Apsisfenster mit dem Heiligen Geist. (Bild: Roland Graf/swiss-cath.ch)

Weltkirche

Tau­ben, Bie­nen, Ele­fan­ten, Adler – und ein Löwe auf dem Papstthron

Es müsste im Peters­dom aus allen Win­keln wie­hern, sum­men, gur­ren, fau­chen und brül­len. Denn die Basi­lika ist ein regel­rech­ter Zoo. Seine Tiere woh­nen auf päpst­li­chen Wap­pen, auf Mosai­ken mit mytho­lo­gi­schen und bib­li­schen Moti­ven oder als Zierde auf Säu­len und Portalen.

Für viel Bienensummen sorgte schon Papst Urban VIII. (1623–1644), mit bürgerlichem Namen Maffeo Barberini, der Gian Lorenzo Bernini den Auftrag für den riesigen Baldachin über dem Petrusgrab erteilte. Diesen verzierte der Künstler mit zahlreichen Bienen, den Wappentieren des Papstes.

Dabei müsste der Baldachin mit banalen Stechfliegen bevölkert sein, erklärt der Kunsthistoriker Martin Raspe von der deutschen Biblioteca Hertziana in Rom. Denn Papst Urbans Familie hiess eigentlich Tafani, auf Deutsch: Bremen. Doch die Tafani entschieden, sich lieber nach ihrem toskanischen Heimatort Barberino Val d'Elsa zu benennen. Fortan verdrängten edle Bienen die schnöden Bremen vom Wappen.

Den reinsten Taubenschlag machte Innozenz X. (1644–1655) aus dem Petersdom. Seit 1650 sitzen Tauben an sämtlichen Pfeilern des Mittelschiffs, im Schnabel einen Ölzweig. Diesen brachte die Taube laut biblischer Erzählung zur Arche Noah zurück – als Zeichen dafür, dass die Sintflut überstanden war und Gott den Menschen Versöhnung anbot.

Papst Innozenz nutzte das Friedenssymbol in seinem Wappen gleich doppelt: zur Allegorisierung seines Namens und damit zur Bestätigung seiner Berechtigung als Stellvertreter Christi auf Erden. Innozenz heisst «der Unschuldige», passend zur Taube, die durch ihre weisse Farbe und Friedfertigkeit die Unschuld verkörpert.

Als Symbol für den Heiligen Geist tritt die Taube in Kirchen nur vereinzelt auf. Im Petersdom ist sie an der Innenseite des Bernini-Baldachins sowie auf dem berühmten Apsis-Fenster zu sehen, jeweils mit ausgebreiteten Flügeln.

Putziger Drache für Gregor XIII.
Gefährlich wirken dagegen die Wappentiere von Paul V. (1605–1621): Adler und Drache prangen prominent über der Fassade des Petersdoms, die er erbauen liess. Auch der Papst der Kalenderreform, Gregor XIII. (1572–1585), trug den Drachen im Familienwappen. Doch auf seinem Grabmal im rechten Seitenschiff wirkt das Fabelwesen fast putzig, trotz Krallenpfote und aufgerissenem Maul.

Auch die christliche Ikonografie bringt viele Tiere in die Basilika. So thront das «Lamm Gottes», Zeichen für Jesus Christus, als Skulptur in der Taufkapelle im linken Seitenschiff. Und die vier Evangelisten sind auf den runden Mosaiken in den Zwickeln der Hauptkuppel traditionsgemäss mit geflügelten Wesen dargestellt: Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler, während an der Seite des Matthäus ein Mensch steht.

Hoch hinaufschauen muss auch, wer die Tierdarstellungen in den Kuppelzwickeln über der Taufkapelle betrachten will. Die Mosaiken von 1723 zeigen Allegorien der damals bekannten vier Kontinente: die gekrönte Europa mit Schlachtross, die Asia mit Kamel, die America mit einem Jaguar, und die Africa mit einem niedlichen Elefanten.
 


Auch moderne Darstellungen
Eines der wenigen modernen Kunstwerke zeigt Papst Johannes XXIII. (1958–1963) mit vielen Menschen. Doch auf Emilio Grecos Bronze-Relief von 1970 im linken Seitenschiff ist die einzige Figur, die den Papst voll Vertrauen ansieht, ein abgemagerter Hund: Symbol der nach Gerechtigkeit, Liebe und Frieden hungernden Menschheit.

Ebenfalls zu Ehren von Johannes XXIII. schuf Giacomo Manzù 1964 die praktisch immer geschlossene «Porta della Morte» ganz links am Petersdom. Das «Portal des Todes» zeigt symbolisch viele Tiere, die das Licht scheuen, darunter Tintenfische, Krebse, Igel und sogar eine Schildkröte, die eine Schlange beisst – Manzùs leise Aussage: Das Leben wehrt sich gegen den Tod.

Raubkatzen in der Papstbasilika
Innozenz XI. (1676–1689) ist einer der Päpste, die zur Verbreitung des «Königs der Tiere» beitrugen: Sein Grabmal im linken Seitenschiff wird getragen von zwei bronzenen Löwen. Auch das Monument für Clemens XIII. (1758–1769) nahe den Beichtstühlen am rechten Querschiff wird von zwei Löwen bewacht.

Aber wie passen diese Raubtiere zum Papsttum? «Einerseits steht der Löwe für Adel und Königtum, was im Petersdom nicht so passend scheint», erläutert Kunsthistoriker Raspe. «Andererseits symbolisiert er die Macht und Souveränität des Kirchenstaats, dessen Herrscher der Papst damals war.»

Schon der 14. Löwe auf dem Stuhl Petri ist Papst Leo – lateinisch für «Löwe». Der am 8. Mai 2025 gewählte Pontifex bezieht sich mit seinem Namen jedoch nicht auf das Raubtier, sondern ausdrücklich auf den «Sozialpapst» Leo XIII. (1878–1903).

Pferde finden sich in der Vorhalle der Papst-Basilika: rechter Hand Berninis Reiterstandbild des Kaisers Konstantin, links dasjenige Karls des Grossen. Sie müssen draussen bleiben.


KNA/Redaktion


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Bemerkungen :

  • Johanna-Jessica OFS 06.02.2026 um 20:02
    Der Sonnengesang des Hl. Franz von Assisi ist inzwischen 800 Jahre alt und das wohl älteste, erhaltene Beispiel ital. Literatur, welches die Herrlichkeit Gottes in Seiner Schöpfung erkennt und lobpreist. Und ähnlich ergeht es mir in traditionellen, reich geschmückten Kirchen, in denen ich den HERRN förmlich verherrlicht spüre.

    Ich erinnere mich an unsere Abschlussreise im Seniorjahr 2006, nach Paris. Ich war 16 Jahre alt und der Inbegriff einer launischen Jugendlichen. Perpektivlos und ohne Antrieb, gleichzeitig emotional überbrodelnd. Zu still und doch zu laut. Einsam. Unverstanden. Und ich steckte, seit meinem 11. Lebensjahr, leider bereits tief in der Esoterik fest, den Satan ist gerissen... Ich fühlte mich unserer Hl. Mutter Kirche damals sehr fern.

    Dennoch schenkte mir die Schulbibliothek damals, für die TGV-Reise, ein ausgemustertes Comicbuch, welches Jeanne d'Arc behandelte. Diese Heilige hat mich nie mehr los gelassen. Die Verwandtschaft meiner Mutter stammt aus Frankreich. Und als ich auf dem Vorplatz der Kirche von Notre-Dame sass, auf einer steinernen Mauer, da hüpften mir die Tauben, gesellschaftlich als "Stadtratten" oft so verkannt, förmlich auf die Arme, zutraulich gurrend. Und genau da spürte ich den himmlischen Odem, welches mir erst viel, viel später klar wurde...
    Ich spüre diesen Moment immer noch, tief in meinem Herzen verankert. Heute ist der Kirchenkater, der mir oft stundenlang(!) bei stiller Andacht treu Gesellschaft leistet, einer meiner engsten Gefährten.
  • user
    Stefan Fleischer 06.02.2026 um 10:13
    Zur Aufheiterung
    In meinen jungen Jahren hatte ich einmal die Gelegenheit eine Führung im Basler Radiostudio (Fernsehen gab es damals noch nicht) mitzuerleben. Der Führer erzählte auch ein paar Müsterchen von Anrufen von Hörern. Und diese fasste er zusammen mi dem Spruch: "Ja, wissen Sie, unser Herrgott hat halt einen grossen Zolli."