Bei der ersten Etappe seiner Afrika-Reise in Algerien wird sich der Papst, selbst Mitglied des Augustinerordens, auf die Spuren des heiligen Augustinus (353–430), Bischof von Hippo (heute Annaba), begeben. Auf dem Programm stehen auch Treffen mit Staatspräsident Abdelmadjid Tebboune und ein Besuch der Grossen Moschee von Algier, eine der grössten Gebetsstätten der Welt.
Einer, der mit besonderer Spannung auf diesen Moment gewartet hat, ist der Tessiner Laienmissionar Maurizio Balestra. Seit vier Jahren lebt der pensionierte Lehrer für Philosophie und Geschichte am Collegio Papio in Ascona in der algerischen Hauptstadt Algier. Er folgte dem Ruf des damaligen Erzbischofs von Algier, Paul Desfarges. Dieser hatte die Vereinigung der Laienmissionare «Memores Domini» (die aus der Bewegung «Comunione e Liberazione» hervorgegangen ist und der Maurizio Balestra angehört) gebeten, in der algerischen Hauptstadt ein «Haus» zu eröffnen, um der lokalen Kirche bei administrativen Aufgaben unter die Arme zu greifen.
Anstatt seinen wohlverdienten Ruhestand im mondänen Lugano zu geniessen, packte der 72-Jährige seine Koffer und fing in Algerien ein neues Leben an, gemeinsam mit zwei Italienern. Er spricht meist Französisch und geht nicht davon aus, dass er in seinem Alter noch die arabische Sprache beherrschen wird, obwohl er sich Mühe gibt. Zu seinen Aufgaben gehören die Betreuung der kirchlichen Bibliothek sowie christlicher Häftlinge in Gefängnissen. Zudem erteilt er Nachhilfeunterricht für Studierende, von denen viele aus Ländern südlich der Sahara kommen.
Die algerische katholische Gemeinde mit ihren rund 9000 meist ausländischen Mitgliedern ist eine winzige Minderheit in dem muslimischen Land mit etwa 48 Millionen Einwohnern. Aktives Missionieren ist verboten. Für Maurizio Balestra liegt darin aber eine Chance, denn «auf diese Weise kommt man auf den Ursprung des Christentums zurück, indem man die Menschen die bedingungslose Liebe Christi zu allen spüren lässt». Er sei aber «beeindruckt von der Religiosität und der menschlichen Feinfühligkeit so vieler Menschen hier».
Muslime in der Basilika
Die drei Memores Domini wohnen bei der Basilika Notre Dame d’Afrique aus der Kolonialzeit, die täglich von durchschnittlich 300 Menschen besucht wird. Die Mehrheit von ihnen sind laut Maurizio Balestra algerische Muslime. «Sie kommen teils aus positiver Neugier, um eine christlich-katholische Kirche kennenzulernen, aber auch aus der Verehrung heraus, die sie für die Muttergottes hegen, weil sie Jesus als grossen Propheten betrachten, ohne ihn als Gott anzuerkennen. Es gibt Muslime, die Kerzen anzünden und die Muttergottes bitten, für sie bei Gott Fürsprache einzulegen, um eine Gnade zu erlangen.»
Er widmet einen Tag pro Woche dem Empfang von Menschen in der Kirche und kommt mit ihnen ins Gespräch. «Die meisten muslimischen Besucher sind beeindruckt von der Schönheit des Innenraums mit seinem Licht und den Fresken, von dem Gefühl des Friedens, das man dort erlebt, und insbesondere von der Inschrift, die dort prangt: ‹Notre Dame d’Afrique, bitte für uns und für die Muslime.› Viele äussern den Wunsch nach einer Begegnung mit Christen im Geiste des Dialogs und des gegenseitigen Respekts.»
Moralische Autorität
In der chaotischen Stadt Algier nimmt man vor allem die Sicherheitsvorkehrungen für den hohen Besuch wahr. Während die Christen, ob katholisch oder evangelisch, hohe Erwartungen an den Papstbesuch haben, sei es angesichts der komplexen und vielfältigen Realität schwierig, Verallgemeinerungen über die Gedanken der Bevölkerung anzustellen, so Maurizio Balestra.
«Mir scheint jedoch, dass viele den Papst nicht als Mächtigen unter Mächtigen empfinden, sondern als einen Mann mit grosser moralischer und religiöser Autorität, der daran arbeitet, Brücken zwischen verschiedenen Religionen und Kulturen zu bauen, und dabei diese Vielfalt respektiert. Die algerischen Kreise, die unserer Realität und der Präsenz von Christen am nächsten stehen, blicken mit Erwartung und Hoffnung auf die Ankunft des Papstes und sagen uns dies oft. Natürlich wissen wir, dass es auch Kreise gibt, die anders denken, und die schrecklichen Ereignisse der 90er-Jahre erinnern uns daran.»
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