freunde hingibt. 14 Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. 15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich euch alles kundgetan habe, was ich von meinem Vater gehört habe. 16 Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, daß ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe, damit, was immer ihr vom Vater in meinem Namen erbittet, er euch gebe. 17 Dies trage ich euch auf: daß ihr einander liebet.
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    Marquard Imfeld 11.07.2025 um 17:18
    Ich betrachte Weihbischof em Eleganti als einzigen Bischof der Schweiz, welcher vollständig am katholischen Glauben festhält und diesen Glauben öffentlich vertritt. Ich unterstütze alle seine Argumente.

    Für das Luftblasen-Synode-Geplapper der vom Glauben allmählich abfallenden anderen Bischöfe, sowie Laien, finde ich leider kein anderes Wort als bullshit.

    Ich weiss nicht, ob Papst Leo XIV aus diesem Schwachsinn von ex Papst Franziskus noch etwas Positives retten kann. Wir werden ja sehen.
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    Meier Pirmin 11.07.2025 um 16:22
    Ich glaube nicht, dass die grundlegenden Lehr-Inhalte der katholischen Kirche in den letzten 30 bis 40 Jahren in der Schweiz noch im herkömmlichen Religionsunterricht vermittelt worden sind; von den höheren Schulen des Kantons LU weiss ich es konkret, hier gibt es keinen konfessionellen Religionsunterricht mehr und so gut wie niemand könnte noch ein Grundverständnis des Dogmas der Transsubstantiation vermitteln, so wie auch die Reformierten die von Zwingli gegenüber Luther vermittelte Lehre vom Abendmahl (mit bedeutendem mystischen Gehalt) heute nur noch schwerlich mit den Gläubigen zu praktizieren verstehen. Auch könnten in der Schweiz von je 10 000 Mitgliedern der Landeskirchen maximal je eine Person den Unterschied zwischen dem katholischen Verständnis der Befleckten im Gegensatz zur Unbefleckten Empfängnis erklären, und wer schon kennt nur schon den Römischen Katechismus, so zum Beispiel die Lehre von den 4 himmelschreienden Sünden, von denen immerhin eine die kapitalistische Ausbeutung anklagt, eine andere den unangemessenen Umgang mit einer homosexuellen Veranlagung, womit aber nicht die Homosexualität an sich gemeint ist. Nicht zu vergessen ausser dem Mord auch den Meineid, der Amtsträger vielleicht vom Schwören abhalten könnte. Hier hat sich übrigens Bischof Eleganti nicht klar genug ausgedrückt, das lernten die Kleriker ohnehin nicht in ihrer Ausbildung. Aus meiner Sicht braucht es ohnehin jahrelange Beschäftigung mit geistlichen Grundlagen, um zum Beispiel die Geheimnisse der Heiligen Messe näher zu verstehen. Dies schliesst nicht aus, dass schon ein Erstkommunionkind eine echte Vereinigung mit Jesus Christus erleben darf, aber nicht unter den Umständen, dass es lediglich um das Erstkommuniongeschenk geht, mit dem sich meine eigenen Enkel so gut wie ausschliesslich befasst haben und sich darauf gefreut. Mit der Taufgelübdeerneuerung konnten sie nichts anfangen. So wie heute Kommunizierende, die sich nicht ernsthaft auf den Empfang des Sakramentes vorbereiten und diesem Umstand den Rest des Sonntages zu weihen wissen. Vor 60 Jahren machte sich die Baldegger Schwester Antoinette Feldmann (1906 - 1969) noch Gedanken über die Patene: "Auf der Patene Deines Herzens, Herr, nimm mich an, ununterbrochen, nimm mich an. (...) Immer, ununterbrochen, bin ich im Zustand der heiligen Kommunion. Gott ist mehr mein Ich als ich es bin! Gott ist in mir (immanent), und Gott ist über mir (transzendent), alles in allem und über allem. (...) Die Stille des Herzens wird nur durch die Stillung durch Gott." Die Frage nach der Bedeutung der Patene, auch den Hintergrund der Mundkommunion, oder was Handkommunion bedeutet, dies hat zu tun mit dem Schauer des Glaubens und mit der Frage, wie weit wir uns oder ob überhaupt wir uns noch durch die heilige Wandlung "verwandeln" lassen. "Nur wer sich wandelt, bleibt mir verwandt", formulierte der Pfarrersohn Friedrich Nietzsche als "Anti-Christ". Der Satz erklärt aber auch die Mystik der heiligen Kommunion als Teilhabe am Leib Christi und an der Kirche als eine Art sichtbare verwandelte Leiblichkeit jenseits der von Bischof Marian kritisch angedeuteten Kommissionsbürokratie einer Systemkirche.
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      Conny 11.07.2025 um 18:12
      Zum Glück haben wir das in unserer Pfarrei noch. Römisch Katholischer Religionsunterricht. 🍀 14 Jahre sind nicht vergebens das kann ich Ihnen bestätigen.
      Freundliche Grüsse
      Eine Katechetin die ihren "Job" (Berufung) über alles liebt.
      Grüsse
      Cornelia Huber
      • user
        Meier Pirmin 12.07.2025 um 11:08
        Da bin ich Ihnen für Ihr überzeugtes und wie ich annehme glaubwürdiges Engagement sehr dankbar. Ist auch ein Grund, warum ich mich betr. Kritik am System der Landeskirchen zurückhalte, wiewohl ich diesem System schon 1975 bei der Debatte um Kirche und Staat die langfristige Nachhaltigkeit absprach, mit meiner Kritik im AG Verfassungsrat immerhin das kritiklose Durchwinken verhinderte und eine ernsthafte Grundsatzdiskussion ermöglichte. Was Ihre Arbeit betrifft: beschäftige mich schon seit rund 60 Jahren mit einheimischen Heiligen und Seligen sowie aus Überzeugung mit Volksfrömmigkeit. In diesem Sinn würde ich mich auf gelegentlichen Kontakten mit noch engagierten Gläubigen wie Sie freuen. Als Student pflegte ich noch intensiven Kontakt mit dem von Haus aus reformierten Heiligenbiografen Pfarrer Walter Nigg, der Ihnen mutmasslich noch ein Begriff sein dürfte.
  • user
    Hansjörg 11.07.2025 um 15:49
    Weihbischof em. Marian Eleganti kann nicht aus seiner Haut schlüpfen. Noch immer geht er davon aus, dass Kleriker die Hirten und alle Gläubigen die Schafe sind.
    Und ja, wenn die kath. Kirche auch in unseren Breitegraden eine Zukunft haben will braucht es Reformen. Frauen müssen einbezogen, und nicht mehr als Menschen mit weniger Rechten behandelt werden.
    Und ja, Herr Bischof em. in der heutigen Zeit kann der Lehrer manchmal auch vom Schüler lernen, die Zeiten ändern sich.
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      Joseph Laurentin 11.07.2025 um 19:40
      Lieber Hansjörg, deine Antwort auf Bischof Eleganti zeigt ein grundlegendes Missverständnis katholischer Lehre. Das Bild vom Hirten und den Schafen stammt von Christus selbst – wer es verspottet, verspottet das Evangelium. Du forderst Reformen, meinst aber in Wahrheit Brüche: Frauenpriestertum, flache Hierarchien, Aufhebung des Weiheamtes. Das ist keine Erneuerung, sondern Protestantismus im katholischen Gewand. Wenn du glaubst, dass sich mit der Zeit auch die Wahrheit ändern müsse, verwechselst du die Kirche mit einem Parteitag. In der katholischen Kirche wird Wahrheit nicht abgestimmt, sondern empfangen und treu weitergegeben. Wenn dir das sakramentale, hierarchische Wesen der Kirche so fern ist – warum wirst du nicht einfach Protestant? Dort findest du alles, was du willst – und leere Kirchen.
      • user
        Daniel Erni 12.07.2025 um 08:01
        Danke , Joseph Laurentin, Sie haben mein Empfinden wunderbar und unmissverständlich ausgesprochen !
      • user
        Hansjörg 12.07.2025 um 13:10
        Lieber Lauretin, da stimme ich Ihnen vollständig zu: Alle Religionen haben die Wahrheit für sich gepachtet.
  • user
    Claudio Tessari 11.07.2025 um 13:58
    Vergelts Gott für den Rufer in der Wüste.