Im Interview mit «swiss-cath.ch» gibt Gottfried Locher Einblick in die Entstehung des speziellen Adventskalenders und erzählt, warum er eines Tages «Weihnachtsgüetzi» im Briefkasten fand.
Sie bieten auch dieses Jahr wieder einen speziellen Adventskalender an: einen künstlerisch gestalteten Adventskalender zum Aufstellen, kombiniert mit 3-Minuten-Videos für jeden Tag. Wie ist die Idee dazu entstanden?
Wir hatten genug von all den kommerziellen Adventskalendern, die es heute gibt. Schokolade, Geschenkgutscheine, Werbung – alles ist drin, nur kein «Advent», kein adventus domini, keine Ankunft des Herrn. Wir wollten Gegensteuer geben; unser Kalender bietet «Christentum für Durchschnittschristen». Also für Menschen, die vielleicht mal getauft wurden, aber kaum mehr einen Bezug zur Kirche haben. Unser Kalender ist nicht besonders fromm, aber verlässlich christlich.
Lassen Sie sich von einem «roten Faden» leiten oder sind die Gedanken zu den einzelnen Tagen ganz unterschiedlich?
Der rote Faden ist die Tradition. Davon wählen wir aus, was wir übersetzen können in unsere weitgehend säkularisierte Welt hinein. Die Zuschauer bekommen von diesem Übersetzungsprozess wenig mit. Sie sehen Bilder und Videos, die ihnen vielleicht dabei helfen, besser zu leben und besser zu sterben. Christliche Lebensweisheit aus allen Jahrhunderten. Darum hat jedes Kalenderbild auch einen sogenannten «Tagestipp» zum Mitnehmen in den Alltag. Einige sammeln diese Tagestipps für das ganze Jahr.
Wen hatten Sie vor Augen, als Sie die einzelnen Beiträge vorbereitet haben? Gibt es ein bestimmtes Zielpublikum?
Wir suchen Menschen mit wachem Geist und offenen Augen. Dabei ist es uns egal, was jemand glaubt oder nicht glaubt. Wir sprechen christlich mit allen, die hinhören wollen. Wer sich für Kunst, Kultur, Philosophie und Religion interessiert, findet bestimmt etwas Passendes in unserem Kalender. Man muss nicht studiert sein, um folgen zu können – Lebenserfahrung ist wichtiger.
Wie war das Echo auf den letztjährigen Adventskalender?
Das Echo war so erfreulich, dass wir uns diese «Übung» noch einmal angetan haben. Der Aufwand ist gross, zeitlich, kreativ und finanziell. Eine Künstlerin hat uns das Bild gemalt (Zytglogge-Turm in Bern), eine Spezialdruckerei hat die erstklassige Verarbeitung zustande gebracht, für jeden Tag musste ein Skript geschrieben werden, und nun sind wir daran, die Videos fertigzustellen. Grosser Aufwand, aber offenbar auch grosses Interesse: Jedes Jahr wurden doppelt so viele Kalender bestellt wie im Vorjahr. Mittlerweile sind wir ein Team in der Schweiz und in Deutschland, das dieses Projekt betreut.
Kommentare sind erwünscht. Welches war für Sie die bisher spannendste oder witzigste oder berührendste Reaktion?
Wir hatten ein Kalenderfenster zum Thema «Weihnachtsgüetzi» (Weihnachtskekse). Das hat offenbar zum Selberbacken animiert. Jedenfalls lag zwei Tage später eine Lieferung duftender Weihnachtsgüetzis mit einem netten Kärtchen im Briefkasten.
Dr. Gottfried Locher ist Theologe und war von 2011 bis 2020 Präsident der «Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz». Er unterhält die Webseite sonntagswort.com
Informationen zum Adventskalender sowie das entsprechende Bestellformular finden sich hier
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